Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

800 Euro für 46 Quadratmeter

Hadmut
10.4.2019 19:19

Über Miethöhen.

Die BZ schreibt, dass sich ein Berliner Bezirksbürgermeister darüber empört, dass der schwedische Großvermieter Akelius für eine 46 Quadratmeter-Wohnung „Erstbezug nach Sanierung” 800 Euro kalt verlangt.

Das ist deftig, 17,40 pro Quadratmeter.

Es verkennt aber die Schuldlage.

Noch vor 10, 15 Jahren standen in Berlin zehntausende Wohnungen leer, hat man bei der Suche nach einer Wohnung in den Datenbanken locker hunderte Angebote bekommen, die ersten drei Monate mietfrei und einen Großbildfernseher dazugeschenkt. Allerdings gab es damals in Berlin außer für Politiker, Journalisten und Handwerker keine Jobs. Damals wurden einem die Wohnungen fast geschenkt hinterhergeworfen.

Die Frage ist meines Erachtens nicht, ob der Vermieter zu hohe Mieten nimmt – irgendjemand wird die Wohnung nehmen und für alle anderen, die sie nicht bekommen, ist es eigentlich egal, was sie kostet – sondern wer den Markt so kaputt gemacht hat, dass solche Mieten gezahlt werden.

Und das sind nicht die Vermieter, das sind die Politiker.

Man hat nicht nur immer mehr Leute nach Berlin gepumpt, mehr als Wohnungen da waren, und das Fernsehen hat uns dann etwa bei den Flüchtlingszügen Leute gezeigt, die Teddybären und Blumensträuße verschenken, aber wären sie ehrlich und wahrheitsverbunden, hätten sie Leute gezeigt, die ihre Wohnungsschlüssel verschenken. Erstaunlicherweise ist nämlich jetzt keiner mehr von denen da, die damals große Willkommensschilder gemalt und Teddybären verschenkt haben, um zu erklären, dass das mit den Mieten so sein muss und Teil der Willkommenskultur ist.

Bedauerlicherweise hat man auch keine so genauen Aufzeichnungen darüber, wer damals am freien Verschenken von Wohnraum in Politik und Presse mitgewirkt hat und heute so tut, als wären es die bösen Kapitalisten gewesen.

Heißt es nicht immer, Deutschland wäre so ein reiches Land, wir müssten doch geben?

Reich an Wohnraum?

Hat man jemals denen Beschwerden zugestellt, die vom Reichsein faseln?

Vom Zustand einer Wohnung

Ich will’s mal anders ausdrücken.

Als ich hier in Berlin 2013 nach einer Wohnung gesucht habe, war ich damit ein Dreiviertel Jahr beschäftigt und habe in der Zeit so ungefähr zwischen 70 und 90 Wohnungen besichtigt. Genau kann ich es nicht sagen, ich habe nicht genau mitgezählt, sondern nur hinterher mal die Dateiordner, in denen ich mir das immer abgelegt hatte.

Etwa 10 Prozent der Wohnungen hätte ich haben wollen, habe ich aber nicht bekommen.

Etwa 90 Prozent der Wohnungen hätte ich nicht haben wollen, obwohl ich einen Teil davon sogar hätte bekommen können.

Weil viele Wohnungen in einem ganz widerlichen, verdreckten, vergammelten Zustand waren. Was wohl auch der Grund war, warum sie noch frei waren. Einmal war ich in einer, die innen wirklich toll und schön gemacht war, nagelneu, mit großer Kochinsel, schönen großen Dachfenstern, im Prinzip herrlich. Aber ab Treppenhaus eine Katastrophe, alles verdreckt, Gestank nach Kot und Urin. Man sagte, eine Wohnbaugesellschaft habe den Wohnblock gekauft und würde nun so nach und nach eine Wohnung nach der anderen renovieren, so wie sie „frei” wird. Ich habe Wohnungen gesehen, in denen das Parkett durchgefault war und in denen die Einbauküche – die auf Fotos in Ordnung ausgesehen hatte – aus aufgeweichtem, schimmelig-fauligem Pressspan bestand, bei dem die Schranktüren so weich waren, dass sie sich einem beim Öffnen entgegenwölbten. Und das in einer eigentlich wunderbaren elitären Penthouse-Wohnung. Ich fragte damals, wie man denn dazu komme, eine Wohnung in einem so vergammelten Zustand anzubieten, ob man nicht wenigenstens die Küche und die völlig verdreckten, vermoderten, verpilzten Teppichböden entfernen könnte.

Dazu erklärte man mir: Nein. Der Vermieter, eine kleinere Vermietungsfirma, die wohl ein paar Privatleuten gehörte, und der anscheinend eben das Haus gehörte, habe in den letzten 5 Jahren diese Küche und auch die Böden und Teppiche bereits dreimal ausgetauscht, weil sie hohe Fluktuation hatten und jeder Mieter die zuvor renovierte Wohnung völlig zerstört hinterlassen habe. Sie könnten und wollten einfach nicht mehr, das könnten sie sich nicht mehr leisten. Jetzt würde die Wohnung halt einfach so vermietet, wie sie ist.

Ich war in Wohnungen, die noch im Original DDR-Zustand waren, mit seltsamen dünnen Pappendeckel-Fenstern mit diesen Alu-Riegeln, die man nicht dicht bekam.

Ich war in westlichen Wohnungen im Zustand der 50er Jahre oder früher, zu denen man mir sagte, dass es dort nicht erlaubt sei, sie zu modernisieren und etwa ein Gästeklo einzubauen, damit der Wohnwert auf niedrigem Kiezniveau verbleibe.

Ich war in Wohnungen, die entsetzlich nach Zigaretten stanken, zu denen man mir sagte, dass man da halt nichts machen könnte, weil es nun mal geltendes Recht sei, dass Mieter in ihren Wohnungen beliebig rauchen können.

Ich war in einer kleinen Zweizimmerwohnung in einer ehemaligen Fabrik, nähe Bundesnachrichtendienst, in der man für diese zwar prinzipiell schöne, aber winzige Zweizimmerwohnung damals schon sowas um die 14 Euro haben wollte – ohne Keller, den hätte man separat mieten müssen. Dazu die Auflage, die Einrichtung des Vormieters per Abstandszahlung zu übernehmen, die, wie soll ich sagen, sehr mondän und modern, zweifellos sehr teuer und hochqualitativ, aber so wirklich gar nicht mein Geschmack war. So von haarwurzelerschütterndem Kitsch. Vormieter ein schwuler Araber. Ablöse so kurz unter 10.000 Euro.

Ich war in – alten und neuen – Häusern, in denen es aus dem Keller roch, als würde die Spree direkt durchfließen, weil alles feucht war und moderte.

Und dann kommt da eine schwedische Vermieterfirma und bietet eine Wohnung an, die – gemessen an diesem einen Foto – in einem neuwertigen, sauberen, ordentlichen Zustand ist, in der man sich nicht wie auf einer Müllhalde vorkommt.

Ist eigentlich schon mal irgendwer auf die Idee gekommen, nachzudenken, wie sich die Berliner Barbaren-Mentalität vieler Leute, alles zu verdrecken und vollzukacken und die Wohnungen weit übernatürlich stark abzuwohnen und zu verbrauchen, und dazu die Politik, Wohnungen schlecht und gammelig zu halten, auf den Mietmarkt auswirkt?

Dass jeder Vermieter, der eine Wohnung in gutem Zustand anbietet, einrechnen muss, dass er die Wohnung spätestens nach 10 Jahren wieder komplett renovieren muss, weil viele Berliner hausen wie die Höhlenmenschen, und genau dieser Vandalismus von der Politik gefördert wird?

Würde mich mal interessieren, welcher Anteil der Kaltmiete jeweils auf Profit, Energiesparmaßnahmen, Steuern, Vandalismusaufwand entfällt.

Warum eigentlich rechnet man Mieten oder die Fahrtkosten der öffentlichen Verkehrsmittel nie denen an, die Wohnungen und Verkehrsmittel demolieren, vollkacken und kaputt machen?

Ich hatte vor einiger Zeit schon mal geschrieben, dass mir das Verständnis dafür fehlt, dass man sich hier über hohe Mieten aufregt, die keiner mehr bezahlen könne, aber kein Wort dazu sagt, dass etwa die KFZ-Versicherung hier drastisch höher als etwa in München ist, weil hier so viele Autos abgefackelt, demoliert oder gestohlen werden. Ich habe damals beim Umzug gestaunt, wie die KFZ-Versicherung – selbes Autos, selbe Versicherung – drastisch teurer wurde. Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich habe so grob in Erinnerung, dass sie von 400 auf 7xx gestiegen war. Und das bei einem unauffälligen Auto mit niederiger Raser-Rate, wenig Diebstahl und 30 Jahre schadensfrei.

Alle schreien sie über die Miete, aber dass es vor allem linke Gruppen sind, die jeder Familie, die auf ein Auto angewiesen ist, ein mehrhundriges Loch in die Haushaltskasse reißt, was vor allem bei Fahranfängern oder Leuten, die schon Schadensfälle hatten, auch schnell auf tausend oder mehr hinauslaufen kann, sagt keiner.

Stellt Euch mal vor, die Wohnung hätte statt 800 nur 700 gekostet, dann hätte keiner was gesagt, weil das noch im oberen üblichen Bereich gelegen hätte. 100 Euro im Monat. Dass aber eine KFZ-Versicherung in Berlin wegen der Bekloppten locker mehr als 1200 Euro im Jahr über zivilisierten Gegenden liegen kann, das wird nie erwähnt.

Oder einfach mal die Frage zu stellen, wieviel eine Familie im Jahr an Fahrtkosten für öffentliche Verkehrsmittel mehr zahlen muss, weil Vandalen die Infrastruktur beschädigen oder U-Bahnen beschmieren.

Nahezu jeder, der in Berlin wohnt und einer halbwegs zivilisierten Schicht angehört, zahlt effektiv jeden Monat eine Art Barbarenabgabe von – mehr oder weniger – mehreren hundert Euro. Für die Schäden durch linke Barbaren.

Aber auf einen schwedischen Vermieter geht man los.

Wer glaubt diesen Leuten noch etwas?