Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Feministisches Ingenieurwesen?

Hadmut
17.3.2018 11:49

Oh, das ist jetzt aber böse.[Nachtrag 5 / Update 3]

Leute, nein, Gssscchht!, sowas geht gar nicht, haltet die Knochen ruhig. Ich sag doch immer, eine Koinzidenz ist noch keine Korrelation und eine Korrelation noch keine Kausalität.

Es ist deshalb völlig verfehlt und absolut unhaltbar, was die hier schreiben.

Ihr habt doch sicher mitbekommen, dass es in/bei Miami Tote gab, weil eine nagelneue Fußgängerbrücke, die über eine Hauptverkehrsstraße ging, eingestürzt ist, gerade mal eine Woche nach Fertigstellung und bevor sie überhaupt für den Verkehr freigegeben und in Betrieb genommen war. Dazu sagte die WELT:

Die Brücke führte von der Stadt Sweetwater (Bezirk Miami) zum Campus der Florida International University (FIU). In Sweetwater leben Berichten zufolge etwa 4000 FIU-Studenten. Die Universität erklärte in einer Mitteilung, sie sei schockiert und bestürzt über das Unglück.

Großer Bericht auf CNN. Die Brücke war eine „Fertigbrücke” und sollte 100 Jahre halten. Und Hurricanes standhalten.

Eine Studentenbrücke zur Universität. Sofort eingestürzt. Da denkt man sich ja schon…Nein, Gsscchht!

Deshalt ist das jetzt auch totaaal unfair und nicht haltbar, wenn diese besagte Webseite jetzt lästert, dass die Brückenbaufirma ein frauengeführtes Unternehmen ist, und die Chefin als ihre Devise ausgibt:

“It’s very important for me as a woman and an engineer to be able to promote that to my daughter because I think women have a different perspective. We’re able to put in an artistic touch and we’re able to build too.”

…able to build … naja, wer sich aus dem Fenster lehnt. Es könnte die Frage aufkommen, ob eine Priorität auf dem Künstlerischen wirklich die geeignete Herangehensweise für Brücken ist. Der Artikel ist schon böse hetzerisch und behauptet, die Brücke sei eine Fehlkonstruktion. Ich kann das nicht beurteilen, ich bin kein Architekt und Brückenbauer, aber komisch kam mir die Brücke auf den Bildern schon vor, denn die Streben stabilisieren immer nur einen Abschnitt der Brücke, aber nicht die Verbindung der Abschnitte untereinander. Ein gewisser Joel Franco hat auf Twitter einige Videos dazu, insbesondere auch das aus einer Auto-Dashcam:

Man sieht, dass links ein Kran steht und die da gerade auf dem Dach stehen und arbeiten, als die Brücke genau an so einer Strebenverbindungsstelle, also genau an so einer Stelle, an der die Streben keine Stabilität geben, gebrochen, oder nach meinem Eindruck eher gerissen ist. Denn wenn das Gewicht von oben auf so eine Brücke drückt, entstehen unten gewaltige Zugkräfte, und der obere Steg ist genau zwischen den Streben gebrochen. Sieht sogar so aus, als stand da einer oben auf der Brücke und sei dabei abgestürzt.

Nun heißt es, man habe an dem Tag gerade „Stress Tests” gemacht. Es heißt, ein Ingenieur habe zwei Tage vor dem Einsturz bereits Risse festgestellt, seine Nachricht auf dem Anrufbeantworter wurde aber erst nach dem Einsturz abgehört. Der Text deutet darauf hin, dass bei der Montage der fertig angelieferten und in kurzer Zeit da aufgesetzten Brücke irgendwas beschädigt wurde.

Früher oder später könnte also schon die Frage aufkommen, ob weibliche Prioritäten beim Brückenbau so der Brüller sind, das wäre jetzt aber zu früh.

Jetzt schon sagen kann ich allerdings, dass ich die Brücke potthässlich finde (fand? Welche Zeitform wählt man, wenn man die Brücke erst posthum auf Fotos sieht?).

Nachtrag: Laut ihrer Webseite sehen sie ziemlich männlich aus. Aber dazu schrieb Squawker:

Though MCM is owned by five brothers, a lot of people one rung down the ladder from them are women. Some of the construction workers are even women. How ironic is it then, that earlier this month, MCM was slapped with a lawsuit for hiring “incompetent, inexperienced, unskilled or careless employees.”

Haben die vielleicht den Gender Pay Gap für sich genutzt?

Nachtrag 2: Ein Leser weist darauf hin, dass die Brücke womöglich noch nicht fertig war. In den verlinkten Fernsehsendungen sind Computeranimationen zu sehen, wie die Brücke mal hätte aussehen sollen, und auf denen ist ein großer Tragpfeiler mit Hängeseilen zu sehen. Er meint, auf den Fotos der eingestürzten Brücke seien die Befestigungspunkte zu sehen.

Im Film wird auch erklärt, dass man die Brücke erst längs am Straßenrand gebaut und dann in 24 Stunden hochgehoben und um 90° gedreht hat, um sie auf die Sockel zu heben und den Verkehr nur kurz zu unterbrechen. Das und der Kran, der da ja noch zugange war, deutet darauf hin, dass die Brücke noch nicht fertig war und noch aufgehängt werden sollte. Dann wäre sie auch gegen diese Art des Einsturzes wohl geschützt gewesen.

Aber: Wenn man das so baut, muss man sich eben überlegen, ob sie auch ohne die Halteseile halten kann, und nicht erst, wenn sie fertig ist.

Update 3: Hier erklärt einer, der anscheinend die Ahnung hat, die mir fehlt, was da nach Stand des Wissens schief gegangen ist:

Nachtrag 4: Besagte Leonor Flores soll an der Brücke nicht beteiligt gewesen sein. Wäre aber verwunderlich, wenn die ein Einzelstück wäre und die nicht noch mehr von der Sorte hätten.

Nachtrag 5: Ein Bauingenieur schreibt mir, die Frauen des Unternehmens könnten nichts dafür, weil der Fehler nicht bei den Architekten, sondern der Baufirma läge, die die Brücke aufgebaut habe. Nach meinem Verständnis sind das aber nicht zwei Firmen, sondern eine einheitliche Firma, die Planung und Aufbau macht. Allerdings war in einigen Artikeln die Rede davon, dass zwei Firmen beteiligt sind und etwa der Ingenieur, der vorher Risse festgestellt hat, zu der anderen Firma gehörte. Könnten also trotzdem zwei Firmen gewesen sein. Dann würde ich aber nicht verstehen, warum die Planungsfirma dann beim Aufbau nicht dabeigewesen ist. Es leuchtet mir also auch dann nicht ein, wenn es zwei Firmen waren. Normalerweise ist es meines Wissens immer Aufgabe von Architekten und Statikern, auch den Aufbau zu überwachen. Vor allem dann, wenn die Brücke geplantermaßen durch einen kritische Aufbauphase geht.