Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Deutschand ohne L und ohne R

Hadmut
19.11.2017 13:16

Sprachverfall.

Da bekam ich einige Zuschriften zum Thema Lispeln, auch schon in den Tagen zuvor in etwas anderem Kontext.

Viele beklagen, dass die Leute – vor allem in Radio und Fernsehen – kein R mehr sprechen können. Nicht nur kein rollendes R, sondern gar keines mehr. Was eigentlich auf -er endet, wird -eaa gesprochen.

Einer beklagt, dass auch L verloren geht, dass immer mehr Leute etwa Deutschand ohne L sagen.

Ich habe mich gestern mal wieder über irgendeinen Radiosender geärgert, weil die lustige junge Moderatorin über irgendwas berichtete (ich weiß nicht mal mehr, was das war) und verkündete, dass man laut irgendwem irgendwas nicht mehr tun muss. „Man braucht das nicht mehr machen”, ich weiß nicht mehr, welches Verb statt „machen” es war. Und das immer wieder.

Es gab mal in den Schulen so eine Merkregel: „Wer brauchen nicht mit zu gebraucht, braucht Brauchen gar nicht zu gebrauchen.”

Es gab mal eine Zeit, da musste man einigermaßen deutsch sprechen und artikulieren können, um in der Branche zu arbeiten. Wie auch mehrere Leser anmerkten: Man muss sich mal alte Werbung oder Radiosendungen aus den 50er oder 40er Jahren anhören, sollte man eigentlich auch aus dem Geschichtsunterricht kennen (und wenn’s die alten Propagandasendungen sind). Denn damals hatten Schauspieler noch keine Mikrofone und die Tonqualität von Aufzeichnungen, Übertragungen und Lautsprechern war lausig. Deshalb haben die noch gelernt, so zu sprechen, dass man es auch in der hintersten Reihe noch versteht. Die haben noch überdeutlich gesprochen (technisch: Signal-Rauschabstand). Hört sich heute etwas albern an, aber hat geholfen.

Erinnert mich an eine der bekloppten Veranstaltungen in der Friedrich-Ebert-Stiftung, als eine rhetorisch unfähige Gendernuss, die so schon nicht deutlich reden konnte, versuchte, einen 90-Minuten-Vortrag in 25 zu halten. Das Problem daran ist, dass deren Vortragssaal akustisch brauchbar ist, solange er geschlossen ist, dann ist er aber klein. Man kann die Wände entfernen und das Foyer dazunehmen, dann ist er groß, aber akustisch hundsmiserabel, man versteht das dann nur noch vorne. Hinten bekommt man mehrere Echos der verschiedenen Wände ab und versteht effektiv nur noch schlecht, und wenn dann so eine Schwätznuss auftritt…

Und wenn man, wie ich, deshalb noch etwas sagt, dann heißt es in Echtzeit auf Twitter

The first question is a dude mansplaining the presenter how to present

Das passt zu dem, was mir die Leser als Ursache des Problems beschrieben. Früher haben die Eltern („Kind, sprich deutlich!”, „Kind, sprich langsam!”) und die Lehrer auf sowas geachtet, aber heute lässt man Kinder schreiben und plappern, wie sie wollen.

Und wenn diese Leute dann zum ersten Mal in ihrem Leben (hier: nach ihrer Promotion) auf jemanden treffen, der ihnen sagt, dass sie nicht ordentlich sprechen, und man sie deshalb bei schlechter Akustik nicht mehr versteht, dann nennen sie das „mansplaining”, weil sie gar nicht mehr kapieren, was Kritik ist.

Die sind einfach strrrrrunzdoof. Mit rollendem R.