Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Zerstörung von Demokratie geht von den Universitäten aus

Hadmut
2.2.2017 19:31

Das muss man sich schon bewusst machen, dass die Zersetzung von Grundrechten und die Sabotage von deren Wahrnehmung von den Universitäten ausgeht. [Nachtrag: Noch was herzliches]

Dass sie sich an der Uni Magdeburg neulich wie Neandertaler mit Holzkeulen aufgeführt haben, haben wir ja gesehen.

Wenn es in der Informatik so ein paar „heilige Orte” gibt, dann gehörte neben dem Silicon Valey und dem MIT sicherlich auch die Universität Berkeley dazu, die mit ihrem BSD-Unix die Entwicklung von Unix und Betriebssystemen im Allgemeinen enorm vorangetrieben hat. Klassisch hatte Unix die Hauptentwicklungslinien BSD und System V, mit unterschiedlichen Anwendungsprogrammen oder Kommandozeilenparametern, und wer mal in der Computergeschichte wühlen will, der sollte unbedingt Das Kuckucksei von Clifford Stoll lesen, das in einer Zeit spielte, als man sich noch mit Terminals und Modems im Zentralrechner einwählte, Computer (deshalb) noch komisch dudelten und – wie man es in alten Filmen noch sieht oder erlebt, wenn man in Deutschland auf dem Land wohnt – die Zeichen noch eins nach dem anderen auf den Bildschirm malten. Im Kuckucksei beschreibt er, wie sie Hacker daran erkannten, dass sie die „falschen” Unix-Befehle eingaben, den falschen Dialekt sprachen: Ostküsten-Unix (System V) statt Westküsten-Unix (BSD).

Boah, war das ne geile Zeit, als das alles so grundlegend erfunden und entwickelt wurde, und Computer noch mit 80×25 Zeichen stattfanden, wahlweise in grün oder bernsteinfarben.

Und da galt die Universität von Berkeley auch noch was, denn wer sonst hätte solche Softwarebrocken hinstellen können wie die zwei oder drei großen amerikanischen Universitäten, die auch das Projekt Athena hervorbrachten (X11 ist immer noch das Graphiksystem unter Unix, Kerberos ist heute noch zentrales Authentifikationsverfahren in Windows).

Was waren das für klingende Namen, die für die intellektuelle Weltspitze standen.

Das ist lange her.

Inzwischen haben dort die Geisteswissenschaften den Schwerpunkt übernommen und seither rutscht das Niveau immer weiter ab. Auch die kommen gerade bei den Neandertalern mit den Holzkeulen an.

Nun sollte an eben dieser Universität Milo Yiannopoulos sprechen, ein Blogger von so schillernden Attributen, dass ich sie sicher nicht alle erfasse. Kurioserweise 1984 geboren, laut Wikipedia britischer Journalist und Unternehmer, leitender Redakteur der berüchtigten Breitbart News, schwul, gilt als rechtsradikal, provokant, Trump-Anhänger, hat Wahlkampf für Trump gemacht. Und ist damit das derzeit wohl roteste Tuch für die amerikanische Linke. Der SPIEGEL schreibt dazu:

Milo Yiannopoulos ist so etwas wie der Posterboy der neuen amerikanischen Rechten. Er hat dem liberalen Amerika die Hoheit über zwei ihrer wichtigsten Themen genommen: den Kampf für die freie Rede, eines der zentralen Motive der großen Revolte der Sechziger. Und das Monopol auf die Identitätspolitik. Yiannopoulos fordert für den weißen Mann, der sich durch die Political Correctness und die Globalisierung in die Enge gedrängt fühlt, jene Rechte und jenen Respekt, den die Linke seit Jahren für sexuelle und ethnische Minderheiten will. Er wird mit der gleichen Intensität gehasst und geliebt, wie es auch der neue Präsident erlebt. Yiannopoulos ist der erste Popstar der Trump-Ära. Der Internet-Troll als Held.

Im vergangenen Jahr beleidigte er über Wochen hinweg die Schauspielerin Leslie Jones, eine der Hauptdarstellerinnen der “Ghostbusters”-Neuverfilmung, in der nun Frauen die Geisterjäger sind, bis der Kurznachrichtendienst Twitter ihn im vergangenen Sommer für den Rest seines Lebens sperrte. Bei den Auftritten seiner “Dangerous Faggot”-Tour, für die er seit Monaten von Universität zu Universität zieht, geht es um den Islam, den Feminismus, Internetzensur und die globalen Eliten.

Ein Milo-Yiannopoulos-Abend ist eine Mischung aus Vortrag und Stand-up-Comedy. Es geht um Frauen, die nicht Auto fahren könnten und endlich aufhören sollten, sich zu Opfern zu erklären, darum, dass Transsexuelle geisteskrank seien und die Bürgerrechtler von Black Lives Matter eine “Hate Group”, und darum, dass es Lesben eigentlich gar nicht gebe – außer in Pornos. Immer gibt es Proteste.

Gleiche Rechte für alle zu fordern ist natürlich was, womit man Linke extrem provoziert und auf die Barrikaden bringt. Politisch bevorzugten Minderheiten die Privilegien nehmen zu wollen ist für die Teufelswerk.

Und der sollte in Berkeley auftreten.

Es gab mal eine Zeit, da trat man in Amerika, besonders in Kalifornien, für die Freedom of Speech ein. Das galt dort mal als einer der zentralsten und wichtigsten Werte ihres Demokratieverständnisses.

Es galt auch mal als wissenschaftlich, als intellektuelles Qualitätsmerkmal, jemanden, dessen Rede man für falsch hält, anzuhören und dann inhaltlich zu widerlegen. Zu zeigen, dass man es besser weiß.

Auch das ist lange her.

Auch dort herrscht nun die Randale.

Der Tagesspiegel (der sicherlich nicht dabei war und auch nur aus irgendeiner Quelle abschreibt), schreibt (bemerkenswerterweise in der Rubrik Queerspiegel):

Sein Auftritt wurde kurzfristig abgesagt. Demonstranten warfen auf dem Campusgelände Scheiben ein, setzten Holzpaletten in Brand und schleuderten Steine auf Polizisten. Sicherheitsbeamte erschienen in voller Kampfmontur und setzten Tränengas gegen die Studenten ein.

Es gab Zeiten, in denen hätte man von dieser Beschreibung auf irgendein Drittland-Ghetto geschlossen. Randale in Südafrika, Palästina, oder sowas. So sieht es heute an einer amerikanischen Universität aus, die als Ort der dort höchsten geistigen Bildung galt und gilt.

Mehr als hundert Dozenten der Universität Berkeley unterzeichneten vor seinem geplanten Auftritt einen Brief, in dem sie Yiannopoulos Rassismus, Transphobie und Frauenfeindlichkeit vorwerfen. Der Internetdienst Twitter hatte im vergangenen Sommer sein Konto wegen verbaler Ausfälle gelöscht.

Es gab mal eine Zeit, in der sich Dozenten noch mit abweichenden, auch provokaten Meinungen auseinandersetzten, und die widerlegten oder akzeptierten. Und die Frage muss man auch stellen, wie man dort auf Steinewürfe und Brandstiftung reagiert, wenn schon „verbale Ausfälle” als so schlimm wahrgenommen werden.

Bemerkenswerte Reaktion:

US-Präsident Donald Trump drohte nach dem Protest der Universität mit dem Entzug staatlicher Mittel. Trump twitterte am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit): „Wenn U.C. Berkeley freie Meinungsäußerung nicht erlaubt und Gewalt gegen unschuldige Menschen mit anderen Ansichten verübt – KEINE BUNDESMITTEL?“

Dazu Metropolico:

Der Jahresbericht der U.C. Berkeley aus dem Jahr 2016 weißt ein Stiftungsvermögen von etwa fünf Milliarden Dollar aus. Hinzu kommt eine jährliche Forschungsförderung in Höhe von etwa 622 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte der Förderung, die an die U.C. Berkeley ausgezahlt wurde, stammte im letzten Jahr aus staatlichen Töpfen.

Das würden die also schon merken.

Nachdem ja Obama mit Title IX und der Drohung der Streichung von Bundesmitteln die Universitäten durchgegendert hat, wäre es eigentlich nur fair, wenn Trump mit diesen Mitteln die Freedom of Speech durchsetzt.

Kommen wir nochmal auf den SPIEGEL-Artikel zurück, weil darin so wunderbar das Niveau linker Demonstranten beschrieben wird:

Yiannopoulos will demonstrieren, weil am Abend zuvor sein Auftritt im größten Saal der Universität, veranstaltet vom Studentenklub der Republikanischen Partei, abgesagt werden musste, weil es Proteste gab, Eingänge blockiert wurden, ein Tisch umgeworfen wurde und vermummte Protestierer mit Exkrementen schmissen.

Dass die nur mit Scheiße werfen, sage ich ja schon lange, aber ich hatte das mehr so im übertragenen Sinne gemeint. Naja, jedem, was seinem Niveau entspricht. Das sind die Leute, die man heute in die Universitäten lässt, sogar drückt. Wie die Neandertaler.

Bei SFGate findet man auch noch Artikel und Bilder davon, wie die dort randaliert haben. Viele weitere Meldungen von Leuten, die dazu Fotos gewittert haben in den Retweets beim Twitter-Account von SFGate.

Durchaus bemerkenswert: Die schlagen da alles kurz und klein, machen Feuer, rennen mit einem Transparent „This is war” und „Become ungovernable” rum, und gleichzeitig „No hate speech”. Widerspruchsfreiheit ist auch eine veraltete Tugend. Und bisher galt der Widerstand gegen die Regierung ja als typisch rechts, als „Populismus”. Dreht sich die Regierung, drehen sich sofort die Positionen.

Was nebenbei auch dämlich ist, weil natürlich die amerikanische Rechte sich die Gelegenheit nicht entgehen lässt:

Frappierend sind aber die Parallelen zu Magdeburg:

The trouble began around 6 p.m., two hours before Yiannopoulos was to begin his speech inside the student union building on Sproul Plaza. Protesters outside the building began throwing fireworks and pulling down the metal barricades police set up to keep protesters from rushing inside. Windows were smashed and fires were set outside the building as masked protesters stormed it. Police quickly evacuated Yiannopoulos for his own safety.

Berkeley police said five people were injured and some people, including a man who said he had hoped to see Yiannopoulos speak, were seen with their faces bloodied. There were no arrests.

Wird die Uni Magdeburg aus den USA gesteuert? Oder umgekehrt?

Anlass zu Mitleid besteht nicht.

Die Universitäten haben sich als Geschäftsmodell jahrelang alle greifbaren Idioten in die Bude geladen. Nun sollen sie sehen, wie sie damit klarkommen.

Nachtrag:

Der ist auch hübsch:

Was darauf hindeutet, dass da Lesben und Transen im Zentrum der Randale stehen.