Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die große Enteignung

Hadmut
23.1.2015 20:20

Die EZB soll über eine Billion Euro raushauen. [Update]

19 Monate lang wollen sie 60 Milliarden Euro pro Monat ausgeben, um Staatsanleihen aufzukaufen und die Wirtschaft Europas in Schwung zu bringen. Insgesamt über 1 Billion Euro.

Es wird uns als Starterprogramm verkauft. Denn die – durchaus reale – Gefahr bestehe, dass wir in eine Deflation und ein Minus-Wachstum laufen und die Wirtschaft in sich zusammenfällt. Europa leide quasi an Blutverdickung, und man müsse da dringend was verflüssigen, damit es nicht zu Thrombosen kommt und das wieder alles gut fließt und sich erholt. Hört sich vordergründig gut an.

Die Sache hat einen gewaltigen Haken: Sie stimmt so nicht.

Denn das Geld wird ja nicht gleichmäßig über Europa verteilt und auch nicht gleichmäßig an alle. Der Schwerpunkt liegt auf den notorisch haushaltsfaulen Mittelmeerstaaten und auf Staatsanleihen und der Wirtschaft. Wir kriegen da nichts.

Was ist die Folge?

Unsere Lebensstandards werden massiv gesenkt:

  • Der Euro stürzt jetzt schon enorm ab, in Bälde wird ein Kurs unter 1 US-Dollar erwartet. Der Franken ist schon davongerannt, also man die Kopplung aufgegeben hat (die Schweizer waren offenbar vor der Blutverdünnung vorgewarnt worden). Das heißt: Alles, was wir im Ausland kaufen, wird massiv teurer. Urlaub, Importe, Dienstleistungen usw. Wir können uns weniger leisten.
  • Man könnte einwenden, dass man dann halt in der Euro-Zone einkauft und Urlaub macht. Auch das wird aber weniger. Denn bisher hatten wir zwar eine Wertstabilität an der Grenze zur Deflation, damit ist jetzt aber Ende. Angepeilt ist eine Inflation von mindestens 2%. Das heißt, dass wir um wenigenstens einkommensstabil zu bleiben, mindestens eine Gehaltssteigerung von 2% jährlich bräuchten. Haben wir aber nicht. (Und selbst die würde wegen der „kalten Progression“ noch nicht reichen.) Heißt: Die Reallöhne und damit die Lebensstandards sinken.
  • Und auch wenn man sein Geld spart, verliert es an Wert: 0% Zinsen bei 2% Inflation.

Wie man es dreht und wendet: Es ist kein allgemeines Wirtschaftsbelebungsprogramm, sondern vor allem und in erster Linie ein Umverteilungsprogramm. Uns wird genommen, den Mittelmeerländern wird gegeben. Nur eben so, dass man das nicht so merkt. Und Merkel hält die Klappe, weil der Mist eh schon rechtlich irreversibel angerührt ist und Deutschland selbst soviel Schulden aufgehäuft hat, dass 0% Zinsen bei 2% Inflation gerade gelegen kommt. Da schrumpfen die Schulden effektiv von selbst, sogar dann, wenn man noch neue Schulden aufnimmt. Nun, könnte man fragen, was regt Ihr Euch auf? Da habt Ihr doch Eure Vorteile! Nein. Denn uns gibt die EZB ja kein Geld, wir zahlen das mit unseren Renten und Riester-Versicherungen, die dadurch an Wert verlieren.

Im Ergebnis zahlen wir also durch den Einkommensverlust doppelt: Wir zahlen für die Südländer und wir zahlen für unsere eigenen Staatsschulden immer mehr. Es ist wie eine drastische Steuererhöhung, nur dass es nicht so heißt. Auf den Zusammenhang kommt nicht jeder. Aber der Verlust an Realeinkommen und Lebensstandard ist nichts anderes als die Wirkung einer drastischen Steuererhöhung.

Man könnte die Frage stellen, warum wir nicht einfach das Geld anders verteilen. Europa hat ca. 750 Millionen Einwohner. 60 Milliarden Euro pro Monat entspricht also 80 Euro pro Einwohner und Monat. Man könnte also jedem Einwohner einfach jeden Monat einen Gutschein über 80 Euro (wie ein befristeter Geldschein) schenken, den er noch innerhalb dieses Monats ausgeben muss, bevor er ungültig wird. Verfressen, versaufen, neuen Wecker kaufen, zwei Bücher, Wochendfahrt, neue Klamotten für die Kinder – ganz egal, hau raus die Kohle. Gleiche Wirkung, aber Vorteil beim Bürger. (Wollten die Linken nicht ein »bedingungsloses Grundeinkommen«? Das wäre doch sowas.)

Aber: Das Geld kommt nur bestimmten Ländern zugute, der Rest zahlt. Also eine Umverteilung, eine Gleichmacherei in sozialistischen Sinne.

Nun, könnte man meinen, dafür haben wir ja Demokratie, man kann ja wählen.

Kann man?

Kann man nicht. Wir haben mit CDU und SPD nur noch eine Sozialistische Einheitspartei Deutschlands. Völlig egal, wo man da hinkreuzt. Die Grünen sind eh nur noch Klapsmühle, die Linken das Problem und nicht dessen Lösung, die FDP ist tot. Und neue Parteien lässt man erst gar nicht mehr zu. Die Piraten haben den Zustand einer ausgebrannten und seit 3 Wochen im Regen eingeweichten Silvesterrakete im Straßengulli erreicht. Die hat man systematisch und effektiv von innen heraus zerstört. Und die AfD – ach, stimmt ja, die waren mal gegen den Euro – so erfolgreich über die gesamte Presseorgel mit brauner Scheiße beworfen und Pegidaisiert, dass die den Euro längst vergessen haben und sich schon selbst für Nazis halten.

Und Europawahlen?

Für die großen Parteien eine Art externes Endlager für ausgebrannte Politiker, für die man hier kein Zwischenlager und kein freies Plätzchen im Castor mehr gefunden hat. Die Grünen schicken da ihre Teletubbies hin. Völlig wurscht, was man da ankreuzt, die machen sowieso nichts außer ihre Zahlungen dort abzuholen.

Also kein rechtsstaatliches Mittel gegen diese Enteignung und Umverteilung mehr gegeben.

Zeit für einen ordentlichen Bürgeraufstand und Regierungsputsch

Kennt sich hier irgendwer mit sowas aus? Hat das schon mal jemand gemacht?

Update: Das ist die Absenkung der Lebensstandards in Deutschland.

76 Kommentare (RSS-Feed)

yasar
23.1.2015 21:02
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Irgendwann ist immer das erste Mal.


Hans Klingelheller
23.1.2015 21:04
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> Zeit für einen ordentlichen Bürgeraufstand und Regierungsputsch
> Kennt sich hier irgendwer mit sowas aus? Hat das schon mal jemand gemacht?

Frag mal bei Victoria Nuland und dem UCMC bzgl. der Strategie und PR nach, und mach ein Spendenkonto auf. Vielleicht kommt ja genug zusammen für einen Auftrag (“robuster Friedenseinsatz”) an Academi 😉


HF
23.1.2015 21:04
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Das heißt, dass wir um wenigenstens einkommensstabil zu bleiben, mindestens eine Gehaltssteigerung von 2% jährlich bräuchten.

Dieses Argument zieht auch für Arbeitnehmer in Südeuropa. Es ist ein Umverteilungsprogramm, aber eher eines von unten nach oben als eines von Nord nach Süd.


Hadmut
23.1.2015 21:22
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> Dieses Argument zieht auch für Arbeitnehmer in Südeuropa. Es ist ein Umverteilungsprogramm, aber eher eines von unten nach oben als eines von Nord nach Süd.

Nein. Denn das Reinpumpen von Milliarden soll dort ja Industrie und Arbeitsplätze schaffen, also die Einkommen um weit mehr als 2% heben.


Robert
23.1.2015 21:10
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Denn bisher hatten wir zwar eine Wertstabilität an der Grenze zur Deflation, damit ist jetzt aber Ende. Angepeilt ist eine Inflation von mindestens 2%.

Nur um sicherzugehen, dass hier kein Missverständnis vorliegt: Eine Inflationsrate von 2% wird von den Notenbanken bereits seit Jahrzehnten (!) als das Optimum angestrebt. Vor der Finanzkrise 2008 hatten wir auch ungefähr diese Inflationsrate. Die Ökonomen nennen das dann “Preisstabilität” (eigentlich ist es eine gezielte Preis_IN_stabilität).

Hintergrund ist, dass die Ökonomen panische Angst vor einer Deflation haben, deswegen nehmen sie lieber ein bisschen Inflation in Kauf. Dass der technische Fortschritt schon ganz natürlich in vielen Bereichen zu sinkenden Preisen führt – und Deflation daher auch etwas ganz natürliches und gutes sein kann – wird meist übersehen. Im aktuellen Fall sagt man z.B., dass die deflationären Tendenzen v.a. vom niedrigen Ölpreis herbeigeführt werden. So argumentierte auch unser Bundesbankpräsident Jens Weidmann, leider vergeblich. Interessante Vorträge zum Thema gutartige Deflation gibt es von Prof. George Selgin auf YouTube.

Tatsächlich handelt es sich bei der gesamten Euro-Rettungspolitik um planwirtschaftliche Insolvenzverschleppung ungeahnten Ausmaßes. Das ganze geht auf Kosten der europäischen Steuerzahler und Sparer (v.a. der deutschen).

Das Argument, dass eine schwache Währung gut für den Export ist, kann ich allmählich auch nicht mehr hören. Die steigenden Exporte werden doch einfach nur 1:1 durch die Entwertung des Geldes ermöglicht – also 1:1 auf Kosten der Sparer! Es handelt sich also bestenfalls um die Verlagerung von Wohlstand von den Sparern zur Exportindustrie. Echte Wertschöpfung ist es nicht. Sonst könnten wir uns ja alle reich machen, indem wir einfach ewig abwerten.

Zeit für einen ordentlichen Bürgeraufstand und Regierungsputsch

Pass auf, dass die dich nicht wegsperren. Irgendwann endest du wie der Mollath…


Jakob
23.1.2015 21:11
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Die aktuelle geringe Inflation liegt wohl zu einem guten Anteil an den massiv gesunkenen Ölpreisen. Dieser Effekt kann sich unter Umständen sehr schnell wieder umkehren (Stichwort IS, neuer Machthaber in Saudi-Arabien, …). Wenn dann die Inflation plötzlich über den gewünschten 2% liegt, dann kann die EZB das Programm eventuell nicht so einfach stoppen, weil manche Regierungen fest mit dem Aufkauf der Staatsanleihen rechnen und auf dem freien Markt keine Kredite bekommen würden.

Die Idee “Gutschein mit Verfallsdatum” würde nicht so einfach funktionieren. Die Leute, die das Geld nicht zusätzlich ausgeben wollen, würden dann einfach die normalen (unvermeidlichen) Ausgaben mit dem Gutschein bezahlen und dafür entsprechend mehr von dem übrigen Einkommen sparen. Da kann man das Geld genausogut auch ohne Verfallsdatum einfach auszahlen.


Männerstreik
23.1.2015 21:14
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“Zeit für einen ordentlichen Bürgeraufstand und Regierungsputsch

Kennt sich hier irgendwer mit sowas aus? Hat das schon mal jemand gemacht?”

Ja, die Ostdeutschen. Das sind die gleichen die aktuell bei PEGIDA laufen. Glückwunsch, jetzt hast Du den Grund für deren Verteufelung und die Hetze von Politik und Medien gegen eine demokratisch und rechtsstaatlich nicht zu beanstandende Veranstaltung.


Manfred P.
23.1.2015 21:16
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Das Schlimme ist, dass sich die Bundesregierung um ihre eigenen Rechtsbrüche nicht mehr schert.

Schachtschneider, Hankel(+2014), Starbatty und Nölling haben gegen den Euro geklagt. Die Klage wurde abgewiesen mit der Begründung, dass sich das BVG einen Scheissdreck um die Rechte der Bürger schert, dass die Euro-Einführung unter der Auflage geschehen kann, dass dieselbe Währungsstabilität wie bei der D-Mark gewährleistet ist.

Nun haben wir einen Goldmann-Sachs- italienisch veranlagten europäischen Mitbürger als EZB-Präsidenten, der dieselbe Nummer wie damals die Italiener mit dem Lire fährt.

Wobei: FED und BOJ machen mit Dollar und Yen dasselbe. Die großen Währungsräume machen gerade einen Abwertungswettkampf miteinander aus.

Allerdings bezweifle ich, dass die damit die Deflation aus dem System kriegen. Es gab hier im Blog mal diese Grafik, wonach BWLer und VWL am dümmsten sind. Daher kapieren die meisten das sowieso nicht.

Das Problem ist, dass unsere Deflation durch Überschuldung verursacht wird. Jedes emittierte Geld wird wieder mit neuen Schuldverschreibungn gedeckt. Also erhöht man die Schulden noch weiter, und meint, das helfe. Genauso wie man einem Alkoholiker bestimmt damit hilft, ihm noch mehr Alk in rauhen Mengen zur Verfügung zu stellen.

Ich für meinen Teil meine, dass das kein gutes Ende nehmen wird. Die letzte Deflation 1929 endete im Zweiten Weltkrieg. Mal schauen. Der Mensch lernt ja schließlich aus der Geschichte. *prust*


Hadmut
23.1.2015 21:28
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@Manfred P.:

> Ich für meinen Teil meine, dass das kein gutes Ende nehmen wird.

Sieht Focus ähnlich:

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/zu-weit-gegangen-warum-wir-aus-draghis-1140-milliarden-nummer-nicht-heil-herauskommen_id_4426265.html


Manfred P.
23.1.2015 21:16
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Ah schade, dass s-Tag im Kommentar geht nicht.


wollepelz
23.1.2015 21:25
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Ich befürchte ich kann den Kopf gar nicht mehr so tief in den Sand stecken, wie es nötig wäre, um noch schlafen zu können.


Hadmut
23.1.2015 21:30
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> Ich befürchte ich kann den Kopf gar nicht mehr so tief in den Sand stecken, wie es nötig wäre, um noch schlafen zu können.

Irrelevant. Sand wirst Du Dir nicht mehr lange leisten können.


dustbunny
23.1.2015 21:29
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Denn das Geld wird ja nicht gleichmäßig über Europa verteilt und auch nicht gleichmäßig an alle. Der Schwerpunkt liegt auf den notorisch haushaltsfaulen Mittelmeerstaaten und auf Staatsanleihen und der Wirtschaft. Wir kriegen da nichts.

Was glaubst du, wer »das Geld« bekommt? Die EZB kauft Staatsanleihen. Damit landet die Kohle bei denen, die diese Staatsanleihen derzeit halten. Das sind die Gläubiger deiner »notorisch haushaltsfaulen Mittelmeerstaaten«. Dreimal darfst du raten, in welchem haushaltsfleißigen EU-Land die meisten davon »wohnen«. Einer dieser Gläubiger ist höchstwahrscheinlich sogar deine Hausbank, die dir auf dein Erspartes nur 0 Prozent Zinsen zahlt.

Also kein rechtsstaatliches Mittel gegen diese Enteignung und Umverteilung mehr gegeben.

Womit hast du dich beschäftigt, als man vor Jahren der EZB einen vergleichbaren Status zugestanden hat, wie ihn die Deutsche Bundesbank bis zur Euro-Einführung (1999) besaß?


JochenH
23.1.2015 21:30
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Der Euroraum hat 337 Millionen Einwohner, macht dann immerhin 178 Euro pro Nase und Monat. Mit dem Geld werden Staatsanleihen gekauft, die Staaten können dann damit besser ihren Verpflichtungen nachkommen, die größtenteils Sozialleistungen sind.

Exporte aus der Eurozone heraus werden günstiger, das verspricht eine Belebung des Außenhandels der EU. Der chinesische RMB hingegen steigt schon seit einiger Zeit ordentlich an, Billigland China war einmal.

Die Geldschwemme zeigt sich diese Woche bereits am Aktienmarkt. Da gings ja steil bergauf auf neue Rekordwerte.

Also ich find die Maßnahme nicht so dramatisch.


Manfred P.
23.1.2015 21:32
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Und Hadmut, es geht nicht um die Mittelmeerstaaten.

Es geht um die Halter des Assets. Hedge Fonds, Versicherer, Banken, etc., die sich fett mit Staatsanleihen eingeckt haben.

Das Geld, das ins System gepumpt wird, wird nur eine Folge haben: Asset Price Inflation. Die Aktienkurse bleiben hoch, die Staatsanleihen fallen auf dem freien Markt nicht unter den Nennwert, denn das würde die Lebensversicherer zusätzlich abfucken.

Es geht einzig und allein darum, mit billigem Geld die Asset-Preise oben zu halten. Es wird (vorerst) nicht zu einer Inflation kommen, nur Wohneigentum und andere Wertanlagen werden unerschwinglich werden.

Die Wirtschaftsredaktionen, von denen die meisten sowieso zu blöd sind, die Zusammenhänge zu kapieren, werden einen hohen DAX bejubeln und den Aufschwung der Wirtschaft daraus folgern, weil sie nicht kapieren, dass die hohen Aktienkurse einzig und allein durch das billige Geld aus Frankfurt aufgeblasen werden.

Das ist alles glasklar und von einigen, zu selbstständigem Denken fähigen Ökonomen verstanden und erklärt worden.

Seit Jahren schwadroniere ich von der Deflationsgefahr, weil eben der Mechanismus mit der Überschuldung eigentlich von jedem verstanden werden kann, der nicht so dämlich ist wie der durchschnittliche BWLer.


splitcells
23.1.2015 21:34
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Die Aktion der EZB zeigt, dass man das Problem Griechenland
etc. nicht lösen kann. Es ist ein Verzweiflungsakt und
ich denke, dass die deutsche Regierung für die Aktion ist.

Nach dem Motto: solange die Zahlen in der Bilianz positiv stiegend
sind, kümmert es niemanden.

Ich finde es ziemlich passend, das genau jetzt auch
die Meldung kommt, dass man ein Freihandel mit unter anderem
Russland machen will [http://www.heise.de/tp/artikel/43/43944/1.html].

Zum Thema Enteignung etc.:
Ich wäre mir da momentan noch nicht sicher.
Es kommen ja die Meinungen auf, dass die anderen Länder
außerhalb der EU es sich nicht gefallen lassen werden
(Währungskrieg). Die Reaktionen sind noch nicht absehbar und
dass bedeutet zwar, dass jetzt durch den Kursfall entsprechende
Vermögen weniger Wert sind. Ob das aber so bleibt kann man nicht
sagen. Kurzfirstig (was immer das sein mag)
hast du auf jeden fall recht.

Wobei ich kaum glaube, dass sich die Inflation auf bis zu 2%
geht (mit Außnamen).


Matias
23.1.2015 21:38
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Ich bin selber Schweizer und habe mich schon gewunder wieso man nach der Ankündigung der EZB in der deutschen Presse nirgends lesen konnte, was dies für die deutschen Steuerzahler bedeutet. Auch bei den früheren Umverteilungsrunden in Europa (im Wesentlichen von DE in den Mittelmeerraum) wurde ja nie wirklich transparent erklärt was es für die Deutschen selber bedeutet (überspitzt gesagt: länger arbeiten für weniger Rente damit die Griechen & Co auch weiterhin mit 60 in Rente gehen können).
Auf die Schweiz wird auch einiges zukommen weil der Euro getaucht ist, nicht gerade ideal für unsere Exportwirtschaft. Aber wenigstens kann unsere Nationalbank ein Geldpolitik verfolgen, die nicht an unmögliche Randbedingungen (“die Aktionen müssen auch gut für GR sein”) gebunden ist.


Kosendey
23.1.2015 21:53
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Ich will ja keine schlechte Laune verbreiten, nur glaube ich an keinen Bürgeraufstand und erst recht keinen Regierungsputsch durch Deutsche. Der Zug ist schon lange abgefahren. Die Lüge ist mitlerweile so groß, das es kein zurück, oder stop, mehr gibt…

Ihnen ist sicherlich das “Milgram Experiment” bekannt… und erst recht die Auswirkungen… wir befinden uns mitlerweile im Zustand des unbedingten durchhaltens, komme was da wolle! Die Rationalität hat schon lange die “MS Deutschland” verlassen.

Beispiele? CO²=Giftgas; Kernkraft=das ultimativ Böse (“Teufelzzeug” laut Ethikkommission); Windräder/Sonnenpaddel=da lacht “Mutter” Erde; Energiewende=DIE Heilslehre schlechthin; usw usw usw…

Also kurz: Die Besatzung der “MS Deutschland” bohrt mit Inbrunst und vor allem Überzeugung, ein Loch nach dem anderen in die Schiffswand. Und sie bohren immer schneller…


Radaffe
23.1.2015 21:56
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“notorisch haushaltsfaulen Mittelmeerstaaten”
“Wir zahlen für die Südländer”

Meine Fresse, watn Quark. Wir, das heißt de facto die Bevölkerung Europas, zahlen für die Banken! Das ist eine Umverteilung von unten nach oben, nicht von Nord nach Süd.
Bsp. Griechenland:
“Roughly half of the financing was provided for debt servicing. From the loans, 81 billion was used to meet maturing debt obligations and for interest payments that exceeded 40 billion euros, almost 122 billion euros in total.”
–> http://www.macropolis.gr/?i=portal.en.the-agora.2080


tuk
23.1.2015 23:03
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Zeit für einen ordentlichen Bürgeraufstand und Regierungsputsch

Den Kommentar jetzt bitte nicht zu ernst nehmen, aber folgende Theorie:
Die Wehrpflicht wurde abgeschafft, damit im Fall der Fälle weniger Zivilisten eine Schießausbildung haben. 😀


Heinz
23.1.2015 23:05
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> Denn bisher hatten wir zwar eine Wertstabilität an der Grenze zur Deflation, damit ist jetzt aber Ende.

Nur mit einer Menge Zahlenkosmetik.

> Angepeilt ist eine Inflation von mindestens 2%.

Das ist noch eine sehr vorsichtige Schätzung.


Heinz
23.1.2015 23:08
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> Uns wird genommen, den Mittelmeerländern wird gegeben.

Naja eher uns genommen und den Konzernen und Banken gegeben, die verarmten Mittelmeerstaaten sehen da nichts von.


erich wander
23.1.2015 23:16
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das nennt man solidarität mit den unionsländern


Fry
23.1.2015 23:22
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Ja und welche Aktien soll ich jetzt kaufen ?


Leser X
24.1.2015 0:14
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Tatsache ist doch wohl das die Schulden der Südländer zweckgebunden gegeben wurden. Für U-Boote, Waffen, Telefontechnik etc.. Das Geld haben die gar nicht gesehen sondern es wurde bei den Banken umgeschichtet. Klassische Industriefinanzierung, nur halt ohne direkte Sicherheiten (die werden jetzt gezogen, bei dir und bei mir).

Was das mit den Mittelmeerländern und den Linken zu tun haben soll verstehe wer will. Das ist soweit ich das überblicken kann klassischer rechtskonservativer Raubtierkapitalismus.

Das “der Süden” die Gelder nicht zurückzahlen kann war klar. Aber es sind ja nicht die (ganz ganz linken) Profiteure bei denen diese Länder im Soll stehen. Weitere Schulden laufen übrigens u.a. über Target 2 Trickserei auf. Da kann ein jeder Versuchen die Vorträge von Hans-Werner Sinn sicherlich kein Linker bei dem man dumpfdröhnend sein beschränktes links/rechts Weltbild herausposaunen kann – zu widerlegen.

Auf Youtube jederzeit abrufbar wenn man denn mehr als die eigene Verdummung mittels Drecksmedien (mir ist völlig unverständlich wie man diese Sch… konsumieren kann) betreiben möchte. Auch Vorträge von Hankel, Schachtschneider etc belegen eine simple Tatsache. Es ist seit mehr als 10 Jahren bekannt was den normalverdummten Medienkonsumenten anscheinend erst jetzt auffällt.
Die Geldmenge M3 hat sich seit der Euro Ausgabe um 5 Billionen auf 10 Billionen verdoppelt ohne das “die linken” dafür angeklagt wurden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge

Eine Billion sind dann noch 10% vom Euro BIP. Das ist zu wuppen.

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/222901/umfrage/bruttoinlandsprodukt-bip-in-der-europaeischen-union-eu/

Meine Wenigkeit ist der Meinung das diese Aktionen zwar eine neue Qualität haben aber anders als schwarz/weiss/links/rechts Strategen vermuten. Über Umwege wird der Politik ermöglicht was Aufgrund schrecklicher Erfahrungen strikt verboten ist, was aber alle Politiker am liebsten täten. Geld drucken und verteilen.

Der Euroraum wird mit Geld geflutet und wir gehen goldenen Zeiten entgegen. Golden wie die 20er des letzten Jahrhunderts. Golden auch weil es ein Tanz um das goldene Kalb wird. Was danach kommt ist auch bekannt.

Noch zwei Zitate:

„Aufstand – Erfolglose Revolution. Fehlschlag eines von Überdruss angezettelten Versuchs, Missherrschaft durch unfähige Regierung zu ersetzen.“

„Aufruhr – Volkstümliche Unterhaltung, von unschuldigen Passanten zur Erbauung des Militärs veranstaltet.“

Ambrose Bierce


Hosea
24.1.2015 0:37
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petpanther
24.1.2015 0:40
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Sie spinnen und habens erkennbar nicht mehr im Griff.

Dann haben wir ja auch noch die neo-rassistischen Gender-Spinner …

Und alles dekadent Mainstream in der Hetzpresse. Wer wss dagegen sagt ist Nazi …


rjb
24.1.2015 1:18
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2% Inflation ist, wie bereits jemand erwähnt hat der von der EZB schon immer, also seit Einführung des Euro, angepeilte Wert. Wenn man Steuern zahlt, bedeutet das, daß man auf Kapitalanlagen eine Rendite von 3% p.a. erzielen muß (ein “leistungsloses Einkommen” in der Terminologie linker Schwätzer), nur um den Wert zu erhalten. Das gilt auch für Altersrücklagen aller Art, inklusive den von fürsorglichen Regierungen den Untertanen so warm ans Herz gelegten.


brrr
24.1.2015 3:48
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Aufstand? Vielleicht gar keine so schlechte Idee.
Glaubt man den Medien mal ausnahmsweise, dann scheinen die ja vor den 30.000 in Dresden schon ziemlich Angst zu haben.
Setzt man jetzt in die Realität um, was Pirincci in seinem lustigen Buch vorgeschlagen hat, dann wird aus Angst Panik:
100.000 Firmen und 500.000 Steuerzahler hören einfach sofort auf, Steuern zu zahlen. Steuerstreik.
Fump. Der “Staat” ist in 3 Monaten Geschichte.
Hört sich nicht leicht organisierbar an, aber das wäre die Lösung.
Andererseits wandern ja die gut ausgebildeten in Scharen ab. Die werden eine neue Mauer bauen müssen, damit sie überhaupt noch jemand fähiges halten können, genau wie die ddr.
Naja, krankt nur am attraktiven Reiseziel. Die sind ein wenig eingeschränkter wie letztes Mal. Die Rettung wäre also, wenn Auswandern einen höheren Aufwand bzw. Bequemlichkeitsverlust bedeuten würde, als oben vorgeschlagene Vorgehensweise.
Andererseits sagt man ja nicht umsonst über die Deutschen: Die stehen erst auf, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben. Dafür dann aber im Berserkermodus.

Eine weitere Anekdote aus der Serie “Systeme und ihre Folgen”:
Linkes System: baut Mauer außenrum, damit die eigenen, leistungsfähigen nicht abhauen. Keiner will rein. Nicht langzeitstabil, aber bevölkerungserhaltend.
Rechtes System: baut Mauer außenrum, damit die fremden, unausgebildeten nicht reinkommen und Landnahme betreiben. Stabil, sofern Demographiepolitik stimmt.

Unser System: baut keine Mauer, die eigenen, leistungsfähigsten hauen ab, und die fremden, unausgebildeten kommen -> Achievement unlocked, mo-mo-mo-mo-monnnnster breakdown (bzw. Speed-Schiffswand-Bohren)

Es gewinnt eben das global attraktivste “Boot”, am Ende wird sich dort alles konzentrieren, der Rest zerfällt. Das ist der Anglo-Amerikanische Raum. Hat Gunnar Heinsohn schon vor Jahren beschrieben.


FDominicus
24.1.2015 8:50
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Eine Alternativpartei gibt es schon. Man muß nur finden wollen….


qwerty
24.1.2015 9:06
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Hadmut, manchmal schreibst du sehr schlaue Dinge die man sonst nirgends zu lesen bekommt, dafür mag ich deinen Blog. Aber dann kommen Aussagen wie hier. Glaubst du denn wirklich, dass das Geld beim griechischen Normalbürger landen wird, damit der eine ruhige Kugel schieben kann? Das als naiv zu bezeichnen ist dabei die harmloseste Formulierung, die mir dazu einfällt. Und dann noch in dem Zusammenhang die Linke als das Problem zu beschimpfen? Neben der AfD war es übrigens gerade die Linke, die den Bankenrettungsschirm auch im Griechenland-Kontext kritisiert hat, für die meisten anderen Parteien galt es als alternativlos, für das Geschäftsrisiko von diversen Großanlegern einzuspringen. Der griechische Staat wird die neuen Kredite wohl kaum dazu nutzen, um fröhlich Geschenke an die Bürger zu verteilen, dazu fehlt Griechenland schlicht die Souveränität. Souveränität der Bürger gibt es auch dort schon lange nicht mehr. In dem Zusammenhang möchte ich nochmal daran erinnern, dass Papandreou damals zum Rücktritt gedrängt wurde, als er eine Volksabstimmung durchführen lassen wollte, ob den Griechen das Rettungspaket oder eine mögliche Staatspleite (etwa nach isländischem Vorbild – die haben sich ja auch wieder aufgerappelt) lieber ist.
Nein, hier geht es um Geschenke an die Wirtschaft – ganz stumpf durch Reallohnsenkung. Blöderweise sinkt dadurch auch die Kaufkraft der Konsumenten. Könnte man jetzt die Wirkung auf die Exportwirtschaft betrachten: blöderweise ziehen wichtige Handelspartner die gleiche Nummer ab


Hadmut
24.1.2015 11:40
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@qwerty:

> Glaubst du denn wirklich, dass das Geld beim griechischen Normalbürger landen wird, damit der eine ruhige Kugel schieben kann? Das als naiv zu bezeichnen ist dabei die harmloseste Formulierung, die mir dazu einfällt.

Dann solltest Du Dich mal besser informieren.

Es gab vor einiger Zeit eine Studie, wonach in den südlichen EU-Staaten die Quoten an Wohneigentum weit höher ist als bei uns.

Es gibt ein niedrigeres Renteneintrittsalter, niedrigere Steuerlast, geringere Wochen- und Lebensarbeitszeiten. Der ganze Lebensstil beruht auf einem geringeren Arbeitsanteil.

Es mag zwar sein, dass der Lebensstandard bisweilen etwas unter unserem liegt, aber er ist dafür mit deutlich weniger Lebensarbeitszeit erkauft.

Dabei wird oft vergessen, dass bei uns bis in die siebziger Jahre viele Familien gut und bequem damit auskamen, wenn nur einer in der Familie arbeiten geht. Heute arbeiten fast immer beide. Das wird uns zwar als Emanzipation und Gleichberechtigung verkauft, faktisch ist es aber nichts anderes als eine drastische Anhebung der durchschnittlich zu erbringenden Lebensarbeitszeit. Und seit Handy und Internet gibt es auch keinen klar gezogenen Feierabend mehr.

Auch die Steuersätze, Krankenkassen, Rentenbeiträge und Sozialabgaben waren in den siebziger Jahren deutlich niedriger als heute. Auch solche hohen Mietnebenkosten usw. gab es damals alles nicht. Und das ist nicht europaweit alles so gestiegen.

Faktisch werden wir hier mit einer immer höheren Arbeitslast besteuert. Verkürzung des Abiturs von 13 auf 12 Jahre, Wegfall Wehrpflicht, Anhebung Renteneintrittsalter, Hartz IV, Home Office, Emanzipation der Frau, Steuer- und Nebenkostensteigerung usw. laufen letztlich alle auf dasselbe Ziel hinaus: Die durchschnittliche Lebensarbeitszeit pro Person drastisch zu erhöhen.

Könnte und müsste man letztlich als eine Art kalte Reparationszahlung für den zweiten Weltkrieg ansehen, denn der Eintritt in den Euro war ja eine Bedingung für die Wiedervereinigung und die Aufgabe des formalen Besatzungsstatus.

Und ja: Solange wir hier in Deutschland eine höhere Lebensarbeitszeit haben und deutlich später in Rente gehen, solange muss man auch davon sprechen, dass das beim Normalbürger ankommt.

Und es hilft überhaupt nicht weiter, in typischer Manier auf Feindbildern und Phrasen herumzudreschen wie „Sind eh alles die Banken“. Banken schaufeln zwar Geld, aber sie arbeiten nichts und sie wohnen nicht. Letztlich läuft es darauf hinaus, wie man da lebt und wieviel Arbeitszeit man aufwenden muss um zu leben. Und die Arbeitszeit ist im mediterranen Bereich nicht so hoch wie bei uns.


Horsti
24.1.2015 11:22
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“Meine Fresse, watn Quark. Wir, das heißt de facto die Bevölkerung Europas, zahlen für die Banken! Das ist eine Umverteilung von unten nach oben, nicht von Nord nach Süd.”

Warum müssen wir denn die Banken retten? Genau: weil sich die Griechen bei denen verschuldet haben aber nicht zurückzahlen können. Wir zahlen also indirekt für die Griechen, was am Ende keinen Unterschied macht. Griechenland ist ohnehin seit 1800 in 51% aller Jahre entweder pleite oder in Umschuldung gewesen. Diese Mentalität läßt sich nicht ändern.

Man darf gespannt sein, was der Hosenanzug und das Gollum im Rolli dem deutschen Steuerzahler sagen werden, wenn Herr Tsipras die Rückzahlung der 78 Mrd. Euronen verweigert. Früher hätte man ein paar Kanonenboote rübergeschickt, heute fällt das wohl flach. Und wer nun denkt, daß die Bundesbank ja immer noch über massig Goldreserven verfügt, der sollte bedenken, daß auf der gleichen Seite der Bundesbank-Bilanz Target-II-Forderungen an die Euro-Südstaaten in 3-facher Höhe stehen. Mit anderen Worten: Die deutschen Goldreserven sind futsch, wenn die Target-II-Forderungen abgeschrieben werden müssen. Bezeichnenderweise nimmt die Bundesbank auch keine Risikoabschätzung vor. Jeder bilanzpflichtige Unternehmer müßte nach HGB seine Forderungen dagegen neu bewerten und ggf. abschreiben.
Draghi pumpt nun weiter massig Liquidität in die Märkte. Dummerweise kommt es aber trotz Nullzinspolitik auch heute kaum in den produktiven Unternehmen an. Vermutlich entsteht daraus eine Immobilienblase, dieser Markt kann große Liquidität aufnehmen. Hat hier jemand “Lehman” gerufen?
Der Euro ist klinisch tot und wird bekanntermaßen nur noch durch massive Marktmanipulationen der Staatsanleihen und den Schuldensozialismus künstlich am Leben erhalten. Ohne diese wären mehrere Euro-Südstaaten längst bankrott, weil sie 8, 10 oder noch mehr Prozent für ihre Müll-Staatsanleihen zahlen müßten. Draghi erhöht mit seiner Intervention nur die Fallhöhe. Wir kaufen also unsere eigenen Schulden auf. Leute, kauft euch Gold und Silber.
Eine miese Rolle spielt auch das Verfassungsgericht. Mal hier ein kleines “aber”, ansonsten jedoch hat es auch die größten Absurditäten und die größten Rechtsbrücke der Euro-Fanatiker durchgewunken oder feige weitergeleitet. So wird es auch bei der neuen Gauweiler-Klage sein. Alternativlos eben.


quer
24.1.2015 12:14
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“…nicht gerade ideal für unsere Exportwirtschaft.”

@ Matias,

es verhält sich trotz allem Gejammer genau andersherum. Eine starke und harte Währung übt einen harten Zwang aus: Man muß neu kalkulieren und Einkauf-Produktion in das richtige Verhältnis zueinander stellen. Eine kaufmännische Regel lautet zu allen Zeiten: Im Einkauf steckt der Gewinn. Der Verkauf ist nur seine Realisierung.

Wenn also eine Exportwirtschaft gleichzeitig eine (in Relation) der größten Importwirtschaften ist, dann werden alle eingekauften Rohstoffe, Vorprodukte, Energie, usw. schlagartig (Bezogen jetzt auf den SFR) um 20% billiger.

Ein weiterer wichtiger Effekt ist auch der Zwang, mehr innovativ zu werden.

Das sind Zeiten, in denen sich ein Land, eine Volkswirtschaft (mit harter Währung) auf Einkaufstour in Europa begeben muß. Seien es Unternehmen, Fabriken, Immobilien und andere dauerhafte Sachwerte. Die Tore zum Ausverkauf Europas stehen sperrangelweit offen. Man muß nur hindurchgehen.

Genau das wurde vor drei Jahren bereits verpasst und stattdessen die eigene Währung weichgekocht.

Die Erfahrung der CH mit solchen Vorgängen ist groß: In den 70’ern konnte man für 0,80 DM einen SFR kaufen. In den 80’ern war das pari und in den 90’ern mußte man für einen SFR bereits 1,3o DM hinlegen. Mir ist nicht bekannt daß zu dieser Zeit ein Niedergang der CH-Wirtschaft und Verelendung der Massen stattgefunden hat.


EinInformatiker
24.1.2015 12:19
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> Und die Arbeitszeit ist im mediterranen Bereich nicht so hoch wie bei uns.

Das bestätigt mir zumindest indirekt immer ein Bekannter, der vom Italien-Urlaub und von Italien schwärmt. Wobei der Italien sicher zu rosig sieht, weil er sich wohl vorwiegend im Ländlichen aufhält. Aber es geht dort herzlicher, gemütlicher, gemeinschaftlicher und vom Staat unabhängiger zu (es heißt ja auch offiziell, dass die Italiener den Staat nicht ernst nehmen oder so ähnlich). Der italienische Staat sei pleite, weil das Geld bei den Bürgern ist. Die Italiener sind also angeblich besser und machen es richtig. Wir Deutschen machen alles falsch. Dass wir unter anderem es falsch machen, weil wir zahlen (letztlich aufgrund von 33-45 immer noch), kommt nicht in den Blick. In diesem Fall nicht, weil das rassistisch wäre, es kommt einfach nicht in den Blick. Denn die deutsche Politik ist zwar schlecht, aber die anderen leben halt nicht deshalb gut (obwohl durch den EURO geht das ja auch da letztlich zu Ende) weil Deutschland zahlt, sondern weil sie besser (wenn auch nur privat) sind, als die Deutschen. Deshalb muß Deutschland nicht etwa Zahlungen einstellen, sondern sich italienisches Dolce Vita angewöhnen. Obwohl dann würde es ja die Zahlungen einstellen. Mag zu einfach sein, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass was dran ist.


Hadmut
24.1.2015 12:39
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@EinInformatiker:

Genau das meine ich!

Danke!


Horsti
24.1.2015 13:00
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“Deshalb muß Deutschland nicht etwa Zahlungen einstellen, sondern sich italienisches Dolce Vita angewöhnen.”

Die Deutschen sind aber dumm, denn während hierzulande Schulen, Bildungssystem und Straßen verrotten, weil man die Schuldenbremse eingeführt hat, gleichzeitig jedoch jede Menge Geld in die Euro-Südländer pumpt, die nicht im Traum daran denken zu sparen.


qwerty
24.1.2015 13:49
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Hadmut, das mit der Lebensarbeitszeit und dem Immobilienbesitz war mir durchaus bekannt. Aber das war doch schon vor dem Hilfspaket so. Also kann es auch nicht kausal durch das Hilfspaket verursacht sein. Und es ist das gute Recht der Griechen mit einer anderen Einstellung zu Arbeit, Reichtum und Hedonismus ihr Leben zu verbringen als die Deutschen. Und ja, das wird mit einer geringeren Wirtschaftsleistung erkauft. Das war ja auch der Grund, warum griechische Staatsanleihen so gut verzinst waren. Hohes Risiko und hohe Chance, ganz normal. Die Staatsschulden haben sich aufgetürmt. Das ist in Deutschland nur quantitativ, aber nicht qualitativ anders. Auch die BRD kann ihre Staatsanleihen nur zurück zahlen, wenn sie neue aufnimmt. Aber Griechenland wurde irgendwann durch Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit aberkannt, das wurde dann zur selbsterfüllenden Prophezeiung, es wurde erheblich schwieriger neue Kredite aufzunehmen und die alten konnten nicht mehr bezahlt werden.
Damit gab es erhebliche Verbindlichkeiten durch die diverse Banken in ihrer Existenz bedroht waren. Und genau das sollte mit dem Hilfspaket abgewendet werden. Damit waren aber einige Bedingungen an den griechischen Haushalt verknüpft. Das ist im Grunde auch legitim (ohne die konkreten Forderungen gut heißen zu wollen), demokratisch hochproblematisch ist aber, dass weder in Deutschland noch in Griechenland noch sonst irgendwo in der EU die Bevölkerung gefragt wurde, ob sie mit dem Deal einverstanden sind. Aber zurück zum eigentlichen Punkt: Die Bedingungen, die mit dem Hilfspaket verknüpft waren führten zu drastischen Einschnitten im sozialen Bereich und nicht zur Finanzierung eines ruhigen Lebensabend der Griechen. Wer aber dabei besonders gut weg kam waren die Banken, für deren reguläre Geschäftsverluste nun der Steuerzahler eingesprungen ist. Behaupte ich an irgendeiner Stelle, die Banken wären das Problem? Nein! Sie haben hochriskant agiert, aber das ist auch deren gutes Recht. Die Verluste an den Steuerzahler auszulagern ist aus deren Sicht ebenso absolut sinnvoll. Den griechischen Bürgern kann ich hier auch nichts vorwerfen, außer dass sie sich von korrupten, populistischen Idioten haben regieren lassen (das ist wohl global der Normalfall). Nein, mein Vorwurf geht an die bescheuerte Politikerkaste, die in Griechenland nichts anderes betreibt als Insolvenzverschleppung.

Wer sich mit seiner Kritik an den Banken abarbeitet betreibt eine fehlerhafte Kapitalismuskritik. Den ganzen Mist aber der griechischen Bevölkerung in die Schuhe schieben zu wollen ist aber genauso unsinnig.


Der (r)echte Staat
24.1.2015 14:01
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Die Rolle der IWF ist auch ganz originell. Legarde fand den vor Tagen stattfindenen Entschluß der SNB, den Schweizer Franken nicht mehr an den Euro zu koppeln, falsch, während sie das Quantitative Easing der EZB begrüßte. Es wird sich erhofft, daß die Banken durch das QE mehr Kredite verteilen und somit die Wirtschaft (insbesondere in den Südländern) in Gang gebracht wird. Wer die kreditfinanzierten Produkte jedoch konsumieren soll oder wohin exportiert werden soll, wird außen vorgelassen.

Des einen Last ist des anderen Freud.
Vorab: Der nächste Absatz hier soll kein Tip oder sonstiges sein und bitte diesen orchestrierten Finanzbetrug nicht unterstützen.

Kapitalbesitzer gehen einfach Short beim EURSUSD – geht bis auf 1.10€ mit 99% Wahrscheinlichkeit und bis auf 1.00€ zu 90% Wahrscheinlichkeit runter. Allerdings stellen die Tier1-Banken nur noch einen 50fachen-Hebel zu Verfügung, sodaß jeder Hans&Franz aus 1000€ “nur” noch ~250% Gewinn im Januar rausquetschen konnte. Ist skrupellos, funktioniert leider legal. Immer, wenn Draghi eine Rede hält, stürzt der Euro-Kurs innerhalb kurzer Zeit (Minuten bis wenige Stunden) ab; im Durchschnitt über ~0.5%.

Schon bald (Ende 2015 bis 2020) wird der Petro-Dollar total abwerten – ein Wunder, daß dem US-Dollar überhaupt noch einen dermaßen hohen Wert bzw. Stabilität beigemessen wird. Kann vielleicht daran liegen, daß selbst fast jede Rating-Agentur unseriös bzw. abhängig ist. Kann man beim Rubel sehr gut sehen. Russland und deren Währung wäre (ohne Schuldenberge mit aufsteigender Wirtschaft und BSP) angeblich instabil, während die USA (mit über 18000 Milliarden Dollar Schuldenberg, weltweit geführte kostspielige Kriege) angeblich eine stabile Zukunft vor sich hätte. China und Russland werden jetzt mit einer gemeinsam gegründeten Rating-Agentur für ein Gegengewicht sorgen. Es werden zukünftig noch EURUSD-Kurse von 3.00 zu sehen sein. Was der Wert des Dollars dann sein wird, steht auf einem anderen Blatt.

@Hadmut:
“Kennt sich hier irgendwer mit sowas aus?”
Ich denke, nicht einmal ehemalige DDR-Bewohner. Das Ende der DDR fand wohl hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen statt. Das passiert so oder so früher oder später. Was in der Zwischenzeit passiert und was danach kommt ist die Frage.
“Hat das schon mal jemand gemacht?”
In der BRD wäre wohl schon der Versuch strafbar. Oder man wird vorzeitig wie Sänger Xaviar Naidoo (nach der Frage der Souveränität der BRD) mit der Nazi-Keule diffamiert. Wundert mich wirklich, daß noch nicht irgendwelche Dritte Deinen Blog blind als Nazi-Machwerk abgestempelt haben (frei nach dem Motto, Hadmut mag dieLinke oder die durchgegenderte Gesellschaft nicht und muß deswegen zwangsweise einer dieser bösen weißen Männer mit brauner Gesinnung sein).


Michael
24.1.2015 15:07
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@Hadmut auf querty:
> Dann solltest Du Dich mal besser informieren.

Nicht immer so schnell, drei Finger zeigen immer zurueck. Zu Griechenland gibt es eine ganz interessante Doku. Ich glaube es war die hier:

http://vimeo.com/48870455
(Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt)

Kernpunkt fuer diese Diskussion (der Film ist aber auch sonst sehenswert): Goldman Sachs hat den Griechen die Bilanzen zum Euroeintritt frisiert und alle haben weggeschaut. Dann und auch jetzt hat die Bank Kasse gemacht.


Michael
24.1.2015 15:10
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Hier noch mal beide Teile zusammen:

http://vimeo.com/51449102


Matthias
24.1.2015 15:30
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Bei den Banken darf man bitte nicht vergessen, daß sie es auf dumme Käufer fauler Kredite angelegt haben und daß Warnungen ignoriert wurden. Man hat riskante Papiere bis zur Unkenntlichkeit auseinandergenommen, neu geordnet, zusammengepackt, wieder auseinandergenommen usw. bis keiner mehr wusste, wer eigentlich bei wem Schulden hat und wieviel (daher wurde LehmanBrothers vom US-Staat übernommen: keiner wusste mehr, welche anderen Institute wieviele der mit einem Schlag wertlosen Papiere von LB hatten und man weiß es bis heute nicht). Dieses Rumgemauschel geschah nicht aus Versehen, sondern intendiert. Man wollte, dass Idioten massenhaft kaum bedienbare Schulden aufnehmen, um mit eben diesen Werten spekulieren zu können, Immobilienwerte zehntausendfach künstlich zu erhöhen, weswegen man diese Iditoten auch gar nicht mehr auf ihre Zahlungsmoral und -fähigkeit geprüft hat (so auch beim griechischen Staat). Aufgrund dieser fehlgeschlagenen Gschaftlhuberei der Banken “mussten” dann Steuermilliarden verwendet weren, um den Kollaps zu verhindern. Diese Milliarden mussten woanders eingespart werden und diese eingesparten Milliarden sind das, weswegen unser Leben immer teurer wird, wir uns immer weniger leisten können, die Schulen bröckeln, MRGN/MRSA in den Krankenhäusern zur Regel wird (Hygiene kann man super besparen) usw.. Die vermeintlich faulen Südländer sind nicht alleine Schuld daran, dass sie Geld angenommen haben, von dem sie wussten, sie werden es nicht zurückzahlen können. Vielmehr haben die Spielsüchtigen des Nordens und die Rumsitzenden des Südens wie Hand in Hand gearbeitet und uns alle schön beklaut.

Wobei man sich hier auch nicht selbst über den grünen Klee loben möge. Wenn Deutsche 40h/Woche am Pc arbeiten, dann sind davon manche Stunden fürs onlinegaming und dergleichen reserviert. Ist nicht so, daß hier alle unglaublich angestrengt arbeiten würden. Auch unsere Verwaltungen sind inzwischen recht fragwürdiger Natur, korrupt mithin, das ist nicht nur bei den Südländern so. Über Korruption unter unseren Politikern braucht man nicht mehr viel sagen. Auch das hat inwzischen südländische Qualitäten angenommen, wie es scheint. (schönes Beispiel dafür ist die elektronische Krankenkarte und deren Telematik oder auch Tollcollect).


Joe
24.1.2015 15:33
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Jeder kann seinen persönlichen Euro-Exit machen. Die meisten kapieren aber nichts.


JochenH
24.1.2015 15:34
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Die Mär, dass das geliehene Geld nicht bei den Bürgern ankommt, wird durch Wiederholen nicht wahr. Richtig ist, dass zusätzliches Geld im Bankenkreislauf versickert, aber das war nicht immer so. Die ersten – sagen wir mal – 200 Milliarden Euro hat Griechenland für seine Bürger verbraten. Mit 48 in Rente, 25% sind verbeamtet usw. Klar ging das auf Dauer nicht, aber erstmal ist es so gelaufen.

Anders Spanien: während in München das Autofahren immer noch teilweise einspurig läuft (Luise-Kieselbach-Platz), hat Valencia den städtischen Fluß trockengelegt und dort Prachtbauten errichtet. Die Hauptstraßen sind alle sechsspurig und viele Gebäude haben goldene Kuppeln. In Deutschland gibt es solche Prachtstädte erst gar nicht.

Darum kann ich auch das Gejammer über die armen Südeuropäer nicht mehr hören.


JochenH
24.1.2015 15:47
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Irgendwie landet jedes Thema wieder beim Feminismus. Hadmut hat mal geschrieben, dass die Frauen eine neue Strategie fahren, nämlich Männer einzubremsen, so dass sie nicht aufholen müssen bzgl. Leistung, sondern nur die Leistungsträger an die Kandarre nehmen.

Das ist analog zum Dolce Vita, wenn sich der Arbeitnehmer bei uns dann schon am frühen Nachmittag zurück nach Hause begibt, um ja nicht zu viel zu leisten.


Matthias
24.1.2015 15:47
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“Nein. Denn das Reinpumpen von Milliarden soll dort ja Industrie und Arbeitsplätze schaffen, also die Einkommen um weit mehr als 2% heben.”

Ja Herr Danisch, sehen Sie denn nicht, daß genau das nur die schmückende PR an der Sache ist? Wo sind in den südlichen Ländern in den letzten 6 Jahren diese Jobs geschaffen wurden? Nirgends. Sonst bräuchte es ja nicht immer wieder Kohle. Welche Probleme wurden als einzige gelöst? Die der Leute, die gerne ihre Kredite zurückgezahlt bekommen wollten. Da zwar alles Leben risikobehaftet sein soll, nur Kreditspekulationen nicht. Da darf es keinen selbst zu tragenden Verlust der Spieler geben. Weil die Spieler sonst weinen, oder so.

Das wir immer mehr für immer weniger arbeiten müßen, ist richtig. Aber nicht für den protzigen Lebensstil der Südländer.
“Und es hilft überhaupt nicht weiter, in typischer Manier auf Feindbildern und Phrasen herumzudreschen wie „Sind eh alles die faulen Südländer“.”


Hadmut
24.1.2015 17:57
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@Matthias:

> Ja Herr Danisch, sehen Sie denn nicht, daß genau das nur die schmückende PR an der Sache ist?

Ich sehe, dass das verdammt viele Leute behaupten. Wie Leser meines Blogs wissen, neige ich dazu, nicht blind der Masse zu folgen. Im Gegenteil bin ich inzwischen gegenüber Behauptungen der Masse sehr misstrauisch, vor allem, wenn sie nach Feindbild riechen. Und bisher offenbart sich mir das nicht so eindeutig.

> Wo sind in den südlichen Ländern in den letzten 6 Jahren diese Jobs geschaffen wurden?

Diese Jobs sehe ich da, wo sie jetzt noch sind, aber nicht mehr wären, wenn man nicht gepumpt hätte. Ich will damit nicht sagen, dass ich das irgendwie gut heißen oder verteidigen will. Aber diese Versuche, einen Vergleich mit nur einer Betrachtung anstellen zu wollen, sind mir sehr suspekt. Denn wir haben ja keine zwei Griechenlands, die vorher gleich waren, von denen wir eins gefördert haben, und die wir jetzt vergleichen könnten. Insofern kann man solche Fragen „wo sind die Jobs“ nur stellen, indem man mit einem halbwegs vertretbaren fiktiven Griechenland vergleicht, das wir hätten, wenn wir nicht gefördert hätten. Dann hätten die entweder Schulden zahlen müssen oder wären schon pleite. Ich vermute, dann wäre da gar nichts mehr übrig. Insofern fällt der Vergleich durchaus günstig aus, aber nur für die Griechen. Für uns heißt das „Geld weg“.


Matthias
24.1.2015 18:19
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Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 50%+ scheint mir aber keine gute Wirtschaft mehr vorhanden zu sein, auch nicht mit den Rettungsmilliarden (begonnen beim ESM) herbeigeführt bzw. geschützt worden. Ich habe vor dem Banken-Bailout von keinem dieser Länder gehört, dass man so hohe Arbeitslosenzahlen hat (auch bei den Erwachsenen um 25-30%), v.a. unter den Jugendlichen. Daher gehe ich davon aus, dass es die vor 2008/2009 so auch nicht gab und erst durch die Bankenkrise kamen. Ich vergleiche mit dem Griechenland/Italien/Spanien vor und nach 08/09, nicht mit einem fiktiven. Und dieses vorherige Griechenland etc. hatte weit weniger Arbeitslose, weniger Suizide und die meisten konnten sich auch noch den Gang zum Arzt leisten, bekamen ihr Wasser von öffentlichen, nicht privatisierten Quellen usw.. Das ist seit der “Rettung” nicht mehr so. Dieses Muster gab es bei “Rettungen” durch Kredite des IWF auch schon in den 70igern/80igern in Südamerika, wo jener IWF (eine der drei von der “Troika”)inzwischen rausgeschmissen wurde und dessen Geld dort keiner mehr will, weil giftig und erpressend. Auch da hat man sich Retter und Arbeitsplatzaufbauer genannt und das exakte Gegenteil trat ein.

Ich meine, man kann den fauligen Südländern höchstens zur Last legen, dass sie sich jahrelang von ihren Führungsmenschen an der Nase rumführen lassen haben, geduldet und vielleicht als “kleiner Mann” ihren Profit davon abgezogen haben. Da fiele mir aber ausserhalb der kleineren Staaten wie Schweiz oder vielleicht Island kein Staat ein, dem man nicht genau das auch vorwerfen müsste. Deutschland ganz besonders, hat sich 20 Jahre erzählen lassen, höhere Löhne für die Arbeitenden sein wirtschaftsschädlich und auch ganz unverdient. Nun sind unglaublich viele nahe der Armutsgrenze. Wieso? Weil sie so fleißig und klug sind? Oder weil die faulen Südländer ihnen das befohlen haben?
In Griechenland hat man offenbar nur einen anderen Slogan gehabt: Steuern zahlen ist wirtschaftsschädlich, kein Handkäs ist wirtschaftsschädlich. Aber auch hier sitzt Deutschland nicht auf dem hohen Ross.

Wir tauschen angesichts nicht gerade vieler bekannter Daten aber auch nur Meinungen aus. Sie wissen letztlich genauso viel wie ich und versuchen sich ein Bild zusammenzupuzzeln, ebenso wie ich. Und mein Puzzle sieht so aus: wenn da die Wirtschaft gestärkt oder auch nur stabilisiert werden würde, gäbe es nicht so hohe Arbeitslosenquoten und Suizide und immer wieder “zitterende Märkte” angesichts eines Zahlungsausfalls Griechenlands/Italiens etc.

Sie hingegegen sagen, die sind faul und leben auf unsere Kosten. Sicher ist beides möglich aber ihre Version ist nicht logisch zwingender als meine.


Karl Martell
24.1.2015 19:55
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Man lasse sich nie mehr erzählen, das hätte doch niemand ahnen und vorhersehen können, dass der Euroraum sich derart verheerend entwickeln wird. Das war Schritt für Schritt genau so und nicht anders geplant und wurde gegen alle Warnungen und guten Ratschläge durchgesetzt.

Dass in Deutschland mit der Agendapolitik von SPD und GRÜNEN sofort mit dem Beginn der Währungsunion durch Lohndumping und Sozialabbau und Rentenkürzung die Zwangsverschuldung der Handelspartner durch deutsche Exportüberschüsse erfolgte, war reine Absicht.

Es war die Absicht der neoliberalen Kreise, die für diese Agendapolitik sämtliche Massenmedien gleichgeschaltet hatten. Dumme Ausbeuter, die ihren Arbeitern möglichst keinen Lohn zahlen und an den Sozialausgaben sparen wollen, gibt es in allen anderen Staaten auch. Die Medien befinden sich in allen anderen Staaten ebenfalls in denselben Händen. Dass es also ausgerechnet nur in Deutschland zur Agendapolitik kam, war nicht die Schuld der Deutschen, sondern folgte aus dem Umstand, dass man eine Währungsunion sinnvoll damit in eine Krise treibt, dass man gerade in der leistungsstärksten Ökonomie das Missverhältnis zwischen Produktion und Konsum durch Rentenkürzung, Lohndumping und Sozialabbau auf die Spitze treibt und in den schwächeren Ökonomien dagegen einen kreditgetriebenen Boom entfacht.

http://www.wolfgang-waldner.com/finanz-und-eurokrise/


JochenH
24.1.2015 22:38
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Einwand zu diesen Jugendarbeitslosenzahlen. 50% sind ja absolut erschreckend, ABER!!!!!

Dazu zählen nur arbeitssuchende Jugendliche. Da aber fast alle Jugendliche studieren oder eine Ausbildung machen, ist nur ein kleiner Teil arbeitssuchend. Von denen sind dann die Hälfte arbeitslos.

Auch wieder so eine Zahl, die immer wieder genannt wird und dadurch nicht besser wird.


Horsti
25.1.2015 10:33
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“Dass in Deutschland mit der Agendapolitik von SPD und GRÜNEN sofort mit dem Beginn der Währungsunion durch Lohndumping und Sozialabbau und Rentenkürzung die Zwangsverschuldung der Handelspartner durch deutsche Exportüberschüsse erfolgte, war reine Absicht”

Nicht das ich ein Freund der Agendapolitik wäre (diese hat mich direkt 2/3 meines Bruttogehalts gekostet), aber sie für die Probleme der Euro-Südstaaten verantwortlich zu machen, stimmt nur sehr begrenzt. Wenn es so wäre, müßten Staaten wie die Niederlande, Belgien oder Österreich, die über einen viel höheren deutschen Handelsanteil als z.B. Girechenland oder Portugal verfügen, viel stärker betroffen sein. Dies ist aber keineswegs der Fall. Die Gründe sind andere und liegen IMHO u.a. in der völlig unterschiedlichen Mentalität der romanischen Staaten (um es mal etwas zu pauschalisieren). Dort hat man auf ausgeglichene Haushalte nie großen Wert gelegt, sondern die Schulden bei Bedarf weginflationier. Dafür waren die Zinsen hoch. Als der Euro kam, hat man die Chance genutzt um sich billig wie noch nie zu verschulden, kann aber nicht zurückzahlen. Und trotz der teilweie blanken Armut lebt Griechenland immer noch ca. 30% über dem, was seine Wirtschaft hergibt. Im Grund ist GR ein failed state.


Yannick
25.1.2015 10:50
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Ich dachte bisher, dass über 75 % der Menschen hier von der täglichen Arbeit leben, und von dem, was sie im Monat überwiesen bekommen. Für die ist diese Umverteilungs- und Gelddruckdiskussion sicher nur akademisches Palaver. Die werden garantiert nicht dafür auf die Straße gehen, damit die “Bundesbank” in den Grenzen der untergegangenen BRD „unabhängig“ überleben kann, oder Deutschland weniger “Schulden” macht. Und von Deflation profitieren die. So einfach ist das. Japan lebt seit über 20 Jahren mit einer Deflation. Wen stört das dort?
Die Arbeitenden hier werden erst dann wach und massenhaft auf die Straße gehen, wenn eine brutale Inflation droht. Wenn sie also in der Mehrzahl von ihrem monatlich überwiesenen Geld nicht mehr überleben können.
Eine gute Erklärung für die „Drahgi Bazooka“ habe ich bei smartinvestor.de gefunden. Also eine Erklärung, die sogenannte „Qualitätsmedien“ wie die hoffentlich bald untergehenden „Süddeutsche Zeitung“, „FAZ“ oder „Zeit “mit allen Mitteln zu verschleiern suchen.

„Was so nett als „Kauf von Staatsanleihen“ verbrämt wird, ist tatsächlich eine Verzweiflungstat, die nicht ohne Komik ist: Der eine schafft Geld aus dem Nichts und leiht dieses materialisierte Nichts an Regierungen, die weder eine Chance noch die Absicht haben, es je zurückzuzahlen. Gelackmeiert sind „lediglich“ die Besitzer von „Altgeld“, dessen Kaufkraft entsprechend verwässert wird. Dieser Schaden wird dann auch noch als eigentliches Ziel der Aktion verkauft („die Inflation ankurbeln“).“
http://www.smartinvestor.de/potpourri/locher-in-der-matrix/loecher-in-der-matrix-wer-hat-angst-vor-der-deflation

Das hier gilt wohl nur für die ca. 25 % Prozent der Deutschen, die nicht von der täglichen Arbeit leben müssen:
http://afdmg.files.wordpress.com/2013/06/draghis-bazooka.png


EinInformatiker
25.1.2015 12:07
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Ich denke es besteht kein Widerspruch zwischen den Positionen, dass die Südländer auf Kosten Deutschlands leben und gleichzeitig die Rettungsmilliarden nichts nutzen. Ich weiß jetzt nicht wo die Rettungsmilliarden bleiben, bzw. wie deren Weg verläuft (das müßte man allerdings klären können) Aber sie regen wegen der nicht vorhandenen ökonomischen Basis jedenfalls nicht zu Investitionen an. Weder durch niedrige Zinsen noch durch Hilfspakete (Beides dient lediglich der Konkursverschleppung). Entweder werden Schulden abbezahlt (so wie es ja allgemein so ist, dass Staaten Kredite immer nur durch neue Kredite begleichen, Schulden also nie zurückzahlen)´oder das Geld mag tatsächlich irgendwo investiert werden(vielleicht aber auch nur zur Begleichung der Kosten für den Staatshaushalt verwandt werden), aber das reicht eben nicht aus um wieder was zum Laufen zu bringen. Die Hilfspakete sind dazu einfach zu gering. Im Gegensatz zur Finanzierung durch den gigantischen freien Kapitalmarkt, der dann investiert; wenn er zu vertretbarem Risiko Gewinne erwarten kann. Ich kann jetzt die verbotene Staatsfinanzierung (die natürlich in die gewollte Inflation führen wird (das versteht jedes I-Männchen) im Volumen gegenüber dem freien Kapitalmarkt nicht einschätzen. Aber natürlich wird das Geld nicht investiert werden (genau so wenig wie die niedrigen Zinsen etwas nutzen), wenn es keine Wirtschaft gibt, in die es profitabel investiert werden kann. Das Geld wird von Fonds usw. aufgenommen und fließt dann in den Aktienmarkt und Gold und andere Sachwerte. Der normale Bürger hat nichts davon. Der zahlt drauf. Besonders natürlich der deutsche Bürger der die größte Last der Finanzierung zu tragen hat.
Insofern würde ich jetzt sagen, der deutsche Bürger wird gerupft, ohne dem normalen Griechen helfen zu können. Aber der normale Grieche wäre ohne die EZB-Milliarden noch ärmer dran (insofern lebt er u. a auf deutsche Kosten, genau wie Berlin auf Kosten von Bayern usw. lebt). Also die jetzige Politik löst nichts (wie ja auch der Finanzausgleich innerhalb Deutschlands nichts löst) und verschiebt nur den Konkurs.

Wenn auch das Geld im Prinzip nur bei den Reichen ankommt würde ich aber nicht sagen, dass damit bewußt nur diese Reichen reicher gemacht werden sollen. Das passiert einfach lediglich wegen der untauglichen Mittel, die angewandt werden um den Konkurs zu verschleiern, damit die derzeit Herrschenden nicht als Schuldige an den Prager müssen. Das ist natürlich verschwörungsfrei formuliert (und kann auch Fehler und Mängel enthalten, ich bin ja kein Fachmann). Die APO-Linken (die übrigens auf diesem Gebiet durchaus auch einiges richtig sehen, nicht umsonst fordert ja die Wagenknecht Dinge, die auch die AfD so formuliert) sehen das natürlich teilweise als geplant (was übrigens auch bei AfD-Lern rumspukt, die aber dann irgendwann austreten und eben nicht die AfD übernehmen) an, behaupten also, dass die Finanzjongleure die “Schuldenkrise” geplant haben usw. Und fordern daher (wie die (Stalinistin) Wagenknecht) ein noch weitergehendes Gelddrucken. Also direkte Finanzierung der Staaten durch die EZB (und können das sogar begründen, obwohl ich das ablehne). Ich gehe nicht davon aus, dass das alles geplant war; denn eas haben die Finanzjongleure von einer Welt in der sie die einzigen sind die überleben, wenn alles um sie herum zerstört wird?


Stuergel
25.1.2015 13:02
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Eine deutliche Reduktion der Wochenarbeitszeit ist für die Beschäftigten kein wirklicher Vorteil, schreibt die Volksstimme.

> Der Mindestlohn gefährdet jetzt nicht nur die Zukunft seines Unternehmens, er bringt auch den Mitarbeitern kaum Vorteile. Eine Verkäuferin, die bislang 30 Stunden zu je 7 Euro die Woche gearbeitet hat, kam am Ende des Monats auf einen Lohn von etwa 840 Euro. Weil Bosse aber ihr kaum mehr Geld zahlen kann, arbeitet die Verkäuferin nun nur noch 25 Stunden die Woche zu je 8,50 Euro


Zaphod B.
25.1.2015 14:20
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Soweit ich es überblicke hat eine vergleichsweise massive Geldverteilung nur einmal in den 60ern unter den Ministern Strauß und Schiller funktioniert. Der Staat nahm viel Geld in die Hand und investierte in die Infrastruktur. Die lahmende Wirtschaft sprang wieder an.

Der als großes Investitionsprogramm gepriesene Aufkauf von Staatsanleihen ist nach der erfolglosen Zinssenkung auf Null nicht nur das letzte Mittel, welches der EZB zur Verfügung steht, es wird auch voraussichtlich genau so wenig bringen wie die Zinsaufhebung zuvor.

Die EZB unter ihrem derzeitigen Chef Draghi dackelt in treudoofer Manier der amerikanischen Notenbank hinterher – obwohl dort die unter Greenspan erfolgten Zinssenkungen auf Null nicht das geringste gebracht haben.


Karl Martell
25.1.2015 14:21
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@ Yannick

“Japan lebt seit über 20 Jahren mit einer Deflation. Wen stört das dort?”

Die Hochzinspolitik in Japan seit 1990

Eine Hochzinspolitik durch Deflation hat in Japan seit 1990 für die hohe Staatsverschuldung gesorgt und für die schlechte Konjunktur. Dem Publikum wird in den Medien aber der niedrige Nominalzins der Bank von Japan vorgezeigt, angeblich habe die Niedrigzinspolitik in Japan gegen alle keynesianischen Versprechungen die Konjunktur nicht beleben können, wird meist von Neoliberalen behauptet.

In Japan sind seit 1990 die Immobilienpreise und die Börsenkurse um etwa 75% gesunken. Die vermögenden Japaner haben also durch reale Investitionen in den letzten zwei Jahrzehnten viel Geld verloren und die einst für diese Investitionen aufgenommenen Kredite belasten noch heute Banken und Unternehmen. Das Ergebnis ist ein überzogenes Geldsparen der Privaten und die dadurch steigende Verschuldung des Staates.

Die Bank von Japan gilt unter Kennern seit 1945 als Filiale der FED der USA und wird mit ziemlicher Sicherheit daran gehindert, zusammen mit der japanischen Regierung eine sinnvolle Politik zu betreiben. Wieder und wie immer ist die Krise als Schockstrategie gewollt, um die japanische Gesellschaft aufzubrechen, so wie jetzt auch wieder in Europa. Um die Stagnation der japanischen Ökonomie zu überwinden, müsste nur die Deflation der Vermögenswerte durch steigende Löhne beendet werden. Das weiß selbstverständlich jeder Ökonom, bei uns wie in Japan. So wie hier in Deutschland die Löhne nicht steigen dürfen, um stattdessen mit Brüningscher Sparpolitik Griechenland, Spanien, Portugal und Italien in die Deflation zu treiben, so durften in Japan die Löhne nicht steigen, um die Vermögensanlagen in Immobilien und Aktien im Preis verfallen zu lassen.

Dabei ist der Ausweg aus der Deflation ganz einfach und besteht in steigenden Löhnen, es ist also politisch auch noch kinderleicht durchzusetzen, wenn man will – beziehungsweise wenn die maßgeblichen Kräfte der Geldpolitik das so wollen. Wenn man sich eine Vorstellung von der japanischen Deflation machen will, könnten wir uns einen Fall des Dax in den nächsten 20 Jahren auf 1000 Punkte vorstellen und unser Haus, heute für 1 Mio Euro gekauft, ist nach zwei Jahrzehnten nur noch 250.000 Euro wert, mit allen Hypotheken tief im roten Bereich. Genau diese Entwicklung ist vermutlich für den Euroraum jetzt geplant, daher ist das Beispiel Japan so wichtig.


Karl Martell
25.1.2015 14:35
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@ Horsti

“Im Grund ist GR ein failed state.”

Ja,eben.Das zu erreichen war ja das Ziel. Demnächst wird der ganze Staat privatisiert,das Volksvermögen also an Räuber verschleudert.
Griechenland besitzt sehr große Rohstoffvorkommen(u.a. Erdgas und Öl),wird aber an der Förderung gehindert (auch durch eigene Politiker),
damit dieser Reichtum später von den Banken -ohne Beteiligung der Bürger- genutzt werden kann. Das alte Spiel halt, siehe auch hier:

Weltwirtschaftskrise 1929-33
Historiker und Ökonomen bestreiten die absichtliche Verursachung der Weltwirtschaftskrise bis heute. Die Quellen und Beweise für die lange geplante Verursachung der Großen Depression 1929-33 finden Sie auf dieser Seite als PDF zum freien Download.

http://www.wolfgang-waldner.com/


EinInformatiker
25.1.2015 14:35
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Übrigens das Prinzip, dass “Hilfe” als Umverteilung nichts löst gilt auf allen Ebenen. Es gilt für Griechenland auf EU-Ebene, es gilt für Berlin in Deutschland auf Länderebene. Und wie ich mittlerweile erfahren durfte auch auf Gemeinde-Ebene. Überall wird dieses “geniale” Prinzip populistisch (wobei die Anwender ihre Gegner als Populisten beschimpfen)angewandt, aber es verschärft die Dinge nur. Wie die Griechen damit im einzelnen umgehen, was Berlin im einzelnen treibt muß man gar nicht mehr wissen, wenn man das Grundprinzip einmal verstanden hat: In NRW gibt es ärmere und reichere Kommunen. Da auch zwischen denen umverteilt wird sparen die Empfänger-Kommunen sich einfach Konzepte für Entwicklung, investieren also z. B. nicht in Infrastruktur. Übrigens ganz bewußt, nicht nur weil es leichter ist Transfer-Empfänger zu sein, sondern weil sie wenn sie selbst ihre Situation verbessern selbst zu Zahlern würden und sich ausrechnen können dann schlechter dazustehen denn als Transfer-Empfänger . Natürlich mag das Prinzip der Hilfe dadurch nicht völlig desavouiert sein, aber man ist gut beraten das sehr im Zaum zu halten. Vor Jahzehnten (oder auch vor Jahren) wußte ich das auch alles noch nicht.l


JochenH
25.1.2015 15:16
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Mehr Geld drucken und zwar in dem erheblichen Maß, wie es derzeit passiert, hat viele Effekte, die man nicht alle einschätzen kann. Die Staaten brauchen das Geld vielfach zum Umschulden, das ist das, was bei den Normalbürgern als “Bankenrettung” ankommt.

Griechenland hat das Geld verbraten für Korruption, Beamtengehälter und üppige Pensionen, Spanien hat sich tolle Prachtstädte gebaut, aber nun sind die fertig und es gibt keine Anschlußaufträge – immerhin haben sie nun schöne Städte.

Bei uns wird es Inflation geben, das werden dann insbesondere die Rentner spüren, deren Rente dann weniger wert ist und kaum steigt.

Neben einer kleinen Inflation werden Sachwerte steigen wie Gold, Immobilien und auch Aktien. Mein bescheidenes Aktiendepot ist letzte Woche um 8000 Euro gestiegen! Ich stand grad in der Schlange beim Kaufland und hab aus Langeweile mal gecheckt, Hammer!

Die teuren Aktein und Immobilien haben auch wenig Nutzen für die breite Masse. Reiche Leute haben es aber nicht mehr so einfach wie früher, da es wohl noch geringere oder gar keine Zinsen mehr geben wird.


Zäld
25.1.2015 16:24
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@EinInformatiker

“Ich denke es besteht kein Widerspruch zwischen den Positionen, dass die Südländer auf Kosten Deutschlands leben und gleichzeitig die Rettungsmilliarden nichts nutzen.”

Leben die Südländer überhaupt auf Kosten Deutschlands?

Diese Rettungsschirme sind doch bisher lediglich Bürgschaften. Da fließt also gar kein Geld, außer von kreditgebenden Banken an kreditaufnehmende Südländer.

Oder sollte ich da etwas übersehen haben?


Hadmut
25.1.2015 16:54
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@Zäld:

> Oder sollte ich da etwas übersehen haben?

Ja. Ohne Bürgschaft kriegt man keinen Kredit mehr oder nur zu sehr hohen Zinsen. Und wenn sie pleite sind oder keine Lust mehr haben zu zahlen (was schon heute abend nach den Griechenland-Wahlen der Fall sein kann), tritt die Bürgschaft ein und wir zahlen den ganzen Laden.


Zäld
25.1.2015 18:47
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> Und wenn sie pleite sind oder keine Lust mehr haben zu zahlen (was schon heute abend nach den Griechenland-Wahlen der Fall sein kann), tritt die Bürgschaft ein und wir zahlen den ganzen Laden.

Ja, das ist klar. Aber der Fall ist ja noch nicht eingetreten, und solange fließen dann aber eben auch keine Gelder Richtung Süden.

Demnach wäre es falsch, davon zu sprechen, daß die Südländer auf Kosten der Deutschen leben würden. Noch tun sie es nicht, es fließen ganz einfach keine Milliarden nach Süden.


EinInformatiker
25.1.2015 19:56
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> Leben die Südländer überhaupt auf Kosten Deutschlands?

Jeder vernünftige Mensch weiß, dass Griechenland nie zurückzahlen kann. Die griechischen Linken haben das ja als Wahlziel gehabt. Es kommen aber noch die aufgelaufenen sog. Target2 Salden hinzu. Über diese Salden schreiben die Südländer quasi in Deutschland an. Die Südländer kaufen in Deutschland und die deutschen Unternehmen erhalten ihr Geld. Aber die Bundesbank hat ein entsprechende Forderungen an die EZB (früher war das periodisch ausgeglichen, aber seit der sog. Krise läßt man das laufen), die von den Südländern ausgeglichen werden müßten. Beim Zusammenbruch des Systems würden also diese Salden die Bilanz der Bundesbank belasten. Wobei mir nicht klar ist, was ein Minus bedeuten würde. Vermutlich könnte die Bundesbank bis zur Höhe der Verluste keine Kredite im Inland vergeben, eine negative Auswirkung muß es jedenfalls haben Jedenfalls könnte die Bundesbank dann keinen Überschuss zum Bundeshaushalt beisteuern.


JochenH
25.1.2015 21:29
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Auf jeden Zahl wird es “der deutsche Steuerzahler” nicht bezahlen. Wenn der Bürgschaftsfall eintritt, dann wird die Staatsverschuldung Deutschlands steigen und die EZB wird Papiere der gleichen Höhe zu 0% Zinsen von uns kaufen.

Aber der Vertrauensverlust Griechenlands ist nicht mehr wettzumachen. Wer nun regiert und was dieser tut hat eingentlich keine Bedeutung.

Man kann das mit privaten Schulden vergleichen. Wenn ich Haus habe und 200.000 Euro Schulden, ist das okay. Aber wenn ich 50 Millionen Schulden habe, dann bringt es nichts, wenn ich umschulde und Margarine statt Butter esse. Es bringt auch nichts mein Auto zu verkaufen und aufs Fahrrad umzusteigen, die 50 Mill. wären zu viel.

Ähnlich bei den Griechen, der Schuldenberg ist von deren Wirtschaft niemals aufzubringen, ob mit oder ohne Reformen.

Ich denke der Sieg der Linken kommt den Europäern recht, so können sie Griechenland kalt stellen und sagen, dass die das ja so gewollt hätten.


Dirk S
26.1.2015 13:37
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@ Robert

> Hintergrund ist, dass die Ökonomen panische Angst vor einer Deflation haben,

Es soll ja mal vorkommen, dass auch Ökonomen etwas lernen und das haben die aus der Ökonomie des Mittelalters. Da im MA die einzige kompatible Währung Gold war, basierte das ganze Wirtschaftssystem des MA auf Gold. Da aber dieses Metall (von denen, die konnten,) gehortet wurde und praktisch kein neues Gold in den Wirtschaftskreislauf einfloss, wurde der Wirtschaft immer mehr Zahlungsmittel entzogen und dieses wurde immer wertvoller, wodurch immer mehr Gold gehortet wurde. So drehte sich das ganze MA über eine Deflationsspirale, die die Wirtschaft lahmlegte (trotz “Industriealisierung” durch Wasser- und Windkraft). Erst durch den extremen Goldimport aus Amerika in der frühen Neuzeit entspannte sich die Situation und der Wert des Goldes fiel, es gab eine massive Inflation und eine Wirtschaftsbelebung. Leider auf Kosten der Indios, die unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen zu leiden hatten.
Ob es einem nun passt oder nicht, die Angst vor einer Deflation ist nicht ganz unbegründet.

@ EinInformatiker

> Übrigens das Prinzip, dass “Hilfe” als Umverteilung nichts löst gilt auf allen Ebenen.

Ist richtig und das Umverteilungssystem ist eine System, das scheitern muss! Ganz einfach, weil im Laufe der Zeit es immer mehr Profiteure und immer weniger Leister gibt, denn wer leistet (und zahlt) fühlt sich als Verlierer und sieht, dass er durch wechseln der Seiten (zum Profiteur) zum “Gewinner” wird. Nur ist irgendwann nichts mehr da, was umverteilt werden kann, weil es keine Leister mehr gibt, dann wird erst mal auf Pump “umverteilt”, so lange bist es auch da nichts mehr gibt und niemand mehr dem Umverteilungssystem was leiht. Und dann ist Ende mit der Umverteilung und das System Pleite.

> Jeder vernünftige Mensch weiß, dass Griechenland nie zurückzahlen kann

Jupp. Das Problem mit Griechenland ist zum einen, dass das griechische Umverteilungssystem früh an sein Ende gekommen ist und dass wir in DE Merkel als Kanzlette haben.

Zuerst: Staatsschulden müssen nichts schlechtes sein, es kommt darauf an, wofür die Anleihen aufgenommen wurden. Würde sinnvoll in Infrastruktur investiert, so sind die Schulden ok, wurden die Schulden für “Sozialausgaben” (Stimmenkauf) gemacht, sind die schlecht.

Also, in die Sch**** haben sich die Griechen allein hineingeritten, man kann halt eben nicht mit Sozialleistungen Stimmen kaufen (bzw. seine Stimme kaufen lassen), wenn kein Geld dafür da ist, also nicht genug erwirtschaftet wird. Das haben die Griechen aber recht lange gemacht, lief gut, solange immer Geld nachfloss und man durch den Euro auch geringe Zinzsätze hatte. Nur hätte jedem klar sein müssen, dass das nicht ewig so weitergehen kann.
Falls jemand mit den griechischen Waffenkäufen kommt: Auch da gilt, was man sich nicht leisten kann, sollte man nur in Ausnahmefällen kaufen. Die Griechen hätten ja auch ihren Streit mit den Türken beilegen können (da hätte der Rest der NATO gerne bei geholfen).

Merkel ist eine Schönwetterkanzlerin, es war klar, dass sie bei dem ersten Problem, dass Führungsqualitäten erfordert, versagen musste (und das hat sie ganz klar). Sie hat in alter Tradition abgewartet, bis sich zeigte, in welche Richtung die Sache läuft, um dann auf den Zug aufzuspringen. Das Problem bei solchen Kriesen ist nur, dass dann andere die Richtung bestimmen und genau das ist geschehen. Zumal Merkel wohl erst spät erkannt hat, dass früher oder später ein “Schuldenschnitt” auf 0 erfolgen musste. Nur, und dass war ihr Problem, haben viele deutsche Versicherungen die Anlagen aus den Riesterverträgen auch in griechischen Anleihen angelegt, da ja Staatsanleihen “so sicher wie Gold” seien und die griechischen relativ viel Rendite abwarfen (die Versicherung will schließlich auch verdienen). Was wäre wohl gewesen, wenn Merkel sich hingestellt hätte und Deutschlands Riestersparern erklärt hätte, dass ihre tolle “sichere” Vorsorge futsch ist? Also die Widerwahl wäre zumindest gefährdet gewesen. Und so hat sie sich auf den langen Marsch gemacht und hat die Versicherungen sich aus den Anleihen stehlen lassen und die Risiken auf die europäischen Staaten verteilt. Dann sind wenigstens alle sauer auf die Griechen und nicht auf sie und die Wiederwahl gesichert.

Was wäre richtig gewesen? Gute Frage, weiß ich nicht. Mein Vorschlag: Die Eurozone hätte eine “Bestandsaufnahme” Griechenlands machen sollen, was ist da, wo ist Geld versickert, wo ist die Verwaltung “verbesserungsfähig”, Steuerrecht usw. Also, wenn die Griechen die Hilfe gewollt hätten, das ist die Voraussetzung. Auch wenn sich das nach Besatzungsregime anhört, wenn ein Problem da ist, muss man dieses erst einmal genau kennen, erst dann sind Gegenmaßnahmen möglich. Und wenn die Griechen Hilfe von außen haben möchten, müssen sie nun auch mal akzeptieren, dass sich die Hilfswilligen erst einmal ansehen, wo der Kern des Problems liegt. Dann hätte man verschiedene Lösungsszenarien erarbeiten können, die dann dem griechischen Volk zur Wahl gestellt hätten werden können. Und das hätte sich aussuchen können, welchen Weg es gehen möchte. Demokratie eben.
Während der Zeit (max. 3 Monate hätten reichen können) hätte die Eurozone ggfs. auch Griechenland finanzieren müssen. Bei frühem, beherztem Einschreiten von allen Seiten (auch und vor allem der griechischen) wäre die katastrophale Entwicklung der “griechischen Tragödie” wohl zu vermeiden gewesen. Glaube ich jedenfalls. Und da sehe Merkels und damit die deutsche Mitschuld.

Es ist nichts “alternativlos”, wie Merkel immer behauptet. Es gibt immer eine Alternative, nur muss die nicht immer erste Wahl sein. Wer behauptet, etwas sei “alternativlos” zeigt nur, sich nicht hinreichend mit der Sache beschäftigt zu haben.

@ Matthias

> Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 50%+ scheint mir aber keine gute Wirtschaft mehr vorhanden zu sein,

Ein Link zur europäischen Jugendarbeitslosigkeitsstatistik und was man davon zu halten hat http://www.rwi-essen.de/forschung-und-beratung/fdz-ruhr/unstatistik-des-monats/archiv/#headline_1235 .

Alternativlose Grüße,

Euer Dirk


Günter
26.1.2015 19:06
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Die Diskussion dreht sich um die Folgen der politisch durchgesetzten EURO-Einführung.
Man sollte aber die eigentliche Ursache nicht aus den Augen verlieren: Nach überein stimmender Überzeugung aller relevanten Währungstheoretiker kann eine Währungsunion nur bei annähernd identischen Volkswirtschaften funktionieren. Z. B. lag der Umtauschkurs zwischen DM und ÖS praktisch konstant bei 1:7, wenn ich mich recht erinnere, während das Verhältnis DM zu FF sich immer mal wieder verschlechtert hatte, weil Frankreich gezwungen war, abzuwerten. Das Gleiche mit Italien. Damit funktionierte eine Automatik, die die jeweilige Wirtschaft durch Verteuern von Importen und Verbilligen von Exporten in Gang hielt. Wenn man diesen Mechanismus blockiert – sozusagen das Sicherheitsventil – entstehen in der Folge Spannungen, die entweder durch permanente Subventionen ausgeglichen werden oder zu einer Binnenwanderung von Arbeitskräften führen müssen. Dies ist aber durch die unterschiedlichen Sprachen in Europa sehr viel schwerer als z. B. in den USA.

Die Alternative, dass sich die Wirtschaft in den schwächeren Ländern modernisiert, ist dadurch erschwert, dass die Verbraucher mit ihrem nun einheitlichen Geld Produkte der produktiveren Unternehmen bevorzugen und damit der heimischen Industrie die Umsätze und Gewinne fehlen, aus denen die Modernisierung bezahlt werden muss bzw., die sie den Kreditgebern interessant machen. (“Warum einen Peugeot kaufen, wenn der Golf ungefähr dasselbe kostet.”). Die Alternative wäre eine so starke Lohnsenkung, dass die Unternehmen dadurch wieder konkurrenzfähig werden oder sogar neue Werke bauen. Da aber die Märkte relativ gesättigt sind und die Löhne weltweit im Wettbewerb stehen, kommt es dazu nicht bzw. in viel zu geringem Umfang. (Wobei “Löhne” hier eine Vereinfachung ist, entscheidend sind die Lohnstückkosten, in denen übrigens auch die Einstellung zur Arbeit ihren Niederschag findet: Beispiel VW und SEAT)
Wäre Griechenland nicht dem Euro beigetreten, hätte die Drachme drastisch abgewertet und der Tourismus, die wesentliche “Exportindustrie” Griechenlands hätte nicht so viel an die Türkei verloren. (Aber vielleicht hilft ja Erdogan mit seiner Islamisierung, dass die Touristen ihren Wein oder ihr Bier wieder lieber in Griechenland trinken.)


Küstennebel
27.1.2015 3:35
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kein Widerspruch zwischen den Positionen, dass die Südländer auf Kosten Deutschlands leben und gleichzeitig die Rettungsmilliarden nichts nutzen.

Genau derselbe Schwachsinn wie zu behaupten, das Deutschland an den Hartz4 Empfängern zu Grunde ginge.

Schuld ist das Geldsystem und die Probleme des Kapitalismus. Das hat mit Sparen und dem ganzen Gedöhnse nix zu tun.
Und am Ende sind wir eh alle nur zum zuschauen Verdammt.

Zurücklehnen, Krimi ansehen und Spannung “genießen”

MFG


Hadmut
27.1.2015 8:03
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@Küstennebel: Mit linker Ideologie kommt man nicht weit. An der stimmt nämlich gar nichts.


JochenH
27.1.2015 11:05
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Was Günter schreibt, ist absolut wahr. Das ist die andere Seite der Medaille. Durch den Euro haben lokale Unternehmen in den südlichen Ländern ihre Kunden verloren, die eigenen Bürger. Gute Beispiele sind Alpha Romeo, Lancia oder Fiat. Durch die Lira-Abwertung waren deren Autos eben günstiger als die deutsche Konkurrenz, bei einem freien Markt hätten sie qualitativ aufschließen müssen, was sie nicht geschafft haben.

Klar kann der Euro funktionieren, aber eben nur zwischen Ländern, die eine ähnlich starke Wirtschaft haben. Deutschland, Österreich, Benelux, Skandinavien, dann evtl. noch Frankreich und England, das kann gehen, alles andere ist ökonomisch nicht machbar.

Das jetzige System ist unhaltbar und wird scheitern, egal ob in Kürze oder erst in 20 Jahren.


EinInformatiker
27.1.2015 12:59
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> Schuld ist das Geldsystem und die Probleme des Kapitalismus.

> Mit linker Ideologie kommt man nicht weit. An der stimmt nämlich gar nichts.

Das sollte man in diesem Fall (ausnahmsweise) etwas differenzieren. Man kann grob folgendes sagen (ohne dass ich das Geldsystem voll verstanden hätte). Kritk am Geldsystem kommt eher von konservativ-wirtschaftsliberaler Seite (der Name Roland Baader ist wohl eine gute Adresse). Die Linken attackieren einerseits das Zinseszins-System (übrigens machen das auch AfD-Reichsbürger, wie ich eben aus erster Hand weiß), und andererseits, dass die Notenbanken und die Banken nur für die Reichen da sind. Beides ist natürlich extrem ideologisch gewendet, sonst wären sie keine Linken. Außerdem ist die Kritik der Linken denen von Leuten wie Baader genau entgegengesetzt. ´Während die Linken den (demokratisch kontrollierten (wers glaubt wird selig)) Einsatz der Druckerpresse (was ja zu Inflation führen muß) gegen die bösen Spekulanten fordern, damit die Staaten unabhängig von den Spekulanten mit Kapital versorgt werden, sehen Leute wie Baader im FIAT-Money-System das Problem darin, dass eben Geld ungedeckt beliebig gedruckt werden kann (auch hier könnte man mit demokratischer Kontrolle argumentieren, die Unabhängigkeit der Notenbank ist aber längst außer Kraft gesetzt, obwohl die Grundideen sicher besser sind als linke Utopien). Ob nun Baader des Rätsels Lösung wäre, dem bin ich ab diesem Punkt nicht mehr näher gekommen.
Also letztlich gilt, dass die Linken doch wieder ideologisch argumentieren, wiewohl das was sie ansprechen grundsätzlich diskutierbar ist. Das mit dem Zinseszins ist nämlich nicht so einfach zu enkräften.


Leon
27.1.2015 13:10
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Hadmut schrieb:

“@Küstennebel: Mit linker Ideologie kommt man nicht weit. An der stimmt nämlich gar nichts.”

Schon war, Hadmut, aber mit der rechten Ideologie ist es ja nun mal leider ganz genauso.

Ideologien als solche sind das Problem. Das gilt übrigens sogar für die Ideologie der Liberalität.


Tyromatiker
27.1.2015 13:19
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Hadmut schrieb:

“@Küstennebel: Mit linker Ideologie kommt man nicht weit. An der stimmt nämlich gar nichts.”

Schon war, Hadmut, aber mit der rechten Ideologie ist es ja nun mal leider ganz genauso.

Ideologien als solche sind das Problem. Das gilt übrigens sogar für die Ideologie der Liberalität.


Werner
27.1.2015 18:26
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@ JochenH: Man könnte andersherum auch sagen, das Geld, daß Du in Aktien angelegt hast, ist gerade um 8000 Euro weniger wert geworden, da deren Gegenwert sich ja in der kurzen Zeit kaum verändert haben wird. Und irgendwie kommt mir eine Deflation immer wie “gesättigte Märkte” vor – die Leute haben einfach alles, was sie brauchen, und die Wirtschaft müßte sich neue Kunden anderswo suchen, oder eben neue Bedürfnisse schaffen, notfalls durch Zerstörung. Doch das nur nebenbei.

Denn was die EZB kann, können wir auch:

Falls das Geld tatsächlich wertlos wird, kann jeder ganz legal sein eines Geld schaffen – nicht “schöpfen” das klingt immer so nach “abschöpfen”, sondern tatsächlich schaffen. Ein Geldschein ist ein Schuld- oder Gutschein, und ein solcher ist notfalls vor Gericht einklagbar. Setze ich mich also hin und schreibe einen Schuldschein aus: Der Überbringer dieses Scheines erhält von mir 200g Leberwurst mittlerer Qualität, Datum, Unterschrift, ist das eine übertragbare Urkunde, auf mit der jeder beliebige Mensch bei mir vor der Tür erscheinen und seine 200g Leberwurst einfordern kann. Natürlich holt man sich damit jedes einzelne Problem damit ins Haus, das ein Geldsystem so mit sich bringt. Aber im Notfall… Mal in http://de.wikipedia.org/wiki/Deflation unter “Wörgl” nachsehen.

Hier ist jemand, der eine solches, zentral kaum kontrollierbares System ausgearbeitet hat und fährt: http://minutocash.org/


EinInformatiker
28.1.2015 9:56
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> Damit funktionierte eine Automatik, die die jeweilige Wirtschaft durch Verteuern von Importen und Verbilligen von Exporten in Gang hielt.

Eben, aber ich denke mal, dass dies für die Bürger im abwertenden Staat nicht ohne Folgen war. Es hat den Lebensstandard dort begrenzt (gehe ich jedenfalls von aus (und stimmt glaube ich auch), denn nichts (in diesen Fall das relative reibungslose weiter Funktionieren) ist umsonst zu haben, denn sonst hätte man ja quasi ein perpetuum mobile erfunden von dem man nicht abweichen würde).
Mit Einführung des Euro wurden zwei Eimer zusammengeschüttet einer der vereinfacht zu 100% voll war und einer mit 50 Prozent. Was dabei raus kommt ist klar (so hat es meine ich ein britischer Intellektueller mal bildlich dargestellt). Ich selbst muß zugeben, dass ich damals nicht so darüber nachgedacht hatte, obwohl ich der Telebörse immer mal wieder Warner mitbekam. Allerdings muß ich mir zu gute halten, dass ich von vornherein nicht verstand, wie ein einheitlicher Zinssatz für derart unterschiedliche Volkswirtschaften und auch in unterschiedlichen Situationen gültig sein könne. Und dann war ja auch Deutschland eines der ersten Ländern die die 3% Grenze brachen. Immerhin war eine Grenze gezogen worden, man war sich also durchaus im Vorhinein darüber klar, dass es Schwierigkeiten geben könne. Fragt sich natürlich, warum man das Projekt mit den heutigen katastrophalen Folgen durchgezogen hat.
Obwohl ich gehöre nicht zu denjenigen die glauben, dass es einfache Lösungen für ein sorgenfreies Leben gibt. Zum Beispiel läßt sich der Widerspruch zwischen einer exportstarken und exportschwachen Nationen wohl nicht grundsätzlich lösen (die Weltwirtschaftskrise an 1929 wurde unter dem damaligen Goldstandard durch die Expotüberschüsse der USA ausgelöst).
Klar die Linken haben auch hier “die Lösung”. Deutschland müsse sich freiwillig im Export beschränken. Wird ja auch besonders von Frankreich gefordert. Könnte mal alles diskutieren (auch wenn ich solche Eingriffe gefühlsmäßig für schädlich halte). Mit Linken aber kann man das eben nicht diskutieren, weil die mit einem nicht diskutieren, sondern im besten Falle lediglich diffamieren. Bleibt freilich für alle Gutwilligen die Frage, was nutzt es wenn man Exportweltmeister ist, wenn die anderen die Waren nicht bezahlen können. Einzige Möglichkeit ist zunächst, die Anderen anschreiben zu lassen. Ihnen also nicht nur die Waren zu verkaufen, sondern ihnen auch noch die Kredite zu geben, damit sie die Waren bezahlen können. Diesen Fall gab es übrigens auf einer anderen Ebene schon mal. Als die Internet-Economy Ende der neunziger durchdrehte und man dazu überging auch Zement im Internet anzubieten, wurde zwar Netzwerk-Equipment benötigt, aber die Zement- und andere Anbieter hatten kein Geld das zu bezahlen. Damals ging Cisco dazu über denen nicht nur die Geräte zu liefern, sondern auch die Kredite dafür zu geben. 2001 begann der Crash der amerikanischen Technologiebörse.


JochenH
28.1.2015 11:05
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@Werner: Mir fällt auch auf, dass das Steigen des Aktiendepots mit keinerlei Mehrwert verbunden ist. Eine Freundin von mir ist Friseurin und die verpasst immerhin noch Leuten einen neuen Haarschnitt für ihr Geld.

Gedrucktes Geld führt zu teureren Immobilien und höheren Preisen für Aktien. Geldpolitik wird überschätzt.


Juergen Sprenger
19.3.2015 23:01
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Ist natürlich klar, daß Springers Kampfblatt ‘Die Welt’ die Statistik erst 2008 beginnen läßt.

Sonst würde klar, daß die schleichende Enteignung bereits mit der Wiedervereinigung begonnen hat. Denn seit 1990 sind die Realeinkommen der unteren Lohngruppen rückläufig bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität um mehr als 60%. Jetzt geht es an die Mittelschicht weil unten nichts mehr zu holen ist.

Das Dumme ist nur, daß Rechte und die extremistische Mitte wirtschaftliche Zusammenhänge nicht zu Ende denken können.

Exorbitante Handelsbilanzüberschüsse kann man nur einfahren, wenn sich im gleichen Maß jemand dafür verschuldet. Wenn sich niemand verschulden würde müßte die Handelsbilanz ausgeglichen sein.

Das ist vereinfacht ausgedrückt wie im Endspiel bei Monopoly. Dann kann der, der die meisten Hotels hat entweder den anderen Mitspielern Kredit geben oder das Spiel ist vorbei.

Wenn man also die einseitige Exportfixierung aufrecht erhalten will muß man zwangsläufig in Kauf nehmen, daß sich die Kunden immer mehr verschulden – oder denen die Ware schenken. Will man das nicht muß man sich von den Exportüberschüssen verabschieden, denn wovon sollen die bezahlt werden?