Ansichten eines Informatikers

Fernsehserie Holocaust

Hadmut
9.1.2019 1:01

Gerade die Gelegenheit, das zu sehen.

In meiner Jugend gab es zwei Fernsehserien über historische Verbrechen, über deren Qualität man sich selbst nach damaligen Maßstäben streiten konnte, die aber beide zu enormen öffentlichen Diskussionen führten, weil sie nach langem Schweigen und Verdrängen schon so die ersten Serien moderner Filmtechnik waren, die diese Themen mit modernen Mitteln aufgriffen: Roots (über die Sklaven in den Vereinigten Staaten) und Holocaust. Ziemlich hölzern, die Filmtechnik der 70er Jahre war eben nach heutigen Maßstäben darstellerisch und dramaturgisch einfach Frühzeitlich, und die Filmtechnik eben noch lange nicht digital und so. Man kann sich drüber streiten, ob die beiden Serien mehr über Sklavenzeit und Holocaust oder über den Filmstil und die öffentliche Diskussion der 70er sagen.

Einige der ARD-Sender wiederholen diese Woche die Serie Holocaust. Für einige wenige Tage sind die Sendungen (ungewöhnlich) in der Mediathek von WDR und NDR zu finden.

Wer sich dafür interessiert und vor dem Filmstil der 70er Jahre nicht zurückschreckt, der kann sich die anschauen und sie als Zeitdokument (auch über die 70er) hernehmen.

Beiden Serien muss man jedenfalls zurechnen, dass sie nach langem Schweigen die Themen ins Bewusstsein gebracht und eine Diskussion eröffnet haben.

Bei Holocaust sollte man außerdem berücksichtigen, dass die Serie von 1978 ist und damit etwa 30 Jahre nach Ende des Krieges entstanden ist. Ich bin 1966 geboren, also etwa 20 Jahre nach dem Krieg, und ich kann mich noch gut erinnern, als Kind bis in die 70er Jahre noch viele Spuren des Krieges gesehen zu haben, Bunker, Bombenschäden, und dergleichen, auch viele Gebäude, die (wir mir später klar wurde, als Kind nicht so sehr) noch diesen Baustil darstellten. Und in der noch viele Leute lebten und noch in der Öffentlichkeit standen, die die Nazizeit miterlebt oder sogar selbst welche gewesen waren. Das war ein Thema, was man nicht ansprach. Und gerade, als man die Bauschäden so halbwegs behoben und wieder in eine Normalität eingetreten war, und das Thema immer schön übergangen und nicht so angesprochen hatte, platzte diese Fernsehserie in die Wohnzimmer. Egal, ob man sie gut oder schlecht, exakt oder erfunden findet, ein Zeitdokument über die 70er und die Wirkung damals ist sie auf jeden Fall. Allein schon deshalb, weil zu einer Zeit gedreht, als viele der Überlebenden eben noch am Leben waren. Die Gelegenheit hat man nun, da mal reinzuschauen.