Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Von Kohlefasern und dem organisierten Niedergang der Bildung

Hadmut
26.12.2015 23:08

Hirn ist auch nicht mehr das, was es mal war. [Update]

Abinoten werden immer besser. Die Abileistungen dagegen nicht. Schreibt das Handelsblatt.

An die Hochschule der Wahl fahren, einschreiben, studieren – das war einmal. In Hamburg etwa sind mehr als 80 Prozent der Bachelorstudiengänge zulassungsbeschränkt, in Baden-Württemberg oder Bremen mehr als 60 Prozent. In anderen Ländern ist der Anteil zwar geringer, doch deutschlandweit gilt noch für 47 Prozent der Programme: Die Abiturnote zählt.

Sie ist noch immer das Hauptauswahlkriterium für die meisten Studiengänge, bei denen die Hochschulen den Zugang begrenzen. Nur: Die Noten werden generell immer besser, aber auch immer ungleicher verteilt. Die Note 1,0 etwa gibt es immer häufiger, vor allem in Nordrhein-Westfalen und in Berlin. Das zeigen Zahlen, die die Kultusministerkonferenz (KMK) jährlich veröffentlicht. Zwischen 2006 und 2013 hat sich in Nordrhein-Westfalen die Anzahl der Top-Abiturienten verfünffacht, in Berlin gab es 2013 viermal so viele Bestnoten wie sieben Jahre zuvor.

Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, macht sich daher ernsthaft Sorgen um das Ansehen und die Qualität des Abiturs: “Das ist ein Quoten-Wettrüsten zwischen den Ländern und auch international.”

Insgesamt weisen Berlin und einige andere Länder erstaunliche Sprünge auf: Elf Prozent der Berliner waren 2003 Einserabiturienten – hatten also einen Schnitt zwischen 1,0 und 1,9. Zehn Jahre später waren es mehr als 20 Prozent. In Thüringen stieg der Anteil in dieser Zeit von 29 auf knapp 38 Prozent.

Ist das noch gerecht? Sind die Schüler dort wirklich schlauer als ihre Klassenkameraden anderswo? Engagieren sich die Lehrer stärker, ist der Unterricht einprägsamer? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, denn aussagekräftige Untersuchungen über die Unterrichts- und die Lehrerqualität sind schwierig zu erheben und noch schwieriger zu vergleichen.

“Das Niveau sinkt seit Jahren, das fängt schon in der Grundschule an”, meint Lehrervertreter Kraus, der selbst 20 Jahre lang ein Gymnasium in Bayern geleitet hat. Der Grundwortschatz, den Schüler am Ende der vierten Klasse beherrschen müssten, liege heute bei 700 Wörtern, vor zwanzig Jahren seien es 1 100 Wörter gewesen. Zu Beginn des fünften Schuljahres musste man früher eine fünfstellige durch eine zweistellige Zahl dividieren können, heute reiche es aus, eine vierstellige durch eine einstellige teilen zu können. “Diese Entwicklung zieht sich durch bis zum Abitur.”

Nach der Grundschule gehen in vielen Bundesländern immer mehr Schüler aufs Gymnasium – obwohl die Schülerzahlen insgesamt sinken. Lehrerverbandschef Kraus meint, die Politiker würden sich in der Steigerung der Abiturientenzahlen sonnen; dass darunter die Qualität der Abschlüsse leide, würden sie verschweigen. “Wenn der Anteil der Abiturienten steigt, müsste die Durchschnittsnote tendenziell eher sinken”, sagt auch Cort-Denis Hachmeister vom Centrum für Hochschulentwicklung. Eine signifikante Leistungssteigerung der Schüler hält er für unwahrscheinlich.

Es gibt in einigen Fächern Anhaltspunkte dafür, dass die Schüler heute tatsächlich nicht mehr wissen, sondern dass weniger von ihnen verlangt wird. Eine Studie des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel zeigte im Frühjahr 2015, dass nur 31 Prozent der 1 360 befragten Abiturienten aus Schleswig-Holstein im Fach Mathematik die Anforderungen der Hochschulen erfüllen. Ein weiteres Drittel war in dem Fach auf dem Stand der Mittelstufe.

Und die Aufgaben im Mathe-Abitur waren im Jahr 2013 in Hamburg deutlich einfacher als noch 2005, zeigt eine Untersuchung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Die Prüfungen dauerten genauso lange, die Schüler mussten aber weniger Aufgaben lösen. Die einleitenden Texte seien zudem länger und aufschlussreicher gewesen, der Rechenweg hingegen sei weniger anspruchsvoll geworden.

Der Lehrerverband sieht eine zweite problematische Entwicklung: die zunehmende Kompetenzorientierung. Im schriftlichen Abitur etwa werde weniger erlerntes Wissen verlangt als die Fähigkeit, aus einer Aufgabenstellung die nötigen Informationen zu ziehen und im Anschluss die Ergebnisse zu analysieren.

In Hamburg können die Abiturienten seit 2011 statt einer mündlichen Abiturprüfung eine Präsentation zu Hause vorbereiten und vor den Prüfern halten.

Das ist bemerkenswert. Denn dieser Austausch von „Wissen” und „Können” gegen „Kompetenzen” ist eine links-feministische Aktion. Alles das, was mit Leistung zu tun hat, wird durch Äußerlichkeiten ersetzt, durch ein sich-durchschwafeln. Die Frage zu paraphrasieren statt sie zu lösen. Die berühmt-berüchtigten auf Mädchen zugeschnittenen Matheaufgaben, in denen die Lösung schon drinsteht. Das ist die Technik, mittels derer man dafür sorgt, dass Mädchen die besseren Abiturnoten bekommen, um dann per Numerus Clausus mehr Studienplätze zu bekommen. Perfekt für jene Karrierefrauen, die darauf angewiesen sind, dass an allem immer der nächstbeste Mann schuld ist.

Denn es ist ja bekannt, dass Mädchen schon als Dreijährige den Jungen sprachlich und sozial voraus sind, also hat man das Abitur von Leistung, Können und Wissen auf Sprachlich-Soziales umgemodelt. Wobei sie sich ja nicht mal dabei so sicher sind:

Allerdings gaben die Forscherinnen zu bedenken, dass die Kindergarten-Betreuung in Norwegen größtenteils in Frauenhand ist, diese stellen rund 93 Prozent des Personals. Das könne die Beobachtungen, auf die sich die Studie unter anderem stützt, beeinflusst haben.

Führt übrigens dazu, dass die Deutschen immer schlechter kochen können:

“Das Wissen um Essen und Trinken ist im Familienleben heute geringer als früher”, sagt Seitz. “Heute können junge Frauen genauso wenig kochen wie junge Männer, oft ist es zumindest so.” Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin, sieht das ähnlich: “Viele Deutsche sehen Kochen als verlorene Zeit an, sind beruflich stark eingespannt, wollen für sich allein nicht kochen. Und sie können häufig auch gar nicht kochen.”

Es gebe derzeit zwei gegenläufige Trends in der Esskultur, berichtet Gastronomiekritiker Seitz:

  • Über Jahrhunderte hinweg hätten Mütter und Omas gekocht, die ihr Wissen an ihre Töchter weitergaben. “Diese klassische Ordnung ist zusammengebrochen.”
  • Gleichzeitig sei in Deutschland die Gourmet-Szene im Aufwind.

Korrelationen sind keine Kausalitäten. Man muss sich immer überlegen, ob es überhaupt einen inneren Zusammenhang gibt, und wie herum der dann verläuft.

Eine interessante Frage wäre daher die nach der Korrelation zwischen dem steigenden Frauenanteil in der Medizin und dem abstürzenden Promotionsniveau. Hört sich zumindest an wie die natürliche Fortsetzung der Abiturkorrosion:

Der Plagiatsverdacht gegen eine prominente Politikerin führt in der Presse zu heftiger Kritik am medizinischen Promotionswesen im Allgemeinen: Die medizinische Dissertation sei “akademische Ramschware”, vielfach schlampig angefertigt, in der Regel wissenschaftlich minderwertig und werde ohnehin nicht gelesen. Diese pauschalen Urteile sind nicht berechtigt. Denn natürlich gibt es – nicht nur in den experimentellen Disziplinen der Medizin – inhaltlich hervorragende Doktorarbeiten. Trotzdem ist eine gründliche Revision des medizinischen Promotionswesens überfällig: Die Verstöße gegen elementare Regeln der Wissenschaft nehmen überhand, und dem Verlust akademischer Integrität muss Einhalt geboten werden. Weiteres Nichtstun ist nicht zu verantworten.

Dabei sollte die medizinische Dissertation jedoch unter einem fachspezifischen Blickwinkel betrachtet werden. Denn Arbeitsweisen und Veröffentlichungsformen sind keineswegs in allen Wissenschaftsbereichen gleich. In den Naturwissenschaften – einschließlich der wissenschaftlichen Medizin – besteht der Sinn einer Publikation in der Ergänzung oder Revision des bestehenden Wissens durch neue Messungen oder theoretische Berechnungen sowie deren Deutung. Der formulierte Text der Arbeit selbst ist dabei gegenüber den mitgeteilten Messergebnissen weniger wichtig, solange er diese inhaltlich präzise darstellt. Verweise auf die Veröffentlichungen anderer Autoren erfolgen in der Regel als paraphrasierende Beschreibung und – anders als in anderen Disziplinen – nur ausnahmsweise als wörtliches Zitat.

Gravierendes wissenschaftliches Fehlverhalten besteht daher vor allem im unzulässigen Umgang mit den erhobenen Befunden: Datenmanipulation, unautorisierte Übernahme von Ergebnissen unter Vortäuschung eigener Autorschaft oder gar Fälschung. Die wörtliche Übernahme von Teilen eines fremden Textes, beispielsweise der Beschreibung einer Messmethode etwa aus der Gebrauchsanweisung eines Geräts oder aus einer anderen Dissertation, ist zwar ohne direkte Quellenangabe nicht korrekt, wird aber vielfach nicht als gravierend empfunden. Das ist natürlich anders, wenn mit der Textkopie die Übernahme einer wissenschaftlichen Idee verbunden ist. Ein Textplagiat in der Medizin bedarf daher immer der Bewertung im Einzelfall, gilt aber per se nicht als so dramatisch wie in den Geistes- und Sozialwissenschaften, in denen Text und Sprache eine wichtigere Rolle spielen.

Da drängt sich dann doch so eine gewisse Kausalitätskette auf. Denn wer schon in der Schule nie gelernt hat, ein Problem zu lösen, und dem stattdessen eingetrichtert wurde, dass „Kompetenzen” das Wichtige wären, die Lösung also irgendwo aus der Aufgabenstellung herauszufummeln, der wird genau solche „Forschung” und solche „Dissertationen” produzieren, nämlich: Abschreiben und Zusammenschwafeln. Denn genau das und nichts anderes hat man ja unter dem Schlagwort der „Kompetenzen” gelernt und eingetrichtert bekommen. Wissen und Selbstarbeiten wurden als bäh und als patriarchalisch-frauenunterdrückend abgeschafft, zugunsten besserer und politisch korrekter verteilter Noten.

Dass damit dann solche Leute Karriere machen, die in ihrem Leben nie etwas anderes gelernt haben, als irgendwelche Texte verbal nachzuschwafeln, ist die Konsequenz. Das sind dann die Leute, die zur Diagnose den Patienten fragen, was er denn so hat.

Sagen wir’s mal so: Die Rente ist gerettet. Mit solchen Ärzten werden wir nämlich nicht mehr alt. Die Alterspyramide ist gerettet. Dieselben Leute, die keine Kinder mehr kriegen, halten auch die Alten nicht mehr am Leben. Passt also zusammen.

Und was kommt dann am Ende aus solchen Bildungswegen heraus?

Frauenstudien. So wie diese hier, wonach Kohlefasern nur Männlichkeitsprothesen seien. (Ich habe leider nur den Abstract, weil ich keine Lust hatte, für diesen Schwachsinn auch noch 33 Euro auszugeben, aber vielleicht liest ja jemand von einer Uni mit, die da Pauschal-Zugang hat…). Update: Das Papier gibt es hier für umme (Danke!). Also deshalb aus dem Abstract:

CARBON FIBRE MASCULINITY
disability and surfaces of homosociality
Anna Hickey-Moodya

Journal of the Theoretical Humanities
Volume 20, Issue 1, 2015
Special Issue: Geophilosophies of masculinity: remapping gender, aesthetics and knowledge. Issue editors: Anna Hickey-Moody and Timothy Laurie

This article examines material economies of carbon fibre as a prosthetic form of masculinity. The paper advances three main arguments. Firstly, carbon fibre can be a site in which disability is overcome, an act of overcoming that is affected through masculinized technology. Secondly, carbon fibre can be a homosocial surface; that is, carbon fibre becomes both a surface extension of the self and a third-party mediator in homosocial relationships, a surface that facilitates intimacy between men in ways that devalue femininity in both male and female bodies. Carbon fibre surfaces are material extensions of subjectivity, and carbon fibre surfaces are vectors of the cultural economies of masculine competition. Thirdly, the article gives an account of Oscar Pistorius as an example of the masculinization of carbon fibre, and the associated binding of a psychic attitude of misogyny and power to a form of violent and competitive masculine subjectivity. The paper unpacks the affects, economies and surfaces of “carbon fibre masculinity” and discusses Pistorius’ use of carbon fibre, homosociality and misogyny as forms of protest masculinity through which he unconsciously attempted to recuperate his gendered identity from emasculating discourses of disability.

Die Kohlefaser an sich ist nur ein Ersatz für Männlichkeit. Weil Kohlefasern dazu dienen, mittels männlicher Techniken Behinderungen zu überwinden. Außerdem sind Kohlefasern männlichen Freundschaftsverhältnissen vorbehalten, die werten Weiblichkeit herab. Sie stehen für männlichen Wettbewerb.

Beweis: Oscar Pistorius. Der ist ein Mann. Und er ist eigentlich behindert, kann aber schnell rennen, weil er Kohlefaser-Prothesen hat. Und er hat seine Freundin umgebracht, ist also ein männerverschwörerischer Mysogynist. Das ist nicht mal eine Korrelation, sondern nur eine wilde Koinzidenz, wird aber offenbar als Beweis dafür genommen, dass Kohlefasern vermännlicht und frauenentwertend sind. Wo die sonst noch verwendet werden, wird gar nicht erst gefragt, sondern auf das reduziert, was man halt im Fernsehen so sieht. Das sind so die Auswirkungen dieses Kompetenz-Gedöns, in dem man nicht mehr lernt oder forscht, sondern nur noch das irgendwie echoverschwafelt, was einem so vorgesetzt wird. (Würde mich mal interessieren, wie die interpretieren, dass sich Susanne Klatten, eine der reichsten Frauen der Welt und BMW-Haupteignerin, sich eine Kohlefaserfabrik gekauft hat. Muss wohl was mit Machtausübung oder so zu tun haben.)

Deshalb kommen – sieht man auch bei dieser Dame, es dürfte sich wohl um die hier handeln – auch diese „interdisziplinären” Herangehensweisen so in Mode. Heißt im wesentlichen, dass man in einem Fach mitschwafeln will, das man vorher nicht gelernt und von dem man keine Ahnung hat. Standardtechnik bei deutschen Quoten- und Gender-Professorinnen. Natürlich unter Anwendung solcher Schwafeltechniken.

Anna is Head of the PhD in Arts and Learning at the Centre for Arts and Learning, where she leads the research collaborations of an interdisciplinary team of practitioners and researchers. With Rob Imrie, Anna also co-directs the Disability Research Centre. She is known for her philosophically informed empirical research and has recently published on young publics (Review of Education, Culture, Pedagogy and Society), disability and dance (Sport, Education and Society) and diffractive pedagogies (Gender and Education).

Anna has developed a philosophically informed, cultural studies approach to youth, disability and gender.

Die kennt Kohlefasern nur von Sportprothesen. Und überträgt den Sportwillen junger, körperbehinderter Männer, die keine Hemmungen haben, sich so High-Tech-Prothesen umzuschnallen sowohl auf das Material, als auch auf den feministischen Stuss. Dazu noch die moderne Bildungstechnik der Schwafel-Methoden. Fertig ist das wissenschaftliche Paper, dass Kohlefasern frauenunterdrückende Männlichkeitsprothesen sind. (Vielleicht schickt ihr mal jemand einen Kohlefaserdildo, dann jubelt sie.)