Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

„The Female Company”

Hadmut
24.1.2018 23:56

Wenn Frauen gründen.

Ich bin ja nun selbst aus der IT-Szene und habe da zwar noch kein Unternehmen selbst gegründet, aber schon in einigen jungen, frisch gegründeten Unternehmen mitgewirkt, und weiß schon etwas darüber, wie hart die Anforderungen an Business Case, Finanzierungsplan, Gewinnprognose usw. sind.

Mich schüttelt’s aber gerade, wenn ich diesen Bericht über Hubert Burda Media (hatte da wieder die Furtwängler die Finger drin?) anschaue:

“The Female Company” gewinnt Startup-Pitch

Vor rund 600 Gästen nutzten auch zehn Startups bei einer Pitch Competition die Gunst der Stunde, um ihre Geschäftsideen und Produkte an die Leute zu bringen. Am besten gelang dies am Ende “The Female Company”. Das Stuttgarter Startup, bestehend aus Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier, setzt sich für die Enttabuisierung der Periode ein und will, dass Frauen zu jeder Zeit und an jedem Ort Tampons haben. Dabei setzen die beiden jungen Unternehmerinnen ganz auf Bio und knackige Parolen.

Und auf deren Webseite:

Don’t hate your period.

Love your organic cotton tampons!

Wir senden dir Bio-Tampons, in an deinen Periodenverlauf angepassten Größen, immer pünktlich zu dir nach Hause – und spenden dabei Produkte an Frauen, die sie dringend benötigen.

Was soll denn das jetzt für ein Geschäftsmodell sein? Bio-Tampons. Na gut, immerhin sind sie nicht aus Sellerie, sondern aus Baumwolle (hieß es nicht immer, Baumwollkleidung sei bio-böse, weil die Herstellung soviel Wasser verbraucht?) Und ist es wirklich notwendig, die Dinger einzeln zu verschicken, wenn es die in jedem Supermarkt und jeder Drogerie gibt? Und ist diese englische Ansprache nicht verdammt platt und Zielgruppengeheische? Zumal’s ja dann in deutsch weitergeht?

Wo ist denn in einer Enttabuisierung der Periode ein Geschäftsmodell?

Und was heißt das, dass Frauen „zu jeder Zeit und an jedem Ort Tampons haben”? Anlieferung mit der Drohne? Also hier in Berlin haben inzwischen viele Supermärkte bis 22:00 offen, das halte ich für die einfachste und verfügbarste Variante, an Hygienebedarf zu kommen. Mir ist auch das Problem nicht so ganz klar, denn alle Frauen, die ich kenne, wissen das vorher und haben genug von den Dingern auf Vorrat in Handtasche, Schreibtisch, Wohnung und so weiter. Vielleicht bin ich da nicht ganz im Bilde, aber von einem Tamponnotstand war mir nichts bekannt.

Generell scheint das aber ein monströses Thema zu sein. Die paar Pfennige Mehrwertssteuer auf Tampons werden ja auch zum frauendiskriminierenden Drama stilisiert.

Und wieder mal beschränkt sich weibliche „Kreativität” auf die eigenen vegetativen Körperfunktionen. Menstruation als erschöpfendes Jahrhunderthema. Wirkt auf mich eher wie ein unbewältigtes Trauma.

Aber wenn man schon mit kreativen Namen wie „The Female Company” ankommt, dann wird man heute garantiert hochgefördert.

Wieviele der Leserinnen würden denn einen individuell verschickten Biotampon der üblichen Supermarktware vorziehen? Zumal die Dinger relativ teuer zu sein scheinen und man nicht mal sieht, wie die eigentlich aussehen. Wer will sich überhaupt so ein „Tampon-Abo” (darum geht’s letztlich) rein… – pardon – andrehen lassen? Und was hat das mit Verfügbarkeit von Tampons zu tun, wenn man nur das Kontingent hat, das einem zugeschickt wird, und nicht einfach so viele, wie man braucht? Was hat das mit überall verfügbar zu tun, wenn man unterwegs ist und die Dinger zuhause liegen, und man die eben gerade nicht einfach und schnell nachbekommt? Ist ein Tampon-Abo mit fest zugesandten Mengen nicht ein Widerspruch zu dem Versprechen, die Dinger immer und überall verfügbar zu haben? Spricht nicht gerade das für den Supermarkt, wo man sich auf einfache Weise für 2,50 ne dicke Packung – oder so viele man will – kaufen und in die Schreibtischschublade stellen kann? Und was nützt es einem, wenn man auf Reisen ist und die Packung kommt per Post zuhause an?

Mir als Mann erschließen sich dieses Geschäftsmodell und auch der Grund dafür, sich die Dinger zu kaufen, eigentlich nicht. Ich habe ja nun keine Periode, aber mein Wissen und meine Vorstellungen davon laufen einem solchen Abo-Modell gerade diametral entgegen. Aber ich als Menstruationsberater würde davon abraten. Kauf die Dinger im nächsten Laden und schau, dass Du überall genug gebunkert hast. Für das Geld einer Montagsladung Bio-Tampons bekommt man im Discounter um die Ecke einen Halbjahresvorrat. Davon steckt man sich in sämtliche Jacken, Taschen, Schubladen hinreichende Vorräte und das Problem müsste gelöst sein. Jedenfalls mache ich das so mit Taschentüchern und Brillenputztüchern.

Wähle deinen Lieferzyklus

Du kannst deine Einstellung immer bis 5 Tage vor Lieferung ändern.

Das ist doch ein Witz, oder?

Und jetzt mal im Ernst: Frauen regen sich darüber auf, das sie ein paar Pfennige zahlen müssen, weil sie auf Tampons 19 statt 7% MwSt zahlen müssen. Diesen Frauen will man Tampons für 12,90 im Monat verkaufen?

Und warum muss eine Tamponwerbeseite eigentlich rosa sein? Hieß es nicht immer „pink stinks”?

Nachtrag: Ich glaub ich steh im Wald. Hab ich jetzt erst entdeckt:

Freundinnen-Abo

Beste Freundinnen teilen alles. Und sparen dabei.
Wir senden euch das Abo für zwei, drei oder vier Personen an eine Lieferadresse eurer Wahl und ihr erhaltet regelmäßig tolle Geschenke!

😀