Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Fette klatscht

Hadmut
30.6.2017 13:14

[Heute morgen um 2:29 deutscher Zeit in einem Flugzeug offline geschrieben, und erst jetzt publiziert, weil mir der Internet im Flug da zu teuer war, um nur einen einzigen Blog-Artikel morgens um 2 zu veröffentlichen]

Rückflug. Zehneinhalb Stunden (und danach nochmal zwei Stunden Anschlussflug, aber die zählen hier nicht). Platz 25H, am Gang, hatte ich frühzeitig reserviert. Ich versuche immer, am Gang zu sitzen.

Neben mir sitzt eine Frau. Geschätzt so Anfang oder Mitte 20. Und richtig fett. Nicht dick. Fett. Auch das Gesicht wie aufgepumpt. Sogar die Hände. Kegelförmige Daumen.

Sie nervt. Noch bevor das Flugzeug überhaupt abgehoben hat. Noch bevor sie überhaupt sitzt. Sie ist beim Einsteigen direkt vor mir und wirft ihre Reisetasche einfach achtlos quer in das Gepäckfach, so dass keine andere Tasche mehr reinpassen würde. Auf meinen Hinweis, dass das so nicht geht, weil dann keine andere Tasche mehr reinpasst, reagiert sie teilnahmslos, überfordert. Zieht ein bisschen an ihrer Tasche herum, ändert aber nichts an der Situation. Sie begreift nicht, dass man die Tasche längs reinschieben muss, weil es außer ihr noch andere Fluggäste gibt, die auch Taschen reinstellen wollen. Eingreifen kann ich nicht, weil sie ja zwischen mir und dem Gepäckfach steht. Erst als ein anderer Mann von der anderen Seite eingreift und ihre Tasche längs dreht, geht es weiter.

Obwohl schon zweimal die Ansage kommt, dass zum Start elektronische Geräte abzuschalten sind, quasselt sie endlos am Handy. Und wird vom Steward Flugbegleiter ermahnt. Sie hört auf zu telefonieren, aber chattet weiter, hatt ein irres Tempo bei der Bedienung der Handy-Touch-Tastatur drauf. Dafür sind kegelförmige Daumen womöglich sehr nützlich. Erst als es auf die Startbahn geht, schaltet sie das Handy aus. Später wird es ihr in den Krautsalat fallen, weil sie es auch im Flug ständig braucht und ständig ihre Chatprotokolle durchgeht. Erstaunlich, dass ihr überhaupt etwas in den Salat fällt, denn sonst fällt ihr erstaunlich viel herunter. Sie bekommt nicht mal das eingetütete Besteck auf, ohne dass das Messer auf dem Boden landet. Gut, dass sie gefräßig ist, denn so sind die Essensschüsseln wenigstens leer, als sie ihr vom Tablett fallen – das hält die Flecken auf meiner Hose in überschaubaren Grenzen.

Sie ist so fett, dass ihr der Platz nicht reicht. Sie quillt auf meiner Seite (und auf der anderen vermutlich genauso, dass ich nicht so genau sehen und will es auch gar nicht wissen) über den Sitz, je nach Haltung mal so ungefähr eine Handbreit. Mal mehr, mal weniger. Sie könnte sich etwas zusammenreißen, aber sie will nicht. Wie bei der Reisetasche: Sie scheint es gewohnt zu sein, raumgreifend zu leben. Dadurch ist intensiver Körperkontakt unvermeidbar, denn mit nur 70 oder 80% meiner Sitzbreite komme ich dann auch nicht aus, würde mir auch nichts nutzen. Denn bei Langstreckenflügen klappe ich immer die Schlafohren der Sessel nach vorne, damit der Kopf nicht wegkippt, und dazu muss man genau in der Mitte sitzen.

Körperkontakt hat den Nachteil, dass sich jede Bewegung überträgt. Intensiver Körperkontakt hat den intensiven Nachteil, dass sich jede Bewegung intensiv überträgt.

Sie kann nicht still sitzen. Alle 3 Sekunden wechselt sie die Haltung. Mal nach hinten, mal nach vorne gebeugt. Dann mit Armen oder Kopf auf den Tisch gelehnt. Hält sie den Oberkörper doch mal ein paar Sekunden ruhig, fängt sie mit nervösem Beinwackeln an. Sie lässt nichts aus und einem keine Ruhe. Sie kann einfach nicht still sitzen. Buchstäblich keine 5 Sekunden.

Als sie zum Start endlich das Handy endlich weggepackt hatte, bekommt sie einen Heulanfall. Die Chatterei muss schrecklichen Inhalts gewesen sein.

Als ob es nicht genug wäre, dass sie fett ist, pumpt sie auch noch ständig die Beine breit. Weil sie neben ihrer Reisetasche im Gepäckfach auch noch eine zweite große Tasche dabei und zwischen ihren Füßen auf dem Boden deponiert hat. Und in der sie endlos herumsucht und herumkruschtelt, aber eben auch nur drankommt, wenn sie die Knie spreizt. Auf Kosten ihrer Sitznachbarn. Was sie darin sucht, weiß ich nicht. Sie selbst vermutlich auch nicht. Außer bei ihrem Handy-Ladekabel hätte ich nicht bemerkt, dass sie irgendwas, was sie gesucht hat, auch fand.

Unter drei Kissen macht sie es nicht. Nackenhörnchen, normales Kissen und dann noch das, was von der Fluglinie auf jeden Platz gelegt wird. Kissen unterm Hintern, Kissen von vorn, Kissen überall. Sie weiß nicht wohin mit ihren Armen, also hat sie ein Kissen vor der Brust und hält es kramphaft mit den Armen fest. Dazu kommt dann die Decke, die man im Flugzeug bekommt und die sie sich um die Beine wickelt, aber dann auch mit keiner Stellung zufrieden ist. Alle 3 Sekunden zuppelt sie an der Decke herum, kann überhaupt nicht ruhig sitzen. Dazu kommt noch die dicke gepolsterte Kapuzenpulli-artige Jacke, die sie anhat, die Kapuze permanent über den Kopf und tief ins gesicht. Muss wohl verdammt kalt sein auf dem Platz neben mir. Die Jacke ist nicht groß genug für sie, sie spannt sich rundherum, es sieht nach Presswurst aus. Presswurst mit Kapuze.

Ohne Ellenbogen geht’s nicht. Sie kapiert nicht, dass sie anderen den Platz wegnimmt, denn über ihre Körperbreite hinaus dehnt sie sich auch durch ihre Haltung aus. Im Feminismus ist es gerade Mode, sich über manspreading aufzuregen, Männern das breitbeinige Sitzen in der U-Bahn zu verbieten. Über fette, sich spreizende Frauen im Flugzeug sagen sie nichts. Wie soll man das nennen? fatspreading? womanfatting? Jedenfalls erfordert es immer wieder Einsatz meiner Ellenbogen, um mir etwas meines Sitzplatzes zurückzuerkämpfen, denn auf Ansprache reagiert sie nicht, jedenfalls nicht inhaltlich. Eine diesbezügliche Störung hat sie aber nicht, denn als der Steward Flugbegleiter sie fragt, was sie essen will, reagiert sie schnell und eloquent. Prioritäten hat sie.

Ich gehe mal pinkeln.

Was sich im Nachhinein als Fehler erweist.

Denn sie nutzt meine Abwesenheit, um die Arme in die Seite zu stemmen, also die Ellenbogen ganz weit zur Seite abzuspreizen, und dann gleich die Hälfte meines Platzes mitzubelegen, um in dieser Haltung einzuschlafen. Ich musste da schon mal kräftig knuffen und puffen, um überhaupt zurück auf meinen Platz zu kommen. Dauerhaft ausgehalten habe ich es auch nur, weil ich den geheimen Knopf für das Reinigungspersonal kenne, mit dem sich die zum Gang gerichtete Armlehne hochklappen lässt, die für normale Passagiere eigentlich nicht hochzuklappen sein soll. So habe ich da wenigstens etwas mehr Platz.

Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob die Frau etwas dafür kann, dass sie so fett ist und sich so verhaltensauffällig bewegt und benimmt. Ihr Benehmen laste ich ihr an, bei ihrer Körpermasse bin ich mir nicht sicher. Gewiss bin ich mir aber darin, dass ichsie *vielleicht* nichts dafür kann, dass sie fett ist? Kann ich was dafür? Und was ist, wenn sie doch was dafür kann?

Es heißt, man dürfe Fette nicht diskriminieren. Einem Dünnen würde ich aber auch was erzählen, wenn der mir Sitzplatz wegnimmt. Wieso soll es diskriminierend sein, wenn ich auf meinem Sitzplatz alleine sitzen möchte?

Immer mehr Social-Justice-Idioten befassen sich damit, solchen Leuten einzureden, dass sie „schön“ wären (und dann macht ein einfacher Spiegel die ganze Arbeit wieder zunichte…). Sie ist nicht schön. Sie ist fett, platzt aus ihrer Kleidung und hat ein Gesicht wie ein Pfannkuchen. Sowas ist nicht schön.

Aber was ist mit den eingeklemmten Normalen? Warum haben wir keine Lobby, die dafür sorgt, dass wir nicht diskriminiert und eingeklemmt werden? Wenn Fluglinien – wie es in Amerika inzwischen üblich ist – von fetten Leuten fordern, dass sie zwei Tickets für zwei Plätze kaufen, schreit die Meute auf. Wenn ich aber auf 70 oder 80% Sitzplatzbreite gequetscht werde, sagt niemand was.

Es gibt eine Lobby, die dafür kämpft, Dicke nicht zu diskriminieren. Warum gibt es keine Lobby, die dafür kämpft, Normale nicht einzuklemmen?

Wenn Männer breitbeinig in der U-Bahn sitzen, ist das ein Politikum. Wenn aber im Flugzeug gleich rudelweise fette Frauen unterwegs sind (sie ist nicht die einzige), die sich dann auch noch raumgreifend ausdehnen, und das nicht für für 10 Minuten, sondern für 10 Stunden, dann sagt da niemand etwas.

Und was ich auch nicht verstehe: Warum zwängt sich jemand, der solche Probleme hat, auch nur 10 Sekunden am Stück stille zu sitzen, für einen 10-Stunden-Flug in ein Flugzeug?

Nach der Landung wird sie dann plötzlich aktiv und klatscht nach erfolgter Landung laut und heftig, so richtig proletenhaft. Kann der vorne sowieso nicht hören. Davon ganz abgesehen fand ich die Landung auch nicht beklatschenswert. Gelandet ist der wunderbar, sanft und ohne Fehl und Tadel. Dann hatte er es aber eilig, zum Terminal zu kommen und hat von der Landebahn die kürzeste Abbiegung zum Gebäude genommen, obwohl er eigentlich noch gar nicht voll abgebremst hatte. Ich dachte noch (man kann das ja über die Bug-Kamera auf den Displays sehen), der wird doch jetzt wohl nicht … doch, er hat. Ging halt schwungvoll schräg in die Kurve. Scheint der da öfters so zu machen. Egal, die Fette klatscht.

Ich habe diesen Blog-Artikel auf meinem Notebook geschrieben, als die Dicke schlief, weil ich selbst so eingeklemmt kaum schlafen konnte. Sie hatte ihre Seite so eingedreht, dass das alles zu mir rüberdrückte, aber immerhin hatte das den Vorteil, dass sie mal für zwei, drei Stunden Ruhe gab. Eben gerade ist sie aufgewacht und das Theater geht von vorne los.

Für jede zu schützende Minderheit (wobei es absurd ist, diese Frau bei ihren Ausmaßen als „Minderheit“ einzustufen) gibt es irgendeinen Social-Justice-Verein, der sich als deren Lobby aufspielt. Wer aber schützt die Normalen vor den Störungen durch deren Störungen?

Wie ist es mit der rigiden Gleichheitspolitik und dem Ziel ultimativer Gleichstellung zu vereinbaren, wenn ich durch das Faktische des Fetten nicht mal einen Sitzplatz bekomme und eine normale, gerade Sitzhaltung einnehmen kann? Warum bekommt die 120 bis 140% Sitzplatz und ich im Mittel nur so ca. 80%?