Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Professorin der Woche

Hadmut
11.2.2018 20:06

Naja…sucht Euch aus, was da korreliert und was kausalt.

Die WELT spottet über eine US-Professorin:

Einer Professorin an der Southern University of New Hampshire in Manchester/New Hampshire fielen ihre mangelnden Geografiekenntnisse nun auf die Füße. Die Dozentin, deren Name von der Uni geheim gehalten wird, ließ eine Studentin durchfallen, weil sie ihr nicht glaubte, dass Australien ein Land ist. Sie korrigierte ihren Fehler später zwar, doch die Uni entließ die Frau.

Was war passiert? Die 27-jährige Ashley Arnold studiert Soziologie im Fernstudium. Für eine Seminararbeit sollte sie „soziale Normen“ zwischen den USA und einem von ihr gewählten Land vergleichen. Sie entschied, sich auf die „Nutzung sozialer Medien“ als soziale Norm zu konzentrieren. Als Vergleichsland wählte sie Australien.

Doch als sie ihre Arbeit am 1. Februar zurückbekam, traf sie der Schlag: durchgefallen! Die Begründung: „Australien ist kein Land, sondern ein Kontinent.“

Ich möchte an dieser Stelle einwerfen, dass Australien durchaus ein Land ist. Ich war schon ein paarmal dort und habe mich persönlich davon überzeugt. Besagte Studentin schrieb also der Professorin, dass das so sei, aber die wollte es nicht glauben:

Doch die Professorin war immer noch nicht überzeugt. „Gerne werde ich mir Ihre Arbeit noch einmal anschauen“, antwortete die Frau in einer E-Mail, die Arnold „Buzzfeed“ zur Verfügung stellte. „Aber vorher möchte ich Ihnen zu verstehen geben, dass jeder Fehler in einer Arbeit das gesamte Forschungsprojekt ungültig machen kann.“ Forschung sei wie Domino. „Wenn Sie versehentlich ein Stein umwerfen, fällt die ganze Reihe.“

Arnold bleibt hart und schickt der Professorin abermals eine E-Mail, in der sie sogar einen Link zu einer Regierungsseite Australiens einfügte. Ein Link aus der Kategorie „Über uns“.

Schließlich lenkte die Professorin ein und schrieb: „Vielen Dank für den Link. Sobald ich mit einer unabhängigen Recherche zur Kontinent-/Land-Sache fertig bin, werde ich Ihre Arbeit erneut prüfen.“

Und siehe da, nach der „unabhängigen Recherche“ erhielt die 27-Jährige Arnold ein B+, was hierzulande einer 2+ entspricht. Eine Entschuldigung gab es zwar nie, zumindest aber gestand die Dozentin ein, dass sie „den Unterschied zwischen Australien als Land und als Kontinent missverstanden“ habe.

Reaktion der Universität: Professorin gefeuert und Australien viel Glück bei den Olympischen Spielen gewünscht. Da sind sie nämlich gerade als Land einmarschiert und sowas überzeugt auch Amerikaner.

Man kann sich jetzt überlegen, woran das liegt: Einzelfall? Frau? Soziologie? Oder generell die in solchen Fächern eingerichtet Dummenkarrierepumpe zur Frauenförderung?

Erinnert mich aber an einen Vorgang zu meiner Schulzeit. Ich hatte in der Oberstufe als Leistungskurse Mathe, Physik und Englisch, und das Glück, exzellente Mathe- und Physiklehrer zu bekommen, aber das Pech, einen unglaublich bekloppte Englischlehrerin zu haben.

Die nun hat Mädchen immer mit Bestnoten bewertet, Jungs aber stets misstraut und Böses unterstellt. Und Englisch konnte sie auch nicht. (Sie hatte Deutsch und Englisch unterrichtet, aber in Deutsch war sie auch schlecht.) Ich hatte zwei Mädchen im Kurs, die in Englisch richtig gut waren, und mit denen immer wieder diskutiert, was die in Englisch alles nicht verstanden oder falsch gelehrt hatte. Eigentlich haben wir auch kein Englisch gelernt, sie konnte das nicht unterrichten, sondern nur ihren Lieblingskram gemacht, irgendwelche Textinterpretationen und Gedichtkram, nur eben zufällig auf English.

Irgendwann gab es mal wieder eine Kursarbeit. Wir sollten ein Gedicht (englisch) lesen und (englisch) zusammenfassen und wiedergeben um zu zeigen, dass wir es verstanden haben. Der Autor, ein Poet, beschrieb platt und talentlos, aber unmissverständlich und eindeutig, dass er Krieg nicht mag, dass er Krieg für schlecht hält, und dass der zentrale Kritikpunkt an Krieg für ihn sei, dass es dem Krieg an Poesie fehle. Das Poesieniveau des Krieges sei denkbar niedrig, selbiger deshalb für ihn inakzeptabel.

Ich schrieb also zusammen, was der da so brabbelte, und bekam dafür eine 5. (Ich glaube, es war 1 Punkt oder sowas.) Und zwar aus einem einzigen Grund. Ich hatte geschrieben:

There is no situation which is less poetic than war.

Die Lehrerin meinte, ich hätte das Gedicht überhaupt nicht verstanden, weil der Autor schreibe, dass Krieg nicht poetisch sei, ich aber schriebe, dass Krieg poetischer als alles andere sei, also das poetischste überhaupt, also das genaue Gegenteil. Gedicht nicht verstanden, damit sei der ganze Rest hinfällig und brauche nicht mehr bewertete zu werden.

Ich habe protestiert und gesagt, ich hätte doch deutlich geschrieben, dass es keine Situation gäbe, die weniger poetisch sei. Sie aber meinte, die Formulierung „weniger poetisch als Krieg” heiße doch klar, dass Krieg poetischer als alle anderen Situationen sei. Ich habe aber doch „no situation” geschrieben.

Inzwischen war der ganze Kurs auf meiner Seite, auch die Mädchen, von denen sie wusste, dass die besser in Englisch sind als sie. Es bestand übrigens völlige Einigkeit mit ihr, dass die inhaltsgleiche Übersetzung

Es gibt keine Situation, die weniger poetisch ist als Krieg.

lautet, aber da sah sie das gleiche Problem: Die Situation sei weniger poetisch als der Krieg, also sei der Krieg poetischer und damit das Gedicht nicht verstanden.

Die Wände des Raumes waren verständiger.

Nun habe ich andere Lehrer zu Hilfe gerufen. Zwei Latein-, ein Griechischlehrer und die Deutschlehrerin bestätigten mir, dass ich Recht habe und die Formulierung bedeute, dass Krieg am wenigsten poetisch sei. Half nichts. Ich wandte mich an die Duden-Redaktion in Mannheim, und die sagten, dass sie sowas eigentlich nicht machen, aber dieser Fall so unfassbar dämlich sei, dass sie mir ausnahmsweise helfen würden, und ich der Lehrerin ihre Telefonnummer geben sollte, damit sie ihr das erklären (die Schule war auch nicht weit weg davon).

Es eskaliert, die Frau stand allein gegen alle, bekam eine Krise im Lehrerzimmer.

Dann kam der Prorektor, so ein alter, dicker, gemütlicher Mann, den man auch in der Feuerzangenbowle hätte mitspielen lassen können, ohne ihn umzukostümieren oder zu schminken, und meinte so väterlich-kumpelhaft zu mir, wir müssten mal so ein Gespräch unter Männer führen. So mit Arm auf meiner Schulter. Wir Männer müssten doch verstehen und Rücksicht darauf nehmen, dass Frauen mit ihrem Hormonhaushalt, und das mit Hormonen sei schon schlimm, das würde ich dann auch erfahren, wenn ich mal verheiratet und so, und sie sei schwanger und in einer schwierigen Phase, und das sei problematisch, und sie liege gerade auf einer Liege hinter dem Lehrerzimmer, und da müssten wir Männer doch Rücksicht nehmen und da auch mal zurückstecken und blablabla, also in der Zusammenfassung: Schluck die 5 und halt’s Maul. Man hat nichts geändert und nichts gesagt und nichts geklärt, aber für den Rest der Oberstufe hatten wir verblüffend viel frei weil verblüffend viele Englisch-Stunden ausfielen, weil die Lehrerin verblüffend oft und lange schwanger war, was mir verblüffend viel Dank der Kurskameraden einbrachte.

Das war 1984, da hatte ich noch kein Blog.

Es hat mich damals fürchterlich geärgert, aber ich habe es mal nachgerechnet, auf die Abitursgesamtnote hatte es keinen Einfluss. Die Einzelnote in Englisch im Abizeugnis sah dadurch natürlich nicht so elegant aus. Aber außer zur Vorlage bei der Immatrikulation wollte bis heute nie jemand mein Abiturzeugnis sehen.