Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die ARD, die SPD und „Entsorgen“

Hadmut
13.9.2017 23:51

Es ist alles so schlimm. [Nachtrag]

Ich hatte heute eigentlich den Fernseher aus, gerade eben aber mal eingeschaltet und rumgezappt, ob noch irgendwo Nachrichten laufen. Im Talkshow-Gebrabbel von Maischberger gelandet, und das genau in dem Moment, als der Ralf Stegner von der SPD über den von der AfD schimpfte, es wäre „Nazi-Sprache“ gewesen, als der sagte, er wolle die Özoguz „entsorgen“. Kein Widerspruch, alle sind sich da einig.

Ich wollte es nicht sehen und habe dann wieder was anderes gemacht.

Irgendwie blieb mir das aber in den Gedanken hängen.

Irgendwie kam mir das komisch vor. „Entsorgen“ hört sich so nach modernem Politberatergeschwätz an, so diese Verharmlosungssprache für Müll. Und irgendwie konnte ich mich jetzt zwar nicht so genau erinnern, hatte aber das bestimmte Gefühl, dass der Begriff erst in meiner Kindheit, nach meiner bewussten Erinnerung in den 70ern irgendwann aufkam. Ich glaube mich nämlich erinnern zu können, dass ich mich selbst noch an dem Begriff gestört habe und den Begriff nicht mochte, das aber irgendwie auch faszinierend, dass man dann einfach keine Sorgen mehr damit hat. Irgendwie.

Irgendwie war ich der Überzeugung, so aus meiner Lebenserfahrung, ohne das konkret benennen zu können, dass der Begriff eine Erfindung der Siebziger Jahre ist. Irgendwie denke ich da an Atommüll, Seveso und sowas.

Also habe ich mal gegoogelt. Und bin auf diesen Artikel der WELT gestoßen. Die sehen das ähnlich, haben aber noch tiefer nachgeforscht. Den Begriff gab es im Barock schon mal, aber mit anderer Bedeutung, nämlich der wörtlichen. „Wir entsorgen uns“ im Sinne von „wir machen uns einen schönen Tag, damit wir unsere Sorgen vergessen“.

Im Zusammenhang mit „Müll loswerden“ taucht der Begriff erst (entsprechend meiner Erinnerung) Ende der 70er Jahre auf.

Das hat also mit „Nazi-Sprache“ nichts zu tun, die Nazis kannten den Begriff nicht (obwohl sie, wie auch die WELT schreibt, viel mit ent… hatten, aber das allein macht ja noch keine Nazi-Sprache aus, die Linksextremisten reden ja auch von „Entglasen“, wenn sie Scheiben einwerfen).

Obwohl es also objektiv nicht stimmt, sind sich in dieser Talkshow alle einig, dass damit der Gebrauch von „Nazi-Sprache“ nachgewiesen wäre.

Da kommt nur noch Polit-Müll im Fernsehen.

ARD. Noch Fragen?

Nachtrag: Je mehr man drüber nachdenkt und drüber redet: Ein Leser, der wohl in ähnlichem Alter ist, schreibt mir, dass die Energieversorger in den 70er Jahren das böse Wort Atommüll durch das schöne „Entsorgungspark“ ersetzt haben.

Stimmt. Ich habe die ganze Zeit überlegt, woher der Begriff kam, es lag mir irgendwie auf der Zunge, aber ich bin nicht drauf gekommen, woher das kam. Das kam nicht als Verb. Entsorgungspark. Das war’s. Ich wusste doch, dass das aus dem Atommüllkontext kam.