Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Entgniffkung des Gniffke

Hadmut
23.3.2019 0:15

Stimmt’s oder stimmt’s nicht? Angst oder Intrige?

Die Berliner Morgenpost berichtet, dass es einen anonymen Brief über Kai Gniffke von den Tagesthemen gebe, wonach er dort ein „Klima der Angst” geschaffen habe.

Andererseits hieß es gestern bei DWDL zur Schlacht um die Nachfolge der SWR-Intendantur, in der Gniffke einer der Kanditaten ist:

In die Diskussion rund um die Nachfolge von SWR-Intendant Peter Boudgoust haben sich nun auch die Gleichstellungsbeauftragte von ARD, ZDF, DLR, DW und ORF eingemischt. Sie fordern eine weibliche Intendantin. […]

Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der ARD haben sich für eine weibliche Nachfolgerin von SWR-Intendant Peter Boudgoust ausgesprochen. Das wäre nicht weiter verwunderlich, hätten sich nicht auch die Beauftragen von ZDF, DLR, DW und ORF diesem Appell angeschlossen. Es ist äußert ungewöhnlich, dass sich Sender in die Personalangelegenheiten von anderen Unternehmen einmischen. Dennoch haben sich die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der genannten Sender auf ihrer Frühjahrskonferenz auf einen entsprechenden Appell geeinigt.

Die Forderung ist vor allem deshalb interessant, weil es derzeit mit Stefanie Schneider nur eine Frau im Rennen um die SWR-Intendanz gibt. Sie wurde zusammen mit ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke von der Findungskommission zur Wahl vorgeschlagen. Zuletzt gab es allerdings Kritik daran, weil auch andere Manager Interesse an dem Job hatten, von der Kommission aber nicht weiter berücksichtigt wurden.

Was geht das ZDF, DW, DRL und ORF an, wer beim SWR Intendant wird?

Stinkt gewaltig danach, dass man den gezielt absägt, um die Frau voranzubringen. Der Zeitpunkt ist ja nun wirklich der Brüller.

Vor allem ist der Hinweis völlig unlogisch: Denn wenn der da soviel Angst verbreitet, dann müssten sie doch gerade froh sein, wenn er Intendant beim SWR wird und sie ihn los sind. Warum also sollte jemand aus der Tagesschau-Redaktion so einen Brandbrief schreiben, damit sie ihn dann dort behalten müssen?

Zurück zum Morgenpost-Artikel:

ARD-aktuell ist die in Hamburg angesiedelte Abteilung des Senderverbunds, die „Tagesschau“, „Tagesthemen“ und „Nachtmagazin“ produziert. Auf ihre Anonymität bestehen die Briefeschreiber, weil ihr Chefredakteur Kai Gniffke „ein Klima der Angst geschaffen“ habe, wie sie schreiben.

Dann würde ich an deren Stelle doch das Maul halten und hoffen, dass er zum SWR wegbefördert wird, und das nicht durch so ein Schreiben sabotieren.

Kern des Schreibens sind aber nicht die Methoden, mit denen ein Vorgesetzter angeblich seine Mitarbeiter drangsaliert. Die Absender werfen Gniffke, was schwerer wiegt, auch vor, Gebührengelder zweckentfremdet zu haben.

Zentraler Punkt ihres Briefs ist die Abschaffung der Nachtschicht bei ARD-aktuell zu Beginn dieses Jahres. Diese Schicht, die von 21:45 bis 6 Uhr ging, sollte sicher stellen, dass die ARD-Zuschauer auch nachts mit den neuesten Nachrichten versorgt werden.

Dann müssten sie doch froh sein, wenn sie ihn loswerden. Warum also so ein Brief?

Angeblich benötigt der Chefredakteur die Mittel für die nun gestrichene Nachtschicht, „um Löcher im Dienstplan zu stopfen“, die durch „immer neue Projekte und Baustellen entstehen“ würden.

Ein ganz ähnlicher Vorwurf wird in dem Schreiben im Zusammenhang mit Tagesschau24 erhoben. Auch bei dem ARD-Nachrichtenkanal würden „redaktionelle Kapazitäten … heruntergefahren“, weil Gniffke die dafür vorgesehenen Mittel „still und heimlich längst in andere Bereiche gesteckt hat.“

Ja, interessant, aber … kontraproduktiv. Damit werden sie ihn ja nicht los.

Interessant ist übrigens der Zeitpunkt, an dem der Brief verfasst wurde. Als die „Gruppe von Redakteur*innen“ zur Feder griff, war gerade mal drei Tage bekannt, dass die Findungskommission des SWR Gniffke zu einem von zwei Kandidaten gekürt hat, die sie den Gremien des Senders als neuen Intendanten zur Wahl vorschlagen will.

Bei dieser Wahl wird mit härtesten Bandagen gekämpft. Sollten die Vorwürfe aus Hamburg in erster Linie dem Kandidaten Gniffke schaden?

Ah, ja, die sehen das auch so. Immerhin ist die Presse noch an dem Punkt, an dem sie sowas dann doch mal erwähnt.

Ich kann da keine andere plausible Erklärung sehen, als dass man da im einem Mann-Frau-Zweiervorschlag gezielt den Mann ausschalten will.