Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über 8 Fotografenfehler

Hadmut
31.7.2018 1:27

Eine Anmerkung. [Nachtrag]

Ein Leser wies mich auf diese Webseite hin, auf der eine Fotografin 8 typische Fehler auflistet. Der Leser meinte sowas, dass er ja kein Profi sei, ihm sowas aber noch nicht passiert sei.

Ich nehme an, der Leser erwartet von mir jetzt einen Verriss des Fotografieweibchens.

Sorry, wenn ich das jetzt mal so sage, aber: Sie hat im wesentlichen Recht, die Liste ist mehr oder weniger richtig.

Richtig ist allerdings, dass es sich dabei eher um typische Laien- und Anfängerfehler handelt, die einem Profi schon lange nicht mehr passierten dürften, und das ganze ziemlich aus gerade-mal-so-fortgeschritten-Sicht und nicht aus Profi-Sicht geschrieben ist. Das ändert aber nichts daran, dass die Tipps richtig sind und die Fehler oft passieren. Vor allem Profis fotografieren anders und mehr und laufen eher Gefahr, in einen leeren Akku zu laufen, aber Profis schleppen für gewöhnlich auch mindestens 2 Ersatzakkus mit sich herum (wobei normale DSLR sogar noch ziemlich stromsparend sind und weit länger durchhalten als Spiegellose).

Ein Fehlerchen unterläuft ihr trotzdem, was aber an der Webseite liegen dürfte.

Sie gibt die alte und bewährte, aber nicht ganz richtige Fotografenweisheit von sich, dass es auf die Objektive und nicht auf die Kamera ankommt und man lieber sein Geld in Objektive stecken und an der Kamera sparen soll, als umgekehrt, und dass Kit-Objektive Müll sind.

Da macht sie ein paar Fehler.

Erstens sind die Kit-Objektive billiger Kameras meist Müll, das ist in der Regel zutreffend und dem Umstand geschuldet, dass man Gehäuse ohne Objektive an Laien nicht verkaufen kann, weil sie nicht weihnachtsbaumtauglich sind. Eine Nikon D850 mit einem der Nikon-Profi-Objektive oder eine GH5 im Kit mit Leica-Objektiv ist aber qualitativ schon am oberen Ende des Verfügbaren.

Die Binsenweisheit, dass es auf die Objektive und nicht auf die Kamera ankommt (weshalb ich mich damals bei der Wahl zwischen Canon und Nikon für Nikon entschieden habe, weil mir bei Canon die Kamera, aber bei Nikon die Objektive besser gefallen haben), stimmt auch nicht, genauso wie die dumme und Helmuth Newton zugeschriebene Anekdote miot dem Koch und den Töpfen, wonach es nur auf den Fotografen ankommt.

Das stimmte mal. Nämlich zu der Zeit, als Kameras noch auf chemischem Film aufnahmen, die Objektive klein und die Kameras aus Metall waren. Denn die Kamera selbst hat damals nicht viel mehr gemacht als den Film schön gerade zu halten und den Verschluss auf und wieder zu zu machen. Dazu gehört nicht viel, das können auch billige. Zwischen Objektiv und Film war da nicht viel.

Heute ist das ganz anders. Heute kommt es enorm auf Sensor, Dynamik, Rechenleistung und so weiter der Kamera an, ganz besonders auch auf die Autofokus-Fähigkeiten. Will man schnellen Autofokus braucht man eine der besseren oder professionellen Kameras und ein lichtstarkes Objektiv ab 1:2.8, auch wenn man gar nicht mit offener Blende fotografiert, weil der Phasenautofokus eben offene Blenden braucht, um schnell und gut zu sein.

Billiges Objektiv an teurer Kamera wird meist nichts, es ist aber auch nicht mehr so, dass das wie früher automatisch Matsch wird. Denn wir sind im Computerzeitalter, wo sich Linsen am Rechner konstruieren lassen und die Herstellung von Linsen keine Geheimwissenschaft mehr ist. Jede Menge Hersteller schaffen es inzwischen, auch billige Objektive so zu bauen, dass sie einen „Sweet Spot” haben, also in irgendeiner spezifischen Einstellung und Situation (und vielleicht nur da) richtig gut sind. Damit machen sie dann die Werbeaufnahmen. Das Profiobjektiv ist vielleicht nicht mal besser, aber es hat seine Eigenschaften konstant über alle Parameter (Zoom, Entfernung, Blende,…).

Teures Objektiv an billiger Kamera ist aber auch Geldverschwendung, weil die Kamera Vorteile wie Autofokusbereiche, schnelle Motoren und so weiter nicht ausnutzen kann.

Es gibt aber noch ein anderes Problem. Teure und gute Objektive sind in der Regel groß und schwer (alte Fotografenregel: Abbildungsleistung meist korreliert zum Gewicht des Glases), und das Objektiv übt eben auch Kräfte (Drehmoment und Scherkräfte Richtung Schwerkraft) auf die Kamera aus. Die Kamera muss also eine gewisse Festigkeit haben, um sich nicht selbst zu verbiegen. Ich hatte mal mit einer D300s das Problem, dass die Bilder nicht so scharf waren wie mit einer neuen Vergleichskamera. Lösung: Der Service hat festgestellt, dass das Kamerabajonett im Mikrometerbereich verzogen war, mit dem Auge nicht sichtbar. Bajonett ausgetauscht und neu justiert, dann ging’s wieder. Profikameras haben meist Magnesiumgehäuse und Stahlbajonette. Billige Kameras sind oft aus Plastik, die ganz billigen haben sogar Plastikbajonette.

Sowas hält, wenn man billige Amateurobjektive dransteckt, die auch klein, leicht und aus Plastik sind, manchmal sogar die Linsen selbst. Das kann gute Ergebnisse liefern.

Schon ein 70-200/2.8 kann aber eine Plastikkamera unmerklich so weit verbiegen, im Mikrometerbereich, dass die Kamera nicht mehr scharf abbilden kann. Was übrigens auch ein typischer Anfängerfehler ist: Dickes Objektiv dran und das dann an der Kamera halten. Sobald das Objektiv groß genug ist, um in die Hand zu passen, nimmt man das ganze deshalb am Objektiv und nicht an der Kamera. Und nutzt für Stative auch die Stativgewinde der Objektive. Ich finde das immer so drollig, wenn irgendwelche Promis (und ich denke da besonders an ein stinkreiches Model mit Micky-Maus-Stimme) so tun, als wären sie auch Super-Fotografen, und dann die Kamera wie Laien halten. Dickes, schweres, teures Objektiv und das dann nur an der Kamera halten. Oder wenn Leute eine total teure Kamera (selbst Profikameras) haben, und die dann mit schwerem Objektiv am Gurt umhängen und an der Schraube im Stativgewinde im Kameraboden baumeln haben. So bekommt man jede Kamera unscharf.

Kamera und Objektiv sollten daher zusammenpassen.

Man sollte sich sein Budget also vor dem Kauf entsprechend aufteilen und sich überlegen, was man machen will. Und man sollte eben nicht an der Kamera sparen, sondern wenn das Geld knapp ist, eher weniger Objektive oder Festbrennweiten kaufen. Festbrennweiten liefern nämlich oft für kleines Geld gute Qualität. Dafür zoomt man dann mit den Füßen.

Nachtrag: Ich hatte es zwar oben schon angedeutet, dann aber doch vergessen zu schreiben: Dass die die Objektive so betont, dürfte natürlich auch damit zusammenhängen, dass es die Seite von Sigma-Foto ist – eines Objektivherstellers.