Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Schales Kartoffelpüree

Hadmut
28.10.2017 2:43

Ein pathologischer Befund des Presseversagens auf der Anamnese einer aktuellen Podiumsnichtdiskussion unter besonderer Betrachtung von TAZ, ZEIT und SPIEGEL ONLINE. [Nachtrag 6]

Der regelmäßige Leser weiß, dass das Versagen und der Niedergang der Presse ein Themenschwerpunkt meines Blogs ist.

Deshalb war ich vorhin bei der Podiumsdiskussion (oder um es vorweg zu nehmen: bei dem, was eine hätte werden sollen) der mir bisher unbekannten Organisation Südblock: #NoNazis: Wie organisieren wir uns gegen die AfD? @ aquarium am 27.10.17 Das „Aquarium” sind die ehemaligen Geschäftsräume einer verlassenen Zoohandlung am Kottbusser Tor, einem der kriminellsten Orte Berlins. Da dachte ich mir, das passt doch zusammen, da geh ich hin. Also habe ich, soweit möglich, alles von Wert zuhause gelassen und bin bei Dunkelheit dahin gegangen, denn auch auch die Zusammensetzung war genau mein Ding (die Personen kannte ich nicht, aber die Namen der Zeitungen sagen mir als Älterem noch etwas):

  • Mohamed Amjahid (Autor „Unter Weißen“, Zeit-Journalist)
  • Fatma Aydemir (Schriftstellerin, taz-Journalistin, versuchte sich hier als Moderatorin)
  • Enrico Ippolito (Kulturchef Spiegel Online)
  • Hengameh Yaghoobifarah (Missy Magazine, taz-Kolumnistin)

Kurzer Abstecher zur Vorbereitung

Um zu verstehen, worum es da ging und welchen Geistes Kind die Leute waren, sollte man sich an dieser Stelle die Zeit nehmen und diesen Artikel in der taz von Hengameh Yaghoobifarah sorgfältig lesen: Deutsche, schafft Euch ab!

Kartoffeln würden lieber auf einen freien Tag verzichten, als Muslim_innen was zu gönnen. Warum machen sie das?

Vor sieben Jahren veröffentlichte Thilo Sarrazin seine rassistische Thesensammlung „Deutschland schafft sich ab“ und eröffnete damit eine steigende Hetzstimmung gegen Muslim_innen. Dass Sarrazin ein rechter Lauch ist, der gerne viel Scheiße labert, wenn der Tag lang genug ist, wissen wir bereits. Dass er mit seinem Buchtitel ein falsches Versprechen gegeben hat, auch, denn ich schaue es dem Fenster und sehe Deutschland immer noch.

Der deutsche Hass auf Muslim_innen und die Paranoia vor einer – was auch immer das sein soll – Islamisierung der deutschen (wortwörtlich) Dreckskultur hält Kartoffeln davon ab, ein schöneres Leben zu führen. Lieber eine Schweinefleisch-Lobby gründen als halal-Fleisch in ihrer Kantine akzeptieren. […]

Geschichtsverdrossen, besserwisserisch

Aber Kartoffeln sind nicht strategisch klug, sie sind ignorant, geschichtsverdrossen und besserwisserisch. Weder aus den Fehlern anderer, noch aus ihren eigenen können und wollen sie lernen. Würden AfD-Wähler_innen zuhören, wüssten sie, dass die AfD einen Großteil von ihnen unter den Bus schmeißen würde, wäre sie an der Macht.
Sarrazin hat auf 464 Seiten Verantwortliche für die Abschaffung Deutschlands gesucht, aber die größte Problemkindergruppe vergessen: die Deutschen selbst. Sie schaffen sich selber ab. Ich hoffe, sie beeilen sich.

Das war so der zentrale Dreh- und Angelpunkt des Abends, der Artikel wurde auch zitiert, und es war einheitliche Selbstverständlichkeit, Deutsche als „Kartoffeln” zu titulieren. Würde es einem Deutschen umgekehrt einfallen, Araber als „Fallafeln” zu titulieren, würde er sofort überall gesperrt und als Volksverhetzer verfolgt.

Es zog sich ebenfalls wie ein roter Faden durch die Veranstaltung, dass man grundsätzlich niemandem ein Recht einräumt, den Islam irgendwie zu kritisieren. Wenn einer damit nicht einverstanden ist, dann ist der böse Sarrazin (ich habe keine Ahnung, was „ein Lauch” sein soll, ich kenne das Wort nur als „das Lauch” aus der Küche.) daran schuld.

Dass es vielleicht auch an Terroranschlägen der Sorte „Allahu Akhbar”, Drogenhandel oder schlicht dem generellen Auftreten im öffentlichen Raum liegen könnte, wird komplett ausgeblendet. Es wird gar nicht erst gefragt, warum sich irgendwer gestört fühlen könnte. Es beschränkte sich durchweg auf „alles Nazis, Rassisten und Kartoffeln”.

Dass Deutsche vielleicht einfach nicht so korrupt sind, sich für einen lumpigen Arbeitstag die Zustimmung zu einem gefühlten Stück Zwangsislamisierung abkaufen zu lassen, kommt da auch nicht in den Sinn. Es ist mehr so die Umgangsweise mit einem Hund, dem man etwas zu fressen hinwirft, und dafür erwartet, dass er folgt.

Auch dieser Aspekt dieses Artikels zog sich durch den ganzen Abend: Dieser ständige, permanente Ausdruck herablassender demonstrativer Respektlosigkeit, der pausenlosen Darstellung, Deutsche als minderwertig und überflüssig anzusehen, die sich doch bitte gleich selbst auflösen und entfernen mögen.

Ich fand das überaus frappierend, denn während sie ständig über Rassisten schimpften und auch unterstellten, dass überhaupt jeder Weiße Rassist ist, gaben sie selbst eine wüste Darbietung übelsten Rassismus ab, in dem die sich dann gegenseitig noch hochpumpten und reinsteigerten.

Die Podiumsdiskussion

Eigentlich war es keine Diskussion. Erstens nicht, weil ja alle derselben Meinung waren. Zweitens nicht, weil sie nichts zu diskutieren wussten. Drittens nicht, weil sie mit der Situation, dazusitzen und etwas zu sagen oder etwas zu fragen, immer wieder überfordert waren, besonders die Moderatorin.

Das ist jetzt vielleicht gemein von mir, das damit aufzumachen, aber wenn eine Moderatorin die Gäste als „drei der klügsten Menschen des Universums” (wörtlich!) begrüßt, dann ist das ein selbstgewählter Maßstab. Und wenn dann intellektuell einfach gar nichts kommt, und auch sprachlich nur Primitivsprache, wenn man merkt, dass die einen sehr reduzierten Satzbau und Wortschatz haben, etwa als Steigerung von wichtig nur „super wichtig” kennen und auf Anglizismen wie „people of color” ausweichen, weil sie keinen deutschen Begriff verwenden können und wollen, dann steht das in einem augenfälligen Kontrast zum geäußerten Anspruch und Selbstverständnis. Wenn man dann aber auch noch ständig merkt, dass die sich überhaupt nicht vorbereitet haben und eigentlich auch nicht wissen, was sie sagen wollen, oder was sie überhaupt wollen (dazu unten mehr zu einer Frage, die ich gestellt habe), dann ist das lächerlich.

Wenn dann noch dazu kommt, dass zumindest zwei bis drei der vier auf mich noch äußerst unsympathisch wirkten, nämlich wegen auffällig affektiertem Gehabes, Gehampel, Gestik und Mimik, die auch dazu verwendet wurde, Defizite des sprachlichen Ausdrucksvermögens auszufüllen, dann wirkt das auf mich grotesk. Denn alle vier wirkten auf mich völlig unreif, noch meilenweit vom Erwachsensein entfernt. Wenn dann noch gesagt wurde, dass einer irgendwas abgebrochen hat und nun versucht, im Fernstudium noch Philosophie zu studieren, dann beißt der selbstgewählte Maßstab „drei der klügsten des Universums” geradezu zerfleischend zu, ohne dass es noch des Zutuns eines Zuschauers oder Bloggers bedürfte.

Ich weiß, es ist hart, wenn ich gleich damit aufmache.

Aber wenn sich jemand so arrogant, selbstüberhöhend und herablassend über die Einwohner eines Landes stellt – und ich möchte nur daran erinnern, welchen Universalschutz Linke normalerweise den indigenous people eines Landes zukommen lassen, also selbst genau die Denkweise verwenden, die sie anderen hier permanent vorhalten – und ständig davon redet, dass man sie belehren und erziehen müsse, naja, wie soll ich sagen, dann hat er sich den Maßstab, mit dem er gemessen wird, selbst gewählt, und sich seine Grube selbst geschaufelt. Den kann man dann gar nicht mehr anders behandeln als so.

So wurde wieder das Unverständnis geäußert, warum die Deutschen keinen muslimischen Feiertag haben wollen. Man bietet ihnen einen Tag frei, und die blöden Kartoffeln wollen das nicht, da könne man nicht verstehen. Heißt im Klartext: Gib einem ungefragt ein Zuckerle wie einen Tag frei, und er hat in ihren Augen kein Recht mehr, eine Meinung zu haben oder eine Entscheidung zu treffen. Die waren wirklich der Überzeugung, dass sie die Entscheidungen für andere treffen, und es völlig unverständlich sei, dass Leute das nicht mitspielen, ihre Meinung nicht bei ihnen zur Pflege abgeben wollen.

Und sie meinten das auch nicht etwa fürsorglich gut: Yaghoobifarah sagte einmal explizit „Ich hasse Deutschland”. Das bleibt ihr sicherlich unbenommen, aber ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum sie dann hier ist. Und warum sich 80 Millionen Leute nach ihr richten müssten. Und wieso sie überhaupt glaubt, für sich das Privileg eines Hasses in Anspruch nehmen zu können, während man anderen permanent Hass vorwirft. Wie kann man etwas, was man bei anderen als schlecht einstuft, für sich selbst als gut und moralische Rechtfertigung nehmen?

Man regte sich auf, dass man auf einem Bahnsteig an einer Frau vorbeilief, die instinktiv ihre Tasche umklammert habe.

Als sei das lächerlich. Dass man dabei aber 50 Meter vom Kottbusser Tor entfernt war, der als einer der übelsten Schwerpunkte des Raubes und Taschendiebstahls in Berlin gilt, und die Polizei es hier schon aufgegeben hat, Taschendiebstahl noch ernstlich bekämpfen zu wollen, wird nicht erwähnt. Und dass viele der „pickpockets of color” durchaus islamische Denkweise an den Tag legen und sich als Opfer „Ungläubige” aussuchen, weil das dann nicht gegen den Koran verstößt, und damit eine deutsche Frage zwangsläufig ein anderes Verhältnis zu ihrer Handtasche entwickelt als eine Muslima, wird da auch nicht gesehen. Insofern hätte man das Podium erst mal aufrufen können, sich ihrer „Privilegien” bewusst zu werden.

Dafür gibt es dann Ansagen wie „In der Pyramide seid Ihr nicht so weit oben, wie Ihr denkt!”

Dazu hat man sich dann darin gebadet, dass Deutsche und – um dann zum Thema des Abends zu kommen – AfD-Wähler typischerweise Hartz-IV-Empfänger in Marzahn seien (später sagten sie dann das Gegenteil, da gäbe es auch Professoren und gebildete), und irgendwoher die Falschinformation hätten, dass Flüchtlinge hier mal eben 2000 Euro Cash abgreifen würden. Eine Frau habe neulich einen Hungerstreik angetreten, wenn sie nicht auch 2000 Euro wie ein Flüchtling bekäme.

(Ich glaube mich erinnern zu können, dass da in der Presse von Fällen mit weit höheren Beträgen berichtet wurde, und dass die Mieten, die die Gemeinden zahlen müssen, da auch oft weit drüber liegen, und auch bei der Krankenversicherung und Sondertaxifahrten meine ich, da über weit höhere Beträge gelesen zu haben. Wenn man als Podium also schon selbst so ein Thema wie diese 2000 Euro aufmacht, dann sollte man auch klären und sagen, ob es denn überhaupt stimmt oder nicht, und das nicht einfach so als rhetorische Lächerlichkeitsgranate in den Raum werfen und es dann nicht weiter anfassen, es also allein bei der rhetorischen Wirkung und dann offen lassen, ob es denn stimmt oder nicht. Oder man packt es eben gar nicht erst an.)

Und natürlich ständig Rassismus. In ihrem Weltbild gibt es nur eine einzige andere Geisteshaltung als die eigene, Rassismus. Alles Rassisten außer mir selbst.

Und dann beschweren die sich, man könnte mit Deutschen nicht vernünftig über Rassismus reden.

Später sagten sie auch, dass die sowieso und unvermeidbar alle Rassisten sind. Da wird also von vornherein und unumstößlich das Ergebnis des Gesprächs festzementiert, nämlich das Ergebnis, das die alle Rassisten sind und sonst nichts. Und dann beklagen sie, dass kein vernünftiges Gespräch darüber möglich wäre.

Amjahid fasste das mal zusammen, indem er es auf den Punkt „Ihr habt ein Problem” brachte und meinte, er sei derjenige, der ein Land darüber aufklären könne, dass sie ein Problem haben. Er ist nämlich Autor des Buches Unter Weißen (Stellt Euch vor, jemand schriebe ein Buch „Unter Schwarzen”…) und hat damit jede Menge Journalistenpreise gewonnen. Deshalb hält er sich jetzt für den Erleuchteten, auf den alle gewartet haben, damit er ihnen offenbart, dass sie ein Problem haben.

Die Moderatorin beklagte dazu auch, dass „Diskurse”, von denen man dachte, dass man sie nicht wieder verhandeln müsse, plötzlich wieder salonfähig würden. Übelstes Soziologensprech. Immer diese Phrasendrescherei. Mir fiel dazu spontan ein, dass ich in den soziologischen Schriften zur Migration häufig die Phrase gelesen hatte, dass man das Zusammenleben und die Kultur hier „täglich neu verhandeln” müsse. Manchmal schreiben sie auch „aushandeln”. Soso. Wenn sie meinen, sie gewinnen dabei, soll man täglich neu verhandeln, jeden Tag ein Stück mehr. Geht es aber in die andere Richtung, dann protestiert man, weil man es doch schon als abschließend ausverhandelt angesehen habe.

Man beklagte, dass mit dem Einzug der AfD deren Abgeordnet nun sehr viel Geld bekämen und damit wieder andere Recht als Mitarbeiter einstellen und finanzieren, und das Geld aus den Landesparlamenten käme ja auch noch dazu. Komisch, macht die SPD schon immer so. Wirft man der AfD jetzt schon vor, es so zu machen, wie es im Bundestag und bei allen anderen Parteien Standard ist? Ist das nicht die Masche, wie sich da viele Linke seit Jahren finanzieren? Wehe denen, die das gleiche machen wie wir?

Ippolito erklärte dazu, dass man gegenüber der AfD nicht neutral sein müsse, weder in diesem Job, noch als Individuum.

(Stimmt, dachte ich mir da. Das muss man wirklich nicht. Es ist jedermanns Recht und Meinungsfreiheit, das nicht zu sein. Wenn man das dann aber unter Bezeichnungen wie DIE ZEIT oder DER SPIEGEL als Journalismus verkauft, und dafür dann vier oder fünf Euro haben will, dann begeht man schlichtweg Betrug, weil man den Käufer über den Gehalt täuscht und ihm etwas verkauft, was da nicht drin ist. Man muss nicht neutral sein. Aber man kann es dann nicht als Zeitung verkaufen. Dann muss da „Dauerwerbesendung” drauf stehen.)

An einer Stelle ist mir dann besonders aufgefallen, dass die auch als Journalisten einfach keine Ahnung von ihrem Job und von den „demokratischen” Abläufen in Deutschland haben. Eine beklagte nämlich, dass der Bundestagsvizepräsidentenkandidat der AfD, Glaser, bei der Wahl mehr Stimmen bekommen habe, als die AfD selbst Abgeordnete habe. Und folgerte daraus, dass der Rassismus auch „Rückhalt” in den anderen Parteien habe.

Die schimpfen und schimpfen und schimpfen und haben nicht die geringste Ahnung, was in der deutschen Politik so läuft. Da brennt nicht mal ein trübes Licht. In den ganzen Gremien und Ämtern ist es seit Jahren gang und gäbe und vereinbart, dass die Ämter nach „Parteienproporz” vergeben werden und „eine Hand wäscht die andere” gilt. Dafür, dass man den einen wählt, erwartet man im Gegenzug, dass der andere auch den eigenen wählt, und es war sowieso üblich, dass jede Partei einen Vize stellt.

Daran haben sich einige Abgeordnete anderer Parteien gehalten. Aus Gewohnheit. Oder aus Fairness. Oder weil sie selbst auch mal die Stimmen der AfD für ihren Kandidaten haben wollten. Oder weil sie sich nicht gleich in der ersten Sitzung lächerlich machen oder Streit anzetteln wollten. Oder einfach keine Sonderregeln für die AfD aufstellen und es so machen wollten, wie man es seit Bestehen der Bundesrepublik immer gemacht hat.

Und dann kommen diese vier „Journalisten”, preisgekrönt und die Klügsten des Universums, und haben davon nicht für 3 Cent Ahnung. Aber schlussfolgern, dass der Rassismus offenbar Rückhalt in anderen Parteien habe. Zumal sie sich ja auch ganz sicher sind, dass alle AfD-Mitglieder und -Wähler Rassisten sind, weil es ja gar keinen anderen Grund geben könne, AfD zu wählen. Andere Gedanken und Beweggründe kann es ja nicht geben.

Und dann sagte eine dieser Demokratieexperten, dass sie am Wahlabend nicht rausgegangen wäre, weil sie sich nicht sagen lassen wollte, dass das Demokratie sei.

Überhaupt die Demokratie. An die Deutschen: „Ihr habt ein Problem!” Das Problem heiße Mehrheitsgesellschaft. Bei uns herrsche eine Mehrheit. (Will wohl heißen, dass wir lernen müssten, uns von einer Minderheit regieren zu lassen. Nur zur Erinnerung: Das hatten wir schon mal. Das nannte sich Drittes Reich und das waren die Nazis, gegen die sie ständig wettern. Deshalb haben wir in unser Grundgesetz geschrieben, dass wir sowas nicht mehr machen. Aber woher sollen Journalisten, Klügste des Universums, die Weisen der Gesellschaftsformen, die Oberexperten für Nazitum, sowas auch wissen?)

Man befand, das müsse man debattieren. (Und ich dachte: Warum tun sie es dann nicht einfach?)

Und nachdem man ständig auf Rechte, Rechtsextremisten, Nazis, AfD einschlug, gab es mal eine kurze Pause, in der man sich nämlich über Bashing beklagte. Bashing auf Linksextremismus, anlässlich G20. Das sei ja nun hundsgemein, den Linksextremismus anzugreifen und anzuprangern.

Freilich fragte man auch, und der Neid war hörbar, warum die Pegida es geschafft habe, sich als Protestpartei zu positionieren, nicht aber die linken Parteien. Warum gebe es keine linke Protestpartei? Man kam zu dem Ergebnis, dass leider nicht mal in der Linken alle einig seien, was eigentlich das Problem wäre.

(Und ich dachte mir: Ihr Deppen von Universums Gnaden. Ihr seid nicht Protestpartei, weil wir eine linke Regierung haben, Ihr könnte nicht gleichzeitig Regierung und Opposition sein. Außerdem könnt Ihr nicht pausenlos mainstream prügeln und alles abwürgen, was auch nur einen Millimeter abweicht, und dann erwarten, als Protestpartei zu gelten.)

Man fragte sich, ob man das nicht auf die Weise angehen müsse, dass man einfach rundheraus erklärt, dass man die AfD im Bundestag einfach nicht akzeptiert.

(Erster Gedanke: Für wen halten die sich, dass sie glauben, dass es im Deutschen Bundestag auf ihre Akzeptanz ankäme. Zweiter Gedanke: Moment mal. Genau das, etablierte Strukture in Abrede zu stellen, genau das ist doch „Populismus”. Warf man nicht das immer der AfD vor?)

Und was ja nun gar nicht gehe, man verstehe gar nicht, wie sowas folgenlos bleiben könne, nach der Bundestagswahl sei ein Taxi voller AfD-Leute in einem Menschenmenge gefahren, die dann schwer verletzt worden sei. (Irgendwas stand da mal in der Zeitung, ich weiß aber nicht mehr genau, was das war.)

Sie fragten auch mal, ob ein AfD-Wähler anwesend sei, es hat sich aber keiner gemeldet.

Fragen

Dann wollten sie Fragen von den Zuschauern haben, und keiner wollte fragen.

Als sie das dritte Mal fragten, ob es Fragen gäbe, habe ich mich gemeldet.

Ich habe gesagt, dass sie zwar dargelegt hätten, was ihnen nicht gefällt, und wovon sie weg wollten, dass mir aber eine Aussage fehlt, wo sie hinwollten, welchen Zustand sie erreichen wollten. Haben sie nicht verstanden. Ich habe es nochmal erklärt. Sie stören sich ja nun erkennbar daran, dass Leute AfD gewählt haben. Was genau sie denn jetzt von denen erwarten würden. Sollen die Wahlen fernbleiben? Oder sollen die etwas wählen, was sie nicht wählen wollen? Sie haben es immer noch nicht verstanden. Ich sagte, sie hätten doch eben gefragt, ob ein AfD-Wähler anwesend sei. Wenn sich einer gemeldet und gesagt hätte, es täte ihm leid, was soll er denn jetzt machen, was hätten sie ihm denn gesagt?

Ja… äh… wissen sie nicht. Eigentlich nichts, es sei zu spät, da könne man nichts mehr machen. Es sei ja auch nicht ihre Aufgabe…

Von Amjahid bekam ich dann noch die Antwort, der dürfe dann nicht mehr in Urlaub fahren, wo die Sonne scheint. Und ich wusste wirklich nicht, macht der jetzt einen Spaß, meint der das ernst, will er mich verspotten, ist das so eine nahöstliche Ausweichantwort, hat der das falsche Zeug geraucht, oder wie der das meint. (Ganz am Anfang gab es schon mal so eine Bemerkung der Moderatorin, dass er auf einer antideutschen Sexparty gewesen sei, und ich konnte beim besten Willen nicht einschätzen, ob das Ironie oder ernst gemeint war, weil deren Kontext gegenüber meinem so meilenweit verschoben ist, und weil ich weiß, dass einige Frauen linker Gruppen sowas tatsächlich veranstalten.)

Danach haben sie sich kurioserweise mit einem anderen Frage über meine Frage in die Wolle bekommen, der nämlich war sauer über die Kartoffelnummer. Der kam von irgendwas, was ich nicht richtig verstanden habe (KanackAttack oder sowas) und meinte, die Kartoffelnummer hätten sie erfunden, sie aber rein taktisch benutzt. Die auf dem Podium dagegen würden die jetzt identitär verwenden, und das ginge ja gar nicht. Mit dem haben sie sich dann noch um die Frage gefetzt, was sie denn jetzt eigentlich wollen, und sie sagten, es sei nicht das Ziel derer, die Ziel der AfD sind, die Probleme der Deutschen zu lösen.

Amjahid erklärte, dass er von linksextremen Jubelzuschriften bekäme, und von alten weißen Männern Hasszuschriften. (Ich wollte dazu zwei Fragen stellen, nämlich was er von alten weißen Linksextremen geschickt bekommt, und woher er bei einer Hassmail eigentlich weiß, dass der Absender alt, weiß und männlich ist, ob die das drunter schreiben, bekam das Mikro aber nicht nochmal.)

Dann kamen noch andere Fragen, in denen es um antisemitische Kampagnen gegen den herzensguten George Soros ging, das Blog Mädchenmannschaft, und die wertvolle Aufklärungsarbeit von linksunten bei Indymedia. (Eieiei)

Und dann kam noch so eine Extreme, die extrem davon überzeugt war, dass rund um die AfD alles nur Rassisten seien. (Was bei mir die Frage aufwarf, ob die Aussage nicht selbstwidersprüchlich ist, so im Sinne von „Alle Kreter lügen, sagte der Kreter”, denn nachdem die ja alle die ultimativen AfD-Experten zu sein schienen und sich offenbar sehr nah in deren Umfeld tummeln müssen, müsste das ja auch für sie selbst gelten.

Heimweg

Auf dem Heimweg ging mir durch den Kopf, was für eine elend-üble Veranstaltung das gewesen ist.

  • Die kamen mir massiv rassistisch vor, ständig gegen Deutsche, Weiße, Kartoffeln, alles Nazis, alles Rassisten. Das war ganz fürchterlich und abstoßend.

    Da etabliert sich gerade ein ganz massiver Superrassismus.

  • Die kamen mir sehr antisemitisch vor. Das erscheint auf den ersten Blick unsinnig, weil sie ja gegen Nazis sind und Ippolito einmal sagte, dass er nicht mehr mit Rechten diskutieren will, ob es die Shoa gab.

    Aber erstens ist das eine permanente Holocaust-Leugnung und Verharmlosung des Dritten Reiches, die AfD mit Nazis gleichzusetzen.

    Und zweitens kam mir das so vor, als läge da ein islamischer Holocaust-Neid analog zum feministischen Penis-Neid vor. Irgendwie hatte ich da mehrfach den Eindruck, dass die es aus einer muslimischen Position heraus absolut nicht verknusen können, dass ausgerechnet die ihnen verhassten Juden hier in Deutschland eine privilegierte Sonderrolle und das Verhältnis zwischen Deutschen und Juden hier einfach in gute und schlechte Richtung identitätsstiftend, staatskonstituierend und politikbestimmend ist. Als ob sie neidisch auf diese Sonderrolle wären und meinen, sie müssten einfach nur lange und laut genug „Nazi” schreien und so eine virtuelle Muslimen-Verfolgung suggerieren, um in dieselbe Position zu kommen. [Nachtrag: Dieses ständige „Wir auch, wir auch!” ist geschmacklos, allerunterstes Niveau.]

    Ich weiß, ist böse, aber so kam mir das vor.

  • Die wussten überhaupt nicht, was sie wollen.

    Die schimpfen extrem, ausfällig und rassistisch über Deutsche/Weiße, aber wenn man sie fragt, was sie denn jetzt eigentlich wollen (ich habe ja gefragt, was AfD-Wähler ihres Erachtens nun tun sollten), dann wissen sie es nicht.

    Die wollen am Zustand gar nichts ändern, die wollen sich einfach als Opfer stilisieren und möglichst viel Streit vom Zaun brechen.

    Da ist nicht die geringste intellektuelle Komponente zu finden, sie suhlen sich in Emotionalität und Schimpftiraden. Böse, böse Deutsche.

  • Das war auch Wahlneid. Mehrmals beklagten sie, dass nur zwei der vier auf dem Podium hier ein Wahlrecht hätten, aber die bösen Deutschen böse wählen und Demokratie ein Fehler sei, Mehrheitswahlrecht sowieso. Eigentlich ging’s denen gar nicht darum, dass irgendwer AfD wählt, sondern dass man hier überhaupt noch Wahlen abhält und nicht gleich die linke Diktatur ausruft.
  • Ich hab auch nicht verstanden, warum die dann überhaupt hier sind. Wenn doch jemand explizit sagt, dass er Deutschland hasst, und er die Deutschen alle für Rassisten und Kartoffeln hält, was jedem von Herzen und mit der vollen Inbrunst der Meinungsfreiheit gegönnt und gestattet sei, warum ist er dann hier?

    Es gibt über 200 Länder auf der Erde. Warum geht man dann nicht in ein Land, das einem mehr zusagt?

    Sorry, aber ich verstehe es nicht: Warum sucht man sich unter 200 Ländern ausgerechnet das aus, das man am meisten hasst und am schlimmsten findet? Es gibt so viele Länder, in denen es kaum Deutsche und keine Kartoffeln gibt, in denen islamische Feiertage abgehalten werden, die nicht auf Mehrheiten beruhen und keine Wahlen stattfinden, die nach ihren Aussagen doch genau ihren Wünschen entsprechen müssten. Oder ist das alles gelogen?

  • Sorry, wenn ich das mal so rundheraus sage: Auf mich wirkten die alle vier einfach strohdoof. Ungebildet. Intellektlos. Banal. Ordinär. (Und man muss auch nicht über die Marzahner schimpfen, wenn man selbst eine Ballon-Figur hat und sich in ein bauchfreies Proletenbustier zwängt, an dem man ständig zuppeln muss, weil sich der Stoff nicht über die Rundungen spannen kann.)

    Nicht nur in der Redeweise, diesem Unterschichten-Wortschatz, und diesem Billig-Gebabbel (super, totaal, usw.), sondern auch im Fehlen jeglicher Argumentation und jeglicher gedanklicher Vorbereitung oder Strukturierung. Das war alles so seicht und flach, so ein extrem flaches, plattes, eindimensionales Weltbild, in dem es überhaupt nichts mehr zu diskutieren gibt, weil doch sowieso alles schon feststeht, insbesondere die Rollenverteilung in gut und böse. Logik, Stringenz, Empirie, Hineinversetzen in den anderen, Fehlerprüfung, Begründung, das gibt es bei denen alles nicht. Geistig sind die platt und flach, da ist überhaupt keine Substanz da. Dunning-Kruger lässt grüßen, und die Moral und Selbstherrlichkeit überdecken alles.

    Und wenn der noch so viele Journalistenpreise bekommen hat: Wenn ich den da reden höre, dann sagen diese Preise nichts über ihn, aber viel über Journalismus, über Journalistenpreise und über die, die sie vergeben haben.

  • Dieses ganze selbstherrliche, arrogante, herablassende, überhebliche, selbstüberhöhende, selbstgerechte, eingebildete, schnöselhafte Gehabe ging mir unglaublich auf den Sack.

    Motto: Jetzt kommen wir vier klügsten des Universums (die sagten das nicht nur so, die fühlten sich auch so) und sagen den dummen deutschen Kartoffeln, dass sie ein Problem haben, dass sie alles falsch machen, und dass sie sich doch bitte gleich selbst ausrotten mögen.

  • Gerade so die Sache mit den Feiertagen hatte doch schon den Unterton „Was fällt Euch ein, den Islam nicht anzuerkennen!” Ihr bekommt einen freien Tag und wagt es, ihn nicht anzunehmen?

    Was fällt Euch überhaupt ein, hier noch Wahlen abzuhalten und nach dem Mehrheitsprinzip und der Demokratie zu handeln?

Das hätte ich ja eigentlich alles noch unter privater Dummheit und meiner Überzeugung, dass auch der Dümmste noch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit genießt, abgelegt.

Aber: Die sind alle bei großen Zeitungen (SPIEGEL, ZEIT, TAZ) aktiv.

Das heißt nicht nur, dass die selbst rapide schrumpfende Redaktionen nicht mehr intellektuell besetzt bekommen. Es heißt auch, dass da Hetzer, Rassisten, Hasspriester, anscheinend Islamisten, jedenfalls Leute mit einer Erwartungshaltung, dass man ihnen das Land quasi besenrein übergibt, in den Redaktionen sitzen, und diese für ihren persönlichen Krieg missbrauchen, der eine sagte das ja sogar (Neutralität).

Da bekommt man mal so ein ganz gruseliges Gefühl, von was für Leuten heute Zeitung gemacht wird, und was die im Schilde führen.

Und warum Zeitung immer schlechter und immer desinformativer wird.

Ich hatte die Tage ja gerade andernblogs auf ein solches Problem hingewiesen: Für die Dienstleistung der Berichterstattung muss der Journalist nicht schlauer als der Leser sein, er muss nur dagewesen sein und seine Arbeit ordentlich machen, und findet damit auch Käufer in Schichten, denen er intellektuell nicht gewachsen ist. Denn das ist eine Dienstleistung, die der Kunde gegen Geld freiwillig in Anspruch nimmt.

Wenn der Journalist aber meint, den Leser belehren und erziehen zu können, dann geht das ganz fürchterlich in die Hose, wenn der Journalist intellektuell nicht deutlich über dem Leser steht, außerdem ist das ein ungebetener Zwang, man muss den Leser also dazu zwingen, der kommt nicht von selbst.

Eines der zentralen Probleme des deutschen Journalismus ist, dass er sich von der Berichtstattung auf den Bereich „Belehrung durch Dumme” verlagert hat, und man unterhalb des heutigen Journalismus eben keine Leute mehr findet, die Zeitung lesen (können, wollen,…). Indem sich die Zeitungen auf eine pseudointellektuelle, in Wirklichkeit aber intellektlose linke Journalistenschaft eingestellt hat, die glaubt, alles drehte sich um sie, hat man sich seiner Leserschaft begeben. Wenn dann noch solcher Rassismus und arrogante Überheblichkeit dazukommt, dann ist Zeitung nicht mal mehr das Papier wert. Kein Wunder, dass man den SPIEGEL und ein Fahrradschloss im Wert von 76 Euro zusammen für 40 Euro bekommt. Das ist kein Abo, das ist ne Schrottaktie.

Auch das wäre noch deren Problem, es steht jedem frei, sich als privatrechtliches Unternehmen nach persönlichem Gusto in den Ruin zu fahren, und ich würde nicht jammern, wenn die endlich pleite gingen.

Wenn die Presse aber anfängt, systematisch zu desinformieren und die Demokratie frontal anzugreifen, wenn sie derartige Rassisten einstellt und sich auch einer solchen Holocaust-Verharmlosung bedient, um mit der Rhetorik-Keule „Nazi” nicht nur zu arbeiten, sondern die Durchsetzung der eigenen politischen Agenda regelrecht zu erpressen, die sich die Ausrottung der Bevölkerung auf die Fahnen schreibt und sie gleichzeitig Rassisten nennt, der ist mehr als gefährlich. Der steht im Verdacht, den Umsturz unseres Staatssystems im Schilde zu führen.

Mal ganz abgesehen davon, dass es einfach überhaupt nicht die Aufgabe der Presse ist, irgendjemandes Krieg gegen eine Partei zu führen. Sie hat darüber zu berichten, aber nicht ihn selbst zu führen. Das als Presse, als Zeitung, als Journalismus zu verkaufen ist ordinärer Betrug.

Mir fällt da außerdem gerade ein Zitat ein, das mir ein Leser diese Woche geschickt hatte. Von Michael Klonovsky. Passt hier gerade so genau:

Wer heutzutage in einer politischen Debatte den Begriff “Nazi” gegen wen auch immer ins Feld führt, ist aus ethischer Sicht ein Lump, aus historischer Sicht ein Verharmloser, aus intellektueller Sicht eine Null.

Wer kauft heute noch Zeitungen?

Nachtrag 1: Das Thema der Veranstaltung, „Wie organisieren wir uns gegen die AfD” wurde überhaupt nicht berührt, zu dieser inhaltlich-rationalen Frage kamen sie nicht.

Nachtrag 2: Ein Leser schrieb mir, wo man Aufklärung über das Schimpfwort „Du Lauch!” erhalten kann. Inwieweit das auf Sarrazins Physiognomie zutrifft, vermag ich nicht zu beurteilen. Dass die Linken aber Leute nach ihrer Physiognomie einteilen und beschmipfen, sollte man zur Notiz nehmen.

Nachtrag 3: Wundert sich wirklich noch jemand darüber, dass der Presse Leser und Käufer davonlaufen?

Welcher andere Produzent eines überflüssigen und marktübersättigten Produktes beschimpft seine Kunden permanent in dieser Weise und erwartet trotzdem, dass sie es kaufen?

Nachtrag 4:

Immerhin schreiben sie Kritik und Beschimpfungen von Rechts und nicht Kritik = …, war aber vermutlich auch nur ein Versehen.

Nachtrag 5: Wie wäre es eigentlich mal mit dem Ansatz, sich so zu benehmen und zu geben, dass man in einem Land gern gesehen und aufgenommen wird?

Nachtrag 6: Sie haben sich ja immer wieder als „linke Journalisten” bezeichnet. Das ist so der Menschentypus, den uns die Linke als Ideal und als Einheitsmensch aufzwingen will: Ungebildet, platt, intellektlos, leistungslos, herablassend, sprachlich begrenzt, rotzig und pöbelnd, eingebildet, rassistisch, egozentrisch, überheblich und mit Plünderungsmentalität.