Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Fake-News: Warum man 2009 nicht mit 2017 vergleichen kann

Hadmut
24.1.2017 0:13

Noch einige Überlegungen zur Inaugurationsbesucherzählerei: Warum Statistiken nichts sagen und Koinzidenzen keine Kausalitäten sind. Und wie wir der Presse auf den Leim gehen. [Nachtrag 2]

Jetzt geht’s aber rund. Eine ziemliche Menge an Zuschriften habe ich bekommen. Erst meinten die meisten, dass die beiden Bilder von der Inauguration zwar von verschiedenen Standpunkten aufgenommen seien, aber die gleichen Menschen zeigten, überein stimmten.

Kaum hatte ich das aber im Blog geschrieben, kamen andere und fragten, ob die ersten Tomaten auf den Augen hätten. Verwiesen beispielsweise auf das.

Dann kamen noch ein paar Schlaumeier um mich aufzuklären, dass das Bild, was ich per Tweet eingebunden hätte, ein Fake sei, der Ku Klux Klan sei nicht wirklich da gewesen.

Ach, nee, wirklich, ey echt jetzt? Der Ku Klux Klan ist nicht in Bataillonsstärke vor dem Capitol aufmarschiert? Leute, das war ein Joke. Den fand ich so treffend, dass ich den nicht auslassen konnte. Ich kann zwar die Pressekritik an Trump nicht leiden, aber ich freue mich schon auf die Trump-Witze, die werden sicher wunderbar. Obama-Witze gab’s ja nicht, ging auch nicht, wäre ja Rassismus gewesen und an Obama war ja auch nichts witzig.

Je mehr ich aber darüber nachdenke, ob man die Bilder überhaupt vergleichen kann, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass wir da alle der Lügenpresse auf den Leim gegangen sind. Wenn man sich überhaupt auf die Frage einlässt, ob 2009 bei Obama und 2017 bei Trump gleichviel Leute da waren oder nicht und Bilder auszählt, ist man schon auf die hereingefallen.

Oder anders gesagt: Eine Koinzidenz ist noch keine Korrelation, und eine Korrelation noch keine Kausalität. Und die wollen uns diese Koinzidenz als Kausalität verkaufen. Im Prinzip eine gefälschte Statistik, die nicht mit Zahlen, sondern mit Bildern arbeitet.

Und das reine Zahlenmaterial sagt überhaupt nichts über die Kausalitäten aus, genausowenig wie Bilder, auf denen man Köpfe abzählt.

  1. Auf’s Wetter will ich dabei gar nicht mal abheben. Da sie bei Trump teilweise im Regenmantel dasaßen, scheint es geregnet zu haben, aber geschenkt.
  2. Obama war der erste schwarze US-Präsident, Trump ist der 44. weiße. Das hat schon deshalb einen ganz anderen historischen Stellenwert, der mit Beliebtheit noch gar nichts zu tun hat.

    Im Prinzip könnte man nach Gender-Logik auf Rassismus gegen Weiße schließen, weil man durch die Berichterstattung und die Anwesenheitszahlen ja den einen bevorzugt und den anderen benachteiligt.

  3. 2009 waren auch Wahlverlierer bei der Vereidigung, 2017 sicherlich kaum.
  4. Die Demokraten haben fast nur Stadt-Wähler, während Trump seine Wähler auf dem Land hat. Irgendwo haben sie neulich erzählt, dass wenn man die Wahlkreise nicht nach Einwohnern, sondern nach Fläche gewichtet, hat Trump weit über 90% (oder irgendsowas, hab’s nicht mehr genau in Erinnerung) geholt.

    Das heißt aber auch, dass zu einem Präsidenten der Demokraten schon deshalb mehr Leute kommen, weil die innerhalb von Washington D.C. mit der U-Bahn kommen können und nicht aus dem entfernten Land anreisen müssen.

    Wenn überhaupt, sagt das was über die Leute in Washington D.C. und nicht in den USA. Und Washington ist eben mehrheitlich Linkswähler.

  5. Zu berücksichtigen wäre auch, dass Trump vor allem von Arbeitern und Arbeitslosen gewählt wurde. Die einen haben keine Zeit, die anderen kein Geld, um dahinzufahren. Obama wurde vor allem von (Pseudo-)Akademikern und Studenten gewählt, die haben für alles Zeit.
  6. Die Zuschauergewohnheiten haben sich seit 2009 massiv geändert. Inzwischen ist das Internet breit etabliert, wir leben im Zeitalter des Smartphones. Das war es 2009 noch nicht in dieser Intensität. Zumal 2009 Wahlberechtigte vor 1991 geboren sein mussten und nicht so digital aufgewachsen sind. Die heutigen Wähler sind viel stärker auf elektronische Medien geeicht und schauen sich das viel eher im Internet, im HD-Fernsehen, auf irgendwelchen Parteiparties an. Kann man auch bei vielen anderen Veranstaltungen und Messen beobeachten, dass die Besucherzahlen deshalb sinken. Es sind einfach andere Zeiten.
  7. Terrorgefahr: 2009 gab es in den USA so gut wie keine inländische Bedrohung durch islamistischen Terror (von 9/11 mal abgesehen). Inzwischen hatten sie aber einige Anschläge (Marathon, Armeestützpunkt, die Schwulendisko usw.) und auch in Europa gab’s ja viele Anschläge. Das mindert die Lust der Leute, zu solchen Großereignissen zu gehen.

  8. 2009 haben sich die Wahlverlierer (Republikaner) noch halbwegs wie zivilisierte Leute aufgeführt, haben zwar auf Obama geschimpft, sind aber nicht auf dessen Wähler losgegangen.

    2017 führen sich die Wahlverlierer (Demokraten) wie wildgewordene Affen auf und gehen auf die Wähler los. Sie machen Randale, demolieren Autos und Läden. Einer berichtet hier davon, dass er bei der Vereidigung war und beim Rückflug im Flieger von seiner Sitznachbarin deshalb derartig belästigt und angegriffen wurde, dass die Polizei sie aus dem Flieger entfernen musste. (Übrigens hätten Schwarze, Latinos, Asiaten applaudiert, als man die Frau entfernt hat.) Wer will sich solchen Belästigungen aussetzen?

  9. Es gab ja dort auch massive Randale von Links, vor denen die Polizei gewarnt hatte. (Habe ich teils sogar live auf WTOP gehört.) Viele wurden dadurch abgehalten, andere sind erst zu spät auf das Gelände gekommen. Die Leute erst durch Randale und Warnungen abzuhalten und dann zu sagen, es waren weniger da, ist auch nicht seriös.
  10. Die Sicherheitsmaßnahmen waren viel höher. Man hatte dort angeblich sehr strenge Personenkontrollen durchgeführt, durch die sich auch nicht jeder zwängen wollte.
  11. Ein Leser schreibt mir dazu:

    Linksextreme (BLM) haben mehrere Zugangspunkte zur Inauguration abgeriegelt, zB am Lincoln Memorial. Die Polizei des tiefroten Washington DC (mit überwältigender Mehrheit Clinton-Wähler) war zur Deeskalation verdonnert worden und durfte nicht einschreiten (Im Gegenteil, die
    haben sogar Trump-Unterstützer daran gehindert, sich den Durchgang zu erzwingen).

    Man hat Eingänge versperrt und sagt nun, es waren weniger Leute da?

  12. Ich finde jetzt auf Anhieb die Quelle nicht mehr. Irgendwo habe ich heute einen Artikel gelesen, in dem stand, dass die Polizei aus Sicherheitsgründen, wegen Terror, wegen der zu befürchtenden Randale und um schneller eingreifen zu können den Platz ganz anders eingeteilt hatte als 2009. Die haben da richtige Gassen und freie Plätze gebaut und die absichtlich frei gehalten.
  13. Nachtrag 2: Man muss sich (jenseits des Digitalen oben) auch mal klar machen, dass da 8 Jahre dazwischen lagen und die Gewohnheiten der Menschen sich so geändert haben, dass das nicht mehr vergleichbar ist.

    Beispielsweise ist auch die Politikverdrossenheit. Die Lehman-Pleite, mit der die Finanzkrise in den USA ausbrach, war im Herbst 2008, und erst in der Amtszeit Obamas sind dort so viele Leute um Haus, Vermögen, Arbeitsplatz gekommen und haben daraus Politikverdrossenheit und „Schnauze voll” entwickelt.

    Schon deshalb wäre es eigentlich richtiger, ein geringeres Interesse der Bevölkerung in Politiker dem vergangenen und nicht dem künftigen Präsidenten anzulasten. Denn oft aber leise wird ja auch erwähnt, dass Obama viele Leute tief enttäuscht hat und seine Bilanz ziemlich lausig aussieht.

    Schon deshalb sollte man sich überlegen, ob man ein Fernbleiben der Leute von dieser politischen Veranstaltung dem alten oder dem neuen Präsidenten anlastet. Man kann nicht einfach sagen „Trump ist schuld”. Wenn ein Kranker erstmals zum Arzt geht, ist der Arzt ja auch nicht rückwirkend an der Krankheit schuld, egal wie schlecht er sein mag.

Das ist also, wie so oft, ein Konglomerat aus ganz vielen Gründen und Ursachen, und verblüffenderweise sind die meisten davon eher dem jeweiligen Wahlverlierer und Gegner als dem Präsidenten zuzurechnen, lassen aber so erst mal keine Rückschlüsse auf die Beliebtheit der Präsidenten zu.

Im Prinzip die gleichen Fehler, die die Presse auch ständig bei Statistiken macht, denn – wie gesagt – es geht ja effektiv um nichts anderes als eine Statistik, nur eben eine durch Fotos dargestellte (obwohl sie ja dann auch Zahlen behauptet haben).

Bei einer solchen Vielzahl von Ursachen ist es unmöglich, da noch einzelne Ursachen herauszupräparieren und dann zu behaupten, diese oder jene war es.

Systematisch war es der gleiche Fehler, den ich Geisteswissenschaftlern so oft ankreide: Sie finden irgendeine Korrelation (und hier ist es ja nicht mal eine Korrelation) und glauben dann, sie dürften sich eine Kausalität frei aussuchen, die ihnen am besten in den Kram passt.

Man muss daraus lernen, wie verlogen und manipulativ die Presse heute ist.

Man muss lernen, den Leuten nicht auf den Leim zu gehen.

Man muss eigentlich die Presse stets als Gegner auffassen und sich ständig in Verteidigungsposition sehen, weil man nur so die nötige Verdachts- und Abwehrhaltung aufrecht erhalten kann.

Man darf diesen Leuten einfach nichts mehr glauben, jedenfalls nicht unbesehen und geprüft.

Ich weiß, das ist faktisch so gar nicht umsetzbar, aber zumindest probieren sollte man es und sich an solchen Beispielen immer wieder klar machen, wie die Presse uns manipulieren will.

Und man muss sich schließlich auch klarmachen, dass die, die sich als uns belehrende und ach so wichtige Presse aufspielen, faktisch dazu gar nicht qualifiziert sind, das zu erfüllen. Die können das nicht, was sie für sich in Anspruch nehmen. Das sind nur Dampfschwätzer und Täuscher.

Und wenn 2017 weniger Leute da waren als 2009, dann sagt das – wie ich es so oft bei feministischen Statistiken kritisiere – einfach gar nichts, außer dass eben weniger Leute da waren. Aber es sagt nichts darüber, warum das so war. Zahlen sind keine Begründungen. Und sie sind kein Gutschein und kein Freibrief, irgendeine Begründung zu behaupten, die einem gerade in den Kram passt.

Nachtrag: Ein Leser hat mir gerade einen Link auf einen Artikel der New York Times geschickt, in dem die Trump- und die Clinton-wahlbezirke flächenmäßig dargestellt werden.

Trump hat eine fast vollständige US-Landkarte, Clinton hat nur ein paar Flecken, aber eben die mit mehr Bevölkerung. Deshalb wird eine Veranstaltung an einem einzelnen Ort immer zugunsten der Demokraten ausgehen, wenn die in einem von deren Flecken stattfindet.