Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ssssiiiiirrrrrrr!

Hadmut
30.6.2017 18:12

Noch eine Erkenntnis technischer Art aus dem Urlaub.

In diesem Urlaub ist mir – fototechnisch – etwas aufgefallen, was ich vorher noch nie so gesehen habe. Das ist neu.

Ich hatte ein Stativ dabei. Und habe es nur ein einziges Mal benutzt (gut, weiß man ja vorher nicht). Macht aber auch nichts, war ja ein Reisestativ. Beim Hinflug hatte ich Übergewicht beim Gepäck, und ich habe dann demonstrativ das Stativ aus der Reisetasche geholt und gesagt, dass ich das dann mit in die Kabine nehme, um mein Gepäck einchecken zu können. Aus irgendwelchen Gründen lassen sich Fluggesellschaften immer gerne von der Vorstellung leiten, dass das Flugzeug leichter würde, wenn man etwas aus dem eingecheckten Gepäck heraus- und mit in die Kabine nimmt. Mit der Idee an sich wollte der sich auch dieses Mal anfreunden, meinte aber dann, das hätte nicht viel gebracht, das Stativ herauszunehmen, damit wäre das Gepäck nur etwa ein Kilo leichter geworden. Ja, verkündete ich freudestrahlend (und habe zu spät gemerkt, dass das dumm war, was ich da sagte), das sei ein sauteures Carbon-Ultraleicht-Stativ. Ich dachte zuerst, das beeindruckt ihn, er meinte aber nüchtern, dass es dann ja nichts bringt, es herauszunehmen. Ist mir zu spät aufgefallen, dass er damit Recht hatte. Aus Kulanz ließ er sich darauf ein, sich beeindruckt zu zeigen, weil es wenigstens sperrig aussah, und mein Gepäckübergewicht damit wenigens innerhalb der Kulanzgrenze angekommen war. Deshalb war es aber auch kein Umstand, das Stativ überflüssigerweise mitzunehmen, denn es wiegt nicht viel und dort habe ich es einfach im Kofferraum liegen gehabt.

Ich habe aber in der gesamten Zeit dort nur noch einen anderen Menschen mit Stativ gesehen. Von Selfie-Sticks natürlich mal abgesehen, davon gibt’s viele.

Stativ ist out. Sowas von vorgestern.

Die Leute haben heute Drohnen.

Im Ernst. An ziemlich vielen Plätzen touristischen Interesses hörte man das Ssssiiiirrrrr, und waren diverse Drohnenpiloten unterwegs. Die Leute schleppen da tatsächlich Drohnen an. Große im Koffer und kleine zum Zusammenklappen im Rucksack. Es gibt auf Reunion einen Aussichtspunkt, der mit dem Auto anfahrbar ist und von dem aus man den Vulkan sehen kann. Da gehen auch diverse Wanderwege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade los, aber leicht und einfach ist keiner. Ein Chinese mit seiner Freundin packte da die Drohne aus, zusammen machten sie die startklar, machten da beide irgendwas mit Tablets und Fernsteuerung, und die Drohne hob ab und weg war sie. Und es dauerte. Und dauerte. Und dauerte. Und die standen einfach da und warteten. Man konnte die Drohne auch nicht sehen, weil der Aussichtspunkt sehr hoch ist und an dem Tag die Wolken direkt vor der Nase hingen. Und die Drohne flog direkt in die Wolke, sogar mit einem ziemlichen Tempo, ward nicht mehr gesehen. Ich habe nicht auf die Uhr gesehen, aber so nach gefühlten 10 bis 15 Minuten hörte ich plötzlich wieder das Drohnengeräusch. Die Drohne kam zurück. Die Verständigung mit dem Chinesen war schwierig, er konnte nur ein paar Brocken englisch. Soviel war herauszufinden: Sie hielten sich selbst für „very weak“ und meinten, der Wanderweg sei nichts für sie. Also schickten sie an ihrer Stelle mal die Drohne los, den Vulkan besichtigen. Und schauen sich das hinterher einfach auf dem Tablet an.

An anderer Stelle wollte ich eine beeindruckte Aussicht fotografieren, als von jemand anderem eine große Drohne gerade zurückkam (da hat man dann den Scheiß im Bild) und dann auch noch in meiner Nähe landete, dabei jede Menge Sand und Staub aufwirbelte, der dann genau in meine Richtung flog.

Aber das ist jetzt wohl so: Stativ ist out. Drohne ist in.