Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Misthaufen ETH Zürich

Hadmut
13.7.2018 0:05

Der Eindruck, den ich vor 15 Jahren schon hatte, verfestigt sich.

Ein Leser weist mich darauf hin, dass es an der ETH Zürich gerade brodelt. Die neue Zürcher Zeitung berichtet gleich in zwei Artikeln von gestern: Zweifelhafte Führungsmethoden an der ETH und Die ETH Zürich muss Fragen beantworten.

Perfide Attacken gegen Mitarbeiter, Diebstahl und Vertuschung: Im Sicherheitsdienst der ETH kommen Dinge ans Licht, die der Hochschule kein gutes Zeugnis ausstellen. […]

Ehemalige Mitarbeiter sprechen von gezielten Mobbingattacken, von Machtmissbrauch und Vertuschungsversuchen durch Vorgesetzte. «In dieser Abteilung gibt es Missstände», sagt einer von ihnen. Er hat seine Stelle deswegen 2016 gekündigt. […]

Am 22. Mai 2015 wird der Mitarbeiter zu einer Unterredung mit seinem Vorgesetzten und der verantwortlichen Personalchefin gebeten. Der Grund ist ein achtzeiliges Gedicht, das einem anderen Sicherheitsmann und einer Vorgesetzten eine sexuelle Beziehung unterstellt. Verfasst ist der Text als Facebook-Nachricht eines Kontos, das den Namen des Mitarbeiters trägt. Ein Ausdruck eines Screenshots war zuvor im internen Postfach des im Text erwähnten Sicherheitsmanns aufgetaucht, in einem ETH-Couvert mit dem Aufdruck «Sicherheit», aber ohne Absender und Empfänger.

Die Versionen über den Inhalt des Gesprächs an diesem Tag gehen auseinander. In einem Schreiben an den Mitarbeiter stellt sich die Personalchefin ex post auf den Standpunkt, dass man ihn lediglich befragt habe. Man habe ihm nicht unterstellt, das Gedicht geschrieben zu haben. Die Frage, ob er einen Facebook-Account habe, habe er unbeantwortet gelassen. Dieser Darstellung widerspricht der Mitarbeiter. Die Personalchefin habe ihn mehrmals gefragt, ob er den Text geschrieben habe. Er sei mehrfach aufgefordert worden, nicht weiter zu behaupten, dass er nicht auf Facebook sei – immer wieder, worauf er den Kopf geschüttelt habe. «Ich hatte meinem Vorgesetzten schon bei der Einstellung gesagt, dass ich kein Facebook-Konto habe», sagt der Mann der NZZ.

Versuch, einen «Querulanten» loszuwerden?

Den Account gibt es tatsächlich. Er macht aber keinen authentischen Eindruck. […]

Für den Mitarbeiter jedenfalls war und ist der Fall klar: Die Facebook-Nachricht war ein weiterer Versuch, ihn, den bereits abgemahnten «Querulanten», loszuwerden. Er wollte das nicht auf sich sitzen lassen und verlangte die Herausgabe des Ausdrucks. Das wurde ihm verweigert. Daraufhin begab er sich zur Quartierwache Unterstrass, um Anzeige wegen Ehrverletzung zu erstatten – zunächst gegen Unbekannt und dann tatsächlich gegen den im Gedicht erwähnten Sicherheitsmann und gegen seinen direkten Vorgesetzten. Diese Reaktion kostete den Mitarbeiter schliesslich die Stelle. Da man in Abklärung gewesen sei, habe man die Dokumente auch auf Nachfragen der Stadtpolizei zurückbehalten, wird die Personalchefin dem Mitarbeiter später brieflich darlegen.

Beschwerdekommission kritisiert ETH

Es ist nicht das einzige Mal in diesem Fall, dass die ETH Unterlagen nicht offenlegen will und sie dann auf Druck von Untersuchungsbehörden doch freigeben muss. […]

Mehrere Sicherheitsleute hatten der damaligen Ombudsperson Wilfred van Gunsteren von Missständen berichtet. Van Gunsteren äussert sich nicht. Er hielt die Situation aber für gravierend, wie aus sicherer Quelle zu erfahren war. Dem entlassenen Mitarbeiter schreibt er in einer E-Mail: «Es ist mir aus verschiedenen mir bekannten Vorfällen klargeworden, dass innerhalb der SGU Kritik nicht goutiert wird und somit ein Arbeitsklima der Furcht vor der Macht von Vorgesetzten herrscht.»

Das kommt mir doch total bekannt vor und erinnert mich exakt passend an meinen eigenen Fall. Da haben die auch intrigiert und gefälscht, und als ich mich bei deren Ombudsmann beschwert hatte, auch noch falsche Berichte erstellt und die Akten geheim gehalten, bis ich mir die Akteneinsicht bei einer Instruktionsrichterin erstritten und das Ding aufgeklärt habe.

Das war schon damals so, dass die ETH extrem intrigant ist und Leute, die sie als Querulanten ansieht oder die krumme Machenschaften aufdecken, mit dreckigsten Mitteln sabotieren und aus der Karriere schmeißen. Die Schweizer tun immer so neutral und außenstehend, aber hinter der Fassade sieht es oft ziemlich verdreckt aus. Nur die Rolle des Ombudsmanns scheint diesmal etwas anders zu sein.

Weiter im Text:

Die ETH Zürich hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Nach dem publik gewordenen Fall einer mobbenden Professorin am früheren Institut für Astronomie hat die Schulleitung zwar eine Kampagne zum Thema Respekt lanciert und dazu einen Verhaltenskodex an alle Angehörigen der Hochschule verschickt. Die Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Umwelt (SGU) doppelt nach und betont in einer Präsentation die Bedeutung von Vorgesetzten für ein motivierendes Arbeitsklima.

Doch hinter diesen schönen Phrasen kommt ein deplorables Bild zum Vorschein: Dokumente belegen, dass die Leitung dieser Abteilung von der von der ETH eingeforderten auf Dialog basierenden Führungskultur nichts wissen will. Mehrere frühere Mitarbeiter können davon ein Liedchen singen. Von totalitärer Haltung und Kriegsrhetorik von oben ist die Rede. […]

ETH-intern sind diese Zustände längst bekannt. Der zuständige Vizepräsident erfuhr vor über zwei Jahren davon, als sich einer der entlassenen Mitarbeiter gegen seine Kündigung zur Wehr setzte. Es kam zu einer Vorabklärung, die den Vorwurf des früheren Angestellten – er sei gemobbt und deswegen entlassen worden – zu entkräften schien. Zu diesem Zeitpunkt wusste der Vizepräsident der ETH jedoch bereits, dass sich mehrere Mitarbeiter bei der damaligen Ombudsperson Wilfred van Gunsteren über die Leitung der SGU beklagt hatten und dass van Gunsteren die Schilderungen für schwerwiegend erachtete. Das Problem lässt sich also nicht auf den Fall eines einzelnen und noch dazu entlassenen Angestellten reduzieren.

Das ist so bei denen. Die schieben eigenes Versagen auf andere.

Auch toponline.ch schreibt: ETH Zürich: Zerstören die Negativschlagzeilen den Ruf?

Die ETH Zürich kommt nicht zur Ruhe: Nach Negativschlagzeilen wegen Mobbing durch ein Professorenpaar und Vorwürfen der sexuellen Belästigung durch einen Architektur-Professor, werden nun weitere Fälle von mutmasslichem Machtmissbrauch publik. Frühere Sicherheitsmitarbeitende berichten in der «NZZ» von Willkür durch ihre Vorgesetzten und einem totalitären Führungsstil.

Mitarbeiter, die ihre Vorgesetzten kritisierten, wurden angeblich abgemahnt und gezielt gemobbt. In einem Fall soll es zu einer Kündigung eines aufmüpfigen Mitarbeiters gekommen sein. Dieser hat Anzeige bei der Stadtpolizei Zürich erstattet, die ETH hat für die Untersuchung nötige Unterlagen aber nicht herausgegeben.

Und

Die ETH Zürich geniesst vor allem dank ihrer wissenschaftlichen Erfolge, einen guten Ruf. Dass genau dieser gute Ruf wegen der wiederkehrenden Negativschlagzeilen verloren gehen könnte, liegt laut Peter Metzinger, Kommunikationsexperte und Inhaber der «business campaigning GmbH» im Bereich des Möglichen: «Forscher die sich überlegen in die Schweiz zu kommen, werden sich die Frage stellen müssen wie die Bedingungen an ihren Arbeitsplätzen sind und ob sie auch mit solchen negativen Vorfällen kämpfen müssen.» Dann nämlich, würden sich die Forscher überlegen, ob sie tatsächlich herkommen sollen. Bis Forscher der ETH Zürich aber tatsächlich den Rücken zukehren, brauche es aber noch die eine oder andere Negativschlagzeile, relativiert Peter Metzinger.

Nun, dann sollen sie eben mal meinen Fall nachlesen.