Ansichten eines Informatikers

Monatsanfangstablets

Hadmut
4.4.2018 21:00

Das wusste ich jetzt auch noch nicht.

Nun, ich bin kein so übermässiger Fan von Tablet-Computern, ich finde sie zwar sehr angenehm und praktisch, aber ich bin ja mehr so der schreibende Typ, und ich hab halt gerne eine ordentliche Tastatur, Linux-Desktop, Maus, weshalb ich grundsätzlich altmodische Notebooks oder Desktoprechner bevorzuge. Das heißt aber nicht, dass ich Tablets nicht mag, aber eben nur für bestimmte Zwecke. Nicht für alles. Obwohl ich aus der Szene inzwischen schon gehört habe, dass es Leute mit Abitur gibt, die mit Computern nicht mehr umgehen können, weil sie nur noch rumwischen auf Tablets kennen.

Freilich kann ich auch nicht umhin zuzugeben und einzuräumen, dass es neben dem unendlichen Schrott inzwischen auch sehr viele sehr gute und leistungsfähige Programme für Tablets gibt, die teils sogar mehr können als Desktopprogramme. Für’s iPad gab’s früher mal (Name vergessen, keine Ahnung, ob’das Programm noch gibt) ein genial gutes Programm zum Lesen und Annotieren von Textdateien, PDFs und so weiter. Und die Tage fragte mich ein Kollege nach einem einfachen Videobearbeitungsprogramm für den Mac, seine Kinder hätten danach gefragt, für ihre Actioncams, und da habe ich spontan auch empfohlen, sich mal auf ihren Handys und Tablets umzugucken, geht leicht und fingerwisch. Grundsätzlich eine feine Sache.

Mein erstes „Tablet” war ein Apple iPod, mein zweites bzw. erstes richtiges Tablet ein iPad, zweite Generation von 2011. (Oh…ist ja genau das gleiche, nur mit größerem Display…). Nun, abgesehen von diesem genialen PDF-Reader liegen mir die iOS-Geräte nicht ganz so, außerdem fand ich sie einfach viel zu teuer. Allerdings habe ich meine Meinung in diesem Punkt revidiert, weil die Apple-Geräte (zumindest bei mir, andere sagen da anderes) überaus haltbar sind und nicht nur lange funktionieren, sondern wegen wertiger Materialien auch kein Abnutzungserscheinungen zeigen. Gehäuse aus Metall und Tastaturen mit durchgehenden Beschriftungen, die sich nicht abreiben. Und, und das ist sehr wertvoll, jahrelanger Support durch Softwareupdates. Ich hatte mir damals gleich das teuerste mit UMTS gekauft, obwohl ich eigentlich nicht wusste, wofür ich das brauche, aber es war mir einfach zu teuer um zu riskieren, dass ich noch mal eines kaufen müsste, weil ich es doch brauchen würde. Gute Entscheidung, denn dann kam der Umzug nach Berlin und bei der Wohnungssuche in Berlin (2012/2013) hat mir das Ding wirklich enorme Dienste geleistet, weil mobil Online. Handys waren damals noch nicht so weit, das brauchbar anzeigen zu können. Aber irgendwann merkt man dann auch, wenn Apple einem signalisieren will „So, jetzt reicht’s, kauf Dir ein Neues!”, denn eben ging das Ding noch wunderbar, dann macht man ein Upgrade, und plötzlich fühlt es sich an wie Steinzeitkaugummi.

Also habe ich mir ein anderes teures gekauft, ein Samsung mit Android. Weil Samsung doch damals der Platzhirsch war. Über das habe ich mich sehr geärgert, ebenso wie über ein Samsung Handy, das ich etwa zur gleichen Zeit gekauft habe. Updates gab’s bei denen nämlich nie. Bei der Dichte von Sicherheitslücken in Android schlicht unvertretbar. Ich habe das Tablet zwar immer noch für interne Zwecke in Betrieb, aber für anderes ist ein Android 4.4.x auch nicht mehr zu vertreten. Der Akku ist so am Ende, dass das Orginalnetzteil kaum noch den Betriebsstrom liefern kann. Muss raus. Sowas kommt mir nicht mehr ins Haus.

Zwischendurch hatte ich noch an anderer Stelle ein Tolino-Tab für andere Zwecke, das (ohne Hauptkamera und ohne GPS) für 89 Euro zu haben und famos gut war, wunderbares flaches Gehäuse, 2GB RAM, 16GB Flash, tolles Display (FullHD) sehr angenehm, alles zu meiner Zufriedenheit, eigentlich mein Lieblingsgerät, aber keine Updates. Android 4.4.x und nichts danach. Sowas geht auch nicht in Feindesland. Obwohl es eigentlich noch in äußerlich neuwertigem Zustand ist, muss man es aussortieren, weil so alte Android-Versionen nicht mehr vertretbar sind (es gibt Leute, die meinen, Android sei generell nicht vertretbar, egal welcher Version, aber das ist eine andere Geschichte).

Das aber ist übrigens der Grund, warum ich die Raspberry-Computer durchaus nicht für billig halte. Denn bis man Speicherkarte, Netzteil, Kabel, Gehäuse dazugekauft hat, ist man auch gerne bei 80 Euro und hat noch kein GPS und kein Display. Ich hätte es für besser gehalten, einfach ein Massen-Android-Tablet so zu bauen, dass man stattdessen auch Linux draufspielen kann und das mit einer dauernden Linux-Distribution unterstützt wird.

Richtige Zufriedenheit stellte sich seltsamerweise erst bei Aldi ein. Vor über zwei Jahren brauchte ich für berufliche und Multimedia-Zwecke unbedingt ein Tablet mit HDMI-Ausgang, um es an Beamer und Aufnahmegeräte anschließen zu können. Nichts vernünftiges gefunden, teurer Schrott in den Elektronikmärkten, bis mir bei Aldi in der Vitrine ein Medion-Tablet für – ich weiß nicht mehr genau – 160 Euro entgegenlachte, mit HDMI. Gekauft, wunderbar. Macht alles, was ich will, und das gut.

Und der Brüller: Es gibt Updates. Auf Android 6. Und auf Android 7. Was Samsung nicht hinbekommt. Es sieht zwar nicht so super-elegant wie die iPads aus, Design ist nicht ihre größte Stärke, aber immer noch besser als das Samsung. Die Kamera ist eher billig, aber die brauche ich da nicht. Und der Rest ist prima. (Es stört mich nur, dass sie zwar die CE-Zeichen und das Logo mit dem Laser eingravieren, Typ und Seriennummer aber dann mit so einem dämlichen Aufkleber draufschreiben, der sich beim Halten unangenehm anfühlt.) Prima Sache, zumal ab und zu zum Rausschmeißerpreis. (Ich weiß noch von einem anderen Gerät, das wegen HDMI im Einsatz ist, das auch gute Dienste leistet.)

Und weil das Ding einen HDMI-Ausgang hat und aktuelle Software hat, ist es mir so wertvoll, dass ich es nur wenn unbedingt nötig aus dem Haus nehme. Ich brauche das für bestimmte Zwecke, und nur für die wird es eingesetzt.

Vorhin bei Aldi. Küchenpapier, Rasierschaum und Joghurt gekauft. Sie hatten gerade eines im Rausschmeißer, reduziert auf 175,- (eigentlich war’s nicht mal das, beim Suchen nach der Verpackung des Ausstellungsstücks haben wir ein anderes, noch stärker herabgesetztes gefunden, das man vergessen hatte zu verkaufen, und mir noch besser in den Kram passte). Zwar kein HDMI, aber dafür LTE eingebaut, und eine Aldi-Mobilfunkkarte dabei. Und weil ich weiß, dass ich in der zweiten Jahreshälfte für Konferenzen, Reisen und anderes eines brauche, mein einziges derzeit brauchbares Tablet (das mit dem HDMI) aber nicht gefährden will, und Android 4 nun wirklich nicht mehr geht, hab ich’s gekauft. (Ich hab’s gerne, wenn mein Handy vom örtlichen Konferenz-WLAN unabhängig ist, ich aber trotzdem im Konferenznetz mit etwas folgen kann.) Da ist vom Preis her auch so, dass einen ein Bruch oder Diebstahl jetzt nicht sofort umbringen würde, und dass sie jetzt nicht so superschön aussehen und keine Top-Marke sind, ist eher diebstahlsdämpfend, und ich bin damit zufrieden. Das liegt auch von der Preiskategorie irgendwo in meinem Wertigkeitsgefühl. Ein iPad kostet das Dreifache.

An der Kasse dann auf’s Band gelegt, den anderen Kram – Rasierschaum und so – dahinter.

Die Verkäuferin an der Kasse legt energisch so einen Kunststofftrennbalken zwischen Tablet und meinen anderen Kram. Ich war etwas verdutzt und habe angemerkt, dass ich das normale Zeugs auch kaufen will, und gefragt, ob sie das getrennt abrechnen will. Sie sagte ja.

Während ich so einpackte, fragte ich, ob das einen bestimmten Grund hat. Solche Details interessieren mich ja immer sehr.

Ja, sagte sie. Das macht es für sie einfacher, wenn sie sie dann zurücknehmen, weil was defekt sein wird. Mit so einem etwas lakonischem Unterton.

Ich so: *stutz*, mir die Packung nochmal angesehen, unbeschädigt, ungeöffnet, originalverklebt.

Wie sie das denn meine, fragte ich sie verunsichert. Ob da so viele kaputt wären, dass sie sich von vornherein auf die Rücknahme einrichten würden. Das würde mich doch sehr erstaunen, davon hätte ich noch nie gehört und wüsste von zwei tadellos funktionierenden Geräten (ich habe auch mit anderen Medion-Geräten keine Probleme gehabt, die sind zwar von mäßigem Design und technologisch nicht gerade spitze, aber bisher immer als zuverlässig in Erscheinung getreten, Bang-for-the-Buck hat gestimmt). Wieviele denn da schon kaputt gewesen wären. Wenn da so viele defekt seien, dass sie sich schon darauf vorbereiten, würde ich es vielleicht doch nicht haben wollen.

Nöh, sagte sie, mit den Geräten sei alles in Ordnung. Die seien alle einwandfrei.

Aber es sei Monatsanfang. ( Mein Gesichtsausdruck dazu: Hä!?)

Nun, erläuterte sie mir, viele Leute würden sich bei ihnen solche Geräte am Monatsanfang kaufen, wenn sie gerade Geld im Geldbeutel hätten. Und wenn dann zum Monatsende das Geld ausginge, würden es sich viele anders überlegen und das Gerät unter dem Vorwand eines Defektes zurückgeben und wieder zu Geld machen. Deshalb achten sie besonders am Monatsanfang immer darauf, die Geräte mit separatem Kassenbon zu verkaufen. Das mache weniger Aufwand bei der Rücknahme.

Ach…