Ansichten eines Informatikers

Bahnvorstand Sabina Jeschke

Hadmut
24.3.2018 11:22

Ach…

Ich hatte doch gerade mit Link auf WELT erwähnt, dass die Bahn ihr Heil zur Heilung der Unpünktlichkeit in Sabina Jeschke sucht, einer Frau, die als Tausendsassa bezeichnet wird, und die laut Welt schrecklich gerne „Hardcore” sagt. Eine Physikerin als KI-Expertin. Und für „Digitales”. Das rockt heute.

Ein Leser schickte mir dazu ein Link auf dieses Vortragsvideo von Sabina Jeschke aus dem Jahr 2016.

Gleich in der ersten Minute verwunderte mich da etwas sehr:

Sie ist Professorin an der RWTH Aachen. Und leitet gleich drei Institute. Eins Technologisch/computertechnisch. Eins geistes- und gesellschaftswissenschaftlich. Und eins wirtschaftswissenschaftlich. Als Physikerin. 60 Doktoranden/Postdocs. Das Fach Physik scheint darin nicht vorzukommen. (Wikipedia behauptet allerdings, sie habe in Berlin auch Mathematik und Informatik studiert und in Informatik in Berlin und USA mit Auszeichnung promoviert, was aber eine glatte Nullaussage ist, wenn man weiß, wie in Berlin und den USA Frauen gefördert werden, indem sie Abschlüsse leistungslos geschenkt bekommen. Das ist einfach wert- und aussagelos. Ihr Hauptgebiet sei „verteilte künstliche Intelligenz”. Die WELT schrieb dazu:

Sabina Jeschke ist Vorstand für Digitales und Technik bei der Bahn, 49 Jahre alt, Physikerin, Expertin für künstliche Intelligenz und Robotik, mit einer Liste an Qualifikationen, die so lang ist, dass sie auf keinen Bildschirm passt.

Wer ganz viele Qualifikationen vorgibt, hat erfahrungsgemäß gar keine. Dass sie Professorin ist, erwähnte die WELT nicht.

Da müssen doch eigentlich schon alle Alarmglocken schrillen. Ein Professor kann nicht 60 Doktoranden/Postdocs gleichzeitig leiten und betreuen. Viele – und darunter durchaus seriöse – Professoren schaffen in ihrem ganzen Leben keine 60 Doktoranden. Und drei Institute aus drei verschiedenen Universitätsbereichen zu leiten, das hört sich für mich an, als hätten die alle eine Frauenquote zu erfüllen gehabt, aber nicht genug gefunden oder nicht Geld für drei ausgeben wollen. Aber vielleicht liegt’s auch einfach nur an der Frauenförderung, die ja auf Leistungsanforderungen verzichtet.

Ich weiß nicht, wie die das macht. Aber in meiner persönlichen Mustererkennung (ich arbeite noch mit altmodisch-biologischer Intelligenz) leuchtet da ein Muster als „match” auf, das ich in den letzten 25 Jahren an den Universitäten so oft gesehen habe: Nämlich „Professoren”, die selbst eigentlich nichts können, sondern die Zuarbeit ihrer Mitarbeiter als ihre Leistungen vermarkten. Ich war ja selbst bei so einem.

Und warum sind eigentlich fast alle Menschen, bei denen ich meine, ein Lispeln zu hören, Frauen? Hab ich was am Gehör in diesem Frequenzbereich? Liegt’s an einer frauendiskriminierenden Videokompression? Für mich lispelt die. Dazu heißt es bei Wikipedia:

Jeschke gilt als begnadete Rednerin und spricht Deutsch, Englisch und Schwedisch fließend.

Für mich ist jemand, der lispelt und die Leute mit so einem Redeschwall zuhämmert und erst mal mit dem Eigenlob anfängt, wie in diesem Video, ganz sicher keine „begnadete Rednerin”. Und mir erscheint dieser Vortrag auch eher als Gerede als als Rede. Und wenn jemand mit einer Qualifikationsliste ankommt, die laut Welt „auf keinen Bildschirm passt”, dann erscheint mir das auch zweifelhaft, weil inflationär und frauengefördert. Und wenn sie ab 20:40 auf die gesellschaftliche Wichtigkeit der „Partizipation” kommt, dann ahnt man, wessen Geistes Kind sie ist.

Da stellt sich mir eine zentrale Frage: Wie kann man als Professorin Vorstand der Bahn werden?

Professoren sind Beamte, und für Beamte gilt rechtlich eine enge Beschränkung möglicher Nebentätigkeiten, die auch nur außerhalb der Dienstzeit und in geringem Umfang ausgeübt werden dürfen, selbst wenn sie genehmigt wurde. Man kann nicht gleichzeitig Professor und Bahnvorstand sein.

Freilich könnte man sich beurlauben lassen. Das aber dürfte man in diesem Fall nicht, weil sie ja 60 Doktoranden und Mitarbeiter betreut, da kann einen das Land oder die Universität nicht einfach rauslassen. Wie geht das also?

Umso verblüffter ist man, wenn man hier liest, dass sie an der RWTH einfach mal hat alles stehen und liegen lassen und sich für ein „Sabattical” nach Schweden verzogen hat.

Wie bitte!? Im Vortrag von 2016 leitete sie noch drei Institute mit 60 Doktoranden und Postdocs, und in diesem Interview heißt es, sie sei einfach mal nach Schweden verschwunden? Und was ist mit den Instituten und Mitarbeitern? Mir ist auch nicht klar, von wann dieses Interview stammen soll. Es heißt darin „seit Mitte November 2017”, es müsste also danach entstanden sein. Aber auch „Sie haben in diesem Sommersemester ein Sabbatical angetreten”. Wann soll das gewesen sein?

Schaut man in den Lebenslauf, [Link korrigiert] dann steht da was von den Dissertationen, die sie betreut hat, aber zu ihrer eigenen nur

Promotion zum Dr. rer. nat., Abschluss: summa cum laude
Dissertation im Gebiet Informatik/Software-Engineering

Nur das Gebiet? Nicht der Titel der eigenen Dissertation? Und sie stellt sich im Vortrag als Physikerin vor?

Und dann „Juniorprofessorin” in Berlin, Fachgebiet „Neue Medien in Mathematik und Naturwissenschaften“, Direktorin des Medienzentrums (MuLF), Direktorin des Medienzentrums (MuLF)

Und dann eine W3-Professor in Stuttgart, Direktorin des Rechenzentrums der Universität (RUS), Direktorin des Instituts für IT Service Technologien (IITS) [Anmerkung: Ich habe schon so viele Professoren erlebt, die sich „Direktor von irgendwas” nannten, und nur selten hielt es einer Nachprüfung stand.] Gastprofessur, Leitung des Zentrums für Multimedia in Lehre und Forschung (MuLF), TU Berlin

Und danach (!), Honorarprofessur, Institut für Technische Optik (ITO), Universität Stuttgart

Wer rutscht denn von einer W3-Professur auf eine Honorarprofessur ab?

Von 10/2014-11/2014 eine Gastprofessur in Hong Kong. Wer hat denn eine (höchstens) zweimonatige (vielleicht auch nur zweitägige) Gastprofessur?

Und dann ab 04/2017 bis 09/2017 plötzlich Gastprofessur für „Starke künstliche Intelligenz“, Volvo Cars Corporation, Göteborg/Torslanda. So aus dem Nichts und ganz plötzlich künstliche Intelligenz? Eine Professur bei einem Autohersteller?

Von 6/2009 bis 10/2017 Universitätsprofessorin in Aachen, Lehrstuhl für Informationsmanagement im Maschinenbau IMA, Zentrum für Lern- und Wissensmanagement ZLW, An-Institut für Unternehmenskybernetik e.V. IfU. Eine Physikerin und Informatikerin mit Schwerpunkt „Lern- und Wissensmanagement”? Hört sich nach inhaltslosen Frauenförderprofessuren an. Würde auch die hohe Zahl an Doktoranden erklären. Es wäre jedenfalls das erste Mal, dass es mir unterkommt, dass jemand in KI forscht und das mit der Bezeichnung „Wissensmanagement” degradiert. Wissensmanagement hört sich nach Webseitendompteuse an, und in Vortrag und Lebenslauf fällt das Thema Web immer wieder auf. Web ist in der Informatik ein typisches Fachgebietssubstitut für Förderfrauen.

Und jetzt wird die plötzlich als Expertin für Künstliche Intelligenz und Tausendsassa in den Bahn-Vorstand gehievt?

Immerhin hat sie laut Lebenslauf die Professur aufgegeben und in eine Honorarprofessur gewandelt.

Das stinkt doch drei Meilen gegen den Wind. Da brauchte man wohl unbedingt irgendeine Frau im Vorstand. Dazu schreibt die WELT in einem anderen Artikel:

Das eigentlich Spannende am Büro der DB-Zukunftschefin ist aber nicht dessen Ausstattung – sondern der Termin ihres Einzugs. Denn Jeschke hat ihren neuen Wirkungsbereich bereits in dieser Woche ausstatten lassen und bezogen. Der Aufsichtsrat beschloss ihre Verpflichtung aber erst am Freitag. Das Timing ist deshalb bemerkenswert, weil um die Besetzung wichtiger Vorstandsposten bei der Bahn über viele Monate erbittert gestritten wurde.

Eine Sondersitzung der Kontrolleure musste gar abgesagt werden, weil sich die Mitglieder über die Berufung der neuen Vorstandsmitglieder in die Haare geraten waren. Union und SPD rangen heftig darum, wer die Richtigen für die Topjobs in dem Staatskonzern sind. Am Ende blockierten sich alle Seiten im Aufsichtsrat. Die Personalfrage geriet zur peinlichen Farce. Und Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht musste immer wieder nach neuen Kandidaten Ausschau halten.

Jürgen Wilder, Chef der Schienengüterbahn Cargo und von Bahnchef Richard Lutz als neuer Logistikvorstand vorgesehen, gab schließlich sogar seinen Job auf, als klar war, dass sein Aufrücken von mehreren Seiten behindert wurde.

Nun aber, vor der Sonderaufsichtsratsitzung, die endlich eine Lösung der Personalquerelen bringen sollte, war die Gemengelage offenbar so klar und der Konflikt so weitgehend beigelegt, dass Sabina Jeschke schon vor dem Beschluss des Aufsichtsrats ihr Terrain im Bahntower abstecken konnte. […]

Dass die Expertin für Mobilität, künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge tatsächlich in den Bahnvorstand berufen wurde, ist dabei eine Überraschung. Um ein Haar wäre Jeschke Opfer des Schlagabtauschs von CDU/CSU und SPD geworden – praktisch als Kollateralschaden des Kampfes um den Posten des neuen Vorstands für Logistik.

Ach… jetzt ist sie plötzlich „Expertin für Mobilität, künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge”?

Jeschke war zwar im Konsens aller Beteiligten als neue Digitalisierungs- und Technikchefin vorgeschlagen worden. Allerdings zerstritten sich die Union, die über die Staatssekretäre des Bundesfinanz- und des Bundesverkehrsministeriums zwei wichtige Vertreter in den Aufsichtsrat entsendet und die amtierenden Bahnvorstände auf der einen Seite mit der SPD und Teilen der Arbeitnehmervertreter über die Frage, wer Logistikchef werden soll.

Die Gewerkschaft EVG lehnten Lutz’ Kandidaten Wilder vehement ab. Wilder hatte die schwere Aufgabe übernommen, die chronisch defizitäre Schienengüterbahn Cargo zu sanieren und war dabei heftig mit dem Betriebsrat und der EVG aneinandergeraten. Für die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat und die SPD, die über den Staatssekretär einen Vertreter dorthin entsendet, war klar: Wilder darf nicht Logistikchef werden.

Außerdem müsste ein Staatskonzern wie die Bahn gut und gerne zwei Frauen als neue Vorstandsmitglieder bestellen, monierte man bei den Sozialdemokraten. Die Regierung könne nicht immer neue Fördermaßnahmen für Frauen propagieren und verabschieden und dann, wo sie selbst Einfluss habe, zögerlich bei der Berufung von Frauen sein.

Ah, so, ja.

Die SPD wollte unbedingt eine Frau. Als sucht man sich irgendeine und ernennt sie einfach zur Expertin für irgendwas.

Und da ist das auch nicht weiter tragisch, dass sie ihre Professur aufgegeben hat, denn wie man schon an Christine Hohmann-Dennhardt gesehen hat, bekommen SPD-Favoritinnen auch bei Untätigkeit und Aufgabe schon nach kurzer Zeit Millionengehälter.

Na, mal sehen, ob die Bahn jetzt pünktlicher wird.