Hadmut Danisch

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Die Zwielichtigkeit der Handgranate

Hadmut
20.2.2016 10:16

Oh.

Vielleicht macht’s da ja doch noch so richtig bumm…

[Nachtrag/Korrektur]

Ich hatte doch neulich schon über diese Handgranate berichtet, die man da auf ein (oder korrekterweise: vor einem) Flüchtlingsheim geworfen hat. Erst haben sich alle, Politiker, Journalisten, Künstler – ohne irgendwas zu wissen – darüber ereifert, wie schlimm das jetzt wäre, dass man Handgranaten auf Flüchtlinge wirft, dann aber kam heraus, dass das ein Streit unter Wachfirmen war.

Jetzt kam da wohl noch viel mehr raus. Aber die Presse berichtet – typisch deutsche Presse – fast gar nicht mehr, nur noch lokal darüber. Ein Leser hat mir einige Links dazu geschickt.

Neulich hieß es ja, die Sache sei geklärt, die Täter identifiziert. Von wegen. Die Stuttgarter Nachrichten berichten: Soko „Container“ formiert sich neu:

Nach dem Handgranatenwurf in einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen arbeitet die Polizei nun in zwei Gruppen an dem Fall.

Villingen-Schwenningen/Rottweil – Die nach einem Handgranatenwurf auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft eingerichtete Sonderkommission „Container“ hat sich neu formiert. Nach Auskunft der Polizei in Rottweil vom Donnerstag wurde die SoKo Ende der vergangenen Woche in zwei Ermittlungsgruppen mit je 20 Ermittlern überführt. Der 75-köpfigen SoKo war es Ende Januar gelungen, vier tatverdächtige Männer zu ermitteln, von denen drei in Untersuchungshaft sitzen. Nach wie vor würden unzählige Spuren und Vernehmungen ausgewertet, sagte der Polizeisprecher.

Arbeitsteilung:

Eine Ermittlungsgruppe – mit gleichlautendem Namen „Container“ – widme sich dem eigentlichen Handgranatenanschlag, hierbei gehe es um Verbrechen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Die zweite Ermittlungsgruppe ermittle wegen des Verdachts des Betrugs und des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelten. Der Tatverdacht richte sich gegen Firmen, die dem Sicherheitsgewerbe angehören, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Dazu gab es eine Razzia.

Dazu meint die Schwäbische:

Die Ermittlungen nach dem Handgranaten-Anschlag auf das Gelände einer Villinger Flüchtlingsunterkunft haben zu einer weiteren Konsequenz geführt: Das Regierungspräsidium (RP) Freiburg hat am Donnerstag die Verträge mit der Tuttlinger Sicherheitsfirma „Ever Safe“ , die in den Erstaufnamestellen Villingen und Donaueschingen tätig ist, fristlos gekündigt.

Die Handgranate war in der Nacht zum 29. Januar in Richtung des Container von „Ever Safe“ geflogen, aber nicht explodiert. Noch immer ist nichtz geklärt, ob sie einen Zünder hatte und somit scharf war.

Immer härter gewordener Verdrängungswettbewerb

Die 75-köpfige „Sonderkommission Container“ hat, wie berichtet, vier Russlanddeutsche als Tatverdächtige festgenommen, drei sitzen in U-Haft. Der Konstanzer Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth erklärte auf Anfrage, bei dem Anschlag sei es um Konflikte und einen immer härter gewordenen Verdrängungswettbewerb gegangen. Es tobe ein Kampf um Aufträge, und die seien bei der Bewachung der Asylheime besonders begehrt.

Kein Wunder, das Geschäft mit den Flüchtlingen ist sehr lukrativ, wie ein Branchenkenner berichtet: „Es geht um sehr viel Geld“, weiß er. „bei der Bewachung größerer Objekte um Millionen.“

Nach Recherchen unserer Zeitung haben sich die Anhaltspunkte verfestigt, dass es sich bei dem Anschlag um einen Racheakt gehandelt hat, weil die Firma Ever Safe Konkurrenten hinausdrängte, Subunternehmen beschäftigte und/oder Dumping-Löhne zahlte.

Die Mitteilung des Regierungspräsidiums passt zum Verdacht: Die Kündigung, so heißt es, gelte auch für deren Subunternehmer. Man habe jetzt „verlässliche Informationen erhalten“, die diesen Schritt erforderlich gemacht hätten.

Offenbar sind nicht nur die böse, die die Handgranate geworfen haben, sondern auch die, auf die sie geworfen wurde.

(Die Sitten sind übrigens nicht ganz ungewöhnlich. Aus der Callcenter-Branche ist mir beruflich ein Fall bekannt geworden, in dem ein Bewerber um einen Auftrag dem unliebsamem Konkurrenten um den Auftrag eine scharfe Pistolenpatrone im Kuvert schickte. Insofern wäre es plausibel, dass auch die Handgranate bewusst entschärft war.)

Dazu weiß der Südkurier etwas zu ergänzen:

Hinter dem Villinger Handgranatenwurf bei einem Flüchtlingsheim steckt offenbar ein Wirtschaftskrimi. Aktuell durchforsten die Beamten die Bücher mehrerer Sicherheits-Firmen. Es geht um den Verdacht, ob sich in der Region einer der Beteiligten ein Monopol aufbauen wollte – und ob der Weg dahin mit einer Handgranate geebnet werden sollte. Johannes-Georg Roth, Leiter der Konstanzer Staatsanwaltschaft, bestätigte gegenüber dem SÜDKURIER, dass gegen Angehörige des Security-Gewerbes „wegen des Verdachts des Betruges“ ermittelt werde. Laut Roth geht es dabei insbesondere um den Verdacht der „fehlerhaften Abrechnungen von Dienstleistungen“. Geprüft werde „in diesem Kontext auch, ob der Anfangsverdacht einer Straftat hinsichtlich des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt besteht“. […]

Das Freiburger Regierungspräsidium zahlt für die Bewachung der Flüchtlingsadressen viel Steuergeld. Geprüft wird jetzt von der Polizei unter anderem, ob Sicherheitsfirmen, die untereinander in Machtkämpfe verwickelt scheinen, überhaupt fähig sind, ihrer ursprünglichen Aufgabe gerecht zu werden. Oder ob die Hauptmotivation dieser Firmen nicht vielmehr auf das Ziel ausgerichtet gewesen sein könnte, Konkurrenten mit aller Brutalität vom Markt zu verdrängen, um selbst noch mehr Geld einstreichen zu können. Genau in diese Richtungen ermitteln nun die Polizeibeamten.

Und Freiburg wird von einem grünen Bürgermeister regiert. (Korrektur siehe unten)

Und damit bekommt die Sache plötzlich einen ganz anderen Drall.

Denn es scheint inzwischen so zu sein, als habe man da kriminelle Dienstleister beauftragt. Warum auch immer. Ob nun gewollt, unfreiwillig oder unwissentlich, sei an dieser Stelle mal noch dahingestellt. Jedenfalls ist da offenbar verdammt viel Geld aus der Regierung in kriminelle Taschen geflossen.

Und der Knackpunkt ist: Nur durch die Handgranate ist es überhaupt rausgekommen.

Man könnte da ja nun auf den Gedanken kommen, dass die Story mit dem fremdenfeindlichen Anschlag nicht einfach nur voreiliges Geschwätz war, sondern da irgendwer versucht hat, die Sache noch durch Desinformation abzubiegen.

Nachtrag/Korrektur: Die Leser haben mich auf einen Fehler hingewiesen, der mir unterlaufen ist:

Das Regierungspräsidium ist eine Landesbehörde und hat mit dem Bürgermeister nichts zu tun.

Macht aber nichts, grün sind sie trotzdem. Dazu schreibt mir einer der Leser:

“Grün” ist das Regierungspräsidium trotzdem: Die seit 2011 amtierende grün-rote Landesregierung unter Herrn Kretschmann hat dort im Jahr 2012 den bisherigen Regierungspräsidenten Julian Würtenberger (CDU) ohne Angabe von Gründen in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Seine Nachfolgerin wurde die parteilose Bärbel Schäfer. Zitat aus der Badischen Zeitung vom 5.4.2012 zu ihr:

Befragt nach ihrer parteipolitischen Orientierung, bekannte die 54-Jährige: “Natürlich bin ich eine grüne Regierungspräsidentin” und “natürlich” werde sie sich für grüne Politik einsetzen: “Da kann sich die Landesregierung drauf verlassen.” Den roten Koalitionspartner erwähnte sie in diesem Zusammenhang nicht.

Na, dann schauen wir mal, was für Granaten da noch ans Licht kommen.