Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über Krebse und Ameisen

Hadmut
16.2.2018 20:28

Genetische Erkenntnisse.

Die WELT schreibt über ein überaus bemerkenswertes Verhalten einer Ameisenart: Dass es bei Ameisen Arbeitsteilung gibt und sie deshalb etwa Arbeiterinnen und Soldatinnen haben, ist bekannt. Eine Forscherin hat aber herausgefunden, dass es bei einer Art auch welche gibt, die die Aufgabe des Sanitäters ausüben. Bei ihren Raubzügen gegen Termiten können Ameisen verletzt werden, etwa können ihnen Beine abgebissen werden. Sie sondern dann Botenstoffe ab und Sanitäterameisen kommen, schleppen sie in den Bau, versorgen ihre Wunden und pflegen sie. Die Mortalität der Kriegsversehrten sinke so von 80 auf 10 Prozent.

Kurios ist, dass die Darstellung des Staatsverhaltens von Ameisen anscheinend immer mit der bei den Menschen gerade herrschenden Staatsideologie übereinstimmt, man also in Ameisen sieht, was man gerade sehen will oder zu sehen gewohnt ist.

Um den Altruismus der Tiere zu erklären, entstanden zwei konkurrierende Modelle, das der Gruppen- und das der Verwandtenselektion. Heute glauben die meisten Forscher, dass all diese Aspekte eine Rolle spielen. Demnach hat eine Gruppe bessere Überlebenschancen, wenn die einzelnen Tiere zusammenarbeiten. Die Veranlagung zur Zusammenarbeit verbreitet sich außerdem durch Vererbung – bei den Ameisen sind die Arbeiterinnen eines Staates zu 75 Prozent miteinander verwandt.

Womit wir wieder bei einem Thema sind, das hier im Blog häufig vorkommt: Evolutionär erworbene Verhaltensweisen, die sich als vorteilhaft erwiesen haben.

Warum aber sagt sich das bei Ameisen so leicht dahin, während es beim Menschen immer ansozialisiert sein muss? Nun besteht zwar ein gewisser Unterschied zwischen Ameisen und Menschen, aber das Grundprinzip ist ähnlich und die Evolution keine andere.

Was wäre, wenn – und ich halte das für naheliegend – auch bei Menschen die Kooperation, die Arbeitsteilung, und damit auch das Zusammenleben auf engem Raum, sprich: moderne Zivilisation, evolutionär entwickelt sind und vererbt wird? Wenn das bei Ameisen möglich und bei einer Art so ist, ist es bei Menschen zumindest nicht ausgeschlossen. Und läuft der These vom Blank Slate, dem neutral und verhaltenslos geborenen Menschen, diametral entgegen.

Das Problem ist: Damit begibt man sich auf ein historisch höchst vermintes Gelände. Rassismus und so, Wissen schon. Wie aber kommen Soziologen, vor allem Genderisten, wider alle Natur (meine Experimente mit in der Kunstglucke sozialfrei gebrüteten und isoliert aufgezogenen Zwerglachshühnern habe ich beschrieben) darauf, dass Menschen völlig neutral, ohne jede Verhaltensweisen, ohne Sexualfunktionen geboren würden? Ich befasse mich seit inzwischen 6 Jahren mit diesem Senf, und habe bis heute nicht den geringsten Hinweis gefunden, wie die eigentlich darauf kommen. Die schreiben das halt einfach von anderen ab, mal von Judith Butler, mal von Simone de Beauvoir, mal von Karl Marx. Aber die sagen ja auch nicht, wie sie darauf kommen. Ich lese aber nun gerade ein Buch über die Frankfurter Schule (ich habe schon ein anderes gelesen und diverse Filme gesehen, aber es zieht sich, auch wenn das Buch nur klein und dünn ist, weil ich immer nur in der U-Bahn ein paar Seiten lese), die im Prinzip die Soziologie an den Universitäten gegründet hat. Warum sind Soziologen eigentlich alles so links? Oder ist das die falsche Frage? Ist nicht die Soziologie der Tarnname dafür, linke Utopien als Wissenschaft auszugeben? Ich bin vorhin in der U-Bahn an der Stelle angekommen, laut der die da Selbstwidersprüchlichkeit und Utopien gutgeheißen und Empirie abgelehnt haben. Ist Soziologie der Tarnbegriff für Ideologie und Utopie? Ist Soziologie am Ende – viele schrieben mir, ich möge doch Max Weber berücksichtigen, der habe ordentliche Soziologie betrieben, also gut – ist also Soziologie mit Ausnahme derer von Max Weber nichts anderes als ein Wiederholen einer politischen Überzeugung?

Wusstet Ihr schon, dass der Marmorkrebs weltweit gefürchtet ist?

Ich wusste es nicht, bis ich die Meldung gelesen habe. Ich habe noch nie etwas von Marmorkrebsen gehört. Ich dachte zuerst, die kenne ich, das sind doch die Viecher, die sich inzwischen in Berlin so vermehren, die sehen auch so aus. Aber das sind Rote Amerikanische Sumpfkrebse. Wobei ich gar nicht mal so schlecht lag, denn Marmorkrebse sind eine Form des nordamerikanischen Everglades Sumpfkrebses. Habe sich in Aquarien entwickelt und sei dann wieder in die Umwelt entkommen.

Diese Marmorkrebse sind gefürchtet, weil sie alles wegfressen, sich wie bekloppt vermehren und die Pest verbreiten. Im Zwölf-Wochen-Rhythmus könnten die Tiere bis zu 500 Eier produzieren.

Die Besonderheit sei: Es gäbe keine Männchen. Bei Marmorkrebsen gäbe es nur Weibchen.

Äh, wie bitte!? Wie soll’n das gehen?

Parthenogenese. Jungfernzeugung.

Die brauchen keine Männchen mehr. Die Weibchen täuschen ihren Eiern vor, befruchtet zu sein, und dann vermehren die sich von selbst. Hört sich nach einer Mutation an, die womöglich im Aquarium unter Männerabschluss entstanden ist.

Das Problem daran: Die sind alle genetisch identisch, haben dasselbe Genom. Sie stammen alle von einem einzigen Weibchen ab (das offenbar die Mutantin war). Sie klonen sich. Deshalb kommt da auch – außer durch Mutationen – keine genetische Varianz mehr rein. Und trotzdem:

Die Krebse können sich vielmehr mit Hilfe sogenannter epigenetischer Mechanismen schnell anpassen. Dabei lagern sich im Laufe des Lebens kleine Schalter an die Erbgutstränge, die Gene an oder aus schalten.

Insofern könne die Erforschung des Marmorkrebses auch wegweisend für das Verständnis von Tumoren sein, sagte Lyko, der die Abteilung Epigenetik am DKFZ leitet. Ähnlich wie beim Marmorkrebs hätten die Zellen eines Tumors ihren Ursprung in einer einzelnen Zelle. Sie breitet sich durch Teilung rasant aus. Wie dieser Prozess aber genau funktioniere und welche Implikationen er für das Wachstum eines Tumors habe, sei noch nicht geklärt.

Epigenetik. Das Thema hatten wir hier auch schon oft. Ich hatte ja mal aus Papern zitiert, wonach wir alle die komplette genetische Bibliothek für männliche und weibliche Körper in uns tragen, die dann aber auf epigenetischem Weg ein- und ausgeschaltet werden. Und manchmal geht’s schief. Es gab auch mal Berichte, wonach man nachweisen konnte, dass Nachfahren von hungernden Kriegskindern Verhaltensweisen erben, die sie nicht genetisch ererbt haben können, dass also auch Epigenetik vererblich ist.

Und auch das gilt als eine Methode der Natur, Soziologen und Genderisten einen Strich durch die Rechnung zu machen, und Individuen eben nicht als leeres Blatt auf die Welt kommen zu lassen, sondern ihnen einen Satz an Sexual- und anderen Verhaltensweisen mitzugeben.

Ich finde es immer sehr erheiternd und wissenschaftlich erbaulich, wenn die Natur zeigt, dass Soziologie nicht haltbar ist. Vor allem, wenn die Natur das auf so kuriose Weise tut.

Wie so oft ist das Gegenteil des Bösen nicht automatisch das Gute, und das Gegenteil des Falschen nicht automatisch das Richtige.