Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Rotorua

Hadmut
8.11.2018 12:26

Was ist das?

Stinkt nach faulen Eiern, wirkt an manchen Stellen etwas künstlich, kann kochen, kocht auch, macht aber ziemlich Spaß und ist immer einen Besuch wert?

Rotorua natürlich. Die Stadt mittendrin, Zwei Hauptattraktionen gibt es hier, Maori und Vulkanismus/Geothermie. Und natürlich gehört beides eng zusammen. Ich war zwar 2002 schon mal ganz kurz und 2010 etwas länger hier, aber hier komme ich auch gerne ein drittes Mal her

Auffallend ist hier natürlich, dass es an vielen Ecken aus dem Boden dampft und faucht und zischt und nach Schwefel und faulen Eiern riecht, weil es hier unzählige Löcher im Boden gibt, die direkt zu geothermischen Aktivitäten im Boden führen. Man kann sich mitten in der Stadt diese Mud Pools ansehen (und hören und riechen) an denen es blubbert, und sie haben auch noch eine polynesische Badeanstalt. Dauerleser meines Blogs werden wissen, dass ich gelegentlich schon mal erwähnt hatte, dass ich hier in einer Badeanstalt mal einen aus Kanada getroffen habe, der sagte, dass er Kanada über alles liebt, und es das beste Land überhaupt sei, aber im Winter einfach zu kalt, weshalb er immer hier überwintert. Das war in diesem Spa – Baden in Schwefelquellen, im Prinzip wie die Maori, soll alles mögliche heilen und gut für die Haut sein.

Als ich das letzte Mal vor acht Jahren hier war, war ich noch zu einem Flohmarkt gefahren, und hatte von dort eine Straße gesehen, in der normale Häuser mit normalen Gärten an einer normalen Straße liegen, bürgerliche Idylle, und dort dann aus den Straßengullis und den Vorgärten Dampf und Schwefel steigen. Sehr beindruckendes Schauspiel. Dafür war ich heute im Stadtpark, und auch dort gibt es jede Menge solcher (natürlicher!) umzäunter Mud Pools, an denen es aus der Erde heiß blubbert.

Das muss man sich klarmachen: Da blubbert mitten in der Stadt heiße Schwefelsäure (oder schweflige Säure, so genau äußern sie sich da nicht), und diese Quellen, aus denen es da blubbert, können auch über 100 Grad heiß werden, weil manche Mineralien im Wasser den Siedepunkt heben. An manchen Pools sieht man Sträucher und Gräser ins Wasser hängen, die da dann alle hellgrau und verätzt sind.

Auch jetzt im Moment riecht es, denn ich stehe zwar auf einem Camping-Platz (genauer gesagt: Powered Site, der typische Camper Van Stellplatz mit Stromanschluss, Wasser und Nutzung der Einrichtungen (Duschen, Toiletten, Küchen usw.), und keine 20 Meter von mir ist das nächste Erdloch, aus dem der schwefelschwangere Dampf pfeift.

Ich war heute noch draußen bei Hell’s Gate, einer etwa 17 km entfernten Attraktion auch mit heißen und schwefligen Quellen, nur größer und intensiver als hier in der Stadt. Ich habe natürlich auch fotografiert, aber heute hat mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, es fing nämlich an zu regnen. Was nicht nur durch die Regentropfen im Wasser die schönen Blubbermuster zerstört, sondern durch Geprassel auch die Geräusche, und – am schlimmsten – durch die hohe Luftfeuchtigkeit dafür sorgt, dass die Luft den aufsteigenden Wasserdampf nicht aunimmt und alles noch viel dampfiger, nebliger und undurchsichtiger wird. Man sieht dann irgendwann nur noch weiß.

Und dann war ich auch wieder in der Matariki-Show am Seeufer, erst Abendessen nach Maori-Art (und in deren Geo-Thermalöfen gegart) und dann eine Maori-Tanz- und -Gesangsshow. Die habe ich vor 8 Jahren schon mal gesehen und jetzt ist sie noch ein bisschen show-mäßiger und sicherlich noch unauthentischer (ich habe vorher gefragt, ob es immer noch die gleich ist, sie sagten, im Prinzip ja, aber es hat zwischendrin einen Generationswechsel gegeben, und das merkte ich etwas. Vor 8 Jahren hatte das etwas mehr kulturellen Anstrich, während es jetzt eher auf Spaß und gute Laune ausgelegt war, aber das ist ja nicht schlecht. Im Gegenteil, das machen sie richtig gut, und einer der Darsteller war sowieso das geniale Show-Talent, der alleine schon hielt den ganzen Saal am Lachen. So ganz ernst nehmen die sich auch selbst nicht mehr, aber sie haben Spaß dabei, und es war ein Riesen-Spaß. Die Musik ist richtig fetzig, die können richtig gut singen, wenngleich mir nicht alles echt vorkommt, denn ein Song ist zwar im Maori-Sound mit Maori-Text, aber hat die Melodie von „My God” (z. B. Sister Act), und da fiel mir dann auch ein, dass mir das vor 8 Jahren schon aufgefallen war. Und natürlich spannen sie das Publikum mit ein, holen es auf die Bühne. Hübsch getrennt nach Geschlecht (!). Die Damen lernen anmutige hübsche Unterhaltungstänze mit dem Schwingen der weißen Bälle, während die Männer auf Krieg getrimmt werden. Vor 8 Jahren war ich noch bei denen, die auf die Bühne kamen, und da mussten wir noch den kamate haka machen, während sich das heute doch eher auf „Be ugly” reduzierte, was vielleicht am überwiegend asiatischen Publikum lag, oder einfach der Unterhaltung geschuldet ist. Überhaupt habe ich auf dieser Reise noch keinen vollständigen Haka gesehen, während ich das letzte Mal in eine Polizeifeier platzte, wo eine Einheit Polizisten in Uniform einschließlich eines Inders mit Turban statt Polizeimütze den Haka aufführten. Aufgenommen habe ich es nicht und nur ein paar Bilder gemacht, denn ich hatte gestern bei der Anmeldung gefragt, ob das erlaubt ist, und sie sagten, nur für persönliche Zwecke, Blog sei nicht erlaubt.

Trotz des Regens und des Verbotes habe ich heute wieder viele Bilder produziert, aber herrje, mir fehlt wirklich die Zeit, sie während des Urlaubs noch zu bearbeiten und zu publizieren. Ich bin abends immer hundemüde (und so soll es im Urlaub ja auch sein), und jetzt ist es schon wieder 20 nach Mitternacht. Das Konzept, tagsüber zu urlauben und dabends drüber zu bloggen, funktioniert so nicht, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Mal sehen, wie das Wetter morgen wird, und ob ich alles, was ich hier noch vorhabe, an einem Tag schaffe.

Ich will nochmal in das Schwefelbad und ich möchte zum Maori-Dorf hier um die Ecke, vor allem zum Geisir, an dem ich das letzte Mal aus Versehen vorbeigegangen bin ohne ihn anzusehen.