Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Spätestens 1943 wussten die Deutschen…

Hadmut
31.1.2019 23:32

Der Historiker Saul Friedländer sprach heute im Bundestag anlässlich der Gedenkfeier zum 74. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.

Dabei sagte er unter anderem:

Spätestens 1943 wussten Millionen Deutsche, was geschah.

Das ist ja das, was meine Großmutter bei unserem Gespräch in ihrer Küche gesagt hatte und was ich hier im Blog schon früher beschrieben habe.

Sie sagte mir damals, „ab der Hälfte der Zeit” habe jeder Bescheid gewusst, was läuft.

Ich hatte damals nicht nachgefragt, was sie mit „Hälfte der Zeit” meint, und angenommen, Hälfte zwischen 1933 und 1945, aber das konnte nicht stimmen. In der Diskussion mit Lesern des Blogs (damals hatte ich Kommentare noch erlaubt), die ebenfalls ähnliche Aussagen von ihren Eltern und Großeltern gehört hatten, kamen wir zu dem Ergebnis, dass sie die Hälfte zwischen 1939 und 1945 gemeint haben muss. Also etwa 1942.

Es stimmt also sehr genau mit dem überein, was Friedländer sagte.

Was ich sie aber gefragt hatte, war, woher man das wusste.

Sie sagte, und mein Großvater bestätigte das auch, dass man auf den offiziellen Kanälen wie Zeitung und Radio nichts davon erfahren hat. Alles nur ganz toll und wunderbar und schön und gut und siegreich. Rundfunk und Presse der Nazis war der unseren heute nicht unähnlich: Man blendete aus, was nicht Mainstream und Regierungsposition entspricht. Viele der heutigen Journalisten hätten unter den Nazis beste Karriere gemacht.

Woher man es dann gewusst habe, fragte ich sie damals. Das habe sich doch herumgesprochen, meinte sie, mit einem etwas verständnislosen Ton. Damals haben die Leute noch miteinander geredet. Sie sagte, dass in den Konzentrationslagern ja nicht nur diese oberen Dienstgrade waren, sondern auch junge Männer, die zwangsweise in die Wehrmacht eingezogen worden waren und dort Dienst zu leisten hatten. Die hatten auch Heimaturlaub und haben das brühwarm erzählt. Die saßen dann damals in der Dorfkneipe, den damaligen Social Media, haben versucht, sich zu besaufen, um überhaupt noch zur Ruhe zu kommen, und haben sich das da alles von der Seele geredet, was sie dort gesehen hatten, und die Leute aus dem Dorf saßen drumherum und habe sich das entsetzt angehört. In fast jedem Dorf habe es solche Leute gegeben, und gerade in Ermangelung anderer Informationsquellen waren die Leute natürlich hochgradig mündlich vernetzt. Die Leute kannten sich ja noch. Deshalb kann das auch nicht, wie manche behaupten wollen, Propaganda der Allierten gewesen sein. Man hat das aus erster Hand von Leuten, die man aus der Nachbarschaft seit Jahren kannte, erfahren, die das selbst als Soldaten in den Konzentrationslagern erlebt hatten.

Was sie allerdings auch sagte: Da war’s zu spät.

Da hatte schon jeder Tote, Gefallene in der Familie, da war längst Krieg, da war jeder voll damit beschäftigt, selbst am Leben zu bleiben. Und da hat sich auch keiner mehr getraut, etwas zu sagen. Das hätte man nicht überlebt. Man war entsetzt. Aber man war damals dauernd entsetzt. Man sollte deshalb nicht den Fehler machen, die heutigen Lebensumstände als Maßstab anzulegen.

Wenn aber schon heute viele der Toleranten und Gerechten nur hinter Tarnadressen, Pseudonymen und anonym sprechen und selbst professionelle Fernsehjournalisten ihr Impressum geheim halten, wie können sie sich dann als „Antifaschisten” aufspielen und so tun, als würden sie gegen Nazis kämpfen?

Viele der heutigen Nazi-Bekämpfer haben nur so lange eine große Klappe, wie sie harmlose Leute als Nazis titulieren können, um sich als Nazi-Jäger aufzuspielen, indem sie einfach so tun, als wären da Nazis. Die heutigen Nazi-Bekämpfer sind ungefähr so wie Kinder, die Cowboy und Indianer spielen.

Wer sich schon heute unter unseren (noch) extremen Friedenszeiten und der Gefahr, mit Wattebällchen beworfen zu werden, hinter Pseudonymen, Anonymität, Falschnamen, oder dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Adresse versteckt, der hätte damals ganz sicher das Maul nicht aufgekriegt, und hätte sich entweder im hintersten Keller versteckt oder wäre opportunistisch Mitläufer und Profiteur gewesen. Viele der ach so mutigen „Antifaschisten” sind nichts anderes als Zeitgeistmitläufer.

Die Leute, die heute auf dem Niveau von Rummelplatz-Cowboys so tun, als wären sie die großen Nazi-Bekämpfer, hätten damals vor den echten Nazis keinen Ton rausbekommen.

Aber man kann halt leicht so tun als ob, solange der Gegner nicht anwesend ist und man nur Passanten als Nazis ausgibt um sich welche einzubilden.