Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Warum Lohngleichheit nicht funktioniert

Hadmut
21.3.2019 21:27

Linke missachten mal wieder, was sie immer missachten: Spiel- und Entscheidungstheorie des Individuums.

Linke unterstellen ja immer, dass sich Leute gegen ihre eigenen Interessen und damit letztlich irrational verhalten, wenn man sie nur ordentlich sozialistisch erzieht und indoktriniert. Das ist ja so der zentrale Denkfehler, dass sich da irgendwelche Spinner irgendwas ausdenken, wie die Gesellschaft laufen soll, und dann glauben, die Leute würden das einfach mitspielen.

Hier gibt es gerade einen Blog-Artikel über einen hinter Paywall der Financial Times liegenden Artikel von einem Martin Sandbu, der beschreibt, warum staatliche Eingriffe in das Lohngefüge übel schiefgehen können und die Wirtschaft zerstört. Es dreht sich um die Frage, warum Autos in den USA oft mit der Hand, in Norwegen aber nur in Waschanlagen gewaschen werden. Dazu werden verschiedene Überlegungen dazu angestellt, warum man automatisiert. Der besondere Teil daran:

„The second part of the answer is wage inequality. (…) the more equal that wages are, the less point there is in paying others to carry out such tasks for you. If it takes 20 minutes to clean a car by hand, and the cost is the same as the amount you can earn in 20 minutes of work, there is little reason to outsource a task you might as well do yourself. If, however, that cost is equivalent to just minutes of your salary because the car cleaner makes so much less than you, things look very different. The demand for unskilled labour-intensive work depends on the unskilled wage relative to higher-paid labour — in other words, wage inequality — as well as relative to the cost of machines.“ – bto: Das ist ebenfalls einleuchtend und in den USA, aber auch in Norwegen, zweifellos der Fall. Aber in den USA wird viel mehr per Hand gemacht: […]

„The reasoning above explains why. Wages at the low end are higher, and the whole wage distribution more compressed, in Norway than in the US. Or to put it in broader terms, compared with the US, the Norwegian labour market rewards productivity-enhancing automation and renders unprofitable the business models that make intensive use of low-productivity labour.“ […]

„(…) it has been the conventional wisdom that inequality is the price you pay for faster growth and that high wages discourage investment and productivity. These views went a long way to legitimise the rise in inequality and the decline of unions in many western countries. […]

„The high cost of unproductive manual work and relatively cheap high-skilled labour both make companies accelerate investment and adopt new technologies quickly.

Das ist ein hochinteressanter Punkt.

Starke Gehaltsunterschiede (man könnte auch auf Staatenebene sagen: Währungswechselkurse) sorgen dafür, dass alle Befähigungsklassen am Wertschöpfungsprozess beteiligt werden. Der, der viel verdient, weil er viel kann, beauftragt den, der weniger kann und weniger kostet, sein Auto zu waschen, weil es billiger ist, als wenn er es selbst macht, weil er in derselben Zeit mehr verdienen kann.

Erzwingt man aber gleiche Löhne und Gehälter, dann wird es unsinnig, sein Auto von jemand anderem waschen zu lassen, weil man ja selbst mehr Zeit aufwenden muss, als der andere zum Autowaschen braucht, um nämlich netto das zu verdienen, was der andere brutto verdienen soll. Der Staat kassiert ja mit.

Lohngleichheit heißt, dass große Teile der Wirtschaft nicht mehr funktionieren, weil es keinen Vorteil mehr bringt, sondern im Gegenteil Nachteile, Arbeiten an andere „outzusourcen”. Warum soll ich eine Stunde arbeiten, um einen zu bezahlen, der mein Auto wäscht, wenn ich es in einer halben Stunde selbst waschen kann?

Oder anders gefragt: Warum soll man eine work-life-balancende, quereinsteigende, förder-Master-tragende, dauermaulende unterqualifizierte Frau überhaupt noch einstellen, wenn man ihr das gleiche Gehalt zahlen muss wie andere?

Oder deutlicher gefragt: Abgesehen davon, dass es sie nicht gibt und sie frei erfunden wäre: Wäre eine Gehaltslücke von 21% nicht ein zentraler Grund für Unternehmen, mehr Frauen einzustellen? Warum soll man Frauen einstellen, wenn sie genausoviel kosten, aber mit einer Menge Risiken daherkommen?

Deshalb geht der Druck Richtung Automatisierung. Und es scheint, als wüssten das ein paar wenige Linke ganz oben, deshalb reden die ständig von Arbeitsplatzverlust und Maschinen. Der Grund dafür dürfte eher in deren Lohnpolitik liegen.

In Norwegen kann man wieder sein Auto von Hand waschen lassen:

„There is a coda to the story about the car wash. Around the time I had that lunch chat, manual car washes began appearing in Norway again. Suddenly it became possible to have your car cleaned by hand — to be precise, by the hands of immigrant workers — and, at times, at a cut-rate price. It goes to show that it is possible to regress from a high-productivity, high-wage labour market to a low-productivity, low-wage one if policymakers do not watch out.“

Linke Politik führt also dazu, dass die Mittelschicht nicht mehr viel zu arbeiten hat und die Arbeit zwischen Billig-Migranten und Robotern hin- und herschwingt.

Genau dazu passt übrigens, dass man zwar ständig über Wohnungsmangel klagt, den Wohungsbau aber faktisch erwürgt. Die WELT schreibt dazu:

Fast 70 Prozent von 1600 befragten Immobilienunternehmen, die für rund die Hälfte des bundesweiten Wohnungsbaus stehen, beklagten, dass sich die Rahmenbedingungen für den Neubau im vergangenen Jahr weiter verschlechtert haben. Schon jetzt ist es für Ibel keine Frage, dass die Ziele der Bundesregierung nicht mehr zu schaffen sind.

Sie hatte auf dem Wohnungsgipfel im September 2018 beschlossen, dass in vier Jahren bis zu 1,5 Millionen gebaut werden sollen. Doch die angestrebten 375.000 neuen Wohnungen pro Jahr blieben unerreichbar, weil das einen jährlichen Anstieg der Baufertigstellungen um 50 Prozent erfordern würde, so Ibel. Mehr als die im Vorjahr erreichten gut 250.000 Wohnungen seien aber nicht drin. Und aufgrund der hohen Erstellungskosten betreffe dies vor allem den Neubau im bezahlbaren Segment.

Das Problem: Auch in den kommenden Jahren lägen diese Ziele in unerreichbarer Ferne. Zum Beispiel weil der Fachkräftemangel größer wird. „Der wird noch dadurch verschärft, dass wir durch den Anstieg der bauordnungsrechtlichen Vorgaben immer mehr Experten benötigen“, so Ibel.

Wenn Bauunternehmen schon händeringend nach Fachkräften suchen, dürften es private Bauherren noch viel schwerer haben, bezahlbare Handwerker zu finden, die für sie den Trockenbau erledigen, die Strippen ziehen oder die Heizung einbauen. Die Knappheit ziehe sich durch alle Bereiche auf dem Bau, sagt Andreas Schulten, Generalbevollmächtigter der Berliner Immobilienforschungsgesellschaft Bulwiengesa, die zusammen mit dem BFW für die Konjunkturumfrage in der Bauindustrie verantwortlich ist.

Und jetzt der Brüller: Wir können keine Wohnungen bauen, weil wir dazu günstige Fachkräfte importieren müssten. Wir bräuchten das aber besonders in den Großstädten, und gerade da kommen sie nicht hin, weil ihnen das Wohnen dazu teuer ist. Fachbegriff deadlock.

Polnische Fachkräfte wären beliebt, aber die gehen lieber nach England.

Fachkräfte aus „weiter entfernten Regionen und Nordafrika“ seien gefragt.

Also ob die noch die deutschen Bauvorschriften einhalten könnten.