Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Verlust der Schreibfähigkeit

Hadmut
20.8.2017 17:02

Ach, gar? Da auch?

Ein Leser schickt mir einen Link auf einen BBC-Bericht. Nun, wird der ein oder andere Leser nun fragen, wer glaubt denn der BBC noch etwas?

Wir unterstellen mal rein hypothetisch, es würde stimmen, was sie da schreiben.

In China hat die Kaligraphie ja einen sehr hohen Stellenwert. (Kennt Ihr den Film Hero?) Schriftzeichen sind bei denen nicht nur komplex und kompliziert, es kommt auch sehr darauf an, dass sie wirklich richtig und schön gezeichnet werden, historisch ja mit einem dicken Pinsel am langen Stiel und entsprechend groß. Da kann man bis zur Verzweiflung üben. Ich hatte mir mal interessenhalber einen chinesischen Sprachkurs besorgt (es dann aber doch bleiben lassen), in dem man für die Schrift wie ein Grundschüler erst mal über viele Seiten üben muss, einfache Kästchen schön in kleine Quadrate zu malen. Da hatte ich so gar keine Lust drauf.

Laut BBC gibt’s da sogar Fernseh-Shows mit Schreibwettbewerben. 7.000 Zeichen gehörten zum täglichen Schriftgebrauch. Und die Chinesen würden inzwischen verlernen, wie man diese Zeichen ohne Computerhilfe schreibt.

Sie hätten nun einfach Leute auf der Straße angesprochen und sie gebeten, einfach mal ein paar Worte hinzuschreiben. Und das ging laut Video meistens schief. (Naja, da weiß man nicht, wieviele sie gefragt und welche sie dann für das Video ausgesucht haben.)

Dazu muss man wissen, dass Chinesisch keine Lautsprache ist. Die Zeichen setzen sich zwar manchmal aus Grundsymbolen zusammen (ich glaube mich so dumpf erinnern zu können, dass das Schriftzeichen für „gut“ aus den Symbolen für Frau und Kind im Haus bestehen = alles sicher und in Ordnung, bin mir da jetzt aber nicht mehr sicher). Man kann dort aber nicht „nach Gehör“ schreiben, weil einem der Klang des Wortes keinerlei Hinweis auf das Schriftzeichen gibt und umgekehrt (weshalb die Dialekte dort angeblich recht weit auseinanderliegen können). Wenn man das Zeichen nicht kennt, hat man Pech gehabt, da kann man nicht raten oder mit Schreibfehler schreiben. Einen Shraipfäla würde man bei uns noch erkennen, weil die Schrift genug Redundanz hat, aber dort bedeutet ein anderer Strich dann gleich etwas anderes.

Würde mich interessieren, ob das Phänomen in Japan auch auftritt.

Zu meiner tiefen Schande muss ich allerdings einräumen, dass mir das in gewisser Weise ähnlich geht. Ich schreibe so viel auf dem Computer und so wenig mit der Hand, dass ich zwar immer noch ganz wunderbar handschreiben kann – nur lesen kann ich es hinterher nicht immer.

In China wollen sie jetzt angeblich, dass die Schüler wieder mehr Zeit zum Schreiben verwenden.

Bei uns wird es wohl irgendwann darauf hinauslaufen, dass man nur noch in sein Handy spricht.