Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Lösungen aller Rätsel

Hadmut
30.6.2017 15:10

Die Mutter aller Rätselauflösungen. Sozusagen.

Viele Leser haben es inzwischen herausgefunden oder richtig geraten: Ich war auf der Insel La Réunion.

Kannte ich auch nicht, bis mir die gute Fee vom Reisebüro sagte, da solle ich mal hin. Den Namen hatte ich noch nie gehört und musste erst mal gucken, wo das ist. Bekannter ist die Insel unter ihrem früheren Namen, auch wenn mit dem nicht jeder die Insel verbindet: Bourbon. Da wächst die berühmte Bourbon-Vanille. Der ganze Urlaub stand im Zeichen der Vanille. Dazu schreibe ich aber voraussichtlich am Wochenende nochwas. Jetzt erst mal zu den Rätseln:

Das Rätsel um die Frage der Fragen
Was mich so bewegt, in meinem tiefsten Inneren bewegt: Ein Flugzeug
Die kaputte Armbanduhr
war jetzt eigentlich kein Rätsel (ich habe sie aber später für einen Hinweis verwendet, siehe unten), sondern ist mir schlicht kaputt gegangen, als ich mit den Reisetaschen auf dem Weg zum Flughafen war und mir eine Reisetasche von der Schulter gerutscht ist. Ich habe die Tasche zwar mit dem Arm aufgefangen, dabei ist sie aber wohl irgendwie an der Armbanduhr vorbeigesäbelt. Ich habe nichts gemerkt, aber eine Nachbarin rief mir hinterher, ich hätte was verloren. Deshalb war es auch relativ schwierig, brauchbaren Ersatz zu bekommen, denn an den Flughäfen habe ich – jedenfalls in den Terminalbereichen, in denen ich unterwegs war – keinen brauchbaren Ersatz bekommen, und auch in den ersten zwei Uhrenläden auf Reunion auch nicht, da scheint es generell mit Fachgeschäften problematisch zu sein. Deshalb habe ich auch bei der SmartWatch zugeschlagen, als die mich in einem Mobilfunkladen an der Kasse angelacht hat. Ich habe dort gerade nichts besseres auftreiben können.

Das hat mich natürlich böse an die Reise letztes Jahr erinnert, denn da haben die Schuhe – immerhin teure Markenschuhe, die mir jahrelang auch in schwierigem Gelände beste Dienste geleistet haben – es nicht mal bis zum Abflughafen geschafft. Und jetzt die Uhr.

Wie gruselig…
Da ging es um Google. Auch nicht direkt ein Rätsel, nur eine ortsunabhängige Beobachtung. Ich war an dem Tag beim Marché forain de Saint-Paul, einem Straßenmarkt für Obst, Gemüse und Tünnef, der dort an zwei Tagen in der Woche stattfindet und wie dort üblich an der Straße, die am Meer entlang führt, aufgebaut wird. Die Straße wird natürlich gesperrt. In Ermangelung eines normalen Navigationsgerätes (dazu später mehr) hatte ich mein Handy mit Google Maps als Navigationssystem verwendet, aber nur den Straßennamen als Suche eingetragen und dort dann neben dem Markt auf normalen Parkplätzen (so quer zur Straße) geparkt. Kaum hatte ich geparkt, fragte mich Google Maps, ob wir uns diesen Parkplatz als die Stelle merken sollen, wo das Auto steht. Dann bin ich über den Markt geschlendert, und später bat mich Google Maps, ich möge doch ein Votum abgeben, wie gut mir der Markt so gefallen hat. Das würden auch andere gerne wissen.

Ich fand das auch irritierend, dass mir Google Maps häufig dann, wenn ich irgendwo vor einem Einkaufszentrum, Restaurant oder Museum anhielt (selbst dann, wenn das nicht das eingegebene Ziel war) ungefragt mitteilte, dass das Restaurant oder das Einkaufszentrum jetzt aber nur noch eine Stunde geöffnet habe (im Sinne von „mach hinne, halt Dich ran…“).

Das mag seinen Nutzen haben, aber ich kam mir da einfach total überwacht vor. Vermutlich steht in Googles Dossier über mich, dass ich meist eine Stunde vor Ladenschluss komme.

Liedgut
Das war natürlich „Wir lagen vor Madagaskar…“, denn Reunion liegt ja vor Madagaskar. Erraten haben das Lied viele, aber nur ganz wenige haben auf der Landkarte nachgesehen, was denn eigentlich vor Madagaskar liegt.
Automatik oder Schaltwagen?
Die über 400 Kurven waren die berühmt-berüchtigte Straße N5 nach Cilaos mit ihren 420 Kurven, und das sind in der Regel Kurven von etwa 180° bei gleichzeitig steilem Anstieg und zusätzlichen Erschwernissen. Dazu später mehr. Man braucht als ordentlicher Fahrer für die Strecke ca. 90 Minuten, womit man rechnerisch auf eine Kurve alle 12 Sekunden kommt, und genauso fährt sich das auch, eine Kurve nach der anderen.

Mit der Angabe hat übrigens der erste Leser erraten, wo ich bin, denn der hat direkt auf N5 nach Cilaos getippt. 😀

Ach ja, was für eine Art Auto das war: Manche hatten getippt, dass ich zum Geburtstag (hatte ich nämlich dort) ein paar Runden Rennauto fahren bekommen hätte. Weit gefehlt. Es war ein ganz einfacher, kleiner, relativ schwacher Peugeot 208 (Diesel), Mietwagenkategorie Y, der im unteren Drehzahlbereich den Berg kaum hoch kam, womit die Sache natürlich überaus schalt- und kupplungslustig wurde, um den Motor bei Drehzahl zu halten. (Dazu später mehr.) Ich glaube, in den 90 Minuten habe ich mindestens tausendmal geschaltet und gekuppelt, und von solchen Fahrten hatte ich mehrere.

Und weiter geht’s…
An dem Tag war ich im Jardin des Parfums et des Épices (botanischer Garten über Gewürze) und musste kurzfristig ein geplantes Rätsel umwerfen. Eigentlich wollte ich was zu Vanille machen, im Sinne von „wo mich meine Gegner hinwünschen, knapp vorbei ist auch daneben“, mit dem Ziel, dass ich nicht da bin, wo der Pfeffer wächst, sondern wo die Vanille wächst. Leider habe ich die Führung nicht verstanden, war auf französisch. Wir sollten alles mögliche probieren, einfach mal irgendwelche Blätter von irgendeinem Baum runterfressen, und haben uns damit einmal quer durch das Gewürzregal probiert. Schmeckt aber alles etwas anders und ätherischer, wenn es noch lebt und feucht ist. Von einer Pflanze, die auf Bäumen wächst, indem sie sie als Stütze verwendet, gibt es so kleine Stauden mit kleinen grünen Kügelchen. Die sollten wir mal essen. Ich dachte erst, das wäre Senf, weil das irgendwie nach scharfem Senf schmeckte. Erst wenn man es schon heruntergeschluckt hatte, blieb so ein seltsam vertrautes intensives Aroma im Hals zurück, das immer deutlicher in den Pfefferbereich ging. Ich habe dann nochmal nachgefragt, und ja, da wächst auch der Pfeffer. Und schmeckt sogar gut und nicht zu scharf, wenn man ihn direkt vom Baum isst.

Damit war ich natürlich auch da, wo meine Gegner mich hinwünschen, nämlich wo der Pfeffer wächst. Dort geblieben bin ich aber nicht.

Warum sich mein Handy wie ein Fisch benimmt? Hitchhikers Guide to the Galaxy, wie ein Babelfisch. Weil ich mir ständig von meinem Handy Fransösisch per Google Translator habe übersetzen lassen.

Bananenkonfitüre
Gibt es da oft zum Frühstück. Sie haben dort andere Bananen als hier. Kleine, kurze, dicke Bananen mit sehr dünner und weicher Schale. Sehen äußerlich schnell vergammelt aus, sind innen aber trotzdem noch top und frisch und einwandfrei und schmecken sehr aromatisch und gut, sind aber nicht haltbar und nicht transportabel. Was man nicht spätestens am Tag nach dem Kauf gegessen hat ist dann wirklich vergammelt.
Was machen eigentlich die Blumen, wenn die Bienen ihre Tagen haben?
Da hatte ich gerade viel über den Anbau von Vanille gelernt. Obwohl auf Reunion die beste Vanille produziert wird, ist Vanille verblüffenderweise dort auf natürliche Weise nicht fortpflanzungsfähig, es würde auf natürliche Weise keine einzige Vanilleschote entstehen können. Denn Vanilleschoten entstehen aus befruchteten Blüten, Vanilleblüten werden natürlich nur über Bienen befruchtet und auf La Réunion gibt es wegen des Klimas keine Bienen. Deshalb muss für jede einzelne Schote eine Blüte zuvor von Hand künstlich befruchtet werden, indem in der Blüte mit einem Werkzeug männliche und weibliche Organe zusammengeklebt werden (dazu später mehr).

Die Dame, die das erläutert und vorgeführt hat, lachte dann auch hübsch dreckig, als ich dazu anmerkte, dass ich jetzt endlich wüsste, was „vanilla sex“ sei. Übersetzt man ins Deutsche mit dem hübschen Begriff Blümchensex.

Drei Rätsel zum Preis von einem
Da ging’s dann natürlich um Vanille:

  1. Größe, Festigkeit, Farbe und Glanz sind die vier Qualitätskriterien für fertig bearbeitete, gehandelte Vanilleschoten
  2. Was war vorgestern Witwe und ist heute wieder verheiratet? Das war ein Rätsel, das man den Besuchern in der Maison Folio stellt, einer historisch alten Villa aus der Kolonialzeit, die noch erhalten wird und bewohnt ist, und die man in Führungen besichtigen kann. Die Villa hat einen reich gefüllten Garten, und da kann man – nur jetzt nicht zu dieser Jahreszeit – eine Orchideenart sehen, deren Blüte innerhalb von 2 Tagen von lila (dort Farbe der Trauer und der Witwe) zu strahlend weiß (Farbe der Heirat) wechselt. Laut dem Zettel, den ich dazu bekommen habe, der aber als Kopie5 nur noch schlecht lesbar ist, heißt das Ding pacistacis volea (oder so ähnlich, kann es eben nicht mehr ganz zuverlässig lesen), habe den Namen bisher aber per Google nirgends gefunden.
  3. Die naturwissenschaftliche Gemeinsamkeit zwischen beiden Rätseln: Beides sind Orchideen. Vanille gehört zu den Orchideen.
Ich habe ein Eis gegessen
Und das war — selbstverständlich – ein ganz einfaches Vanilleeis ohne jeglichen Schnickschnack, nämlich auf einer der Vanillefarmen. Die haben das Eis dort selbst aus ihrer eigenen Vanille gemacht.

Der Hinweis, dass das Eis 3 Euro gekostet hat, war die Information, dass man in diesem Land in Euro zahlt. Wieviel das Eis gekostet hat, war irrelevant.

Meine Güte, war das traurig…
Das traurige Konzert, zu dem (zumindest bis mittags) fast niemand gekommen ist, war die Fête de la musique 2017 in Le Tampon
Lustig…
laut und sehr gut besucht war dagegen der Karnevalsumzug Le Grand Boucan in Saint-Gilles-les Bains.

Was mich allerdings verblüfft hat, war, dass man in die Ortschaft (kleines Kaff) mit dem Auto auch schon Stunden vorher gar nicht mehr reinkam und sie alle Zufahrten mit quergestellten Kieslastern und anderen LKW blockiert hatten, und stattdessen alle Autofahrer angewiesen hatten, vor der Ortschaft zu parken. Nur: Da ist nichts außer einer Art Landstraße. Also haben alle auf der Landstraße geparkt und die Autos standen auf beiden Seiten bis zur nächsten Ortschaft (im Süden L’Ermitage-Les-Bains).

Der Grund ist mir erst später aufgefallen: Das gehört ja zu Frankreich und die haben Schutzmaßnahmen getroffen, damit keiner mit einem LKW in die Menge fahren kann. Ich hatte mich schon gewundert, warum auf einer grotesk friedlichen Insel mit anscheinend gar keiner Aggression und Kriminalität, gefühlter Kriminalitätsbedrohungslage Null und weitgehender Abwesenheit von Polizei dort die Polizei plötzlich in schusssicheren Westen und mit Maschinenpistolen im Anschlag herumlief. Deshalb war das natürlich sinnvoll, die Straßen so zu blockieren, dass da niemand mehr reinfahren konnte und die Besucher dann eben entlang der Landstraße parken zu lassen.

Die Bilder meiner kaputten Plastikuhr
waren selbstverständlich völlig belanglos, unwichtig, überflüssig und total uninteressant. Bis natürlich auf das, was die Anzeige anzeigte, nämlich die Zeitzone in der ich mich befand, nämlich der von Dubai und damit 2 Stunden vor der MESZ, und damit ein grober (bzw. in Bezug auf Dubai sogar relativ guter) Hinweis auf den Längengrad. Und als Wink mit dem Zaunpfahl im Feen-Blog noch der Hinweis, dass ich den Längengrad schon verraten habe.
Feenzauber
Und im letzten Rätsel mit der guten Fee gab es dann natürlich nicht nur jede Menge Beschreibungen, sondern auch den Breitengrad der Karibik und von Hawaii, nämlich ungefähr den 20. oder 21. Breitengrad, nur mit der kleinen Hinterhältigkeit, dass es Südhalbkugel war, deshalb auch der Hinweis, dass die Stürme zu meiden wären, denn die finden gerade auf der Nordhalbkugel statt, im Süden ist nämlich gerade Winter.

Zumindest ein Leser hat den Hinweis auch richtig verstanden und geschrieben, dass man ja auf die Südhalbkugel müsse, wenn man die Stürme vermeiden wolle. Ja. Eben. Drum. 🙂

Ich war zwar noch nie auf Hawaii, aber La Réunion soll Hawaii sehr ähnlich sein und ist aus Vulkanen entstanden. Einer ist noch ab und zu aktiv, man fährt da auch mal mitten durch die Lavafelder. Man fährt auch in drei Krater, in denen man sich wie in einem Vulkankrater fühlt, obwohl das falsch ist. Nachdem der Hauptvulkan an Druck verloren hat, sind unterirdische Magma-Kammern eingestürzt und haben der Insel ihre charakteristischen Täler gegeben, die wie Vulkanschlote wirken.

Und weil die Insel französisches Kolonialgebiet ist und heute noch zu Frankreich gehört, gehören sie auch zur EU. Man zahlt in Euro und kann mit dem Personalausweis hinfahren.

Das waren sie, die Rätsel.

Rätsel mit Vanillegeschmack.

Zur Insel werd ich noch was schreiben.