Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über die Kommunikationsarmut von Informatikern, die Hamming-Distanz von Hotels, Regen in der Wüste und arabischen Bauchtanz

Hadmut
28.10.2018 22:58

Das fing alles schon so komisch an.

Also eigentlich fing es im Sommer an. Bei ARD oder ZDF. Ich saß so vor dem Rechner und bloggte so vor mich hin und hatte nebenher den Fernseher laufen, war aber zu faul, um nach dem Ende der Sendung, die ich so nebenbei hören wollte, um- oder auszuschalten. Dann kam eine Sendung, in der sie irgendwelchen Rentern eine Weltreise verpasst haben, und die dabei mal als Rennfahrer in ein Rennauto gesteckt oder eben in Dubai in die Wüste geschickt haben. Da sind dann welche auf eine dieser Wüsten-Geländewagen-Touren geschickt, von denen ich schon öfters gehört und Videos gesehen habe. Stellt Euch das nicht zu gemütlich vor, da geht’s heftig zur Sache. Ist zwar bei mir jetzt auch schon über 30 Jahre her, aber ich war bei der Bundeswehr ein ganz passabler Geländerfahrer mit meinem Iltis damals. Kurven ausdriften und so. Und dann zeigten die das so und meine leidgeprüften armen alten trüben Augen begannen kurz zu leuchten. Und dann sind die in so ein Beduinenzelt und haben da gefeiert und gut gegessen und dazu kam eine Bauchtänzerin. Tausend und eine Nacht. Da dachte ich mir: Das will ich auch. Den (vermeintlichen) Veranstalter schnell gegoogelt,gleich gebucht. Online. Mit Quadbike-Fahren. Ich bin zwar erst viermal Quadbike gefahren (2xAustralien, 1xNeuseeland, 1xDresden), aber das macht Spaß. Meistens. Also für heute gebucht. Abholung 15.00 im Hotel, deshalb habe ich auch das Hotel mit angegeben. Das wird noch von Bedeutung sein.

Neulich kam nochmal eine Mail, ich solle doch bitte gleich Hotel und Zimmernummer durchmailen, sobald ich eingecheckt habe. Und Mobilnummer.

Jetzt ist das mit der Mobilnummer so eine Sache. Kaum war ich hier, bekam ich von meinem Provider eine SMS, dass Anrufe per Roaming für sagenhaft günstige 3 Euro pro Minute zu tätigen wären, der Empfang fast ähnlich teuer. Nun kaufe ich mir zwar auf Reisen normalerweise sofort Prepaid-Karten, aber ich bin ja nur 3 Tage in Dubai. Das lohnt sich doch nicht. Außerdem bin ich ganz froh, wenn ich einfach mal gar nicht erreichbar bin und habe mein Handy kostenvermeidend auf dem Flugzeugmodus belassen, der trotzdem WLAN erlaubt. So kann ich morgens und abends bequem E-Mails lesen und habe tagsüber meine Ruhe. Eigentlich war ich davon ausgegegangen, dass es hier sowieso an jeder Ecke kostenloses WLAN gibt, und das ist es auch, etwa in den Metro-Stationen, aber kostenlos heißt noch lange nicht, dass ich das auch bekomme. Denn anonym lassen sie da keinen rein. Man braucht eine Mobilnummer aus Dubai, an die sie das Passwort zum Einloggen per SMS schicken, damit sie immer genau wissen, wer da was surft. Es gibt Dinge, die sind hier verboten. Pornographie und VPN-Tunnel, zum Beispiel. Also wird’s einfach nichts mit Mobil erreichbar, aber ich bin ja auch nicht internet-süchtig. Ich halt’s auch mal einen Tag oder zwei ohne aus. Für die Urlaubsnavigation habe ich ein Garmin Etrex mit Karten von openstreetmap, geht alles offline.

In den letzten Tagen, ich glaube, es war gestern morgen, kam wieder eine Mail. Wenn ich schon keine Telefonnummer hätte, dann müsse ich eben meine WhatsApp-Nummer angeben. Nee. Ich nix facebook und deshalb ich nix whatsapp. (wobei ich gemerkt habe, dass ich bei irgendwas einen Account habe, was sie auch aufgekauft haben.) Den Fall hatten sie noch nicht. Komische Deutsche.

Jedenfalls teilten sie mit, dass ich eben wie bestellt im Avani Hotel Deira abgeholt würde. Sie geben sich ziemlich Mühe die Leute daran zu erinnern, dass sie gefälligst abholbereit sein sollen und sie anderenfalls per Handy (oder whatsapp) erreichbar sind, weil sie pünktlich loswollen.

Die Sache hat einen Haken.

Ich logiere im Avari Hotel in Deira. Avari. Mit r. Kurze Mail hingeschickt. Keine Reaktion.

Also habe ich gestern hier mal an der Rezeption gefragt, ob das zu Verwirrung führen könne. Die Leute müssten das doch wissen. Denn als ich hier eingecheckt habe, wollte mir ein Ticket-Verkäufer, der so Concierge-mäßig mit einem Schreibtisch neben der Rezeption sitzt, eben diese Tour verkaufen. Sorry, hab ich schon gebucht. Aber: Sie kennen den Veranstalter offenbar.

Nein, sagte die Frau an der Rezeption, ein Avani-Hotel gebe es nämlich auch, auch in Deira, aber woanders. Da würden die ans falsche fahren.

Ich solle Ihr mal die Anmeldung zeigen, sie rufe da gleich an und kläre das. Handy raus (das ja im Hotel mit kostenlosem WLAN funktioniert) und gezeigt, sie schaut mich fragend an. Das sei die internationale Vorwahl von Indien. Ob das sein könne. Hätte ich die Tour in Indien gebucht? Solle sie in Indien anrufen? Äh, nein. (Später stellt sich heraus, dass sie auch eine Nummer in Dubai, aber vermutlich aus Kostengründen ihr Call-Center in Indien haben.) Ich also wieder hingemailt, es sei das Avari-Hotel. Mit r.

Da kommt dann der Informatiker durch. In der Codierungstheorie bemisst man bei Codes die Zahl der Zeichen, die man mindestens ändern (stören) muss, um von einem zulässigen Code-Wort zu einem anderen zulässigen zu gelangenj, als die Hamming-Distanz des Codes. Je länger die ist (je mehr Zeichen eines Codewortes man ändern muss, damit es wieder als fehlerfrei angesehen wird), desto robuster und fehlerresistenter ist der Code. Nehmt Euch mal einen Text in deutscher Sprache. Beispielsweise meine Blogartikel. Mache ich einen Fehler, dann merken die Leute das und schreiben mir, dass es so und so heißen muss. Weil durch einen Schreibfehler noch nicht gleich ein korrektes anderes Wort entsteht (manchmal schon, aber selten) und man erkennen kann, was das „nächste” korrekte Wort ist. Offenbar hat man das bei der Benamsung von Hotels nicht bedacht. Ein Buchstabe geändert und das Hotel ist ein anderes.

Was macht man nun mit einem halben Tag bis zur Abholung?

Ich bin dann mal losgetappt, Gegend erkunden und einen Blick auf den Herrscherpalast werfen (nur gucken, nicht fotografieren, strengstens verboten). Aber außer einem altersschwachen Holzkahn habe ich nichts entdeckt, was ich fotografieren will und darf.


Und einen Blick auf den Burj Khalifa, der alle anderen Gebäude weit, um ein mehrfaches überragt, obwohl er viel weiter weg ist (die schemenhafte Nadel rechts von der Straße). Wohlgemerkt, auf diesem Foto ist der Turm noch etwa 8 km entfernt:

Das herumlaufen in der Hitze ist anstrengend, also ließ ich mich auf ein wildes Abenteuer ein. Ich fand irgendwo ein wartendes „free shuttle”, und stieg da einfach mal ein um zu sehenj, wo es mich hinbringt. Es brachte mich – was sonst? – zu einem Einkaufszentrum. Stinklangweiliger Konsumtempel, so wie alle anderen auch.

Mittendrin quatscht mich eine an und will mir etwas verkaufen. Das ist normal, man wird hier ständig angequatscht, weil einem die Leute sowas wie „echte Rolex” oder „natürliches Viagra” (is your machine working correctly?) andrehen wollen. Die war anders. Die wollte mir eine Eigentumswohnung andrehen.

Och, fragte ich, kann man so einfach nach Dubai ziehen? (Ein Kollege von mir hatte neulich die Schnauze gestrichen voll von Deutschland, hat alles verkauft und ist nach Dubai ausgewandert.) Ja, aber es ginge ja eher um Investment. Als ob ich viel zu investieren hätte. Was soll’s denn kosten, fragte ich? Ja, äh, also Preise … dass ginge jetzt hier nicht und außerdem hänge das ja von vielem ab und … Ich sagte, sie sollen mir mal einen Beispielpreis nennen, etwa für einen neue 100-Quadratmeter-Wohnung, einfach damit man mal so einen Preisvergleich hat. Ja, also sowas hätten sie neulich mal für 400.000 Dirham angeboten (ca 100.000 Euro). 100.000 Euro für eine 100-Quadratmeter-Wohnung? Das hatte ich mir zwar teurer vorgestellt, aber es gibt hier auch entsetzliche charakterlose Massenwohnblocks für die vielen Arbeiter. Dann hockt man da in einem endlosen Wohnungsmeer irgendwo im 47. Stock. Aber: Sie hatte mir dazu eine Broschüre in die Hand gedrückt, auf der ein affengeiles neues schnlankes Designer-Hochhaus in bester Geschäftslage abgebildet war.

Ich frage nochmal: Eine 100-Quadratmeter-Wohnung in diesem Hochhaus für 100.000 Euro samt günstiger Finanzierung?

Sie druckst herum. Also … äh … also das das Hochhaus, in dem sie ihr Büro hätten, nicht die Verkaufswohnungen. Warum sie auf ihrem Verkaufsprospekt das Haus zegen, in dem sie sich eingemietet hätten und nicht die Häuser, in denen sie Wohnungen verkaufen wollen? Keine plausible Antwort. Danke.

Wie ich so weitergehe sieht der nächste, dass ich von denen noch einen Flyer in der Hand hatte, den ich auch nur zum Bloggen mitgenommen hatte. Der will mir ein Hausboot andrehen. Auf ihrer aufgeschütteten Weltkarteninsel. In „St. Petersburg”, ein Sandhaufen im Meer mit ein paar Bäumen und nem Swimming-Pool drauf, dazu ein paar Bootsstegen, an dem laut Graphik etwa 100 dieser schwimmenden Häuser festgemacht sind. Fangen bei 3000 Quadratfuß Fläche an. Der vermeintliche Brüller: Das Wohnzimmer liegt unter Wasser und ist verglast, wie ein Aquarium. Nur die Viecher sind draußen und man selbst ist drin. Abgesehen davon, dass ich nichts davon glaube, weil ich unterstelle, dass man dort nur Wasser und Sand sieht und nicht die Tier- und Farbenpracht, die sie einem da versprechen, verspricht das Ding nie endende Reinigungsarbeit, denn es wird sich auch nicht anders als ein Bootsrumpf (was es ja effektiv ist) verhalten, und damit ständig mit Algen, Muscheln und so weiter voll sein. Als ob eine Glasscheibe im Meer einfach so klar bliebe. Was soll denn der Spaß kosten? 15 Millionen Dirham. (ca. 4 Millionen Euro). Seid Ihr noch ganz dicht? Abgesehen davon, dass ich das Geld sowieso nicht habe, halte ich das für eine Schnapsidee. Für Milliardäre sicherlich, aber nicht für mich. Doch, doch, damit könnte man durch die tollen Mieten mindestens 40.000 im Jahr verdienen (ich weiß nicht mehr ob Dollar oder Dirham). Ich stelle die Mutter aller Fragen: Wenn man damit so viel verdienen könne, warum würden sie dann versuchen, diese tolle Geldquelle mir zu verkaufen, statt sie zu behalten? Naja, 40% würden sie ja auch selbst behalten, sagen sie. Wär’s die sichere Geldquelle, würden sie wohl 100% behalten. Ich kenne jemanden, der hat sich mit sowas in Dresden in die Privatinsolvenz gefahren. Und das waren solide Häuser und keine Meereshausboote, die ohne Pflegeaufwand mit Sicherheit innerhalb von 6 Monaten ausvergammeln.

Um 2 war ich wieder im Hotel. Nochmal eine Mail hingeschickt, mit r. Antwort bekommen: Der Name meines Fahrers, und seine Handy-Nummer. Ah. Lösung naht.

Geduscht, umgezogen, Zeugs gepackt. Um 3 muss ich in der Lobby sein.

Um viertel vor 3 klingelt das Telefon. Oh, die sind schon da. Ich nehme ab und höre – nichts. Hörer kaputt. Scheiße. Schnell alles zusammengstopft und runtergewetzt. Keiner da. Ich frage an der Rezeption, ob sie mich angerufen hätten. Nein. Der Rezeptionsnahe Concierge bekommt das mit und fragt, ob er mir helfen kann. Ja, ich zeige ihm die Mail mit Name und Nummer und der ruft den Fahrer an. Endlich ist geklärt, dass der in das Hotel mit r kommt. Das wäre er aber sowieso, denn da waren noch andere Leute abzuholen. Ich möge 15 Minuten warten.

Das nun wieder nutzt der andere Concierge, der Kartenverkäufer, der mir die Tour beim Einchecken schon angeboten hatte, um mir ziemlich sauer vorzuwerfen, dass ich die Tour woanders gebucht hätte, er hätte mir doch einen guten Preis gemacht. (Er bekommt fraglos Provision.) Ich sage ihm nochmal, dass ich as schon vor zwei Monaten von Deutschland aus gebucht habe. Und es einfach nicht drauf ankommen lassen wollte, hier mehr zu zahlen oder keinen Platz mehr zu bekommen. Ihm stinkts. Mir ist das egal.

Der Fahrer kommt. Holt mich und zwei Leute mir nicht ersichtlicher Nationalität ab, im nächsten Hotel steigen noch drei Inder zu.

Wir fahren also aus Dubai raus, so Richtung Wüste, und auf einmal wird das Wetter immer schlechter. Dunkler. Auf einmal regnet es. Und an seinem Scheibenwischer hängen die Fetzen runter. Er fährt an einen kleinen Laden raus, an dem wir wegen des Regens einen scarf, ein arabisches Kopftuch kaufen sollten.

Mir gehen eher die Augen als Sorge durch den Kopf. Ich hatte so eine billige Sportsonnenbrille für solche Zwecke aus dem Supermarkt, aber wegen Gewichtsüberschreitung des Gepäcks doch zuhause gelassen. Und jetzt mit der teuren Gleitsichtbrille oder ganz ohne Schutz durch Sandwüste und Regen brettern? Da muss es doch billige Sonnenbrillen geben. Muss ja nur eine Stunde halten.

Wir kommen da raus und sind sofort in einer dichten Menschenmenge. So simpel der Laden, darin ist die Hölle los. Ich komme kaum rein, da stürzt einer auf mich zu und wickelt mir ungefragt so ein Araberkopftuch um den Kopf. Hast gestern schon einer versucht, aber diesmal soll (=will) ich ja eines kaufen. Was das kosten soll. 20 Dirham will er haben. Zwar überteuert, aber geht. Gestern wollte einer 120 Dirham für eines haben, was er mir über den Kopf geworfen hatte. Auf dem Markt in Sharja kosten diese billige Qualität eher so um die 3 Dirham, Aber 20 Dirham (=5 Euro) für ein Kopftuch, das ist jetzt im Regen kein Drama. Und wenn der Fahrer sagt, wir bräuchten das für die Quadbikes und so…

Direkt daneben steht ein Ständer mit Sonnenbrillen. Billigster Plastikschrott, aber für ein paar Runden Quadbike müsste es reichen. Was die kosten sollen? 25 Dirham. (ca. 6,50 Euro). Ich nehme eine besonders hässliche. So hässlich, dass sie schon wieder wie gewollt hässlich und nicht wie nicht gekonnt aussieht. Groß, grün, passt. Dummerweise hatte ich nicht an den Füllstand meines Geldbeutels gedacht und soviel nicht mehr drin, wollte bei dem Typen aber auch nicht mit Karte bezahlen (was wohl eh nicht gegangen wäre) und fummelte also aus meinem Notfallgeldversteck meinen 200-Dirham-Schein raus.

Es kam, wie es kommen musste. Irgendwie stank die ganze Situation danach, und das war alles so überfüllt und ständig redete jemand auf mich ein (und ich sagen den Leuten in meinen Schulungen immer, dass sie sich vor genau solchen Situationen hüten sollen) und irgendwie dachte ich schon, dass ich glücklich wäre, wenn ich da mit all meinem Besitz auch wieder rauskäme. Oh, sagte er, das muss er erst wechseln gehen. Irgendwie lief der Typ schon rum wie Falschgeld. Der kommt zurück. (Die Brille kostete 25.) Er zählte mir mit großem Brimborium und so etwas überbetont, so auffällig künstlich, mein Wechselgeld in die Hand. So unsortiert, um einen zu beschäftigen. Irgendwie war mir gleich klar, was jetzt kommt und ein Blick auf das Bündel zeigte schon, dass was faul war. Er zählte mir laut aber umständlich 75 Dirham in die Hand, „Sir, Ihr Wechselgeld!”.

Ja, sagte ich, ich hätte ihm 200 und nicht 100 gegeben. Völlig ohne jede Überraschung und ohne jeden Widerstand (jeder, der glaubte, dass er einen 100er bekommen habe, hätte das erst mal geprüft) erklärt er sofort, dass er das klären werde und holt noch einen Hunderter und gibt ihn mir. Der wussste genau, dass das faul war, und wollte mich um 100 Dirham bescheißen. Und ich hab’s gemerkt.

Wieder durch die Menschenmenge durch, endlich wieder im Auto, prüfe erst mal, ob ich auch alles noch habe. Geldbeutel? Ja. Geld drin? Ja. Kamera? Ja. Handy? Ja. Als wir schon wieder auf der Autobahn sind: Verdammt. Objektivdeckel weg. Muss ich verloren haben. Egal, ich habe Ersatz im Gepäck, nur weg von dem Laden.

Ärgert mich tierisch, ich habe noch nie einen Objektivdeckel verloren.

Es regnet immer stärker. In der Wüste.

Der Fahrer verkündet, das wird nichts mehr mit der Wüstensafari. Fällt aus wegen is nich’. Mist. Wir würden also direkt zum Quadbiken fahren.

Wie, das ist woanders? Ich dachte, das wäre beisammen? Quadbike die Dünen rauf und runter, so hatte ich mir das vorgestellt.

Äh, nee.

Aber er war anscheinend auch streng gläubig, denn im Radio lief irgendwas orthodoxes, wo selbstverständlich auch der Muezzin übertragen wurde und ausgiebig sein Allahu akbar sang.

Mittlerweile kübelt’s richtig

Was für eine Situation. Ich kam mir vor wie in „Taxi Scharia” von SWR3: Ich sitze mit einem Araber, drei Indern und zwei weiß-nicht-was im Auto, fahre bei strömendem Regen durch die arabische Wüste und höre Allah-Radio. Da soll nochmal einer sagen, ich wäre nicht weltoffen…

Wir kommen an den nächsten schrecklichen Ort. So ein umzäunter Platz, davor zwei überdachte Unterstände, unter denen sich geschätzte (gefühlte) Tausend Leute drängen. Rappel-Rappel-voll. Dichtes Gedränge. Schrecklich. Obwohl ich eigentlich schon bezahlt hatte, habe ich gar keine Lust zum Quadbikefahren mehr, weil fast völlig eben, abgesperrter Rundkurs, im Kreis fahren für Anfänger. Und das im nassen Sand, wo ich jetzt schon durchnässte Klamotten habe. Und nicht weiß, wohin mit der Fototasche so lange. Eigentlich wollte ich ein schickes GoPro-Video vom Quadbiken in der Wüste machen, aber hier sieht’s bescheuert aus, alles künstlich und voll, nass und dreckig, dunkel ist es auch schon, diesiges Regenwetter und nach dem 100-Dirham-Erlebnis hatte ich so gar keine Lust, meine Kamera jemandem anzuvertrauen. Quadbiken abgesagt.


Dafür kommt einer mit einem Falken und bietet mir an, mich mit dem Falken zu fotografieren. Kostet 10 Dirham. OK. Ich brauche nicht mal einen Handschuh, der Vogel steigt ganz vorsichtig und bedächtig auf meine Hand. Ganz brav und geduldig, man kann sie ohne weiteres streicheln. Ich dachte immer, die krallen sich da voll rein.

Da war ich schon richtig nass.

Was ich nicht bedacht hatte, dass der Falkner selbst nicht fotografieren konnte und sich einfach irgendwen aus der Menge suchte. Ein Typ mit einer Billig-Canon um den Hals kam gerade vorbei, der wurde vergattert. Dem ging ersichtlich durch den Kopf, ob er nicht seine Kamera fallen lassen und mit meiner davonlaufen sollte. Mein Blick und sein Gedanke: Wir sind hier in der Wüste. Man kann hier nicht mit einer geklauten Kamera weglaufen, weil es hier einfach nichts gibt, wohin man laufen könnte, und man im Sand ohnehin nicht rennen kann. Also hat er zwei Fotos gemacht und mir die Kamera wiedergegeben.

Und dann ging’s weiter ins „Camp”.

Auf dem Weg dorthin wollte er uns für die ausgefallene Safarifahrt entschädigen und fuhr dann dafür auf der Autobahn und im Kreisverkehr mit anderen Zickzack und gesengte Sau. Und auf dem Weg ins Camp ging’s dann doch noch ein Stück durch die Wüste, wo er mal zeigen konnte, was er konnte. Autofahren kann er, ohne Zweifel.

Tanz, Essen und so weiter. Für 2 Stunden (18-20 Uhr). Da war der Regen wohl schon wieder vorbei oder da hatte es gar nicht geregnet, denn da war alles trocken. Das war aber auch mehr so ein Zirkusplatz, eine Manege in der Mitte, drumherum Händler, Henna-Malen und später das Buffet zum Selbstbedienen.




Den Brüller fand ich dann das:

Klar, Islam, Alkohol verboten. Dann an der Bar:

Ich fragte, wie’s käme, sei doch verboten. Sie lachten nur.

Dann das Show-Programm. Ein tanzender Derwisch mit LED-Beleuchtung.


Ein Feuerspucker und -künstler:


Zwischendurch suchte ich in meiner Tasche nach meiner Mini-Taschenlampe, die ich für dunkle Fälle in der Fototasche habe, und fand stattdessen: Den Objektivdeckel.

Und dann bedankt man sich bei Publikum, Show ist aus, jetzt gibt’s Essen.

Ja, wie, und wo bleibt die Bauchtänzerin? Ich will Bauchtanz sehen, deshalb bin ich hier.

Es gibt Buffet, einer gibt Anweisungen mit dem Megafon. Er merkt, dass ich ihn fotografieren wollte und fragt, ob ich ihn nicht verstanden hätte (als ob es dabei helfen würde, ihn zu fotografieren…). Nein, sagte ich, ich fände es nur ungewöhnlich, beim Essen die Anweisungen per Megafon zu bekommen. Ihm gefiele es auch nicht, meint er, aber sie müssten hier eben 700 Leute abfüttern (weshalb ich weiß, wieviel Leute da waren), und wenn er das nicht per Megafon macht, beschweren sich die Leute, warum er kein Megafon hat.

Man lag also zum Essen in langen Sitzreihen im arabischen Stil darnieder, und wer kam rein?

Die Bauchtänzerin.

So zum Essen.

Nicht schlecht.


Noch ein Videofetzen:

Und dann war’s gefressen:


Nachtrag: Das im Fernsehen war eine Veranstaltung mit gleichem Programm, aber kleinem Zuschauerkreis. Entweder haben die was ganz anderes gemacht und bezahlt, oder die waren in einem der Privatzelte, die man da gegen mehr Geld bekommen kann.

Nachtrag 2: Nachdem da an dieser komischen Quadbike-Station mehrere Männer rumliefen, die Touristen für Geld einen Raubvogel auf die Hand setzten, fragte ich mal, warum die Vögel so völlig ruhig dasitzen und trotz der immensen Menschenmenge keine Panik bekämen. Sie sagten, sie würden sie von kleinauf darauf trainieren, dann ginge das. Also quasi Zirkuspferde mit völlig unnatürlichem Verhalten. Etwas apathisch.