Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

ARD von Wille zu Wilhelm

Hadmut
3.1.2018 23:36

Ich bin offenbar nicht der einzige, der dazu eine schlechte Meinung hat.

Den Vorgang an sich finde ich ja schon bemerkenswert: Der Vorsitz der ARD geht von einer Ex-SED-Bonzin zu einem Ex-Regierungsprecher über, beide – Oh Wunder – mit Spitzengehältern und Spitzenpensionen auf Gebührenzahlerkosten versehen, und dann wollen die kein Staatsfernsehen sein.

Ich hatte ja gerade was über die MDR-Intendantin und bisherige ARD-Vorsitzende Karola Wille geschrieben.

Das Handelsblatt meint nun, ARD-Vorsitzender sei ein „Höllenjob”.

Zum Abschied hat Karola Wille, die bisherige ARD-Vorsitzende und Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), in ihrer Rede auf der letzten Intendantensitzung in Leipzig nochmals kräftig ausgeholt. Ihre Bilanz strotzt allerdings vor Selbstlob. „Durch die föderale Struktur ist die ARD mit ihren Landesrundfunkanstalten nahe bei den Menschen, ihrer Lebenswelt“, behauptet die in der DDR promovierte Juristin. „Nie war unsere Verantwortung, Meinungsvielfalt herzustellen, zur kulturellen Identität und zur gesellschaftlichen Integration beizutragen, wichtiger als in dieser Zeit. Wir in der ARD stellen uns dieser Verantwortung“, sagte das frühere SED-Mitglied.

Ja, dass die es mit der Selbstkritik nicht so hat, habe ich gemerkt. „Nahe bei den Menschen” – das ist wohl der Grund, warum sie gleich die Anwälte vorschicken und selbst nicht erscheinen. „Meinungsvielfalt herstellen” – alles sperren, alles abmahnen.

„Zur kulturellen Identität beitragen” – Grüße von Honecker und Mielke oder so ähnlich.

Es ist genau das Übermaß an Selbstherrlichkeit, das Gebührenzahler und Bürger zunehmend gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufbringt. Die Zeiten von medialer Pädagogik haben sich im digitalen Zeitalter mit einer ungeahnten Vielfalt von Medien schlichtweg überlebt.

Wenn man sein Personal aus der SED rekrutiert… waren die da nicht 99% Zustimmung gewohnt?

Gerade in der Amtszeit von Wille hat sich gezeigt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Lebenswirklichkeit der Bürger offenbar nur noch unzugänglich wiedergibt. Der mediale Umgang von ARD und ZDF mit den sexuellen Übergriffen von Migranten auf der Kölner Domplatte beim Jahreswechsel 2015/16 ist dafür ein Beispiel.

Ich hatte ja schon im Sommer die Frage gestellt, was das mit „Lebenswirklichkeiten” zu tun hat, wenn der Frauenanteil bei Tatortkommissaren jetzt schon viel höher als in der Realität ist und auf Betreiben von Maria Furtwängler noch weiter hochgetrieben wird. Lebenswirklichkeit?

Wonach richtet sich das eigentlich, ob sich ARD-Vorsitzende mit jemandem öffentlich an einen Podiumstisch setzen oder den Anwalt zur Abmahnung schicken? Geht’s da nur ums Geld? Sind es Frauenfreundschaften? Oder sozialistische Ideale?

Der größte Fehler von Wille in ihrer zweijährigen Amtszeit als ARD-Vorsitzende ist der Mangel an Selbstkritik. Statt ehrlich die Probleme im ineffektiven Apparat der Rundfunkanstalten anzusprechen und konstruktive Lösungen schnell und effektiv umzusetzen, pocht die Intendantin auf eine „funktionsgerechte Finanzausstattung“. In ihrem zaghaften Reformbemühen sieht Wille sich von ungerechten Verlegern, Politikern, Internetkonzernen und Gebührengegnern umzingelt. Das Problem sind aber nicht die anderen, sondern das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem selbst, das über Jahrzehnte eine tiefgreifende Modernisierung versäumt hat und nun dafür die Rechnung erhält.

Ja, Leute, was glaubt Ihr eigentlich? Jemanden von der SED dafür einzustellen, um den Laden modern zu halten?

Da kann doch gar nichts anderes herauskommen, als dass sie sich selbst für toll erklärt und Leute abholen lässt, die sich systemwidrig äußern.

Auch die Achse des Guten schreibt über Wille und den Wechsel.

Dass man diesbezüglich bei Frau Wille nicht besonders großes Vertrauen entwickelt, mag vielleicht daran liegen, dass sie ihre juristischen Meriten erworben hat, als in der DDR das „sozialistische Recht“, in dem die Intendantin promovierte, „Waffe im Klassenkampf“ war, mithin unveräußerlichen Grundrechten diametral entgegenstand.

Man zeigt diverse Fehler und Versagensmomente und rügt

Hatte man danach irgendetwas, dass irgendwie nach „mea culpa“ klang, von der ARD-Kommandobrücke gehört? Hatte der Fall personelle Konsequenzen? Mit solchen Details gibt sich die frühere ARD-Vorsitzende in ihrem Abschiedsschreiben nicht ab. Stattdessen ärgert es sie, dass Online-Medienangebote Werbeeinnahmen haben und diese Einnahmen vielleicht auch irgendwann den gebührenfinanzierten Häusern fehlen könnten. Und das klingt ein wenig so, als wäre sie vom Geist des Klassenkampfs aus den Jahren ihres Karrierebeginns beseelt:

„Dies bekommen auch wir zu spüren, und damit geht aber auch eine massive Verschiebung der Werbung zugunsten von Online-Plattformen einher, wovon vor allem die großen US-amerikanischen Giganten profitieren.“

Der alte Geist kommt aber nicht nur zum Vorschein, wenn es darum geht, die Profite der US-Imperialisten anzuprangern, sondern auch in der Beschreibung der künftigen Aufgaben des mit Zwangsabgaben finanzierten Medienriesen. […]

Man würde ja erwarten, dass die Intendantin den erhobenen Tribut vor allem mit der Qualität ihrer Produkte legitimieren würde, in die ein profitorientiertes Medienhaus gar nicht hinreichend Geld investieren könnte. Auch wenn ihr höhnisches Gelächter all der Mitarbeiter, die Produktionen mit kleinsten Etats realisieren müssen, gewiss wäre, so würde dieser Textbaustein doch passen. Doch Karola Wille sieht die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eben nicht darin, besonders unabhängige, freie und hochwertige journalistische Arbeit anzubieten, sondern sie sieht ihre Aufgabe mehr in der Volkserziehung:

„Wir alle – Politik und Medien – müssen uns die Frage stellen, wie man den Zusammenhalt unserer Gesellschaft befördern, Brücken der Verständigung bauen und das gemeinsame Wertefundament sichern kann. Wie organisieren wir Gesamtöffentlichkeit, wie verhindern wir das weitere Auseinanderdriften der Gesellschaft? Diese grundsätzlichen Fragen sollten auch unser Ausgangspunkt sein, wenn wir die Diskussion zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zu unserem Auftrag, zu strukturellen Entwicklungen und zur Entwicklung des Beitrags führen.“

Letztlich eine Stategie, die einer Herstellung einer DDR 2.0 gleicht. Während sie einerseits behauptet, für Meinungsvielfalt einzutreten, sagt sie das Gegenteil, und will eine „Gesamtöffentlichkeit” ohne „Auseinanderdriften”.

Mehr über sie findet man in einem Artikel der FAZ von 2011, der ihren Hintergrund in der SED-Ideologie beleuchtet.

Auch wenn sie den Vorsitz jetzt abgegeben hat, sollte man nie vergessen, die ARD daran zu erinnern und ihr vorzuhalten, welche Art Intendanten sie sich wählt.

Und man sollte sich immer bewusst machen, wie die Programmgestaltung zustandekommt.

Man hat sich oft gefragt, warum nach dem zweiten Weltkrieg so viele Ex-Nazis – vor allem eben Juristen – wieder Karriere gemacht und die gut bezahlten und abgesicherten Karriereposten besetzt haben, wie das passieren konnte. Deren Verteidiungsrhetorik las sich so ähnlich wie die Selbstrechtfertigungen, mit denen Wille in den erwähnten Publikationen zitiert wird. Das gleiche Funktionsprinzip.

Wer wissen will, was in der ARD schief läuft, muss sich deren Intendanten ansehen.

Es gibt übrigens weder eine verfassungsrechtliche, noch eine staatsvertragliche Pflicht, diesen Leuten soviel Geld zu geben, wie sie haben wollen. Der Gebührenzahler hat nur das Notwendige zu zahlen. Die Frage nach der Notwendigkeit beantwortet sich aus dem Umstand, dass andere Länder ihrem Staatsfunk deutlich weniger Geld geben. Andere kommen mit deutlich weniger Geld aus. Aber die bauen ihre Sender auch nicht so zu sozialistischen Versorgungsbetrieben aus.