Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

SED Drucksache?

Hadmut
3.10.2017 11:19

Kann mir jemand sagen, ob das echt ist oder echt sein kann? [1. Update]

Manchmal schreiben mir Leser, ich solle besser überprüfen, bevor ich etwas schreibe. Darin liegen zwei Denkfehler:

  • Ich prüfe schon, so gut mir das zeitlich, finanziell und rechtlich möglich ist. Ich habe ja schon über die diversen Presseanfragen, Auskunftsklagen usw. berichtet. Meine Möglichkeiten als privater Feierabendblogger sind aber sehr begrenzt, zumal ich ja – wie beschrieben – keinen Presseausweise bekomme und mir Presserecht immer mühselig erkämpfen muss.

    Eine Prüfpflicht darf nicht so weit gehen, dass sie den Zweck der Prüfung, nämlich meinungsbildende Tätigkeit, vereitelt, weil man nicht mehr dazu kommt, etwas zu schreiben.

  • Die Reihenfolge wird verwechselt. Es gibt nicht nur prüfen-schreiben. Gerade in einem Blog wie diesem hat es sich sehr bewährt, crowd intelligence einzusetzen und damit eine Vielzahl von Lesern – beispielsweise auch aus der DDR – zu erreichen und zu befragen. Es sehen nicht nur viele Augen mehr als zwei, es wissen auch viele Hirne mehr als eines. Deshalb ist es eine Art der Überprüfung, etwas zu bloggen.
  • Auch wenn sich etwas als falsch herausstellt, ist es immerhin eine Meldung, dass Unwahres oder Fälschungen in Umlauf gesetzt bzw. Bloggern zugespielt wird. Auch den Vorgang der Lüge sollte man nicht unerwähnt lassen.

Weiß jemand was dazu, ob dieses „SED-Drucksache“ echt ist? Wurde mir zugespielt, sieht aber irgendwie komisch-künstlich aus. In dem Text, der wohl kurz nach dem Krieg geschrieben sein soll, werden NSDAP-Anhänger zur SED eingeladen, weil man dort den Sozialismus finde, den man in der NSDAP gesucht habe, usw. Mir erscheint der Text irgendwie nicht glaubwürdig, andererseits waren viele der SED-Texte, die ich in Museen usw. gesehen habe, unglaubfähiges Geschwurbel.

Immerhin gab es im fraglichen Zeitraum im Kreis Sonneberg einen Willi Bunzel, während diese „Drucksache“ von einem Klaus Bunzel stammen soll. Man findet per Google Hinweise, wonach das Schreiben zur Landtagswahl 1946 erstellt worden sein soll. Ich hätte gar nicht gedacht, dass es so kurz nach dem Krieg in der Besatzungszone schon Wahlen gab, aber die fanden tatsächlich statt.

Ich weiß nicht, ob ich das für echt halten soll. Bitte mich jetzt aber nicht mit Mutmaßungen und wilden Vermutungen überschütten, sondern nur, wenn man konkret etwas belegen kann oder fundiert weiß (das Bild ist etwas größer, als hier im Blog angezeigt, draufklicken zum Vergrößern):

Update 1: Ich hatte mich auch schon gewundert, warum Vor- und Nachname von Klaus Bunzel so weit auseinandergeschrieben sind, links- und rechtsbündig.

Ein Leser hat geforscht und kam darauf, dass das nicht Vor- und Nachname, sondern zwei Nachnamen sind, weil zwei Unterzeichner. Vermutlich handelt es sich dabei um einen Georg Klaus und jenen erwähnten Willi Bunzel. Es gab da nämlich einen Georg Klaus, auf den das passen würde, und der – na, sowas – dann Professor an der Humboldt-Universität in Berlin wurde.