Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ein entsetzliches Drama vor 71 Jahren

Hadmut
11.11.2017 13:59

Was bewegt die Presse zutiefst auch nach 71 Jahren?

Was war vor 71 Jahren?

Zweiter Weltkrieg vorbei, Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, Millionen Tote auf der Welt, Länder in Trümmern, Hunger, Leid, Verzweiflung, anbahnender Ost-West-Konflikt, Wirtschaft down.

Und womit schafft man es nach 71 Jahren in die breite Presse?

Gina Lollobrigida wurde unaufgeklärt entjungfert und fand es nicht toll. Das ist, was nach 71 Jahren bleibt.

Auch sie sei zwei Mal Opfer von Gewalt geworden, sagte die Italienerin in einem TV-Interview, ohne die Taten genauer zu beschreiben. „Das erste Mal war ich 19 Jahre alt, ich war unschuldig, kannte die Liebe nicht. Es war also schlimm“, sagte sie in dem Programm „Porta a Porta“, das am Mittwochabend ausgestrahlt wurde.

Beim zweiten Mal sei sie bereits verheiratet gewesen. „Es ist besser, nicht darüber zu reden.“ Sie habe nicht den Mut gehabt, die Taten anzuzeigen, so Lollobrigida. „Wenn die Belästigung nicht Belästigung ist, sondern mehr, dann kannst du das nicht auslöschen, es bleibt drinnen und beeinflusst deinen Charakter.“

Und weil’s so wichtig für das Weltgeschehen war, berichtet selbstverständlich auch das Handelsblatt. Das Handelsblatt.

Was hat sie jetzt eigentlich gesagt?

Nichts.

Das erste Mal war „schlimm”. Über das zweite Mal rede man besser nicht.

Und daraus orakelt sich die Presse dann irgendwas zusammen, das soll dann ein Beweis sein, dass die Welt auch 71 Jahre später böse ist.

„Sie kannte die Liebe nicht.” Sagt sie. Was ist das für eine Aussage? War ein Mann jetzt schuld daran, dass ihre Mutter sie nicht aufgeklärt hat?

„Es war also schlimm.” Das heißt, sie hätte es anders bewertet, wenn sie es gewusst hätte? Unkenntnis war das Problem?

Mal im Ernst: Wievielen Frauen (wievielen Männern?) hat denn das „erste Mal” schon gefallen? Es sagen doch viele, dass das Gewöhnungssache ist und man das ein paarmal gemacht haben muss, bis man weiß, wie es geht. Und aus diesem Geraune machen die etwas, was sie jetzt 71 Jahre später aufkochen? Aus Teenagergebrabbel, das zu meiner Zeit nicht mal für die Dr.-Sommer-Fragespalte der Bravo gereicht hätte, machen die nach 71 Jahren so ein Ding?

Und die halten sich für den Journalismus, den die Welt so dringend braucht?

Für sowas wäre mir meine Mülltonne noch zu schade. Wie gut, dass ich sowas nicht auf Papier kaufe.