Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

An die Besserwisser unter den Lesern

Hadmut
14.9.2018 21:44

Mal ein Wort in eigener Sache.

Die allermeisten Zuschriften, die ich bekomme, sind gut und nützlich. Danke hierfür.

Ein paar Zuschriften sind, naja, nutzlos, wenn mir irgendwer schreibt, gucken Sie mal hier oder lesen Sie mal das Buch, oder „das dürfte Sie interessieren” ohne zu sagen, warum eigentlich. Als ob ich die Zeit hätte, da völlig ins Blaue und ohne zu wissen, worum es geht oder was man mir sagen will, einfach mal irgendwelche Bücher zu lesen oder zweistündige Videos anzugucken. Sowas kann ich nicht mal vorsortieren.

Problematisch ist aber, wenn mir, was zwar selten, aber manchmal dann doch vorkommt, einer schreibt, im Blogartikel X stünde ein Satz Y, an dem zu erkennen wäre, dass ich sonst so Schlauer vom Thema Z ja nun wirklich gar keine Ahnung hätte, meine Leserschaft damit im Ganzen enttäuschte, und ich sofort und mindestens die Bücher A, B und C durchstudieren müsse, um überhaupt in der Lage zu sein, mich ernstnehmbar zur Lage zu äußern.

Mit so einem Bullshit kann ich nichts anfangen.

Wenn mir einer schreibt, dass ich etwas falsch gemacht habe (was ja vorkommt, bin erstens nicht perfekt und zweitens ist es ja nicht mal mein Beruf, was ich hier mache), weil das und das falsch ist oder es richtigerweise so und so lauten muss, dann ist das gut, dann weiß ich damit was anzufangen.

Wenn mir aber einer damit kommt, dass ich gar keine Ahnung hätte und erstmal diese und jene Bücher lesen müsste, bevor ich mich äußern kann, ist das nutzlose Zeitverschwendung. Erstens habe ich nicht nur die Zeit nicht, für das Erstellen einzelner Sätze vorher je drei Bücher zu lesen. Zweitens weiß ich nicht, wonach ich darin suchen soll. Drittens zeigt die Erfahrung, dass ich mir beim Lesen eines Textes etwas anderes denke als andere Leute, es also gar nicht gesagt ist, dass ich nach der Lektüre so denken würde wie der zürnende Leser.

Ich bin aber auch gar nicht der Meinung, dass das so sein sollte, dass ich da selbsternannten Korrektoren zu folgen hätte. Oder jeden Satz einzeln nachschleifen, bis die Jury damit einverstanden ist. Außerdem käme ich oft zu spät, wenn ich erst mal drei Bücher lesen müsste.

Ich verstehe auch das Problem nicht.

Ich fühle mich zwar geehrt und geschmeichelt, wenn es Leuten so wichtig ist, dass etwas bei mir richtig steht, weil es da wichtig steht, aber ich sehe das grundsätzlich ganz anders. Wenn jemand es besser weiß als ich (und das tun ja viele), weil er drei schlaue Bücher dazu gelesen hat, dann sollte er nicht mir sagen, was ich falsch machen (oder nur dass ich irgendwas falsch mache), sondern dann sollte er selbst einen Artikel schreiben und in ein Blog stellen.

Wenn Leute sich in einem Thema gut auskennen (was ich ja überhaupt nicht in Abrede stelle), sollten sie nicht an anderen rummäkeln, sondern einfach selbst einen Text schreiben, der ihren Vorstellungen entspricht. Denn mein Text würde ihnen dann auch in der zehnten Iteration nicht passen.

Ich bin nicht der Meinung, dass es einzelne Autoritäten (auch nicht Blogger) geben sollte, die richtige Richtigkeiten verkünden, die auf Konsens treffen.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass man sich zu sehr von Leuten beeinflussen lassen sollte, die mit Rhetorik („lesen Sie erst mal diese Bücher” kann man schließlich leicht und immer sagen) versuchen, meine Inhalte zu ändern.

Ich halte es für wichtig, dass wir unterschiedliche Ansichten und Darstellungen publizieren, dass da auch mal was falsch oder dumm ist, und der Leser diese Streuung erfährt. Und selbst denken muss.

Wenn es nur einzelne, konkrete Fehler sind, dann ist ein Hinweis gut, nützlich und richtig. Datum falsch, Name falsch, Sachverhalt falsch oder sowas.

Wenn man aber einer grundsätzlich anderen Auffassung ist, dann sollte man die eben auch selbst äußern. Wenn’s so wichtig ist, dann kann man meinetwegen auch gerne reinschreiben „Der Danisch behauptet dies und das, ich halte das aber für Quatsch und sehe das ganz anders, weil …blablabla …”

Dann weiß der Leser, wer dies und das meint und warum und kann sich selbst was dabei denken. (Machte man früher so und ich fand’s gut.)

Aber so ein „Machen Sie mal, dass Ihr Satz da historisch korrekt wird” halte ich nicht für gut.