Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Von wegen Burka

Hadmut
28.11.2017 1:43

Ein historisches Detail.

Im ZDF läuft gerade eine seltsam chaotische Sendung „Hissa Hilal – eine Stimme hinter dem Schleier”, eine Reportage über eine Dichterin in Saudi-Arabien, die mit dem Schleier kämpft (beispielsweise in einem Fernsehstudio den Ausgang nicht findet, weil sie nichts sieht.)

Ziemlich flach, irgendwie denkt man sich, naja, wenn die sich da selbst und gegenseitig das Leben so schwer machen..,

Aber ein Detail erscheint mir wichtig: Endlich wird das mal ausgeführt, dass der Schleier ursprünglich reine Wüstenbekleidung gegen Sand und Hitze (und aufdringliche Fremde) war. Das ist mir in arabischen Ländern schon öfters begegnet und ist auch naheliegend, denn wer mal in der Wüste unterwegs war oder in einen Sandsturm gekommen ist, der weiß, dass man da Schutz braucht. Und da es da früher eben weder Sonnencreme noch Sonnenbrillen gab, hat man sich eben mit solchen Mitteln beholfen.

Beispielsweise sieht man in den vereinigten arabischen Emiraten, besonders in Dubai, noch viele historische oder in altem Stil gebaute Gebäude mit klassischen arabischen Windtürmen. Im Prinzip ein einfacher Turm, der oben Öffnungen an allen vier Seiten hat, der aber innen durch kreuzförmig angeordnete Wände so gebaut ist, dass jede Seite ihren eigenen Schacht nach unten hat und der Wind nicht gerade durchblasen kann. So wurde der Wind, egal von welcher Seite er kam, immer nach unten in die Wohngebäude gedrückt, um dort für Durchzug zu sorgen. In die Öffnungen des Turms hat man an Holzstäben nasse Tücher gehängt, die durch die Verdunstung für etwas kühlere Luft sorgten. Der Vorläufer der Klimaanlage. Wenn man mal weiß, wie das Klima dort ist, ist die Art der Bekleidung völlig nachvollziehbar und zweckmäßig. Übrigens unterscheidet sich die traditionelle Kleidung der Männer (oder Beduinen) dort gar nicht so sehr von der der Frauen, nur vor allem in der Farbe, Männer weiß, Frauen schwarz.

Ähnlich wie bei uns der Kirchturm sind dann aber weltliche Elemente aus Unwissenheit und Gewohnheit in den religiösen Bereich eingesickert, ohne religiöse Grundlagen zu haben. Ich weiß noch, wie ich in Karlsruhe mal bei einer Kirche in der Nachbarschaft vorgesprochen habe, weil die wirklich extrem laut und rücksichtslos waren (ich habe bei voll aufgedrehtem Fernseher und geschlossenen Fenstern die Nachrichten nicht verstanden), und die wurden auch noch rotzfrech, schimpften mich Nazi, weil die auch was gegen die Kirche gehabt hätten, nur weil ich sonntags gerne morgens schlafen wollte (der Teufel möge sie holen). Es fällt mir immer wieder auf, dass besonders die, die so besonders gläubig und irgendwo zwischen fromm und fanatisch sind, meist nur wenig über ihre Religion wissen und nicht auseinanderhalten können, was dazu gehört und was nicht. Da wir hier nicht diese Sonneneinstrahlung haben und auch eher selten Sandstürme in der Innenstadt, ist die Verschleierung hier schlicht überflüssig.

Wenn man dann aber hört, dass auch die Gesichtsverschleierung hier immer mit der Religionsfreiheit begründet wird, dann ist das einfach Unwissenheit der Aktivisten, die für etwas kämpfen, was sie selbst nicht verstanden haben. Es gibt heute so eine Herangehensweise, dass man nur das passende magische Wort (Religion, Sexismus, Rassismus) nennen muss, um dann alles zu dürfen.

Aber selbst dann, wenn man es nicht versteht:

Es ist zynisch und dreckig, hier für Verschleierung einzutreten, wenn man sieht, wie Frauen in Saudi-Arabien und anderen arabischen Ländern damit hadern.

Für die Verschleierung einzutreten ist in meinen Augen so ähnlich, als würde man dafür eintreten, dass Schwarze hier überall und auch im Beruf ihre Sklavenketten tragen dürfen.

Es ist umso absurder, wenn man bedenkt, dass die feministische Front unaufhörlich rezitiert, dass Frauen hier noch bis vor einigen zig Jahren kein Konto eröffnen und ohne Einverständnis des Mannes nicht arbeiten durften (wovon mir erzählt wurde, dass das nicht stimmt und ein Märchen der Propagandisten sei). Gleichzeitig setzt man sich wieder für so eine Einbuchtung der Frau ein.