Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Akademia kaputt, zerlinkst und hirnwidrig

Hadmut
13.9.2018 19:56

Es spricht sich herum.

Eigentlich wollte ich gestern schon drüber schreiben, aber gestern war ich unterwegs. Viele Leser gaben mir den Hinweis, dass in diesem Artikel zusammengefasst sei, was ich schon lange schriebe.

Auch die Neue Zürcher Zeitung schreibt, dass die Universitäten sich selbst kaputt gemacht haben. Ein Mensch mit dem Allerweltsnamen Axel Meyer schreibt:

Diversität zählt mehr als Wahrheit: Wie sich die Akademie ins intellektuelle Abseits manövriert

Als ich vor dreissig Jahren in Harvard forschte, herrschte eine Atmosphäre der Offenheit und Neugierde. Heute dominieren hingegen Polemik und Abgrenzung. Die gesellschaftliche Spaltung hat längst auch den Elfenbeinturm erfasst.

Das ist genau das, was ich auch beobachtet habe. Auch ich war vor dreißig Jahren an der Uni, damals gerade so nach dem Vordiplom, und das war genau das, was damals die Universitäten ausmachte: Offenheit und Neugierde.

Davon ist nichts übrig geblieben.

Wie immer in der Weltgeschichte und wie pausenlos seit 100 Jahren machen Linke wirklich alles kaputt und ruinieren alles, was sie in die Finger kriegen. An der Uni fehlen noch ein paar tausend Tote, um sie auf allgemeinen sozialistischen Weltstandard zu heben.

Kurios, dass bei uns die linken Parteien immer den Rechten vorwerfen, die Gesellschaft zu spalten. Dabei machen sie es nicht nur selbst, sondern versuchen ja mit allen Mitteln, den „Klassenkampf” vom Zaun zu brechen. Seit mehr als hundert Jahren versuchen sie unablässig, irgendwen gegen irgendwen aufzuwiegeln, und die behaupten nun, die Rechten würden spalten wollen.

Und dann kommt eine sehr wichtige Stelle, die im Prinzip wieder auf das kommt, was ich schon beschrieben habe:

Das politische Spektrum verläuft in den USA wie auch in Europa aber nicht mehr primär entlang der Achse links–rechts, sondern entlang der Achse global–national. Global ist aber keine Kategorie, auf die wir evolutionär getrimmt sind. Wie der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt, aber auch die Evolutionspsychologin Leda Cosmides oder die Sozialpsychologin Mahzarin Banaji zeigten, unterscheiden wir – und das trifft selbst auf die «guten», «globalen» Eliten zu – sofort und unbewusst zwischen Ingroup und Outgroup. Unser Gehirn ist ein extrem sensibler Detektor menschlicher Unterschiede, aufgrund deren wir immer schon sortieren. Diese biologische Prädisposition gilt es kulturell zu überwinden – aber in Zeiten, in denen die existenziellen Risiken höher gewichtet werden als die Chancen, fallen wir umso leichter in die alten, evolutionär selektierten Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster zurück.

Das ist in doppelter Hinsicht genau das, was ich in zwei verschiedenen Kontexten beschrieben habe:

  • Es ist der Themenkreis Hirnstrukturen, Amygdala, Tribalismus: Wir gegen die vom anderen Stamm.
  • Und es ist das Thema Oktoberrevolution/Lenin/Stalin gegen Mussolini und Hitler:

    Es wird uns von den Propaganda-Medien immer als links gegen rechts verkauft, in Wirklichkeit geht es aber um Global-Linke gegen abtrünnige National-Linke (Mussolini, dann Hitler). Es geht um den Streit zwischen Erhalt der Ländergrenzen und individuellen Eigenschaften und der totalen grenzenlosen Gleichmacherei, dem großen Einheitsbrei.

Es geht um nichts anderes, als das nachzuholen, was vor 100 Jahren schief gegangen ist, nämlich die Welt in einen große Räterepublik, eine Sowjetunion, umzuwandeln. Gescheitert ist es zunächst an Mussolini und Hitler. Und hat sich dann zum „Eisernen Vorhang”, der Mauer, dem kalten Krieg hochgeschaukelt. Jetzt will man das nachholen, was vor hundert Jahren nicht funktioniert hat, den großen Einheitsbrei zu bauen. Deshalb sind die alle auch so „antifaschistisch”, gegen „Faschisten” und „Nazis” drauf. Glaubt doch nicht im Ernst, dass sich Kommunisten an 50 oder 60 Millionen Toten stören würden, das ist für die Kleinkram und eingepreist. Die sind sauer, weil sie meinen, dass ihnen Mussolinis Faschisten und Hitlers Nazis damals die große Einheitssuppe versaut haben. Und genau das will man jetzt eben so nachholen, dass sich das Scheitern nicht wiederholt. So baut man das an den Universitäten, und so funktionieren Tagesschau und heute journal.

Das zentrale Problem daran ist: Kommunisten/Marxisten im Allgemeinen und Soziologen, die Tagesschau und das heute journal im Besonderen sind strohdoof und einer Ideologie aufgesessen, nämlich dass der Mensch neutral geboren und dann durch Sozialisierung programmiert würde, man diese Programmierung aber verhindern oder ändern kann. So funktioniert der Mensch aber nicht, das ist frei erfundener Unsinn. Marxismus ist die Unfähigkeit Hirnloser, sich vorstellen zu können, dass andere Hirn haben. Wir sind nun mal biologische Wesen, die evolutionär entstanden sind, und wir haben die Programme in uns, die uns erfolgreich durch die letzten paarhundert Millionen Jahre gebracht haben. (Was sich übrigens die Schöpfungsreligiösen auch nicht vorstellen können, deshalb passen die so gut zu den Marxisten.)

Man versucht also mit massivem Druck und auch Gewalt, Menschen so zu behandeln, wie es diese Ideologie vorgibt, aber es stimmt nicht. Es funktioniert nicht. Je höher der Druck, desto stärker die Gegenreaktion. Stalin – Hitler. Marxisten sind nicht in der Lage zu begreifen, dass sie es sind, die Drittes Reich, Rechtsradikalismus und so weiter selbst erzeugen, weil sie nicht begreifen, dass Marx Phantasien und die kommunistische Weltsicht einfach falsch sind.

Jeder Wissenschaftler würde an der Stelle einsehen, dass die Annahme nicht stimmt. Man macht ein Experiment, ändert die Eingabewert und beobachtet, ob die Ausgabewerte dem folgen, was die Theorie prognostiziert. Tun sie das nicht, weiß man, dass die Theorie nicht stimmen kann. Hier aber gibt es diese Einsicht nicht. Da steht die Ideologie über der Empirie und das Hirn beschränkt sich auf die Gewalt zum Draufschlagen.

Deshalb führt die Druckbetankung der Universität mit Marxisten zwangsläufig zum Ausfall der Wissenschaft. Die machen alles kaputt. Das ist deren Ziel.

Harvard trägt das Wort «veritas», also Wahrheit, als Motto in seinem Wappen. Man kann aber den Eindruck gewinnen, dass die Suche nach der Wahrheit gar nicht mehr als die primäre Aufgabe in einigen Teilen universitären Lebens gesehen wird. Es scheint dort mehr um Aktivismus, Diversität und ideologisch motivierte Weltverbesserung zu gehen. Die Funktion der altehrwürdigen Institution hat sich geändert: War die Universität einst Ort des freien Meinungsaustausches und der Generierung von Wissen, ist sie heute in einigen Disziplinen Instrument der ideologischen Weltveränderung. Das ist vielleicht nicht ganz neu, aber trotzdem nicht besser, als es schon 1968 war.

Die 68er waren eine direkte Folge des Scheiterns der ersten Runde Kommunismus an Mussolini und Hitler und der zweiten Runde an den USA und dem kalten Krieg.

Also versuchte man es unterschwellig. Und die Universitäten waren gerade wegen ihrer Offenheit das Einfallstor, die Festung, die jedes trojanische Pferd reinholt. Kaum hat man die Universität übernommen, hat man das Tor geschlossen, damit keine Konkurrenz mehr reinkommen kann. Es gibt Tierarten, bei denen das Männchen das Weibchen nach der Begattung mit einem Wachspfropfen verschließt, damit kein anderer mehr zum Zuge kommt.

Reiner Machtkampf

Wahrheitsfindung wird in Teilen der Geistes- und Sozialwissenschaften explizit als wissenschaftliches Ziel infrage gestellt. In den harten Naturwissenschaften stellt sich dieses Problem nicht. Malcolm Perry, auch er ein Radcliffe Fellow und ein enger Kollege des im letzten Jahr verstorbenen Physikers Stephen Hawking, benutzte das Wort «truth» oft und ohne mit der Wimper zu zucken. Dies geschah zur Verwunderung einiger Fellows aus den Sozialwissenschaften, die zwar an einen wie auch immer definierten Fortschritt glauben, aber nicht an Wahrheit.

Laut Poststrukturalismus – verkürzt auch Postmodernismus genannt – gibt es nicht eine Wahrheit, sondern viele Wahrheiten, die sich in einem Machtspiel durchsetzen oder nicht.

An den Universitäten hat sich das etabliert, was in jedem der neokommunistischen Slums und Ghettos passiert: Es herrscht das Recht des Stärkeren. Nicht mehr das Argument.

In einigen besonders politisierten Fachbereichen, die sich mit Gender, Afrika oder anderen identitätspolitischen Themen befassen, gelten die Wahrheit und die wissenschaftliche Methode als von dem Patriarchat oktroyierte Konzepte. Der weisse Mann – da wird unverhohlen rassistisch argumentiert, als ob alle weissen Männer identisch dächten und tickten – ist der Feind, den es zu bekämpfen gilt.

Exakt.

In Bezug auf Mann-Frau und Sexismus findet man das auch in den Schriften der Gender-Professorin und Verfassungsrichterin Susanne Baer. So werden dann unser Recht und unsere Verfassung zerstört. Es kommt nur noch darauf an, wer die Macht hat, sein Ding durchzusetzen. Eine Mitarbeiterin Baers erläuterte das mal auf einer linken Veranstaltung bei der TAZ. Man hat da die Macht, feministische Ziele durchzusetzen, und alle müssen sich dann danach richten und die Staatsgewalt es durchsetzen.

Das neue Mantra in den Geisteswissenschaften heisst Diversität. Dabei wird ausgeblendet, wie rassistisch Diversitätsdenken per se sein kann, denn seit wann ist es denn wieder in Ordnung, Menschen nach Hautfarbe einzuteilen? Als ob alle Afrikaner gleich wären oder alle Hispanics gleich dächten. Man sagt, dass man mehr Diversity wolle, allerdings nur in Hautfarbe, aber nicht in Meinungen oder Fähigkeiten oder Talenten.

Naja…sie sind halt doof. Menschen nach Hautfarben zu sortieren ist eben so einfach wie Fingerfarben im Kindergarten.

«Title IX» ist eine staatliche Massgabe an Universitäten in den USA, um Diskriminierung (ursprünglich von weiblichen Athletinnen) zu verhindern. Eigentlich eine noble Sache. Heute allerdings bedeutet verpflichtendes Title-IX-Training jedoch auch am Radcliffe Institute, dass Professoren lernen müssen, mit «trigger warnings», «micro-aggressions» und «safe spaces» umzugehen. Dabei ist es unerheblich, ob man einen Studenten absichtlich verletzte oder beleidigte. Es kommt allein auf die Gefühle der Person an, die sich beleidigt oder verletzt fühlt. Sie hat die Deutungshoheit – und alle anderen involvierten Parteien haben sich ihr unterzuordnen.

Und das geht natürlich ganz schief, wenn man die Universität mit Gefühlsgestörten, Paranoikern, Psychotikern und anderen Gestörten füllt.

Das klingt wie Realsatire, aber es ist das, was gerade an den amerikanischen Eliteuniversitäten geschieht – und demnächst auch in Europa der letzte Schrei sein dürfte.

Haben wir doch schon längst.

Die Folgen sind die absurden Dinge, die gerade in den USA – und zunehmend auch bei uns – passieren: Angeklagt bedeutet fast immer schuldig, es gibt keine Unschuldsvermutung mehr.

Stalin und Mao haben das auch so gemacht, und die meinten, es habe sich bewährt. Das ist im Sozialismus eben so. Wie in jeder Ideologie. Wer auch nur einen Hauch abweicht, ist gefährlich.

Eine Gegenbewegung gegen Identitätspolitik formiert sich zwar, aber fast nur ausserhalb der Universitäten. Sie wird angeführt durch öffentliche Intellektuelle wie Sam Harris, Steven Pinker, Jordan Peterson, Jonathan Haidt, Camille Paglia oder Christina Hoff Sommers. Sie finden hauptsächlich auf Youtube und in Podcasts Millionen von Zuschauern und Zuhörern, publizieren erfolgreiche Bücher und füllen riesige Auditorien. Aber an den Universitäten regt sich noch kaum nennenswerter Widerstand – da herrscht weiterhin die Angst vor, etwas Falsches zu sagen.

Intelligenz findet heute außerhalb der Universität statt.