Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Tichy & Tichy

Hadmut
13.12.2016 20:39

Nein, ich meine nicht den Raumfahrer von Stanislaw Lem. Ich meine zwei andere.

Einer, mit dem ich viel zu tun hatte, war ein gewisser Walter F. Tichy, damals zur Zeit meines Promotionskraches Dekan an der Uni Karlsruhe (siehe Adele und die Fledermaus). Hat mich ziemlich verleumdet, hat sich durch heimliche E-Mail-Sperren strafbar gemacht, hat Falschgutachten von der ETH Zürich angefordert und sie auch noch zu falschen gerichtlichen Aussagen angestiftet. Hat – obwohl er mich persönlich nicht kannte – gegenüber anderen Professoren behauptet, ich wäre schon als Student querulantisch auffällig gewesen, erkannte mich dann aber nicht mal, als ich beim Fakultätsfest am Grill direkt vor ihm stand und er mir das Ketchup reichte. Hat fälschlich behauptet, ich hätte die Universität angegriffen, und ebenso fälschlich, die Universität hätte mir gekündigt (ich habe der Universität gekündigt und die wollten mich unbedingt dort halten).

Interessant war damals vor allem die E-Mail-Sperre. Tichy (also der Walter F.) hat damals heimlich die Mails von ein paar Tausend Mitarbeitern und Studenten filtern lassen, in denen mein Name vorkam, um die Ausbreitung von Informationen, die für die Fakultät – und vor allem für ihn, nachdem so viele Schwindel aufgeflogen sind – unangenehm sind. Abweichende Meinungen von seiner totalitären Willkür waren nicht geduldet, und gegen jeden Abweichler wurde systematisch durch Verleumdung diffamiert. Führte zur ersten Gerichtsentscheidung zu § 206 StGB überhaupt, ich habe damals die Entscheidung durchgesetzt, dass das strafbar ist. Eine von der Uni Karlsruhe entsandte „Sachverständige” erzählte dazu im Bundestag, ich hätte die Universität angegriffen, weshalb man Schutzmaßnahmen gebraucht hätte – und ahnte nicht, dass ich dabei hinter ihr saß. Im Internet-Recht-Skript von Hoeren stand jahrelang zu dieser § 206-Entscheidung, man hätte Mail sperren müssen, nachdem man einem Mitarbeiter kündigen musste (=konnte sich nicht benehmen). Dass ich denen gekündigt hatte, die mich zum Dableiben erpressen wollten, und zwischen Kündigung und Sperre 5 Jahre lagen, wollte niemand hören. Inzwischen hat man den Unsinn aber wohl entfernt, in der aktuellen Version finde ich die Stelle nicht mehr. Zeigt aber, wie weitgehend man da verleumdet und diffamiert wird. Abweichende Meinungen nicht erlaubt, sogar mit kriminellen Methoden wird gearbeitet. Meine Einsprüche gegen die Prüfungsbewertungen hat man auch nie gelesen, Prüflinge haben da kein Recht auf eigene Meinung. Es gibt die von der Fakultät diktierte Meinung, und die hat man schweigend zu akzeptieren, egal wie offensichtlich falsch sie ist. (Sie sagten mir sogar, dass sie wissen, dass sie fachlich falsch ist. Sie wollten von mir, dass ich die Fehler in die Dissertation einbaue und mich durchfallen lasse, damit sie gut dastehen. Auch Professoren der Gesellschaft für Informatik sagten mir, dass die Prüfungsgutachten natürlich falsch sind. Man werde aber nicht gegen andere Professoren aussagen.)

Nun gibt es noch einen anderen Tichy, nämlich einen Roland Tichy, Journalist, der „Tichys Einblick” betreibt, und die sind wirklich nicht schlecht. Da aber schreibt er gerade:

Wir lassen uns die Freiheit nicht abkaufen. Wir lassen uns das Wort nicht verbieten. Wenn Sie in vielen Dingen anderer Meinung sind: Kämpfen Sie trotzdem mit. Denn es könnte morgen Ihre Meinung sein, die nicht mehr gefällt. Danke für die Unterstützung Vieler.

Das erschreckende an diesem Text ist, dass er geschrieben werden muss. In diesen Tagen gerät die Meinungsfreiheit in Deutschland in Gefahr. Was ist Meinungsfreiheit? Es ist die Freiheit, andere Meinung zu äußern, aus dem Mainstream auszubrechen. Dabei ist gleichgültig, welches Ufer des Mainstreams überflutet wird, das rechte oder das linke: Ohne eine liberal-konservative Position gibt es keine links-liberale.

In ihrer schnörkellosen Sprache haben die Väter des Grundgesetzes unumstößlich formuliert:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten … Eine Zensur findet nicht statt.“

Dieses Recht nehme ich als Herausgeber von Tichys Einblick in Anspruch, und ich weiß mich der Unterstützung Hunderttausender Leser sicher. Ich weiß, dass viele dieser Unterstützer meine Meinung nicht teilen; nicht in allen Punkten und in vielen dezidiert widersprechen. Genau so soll es sein.

Nur in Sklavenhaltergesellschaften ist die eine, wahre Meinung vorgeschrieben und Gesetz. In zivilisierten Gesellschaften streiten wir, mit den Waffen des Wortes, sei es gesagt, geschrieben, gesendet oder an fluiden Litfasssäulen des Internets plakatiert.

Vor ein paar Monaten meldete sich mal ein Journalist bei mir. Er habe mein Blog gelesen und wolle ein Interview mit mir machen, wie das Blog und meine Aktivitäten und Ansichten denn zustandegekommen seien. Er schreibt häufig für Tichys Einblick und wollte das dort publizieren. Also haben wir das Interview gemacht und ich habe darin erzählt, was an der Uni Karlsruhe so alles gelaufen ist (ohne den Dekan Walter F. Tichy namentlich zu erwähnen, aber ein paar seiner Untaten dann schon).

Der Journalist, der von der Querverbindung nichts wussste und demgegenüber ich nicht erwähnt hatte, dass der Karlsruher Dekan auch Tichy hieß, war dann völlig konsterniert, als Tichys Einblick sein Interview ohne greifbare Begründung ablehnte. Wollten die nicht publizieren.

Ein Leser schrieb mir mal, die beiden Tichys wären Brüder.

Weiß ich nicht. Zumindest auf den Fotos sehen sie sich schon so ähnlich, dass das gut möglich wäre.

Ich habe bei Tichys Einblick mal Presseanfrage gestellt, ob das stimmt. Und keine Antwort bekommen.

Ich weiß also nicht, ob sie Brüder sind. Und wenn ja, wie sie zueinander stehen.

Offenbar äußern sie gegenteilige Standpunkte. Ob die aus unterschiedlicher Auffassung oder einfach nur aus der jeweiligen Opportunität der Situation entspringen … wer weiß das schon. Naja. Der Volksmund sagt: Seine Freunde kann man sich aussuchen…

Aber es scheint, als sei die Begeisterung eines Roland Tichy für Meinungsfreiheit und freie Rede auch nur relativ und ende spätestens da, wo ein Walter F. Tichy anfängt.

Womit wir wieder bei Einstein wären. Alles ist relativ. Zum jeweils Opportunen.