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Schutzgeld-Journalismus?

Hadmut
14.2.2016 10:55

Ach, guck an. Gibt’s da noch mehr von der Sorte?

Da geht gerade eine Nummer durch die Presse, die hat so ihren Reiz.

Ein Redakteur der WELT soll der AfD »angeboten« haben, sie für ein Monatshonorar von 4.000 Euro zu beraten, gleichzeitig aber bei der WELT der Redakteur zu bleiben, der über sie schreibt. Die AfD hatte das abgelehnt.

Dazu schrieb gestern der Tagesspiegel:

Chefredakteur Stefan Aust twitterte: “Die Welt trennt sich von Günther Lachmann”. Damit zieht das Blatt einen Schlusstrich unter eine Affäre, bei der der Redakteur angeblich mit AfD-Chefin Frauke Petry über ein Beratungshonorar verhandelt haben soll. Der Redakteur soll 4000 Euro monatlich dafür verlangt haben, dass er die Partei politisch berät. Den Vorwurf hatte der nordrhein-westfälische AfD-Vorsitzende Marcus Pretzell auf Facebook erhoben. […]

Der „Welt“-Redakteur Günther Lachmann hatte sich juristisch gegen die Äußerungen Pretzells gewehrt. „Marcus Pretzell ist unter Fristsetzung auf Unterlassung abgemahnt“, hatte ein Sprecher des Medienkonzerns Axel Springer am Donnerstag in Berlin erklärt.

Pretzell schrieb am 26. Januar auf Facebook: „Herr Lachmann wollte zwar die AfD von Frauke Petry und Jörg Meuthen beraten, aber er wollte seinen Job als Journalist bei ‘Die Welt’ nicht aufgeben und dort weiter verantwortlich sein für die Berichterstattung über die AfD.“ Als Honorar habe der Journalist 4.000 Euro monatlich verlangt, die laut Pretzell „über Umwege“ bezahlt werden sollten. Die Parteiführung habe das Angebot abgelehnt. Seitdem enthalte jeder von Lachmanns Beiträgen über die AfD „herabwürdigende Bemerkungen“ zur Parteivorsitzenden Petry. Lachmann war zuvor vorgeworfen worden, AfD-nahe Positionen vertreten zu haben. Pretzell ist der Lebensgefährte von AfD-Chefin Frauke Petry. (Tsp/epd)

Wobei jemanden unter Fristsetzung abzumahnen erst mal noch gar nichts bedeutet. Das kann jeder, das sagt nichts über den Wahrheitsgehalt der Aussage.

Dazu sagt der SPIEGEL heute aber:

Lachmann selbst hatte die Vorwürfe, er habe sich von der AfD bezahlen lassen wollen, bestritten. Gegenüber SPIEGEL ONLINE hatte “WeltN24”-Chef Aust am Freitag erklärt: “Günther Lachmann hat eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass die Vorwürfe unbegründet sind. Ich habe ihn dazu ermutigt, rechtliche Schritte zu ergreifen, was er auch tut. Der Verlag unterstützt ihn dabei.” Nun aber liegen der Führungsspitze der “Welt” offenbar neue Informationen vor.

Am Samstag hatte die nationalkonservative Zeitung “Junge Freiheit” online berichtet, ihr lägen E-Mails von Lachmann vor, in denen er der Pressesprecherin Pretzells konkrete Vorschläge gemacht habe, wie die Partei sich öffentlich besser darstellen könne. In den zitierten E-Mails ist zum Beispiel davon die Rede, wie “die AfD ihr national-konservatives Stigma loswerden” könne. Lachmann habe ein “Manifest” skizziert, aus dem die AfD auch “ihr Programm ableiten kann”.

Wobei eine »eidesstattliche Versicherung« gegenüber einer Nachrichtenredaktion abzugeben erst mal noch gar nichts bedeutet. Das kann jeder, das sagt nur sehr wenig über den Wahrheitsgehalt der Aussage. Denn strafbar und damit rechtswidrig ist das erst, wenn man es gegenüber einer öffentlichen Stelle tut, die zur Abnahme eines Eides befugt ist (§ 156 StGB). Gegenüber seinem Arbeit- bzw. Auftraggeber ist es allerdings ein Treuebruch (und im Einzelfall möglicherweise sogar Betrug). Sowas reicht dann für ne Entlassung.

Der Vorgang, dass Journalisten gleichzeitig Berater sind und darüber schreiben, ist allerdings nicht neu. Das gab es ja irgendwo schon mal, dass derselbe Journalist als Ghostwriter einem Politiker gegen Geld die Reden schrieb und als Redakteur dann lobpreiste, was für tolle Reden der hielte. Die Vermischung von PR und Journalismus ist nicht nur in vollem Gange, sie ist sogar geradezu zwingend, seit sich der Journalismus vom Nachrichtenjournalismus zum Interessenjournalismus gewandelt hat, seit der korrupte Lobbyismus zum zentralen Dreh- und Angelpunkt vieler Redaktionen geworden ist. Das ist mir schon auf diversen Journalistenkonferenzen aufgefallen, dass deren einzige Unterscheidung zwischen persönlichen Interessen und journalistischer Tätigkeit nur noch darin besteht, den eigenen Interessen Priorität einzuräumen. Eigenlobbyismus wird hemmungslos als Journalismus ausgegeben.

Deshalb erscheint mir sowas hier dann auch wenig überraschend. Wenn’s ein Einzelfall wäre, das würde mich überraschen.

Hört sich hier dann aber schon wie regelrechte Schutzgelderpressung an: Du zahlst oder ich schreibe Dich kaputt. Wär’s kein Einzelfall, müsste man von einer regelrechten Schutzgeldmafia sprechen.