Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen im trüben Spiegel

Hadmut
7.10.2017 11:44

Ein Grunzen zum Wochenende.

Kennt Ihr so Augenblicke, in denen man zunächst denkt „Oh, ja“ und dann aber mmmh, eher doch nicht?

Das Hamburger Fischblatt DER SPIEGEL hat es gerade mit einem Titelaufmacher geschafft, ausnahmsweise mein Interesse und anfängliches Wohlwollen zu wecken, denn sie machen es sich diese Woche zum Thema, wie ARD und ZDF Politik machen.

Oh, denke ich, das wär doch mal interessant. Haben die sich doch wieder gefangen? Was ist da los, wenn die Journalismus-Meute jetzt auch öffentlich aufeinander losgeht? (Sie zerfleischen sich ja schon lange, aber bisher nicht öffentlich und eher entlang ideologischer Linien.) Würde mir ja auch inhaltlich genau passen.

Früher konnte man auf deren Webseite direkt draufklicken und in das Inhaltsverzeichnis gucken. Jetzt: Ich musste eine ganze Weile herumklicken, um das Inhaltsverzeichnis zu finden (man muss oben links auf ein S klicken), und bin bis dahin dreimal über die Liste der tollen Prämien gekommen, die einem für ein Probeabo versprochen werden. Mittlerweile scheint bei denen im Vordergrund zu stehen, was man dazugeschenkt bekommt, wenn man sich auf ein Abo einlässt, und der Inhalt der Zeitschrift nachrangig. (So ein Thema hatte ich neulich schon, und viele Leser berichteten mir, dass sie Abos effektiv umsonst bekommen oder Dinge geschenkt bekommen, die sonst teuer als das Abo sind. Ein Leser hat irgendwo ein Marken-Fahrradschloss mit Abo viel billiger bekommen als das Schloss alleine – zur Freude von Geldbeutel und Altpapiercontainer.)

Als ich das Inhaltsverzeichnis dann gesehen habe, war mir klar, warum sie das nicht so herausstellen. Lasst es mich mit einer Metapher umschreiben: Wenn meine Socken so sind, wie das Inhaltsverzeichnis des Spiegels, müssen sie ganz dringend in die Waschmaschine. Oder ich hole mir neue aus meiner Vorratskiste.

Immerhin verrät das Inhaltsverzeichnis, dass es thematisch eigentlich etwas anders liegt, es nämlich darum geht, dass junge Leute dem Fernsehen immer weniger trauen und davon laufen.

Das Thema wäre interessant. Ob es der Artikel dann auch ist, ist aber fraglich. Jetzt überlege ich gerade, ob das dann 4,99 Euro wert sein könnte. Nicht, dass mich 5 Euro jetzt in Finanzkrisen stürzen würde, aber dafür bekomme ich eine Straße weiter lecker chicken süß-sauer. Oder einen Hamburger. Oder dicken Döner. Ich versuche, mein Wertesystem ständig zu kalibrieren und nachzujustieren. Gebe ich denen für ein bisschen Blabla noch 5 Euro? Will ich das System SPIEGEL stützen?

Normalerweise lese ich sowas höchstens im Wartezimmer beim Arzt. Ich habe aber gerade keine Arzttermine.

Ich glaube, ich mache erst mal Samstagseinkauf und werfe im Supermarkt mal einen Blick hinein.

Generell habe ich aber den Eindruck – und auf meinen Artikel zur Rechtfertigungsrede des ZDF kamen einige bestätigende Leserzuschriften – dass ARD und ZDF es gerade ganz bitter nötig haben, sich als glaubwürdig und qualitativ darzustellen, und ordentlich Prügel beziehen.

Ich glaube aber nicht, dass da irgendetwas besser wird, solange die weiter mit dem alten Personal unterwegs sind, dass es verbockt hat. Wie bei der SPD.