Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Schwul kaputt, nix mehr übrig

Hadmut
20.8.2017 2:22

Ich war gerade bei der Langen Nacht der Museen in Berlin.

Ich gehe gerne zu diesen Nacht-Events, auch Lange Nacht der Wissenschaft und früher in München auch Lange Nacht der Musik. In München hat mir etwas besser gefallen, dass das alles kompakter, dichter war. Näher beisammen, und die Busse fahren in kürzeren Abständen, auch kam es mir etwas besser organisiert vor.

In Berlin gibt es zwar unglaublich viele Museen, große und kleine (wie lautet eigentlich der Diminutiv von Museum?), aber Berlin ist halt auch groß. Sie liegen weit verteilt und man verbringt selbst bei sorgfältiger Planung schon sehr viel Zeit damit, von einem Museum zum nächsten zu fahren oder auf den Bus zu warten. Deshalb nehme ich die Shuttle-Busse auch nur sehr selten, fahre meist mit den normalen Verkehrsmitteln. Außerdem fehlt mir hier sowas wie eine gute App auf dem Handy, die Papier- und Webseiten-Versionen, die sie anbieten, kommen mir immer etwas unübersichtlich vor, zumal sie früher auch schon Probleme hatten, dass bei irgendwelchen Nächten (weiß nicht mehr, ob das Museen oder Wissenschaft oder was war) die Server wegen Überlast in die Knie gehen. Wobei das ja nun wirklich eine perfekte Anwendung für Cloud-Computing wäre, wo man an den Abenden dann dynamisch nach Last einfach weitere Maschinen für mal 3 Stunden dazumieten könnte.

Das bringt es so mit sich, dass ich in Berlin eine andere Strategie verfolge als in München. In München bin ich einfach die jeweiligen Linien entlanggepilgert, habe da locker eine Runde hinbekommen, und mir auf der Linie dann alles angesehen, was mir gefallen hat.

In Berlin muss ich anders vorgehen. Ich suche mir einen Gegend aus oder eine Linie, und dann besuche ich, was eben nah beisammen liegt. Vorrang vor persönlichen Präferenzen hat da für mich, dass man seine Zeit nutzt, um möglichst viel zu sehen, was man noch nicht gesehen hat. Fast egal, was. Ich habe da schon sehr seltsame Dinge gesehen. Und bisweilen genieße ich es, in Museen zu gehen, in die ich überhaupt nicht rein will, um entweder die Bestätigung meiner Abneigung zu finden und mir zu sagen „Wußt’ ich’s doch“, oder mich überraschen zu lassen und neues zu finden, Aspekte, die ich noch nicht kannte, tolle Museen, wo man sie nicht erwartete. Mein Ziel ist deshalb, an einem Abend möglichst viele Museen (oder wenigstens Ausstellungen) zu sehen, die ich noch nicht kannte.

Heute führte mich mein langer Weg durch die Nacht auch in das Schwule Museum.

Ich hatte gewisse Vorstellungen. Irgendwo, ich weiß aber nicht mehr wo, war ich schon mal in einer Ausstellung über schwule Kunst. Da gab’s halt so diese bekannten Zeichnungen aus den USA von irgendwelchen Typen mit Lederschirmmütze und fiesem Schnurrbart. Sowas habe ich erwartet. Dann schrieb ich ja neulich, dass mir die Schwulenszene früher mal in guter Erinnerung war, weil sie wirklich gute Musik gemacht haben. Sowas habe ich auch erwartet. Kunst habe ich erwartet, Bilder, Verfolgungsdokumentationen. Und eine typisch berlinerische verranzte Hinterhofbude habe ich erwartet.

Alles falsch. War ganz anders.

Zunächst mal fiel mir auf, dass das gar nicht im typischen Berliner Stil verranzt ist, sondern moderne, wohl designte, offene Räume auf dem Stand moderner Galerien, alles recht gut und edel gemacht. Man hätte da im Prinzip jede beliebige Art von moderner Kunst ausstellen können. Was zwar äußerlich vornehm und modern wirkt, aber was mir in gewisser Hinsicht irgendwie nicht gepasst hat. Denn dadurch war das Museum irgendwie völlig beliebig, austauschbar, charakterlos. Einfach irgendwelche Ausstellungsräume, und wenn es nicht dranstünde und natürlich ein offensichtlich breites schwules Publikum dagewesen wäre, wäre ich im Leben nicht drauf gekommen, dass das das schwule Museum sein soll, Ja, gut, ein paar Gemälde von Knaben oder als Transe, aber findet man das heute nicht überall? Irgendwie war ich verblüfft, dass an diesem ganzen Museum außer einem Teil des Publikums, das herumlief (und manche eben bis zur Lächerlichkeit geschminkt), und dem Personal an der Theke einfach gar nichts schwul wirkte. Irgenwie Thema verfehlt.

Ein Allerweltsmuseum, das „schwul“ nur als Masche aufzieht?

Immerhin, Musik hatten sie, Männer sangen da zwar technisch sehr gut und anspruchsvoll und insgesamt hochqualitativ, aber das war nicht mein Geschmack.

Nein, ich fand etwas völlig anderes frappierend.

Unter „schwul“ erwarte ich so begrifflich männliche Homosexualität. War zumindest früher mal so.

Ich komme da also rein und laufe direkte auf eine Bilderwand voller großer Mösen.

Nicht, dass ich da jetzt was dagegen hätte, ist mir weit lieber als eine Wand voller Penisse. Aber irgendwie passt’s nicht.

Und das ging so weiter. Fast die ganze Ausstellung über Frauen. Jede Menge Mösenfotos. Wände voller Fotos. Und jede Menge, eine ganze Wand voller hohler Sprüche von Simone de Beauvoir. Und von anderen Feministinnen. Wie man zur Frau gemacht wird, und wie sie unterdrückt werden und all das ganze Gejammer. Leere Sprücheklopferei und Gejammer, statt schwuler Ausstellung. Queer und Gender und Feministisch und der ganze Blödsinn.

Nun, wie ich gerade im Web festgestellt habe, lag das daran, dass sie gerade eine Sonderausstellung zu Simone de Beauvoir hatten.

Trotzdem:

Ich hatte da die ganze Zeit den Eindruck, dass die ihr Thema „schwul“ völlig verloren haben und von der Gender-Mafia gekapert und auf deren Interessen gebügelt wurden. Feindliche Übernahme gelungen. Die sind einfach geplündert und gefressen worden von aggressiver feministischer Politik und Ideologie. Nix mehr übrig.

Was mir auch auffiel:

Eine schwule Ausstellung hätte allerhand zu bieten, immerhin haben sie ja in den letzen Jahrzehnten und Jahrhunderten viel gemacht.

Wird die Ausstellung aber von der Gender-Queer-Truppe übernommen, dann haben sie gar nichts mehr zu bieten. Dann wird überhaupt nichts mehr ausgestellt. Die haben überhaupt nichts auf dem Kasten. Das ist völlig leistungs- und ergebnislos. Stattdessen ein Dauerfeuer aus Gejammer und Geheule, wie schlecht es ihnen geht und wer sie alles so böse unterdrückt. Keinerlei Kunst, reines Beschwerdemanagement. Nur Jammern, Keifen, Beschuldigen.

Keine eigene Leistung.

Nur Opfergedudel und Unterdrücktseinskult.

Nichts zu bieten außer Klagen und Vorwürfen.

Fiel mir nur so auf. Gleicht aber den Zuständen an den Universitäten. Alles verdrängen, selbst nichts leisten, jede Menge Opfergeschrei.