Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Und der Preis für das allerdämlichste feministische Gejammer geht – an “Pro Quote”

Hadmut
30.10.2014 20:02

Boah, ist das derb, was die wieder abziehen.

Ich hatte doch gerade darüber geschrieben, dass Gruner + Jahr bei der Zeitschrift „Brigitte” alle Textredakteure gekündigt hat. Alle.

Wie nicht wirklich überraschend und allgemein bekannt ist, bestehen die Redaktionen aus Frauen-Klatschblättern praktisch nur aus Frauen. Männer kommen da so gut wie gar nicht vor. Fast reine Frauenredaktionen.

Nun könnte man ja meinen, dass damit Männer benachteiligt werden. Aber nein, Pro Quote jammert allen Ernstes, dass die Kündigungen Frauen besonders hart treffen, weil zehn Frauen und ein Mann ihren Job verlieren.

Die ganze Zeit fordern sie, dass möglichst viele Frauen in den Redaktionen sitzen, aber beim Kündigen soll die Quote ausgeglichen sein. Brigitte müsste also mehr Männer feuern, als sie überhaupt eingestellt haben, damit Pro Quote zufrieden wäre. Zitat:

„Für eine ausgewogene Berichterstattung braucht es gleichermaßen die Kompetenz von Männern und Frauen“, sagt Pro Quote-Vorstandsmitglied Dorothea Heintze zum geplanten Jobkahlschlag.

Hahaha. Dass es im Frauen- und Regenbogenpressebereich fast nur Frauen gibt, das stört die nicht, da pfeifen die auf „ausgewogene Berichterstattung”. Aber wenn’s an die Kündigungen geht, dann dürfen Frauen plötzlich nicht mehr überrepräsentiert sein, da sollen Männer ebenso gekündigt werden – auch dann, wenn es gar nicht so viele Männer gab.

Sehen wir es doch mal so: Vorher war das Verhältnis Männer zu Frauen 1:9 , jetzt ist es 0:0. Also ist es jetzt ausgewogen.

Oder sehen wir es mal anders: Die hätten die Redakteurinnen bei der Brigitte ja wohl kaum gekündigt, wenn die schwarze Zahlen schreiben würden und sich selbst ernähren könnten. Offenbar war das Problem ja doch, dass die mehr kosteten, als sie begracht haben, sonst hätte man sie ja behalten.

Auch Gruners grüne Gruppe rund um das Magazin „Geo” kommt bei G+J-Chefin Julia Jäkel unter die Räder: Im Rahmen des konzernweiten „Effizienz-Programms” werden bei „Geo”, „Geo Saison” und „Geo Special” Anfang 2015 insgesamt 14 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren. Bei „Geo Special“ sind es acht Frauen und vier Männer. Zur Erinnerung: Erst Ende September mussten beim „stern“ vor allem Frauen gehen, während ins Machtzentrum noch mehr Männer einrückten.

ProQuote ist in Gedanken bei den betroffenen KollegInnen und warnt Gruner + Jahr wie auch Bertelsmann gleichermaßen: „Wenn das Modell des ‘Von-unten-wegsparen’ Schule macht, werden die Medien noch viel einseitig-männlicher auf die Welt gucken als bisher – ganz davon abgesehen, wer künftig noch gute und tief recherchierte Geschichten schreibt“, sagt Pro Quote-Vorstandsmitglied Heintze weiter. In den kommenden drei Jahren sollen bei Gruner + Jahr 400 Arbeitsplätze wegfallen. Heintze: “Es bleibt zu hoffen, dass dabei nicht überwiegend Männer übrig bleiben und Frauen die Leidtragenden sind. Danach sieht es nämlich zurzeit aus.”

Ja, klar. Weil die Brigitte für so gute und tief recherchierte Geschichten bekannt war. Das Fachblatt für tiefschürfende Betrachtungen. Deswegen liegt die ja auch in jeder Uni-Bibliothek und in jedem intellektuellen Zirkel im Zeitschriften-Portfolio.

Es ist bekannt, dass die Frauenquote bei Redaktionen umso höher ist, je niedriger das Niveau ist. Der ganze Regenbogenmüll, in dem massenweise Bilder schlecht gefälscht und irgendwelchen Prinzessinnen falsche Kinder, falsche Affären und jede Menge Beziehungsdramen angedichtet werden, und die lügen wie gedruckt, wird fast nur von Frauen geschrieben. „Gute und tief recherchierte Geschichten”.

Wenn den Redaktionen das Wasser bis zum Hals steht – werfen sie dann die zuerst raus, die „gute und tief recherchierte Geschichten” schreiben?

37 Kommentare (RSS-Feed)

Stefan
30.10.2014 20:29
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Grundsätzlich Zustimmung. Aber: Ob die Zeitschrift BRIGITTE bisher Gewinn oder Verlust verursacht hat, hängt grundsätzlich von der Betrachtungsweise ab. Da kann man viel interpretieren.

Führt man die einzelne Zeitschrift als eine Art Center mit Kosten- und Gewinnverantwortung, kommt es sehr stark darauf an, zu welchen Preisen zentrale Leistungen konzernintern bezogen werden müssen bzw. zu welchen Preisen eigene Leistungen der Redaktion abgerechnet werden. Das hat mir ein erfahrener Controller sehr anschaulich vorgerechnet.

Natürlich wird uns G+J niemals in die Zahlen schauen lassen. Aber das Kalkül ist doch ganz klar: Sie wollen Fixkosten senken und die Leistungen auf dem freien Markt günstiger einkaufen. Und ja: Es sind Leistungen, auch wenn das Niveau der Frauen- und Regenbogenpresse noch so fragwürdig sein mag. Denn es gibt Millionen Kundinnen, die genau solche Zeitschriften haben wollen.

Meine Frau hat die Zeitschrift BRIGITTE bis vor etwa 20 Jahren gern gelesen und dann aufgrund des sinkenden Niveaus irgendwann gesagt: »Genug ist genug!« Jetzt kauft sie jedes Jahr genau noch ein Exemplar – auf der Rückfahrt aus dem Urlaub.

Dann mache ich mir immer den Spaß, zu zählen, wie viele gedruckte Seiten man wohlwollend noch als Journalismus bezeichnen kann. Das meiste ist mehr oder weniger schamlose PR für Mode, Kosmetik, Wellness, Reisen usw. Auch persönliche PR für bekannte oder weniger bekannte Frauen …

Es ist also letztlich eine Mischung aus Dauerwerbesendung und BUNTE, dazu eine Glosse und (IIRC) eine Kolumne – und wenn man Glück hat, ist eine interessante Geschichte pro Ausgabe drin.

Mehrere Magazin auf diesem Niveau kann man problemlos von einem zentralen Lektorat steuern lassen. Dieses Lektorat vergibt Aufträge an externe Autorinnen und Autoren, gern auch aus der Bloggerszene oder aus PR-Agenturen. Es passt die Artikel sprachlich noch etwas an und gibt sie dann in den Satz. Den Satz übernimmt eine externe Firma. Die Honorare für die Artikel werden vermutlich so schlecht sein, dass in Zukunft noch mehr Inhalt aus PR-Quellen oder von Agenturen kommt. Aber viel schlechter kann es ohnehin nicht mehr werden.


Hadmut
30.10.2014 20:35
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@Stefan:

Meiner Einschätzung nach könnte es gut sein, dass sie für solche Artikel auf dem freien Markt noch nicht mal Geld zahlen, sondern sogar noch Geld bekommen, um zugelieferte Artikel zu publizieren. Wenn ich bedenke, dass sogar ich mit meinem Blog fast jede Woche von irgendwem angeschrieben werde, ob ich nicht gegen Geld zugeworfene Artikel publizieren wolle, dann muss es bei diesen Zeitschriften noch viel deftiger abgehen.

Jede Wette, dass Mode- und Kosmetikhersteller da sogar noch drauflegen, um das Ding völlig zum Werbeblatt zu machen.


derdiebuchstabenzählt
30.10.2014 21:06
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Geil, eine Weiberbude macht dicht und die Quotenfrauen verlangen Männer zu entlassen, die es nicht gibt. … Soll die “Bild” zum Ausgleich die gleiche Anzahl Männer rauswerfen?


Pete
30.10.2014 21:30
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Interessant mal wieder, das dort die Kommentare geschlossen sind.
Hat da Wer Angst, dass man zu einem Realitaetsabgleich gezwungen werden koennte?
Die gezeigte Logik ist jedenfalls mal wieder bestehchend. Wenn sie ihrem Klagelied Gewicht verleihen wollen, dann sollten sie mal deutlich machen, wieviele Frauen und Maenner in der Textredaktion ueberhaupt arbeiteten.
Ohne diese Informnation ist das Gejammer wertlos, da hat Hadmut vollkommen recht.


Joe
30.10.2014 21:39
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Das Traurige ist ja, daß die angeblich am besten ausgebildeten Frauen aller Zeiten sowas freiwillig lesen.


Hadmut
30.10.2014 21:44
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> Das Traurige ist ja, daß die angeblich am besten ausgebildeten Frauen aller Zeiten sowas freiwillig lesen.

Gegen Kochrezepte habe ich nichts einzuwenden.


Horsti
30.10.2014 21:54
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“Jede Wette, dass Mode- und Kosmetikhersteller da sogar noch drauflegen, um das Ding völlig zum Werbeblatt zu machen.”

Das gibt´s bei den entsprechenden Männerzeitschriften (Autos etc.) aber ebenso.


Stefan
30.10.2014 22:02
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@Hadmut: Gruner+Jahr hat zumindest indirekt auch Anteile an PR-Agenturen und Werbeagenturen. Hier in Dresden gibt es ein Tochterunternehmen, an dem G+J mehrheitlich die Anteile hält. Das ist ein Gemischtwarenladen von PR-Agentur über Veranstaltungen, Werbevermarktung, Zustelldienst – bis hin zum Limousinen-Service. Und damit wird das Geld verdient. Ich kenne die Struktur des Gesamtunternehmens G+J nicht, aber in Dresden kann ich täglich beobachten, wie sich die Tochter DD+V ausbreitet …

Die Zeitungen sind aus meiner Sicht (zum Teil) zu einem Instrument geworden, um die anderen Geschäftszweige zu unterstützen. Das merkt man z.B. an sogenannten Wirtschafts-Wettbewerben, wo dann wochenlang Unternehmen von ihrer besten Seite porträtiert werden. Es liegt die Vermutung nahe, dass dabei die PR ihre Hand im Spiel hat, denn vieles in den Artikeln ist reines PR-Sprech. – Und natürlich Cross-Promotion. Da wird auch gern die neue »BRIGITTE«-Diät an prominenter Stelle in der großen Dresdner Lokalzeitung präsentiert.

Betriebswirtschaftlich gesehen sind solche Redaktionen wie im Magazin BRIGITTE nur eine Kostenstelle. In Lokalzeitungen könnten sie die Redaktion nicht vollständig abbauen, weil die Leser da noch ihr gewohntes Lese-Erlebnis brauchen. Aber ein Magazin wie BRIGITTE ist geradezu prädestiniert für das Auslagern von Leistungen. Ganz einfach, weil andere die Leistungen viel effizienter bringen können.

Beispiel Mode und Kosmetik: Was da vorgestellt wird, können Mode-PR-Firmen wunderbar in Szene setzen und beschreiben. Wozu braucht man noch eine Redaktion, die ein paar Sätze aus den PR-Mitteilungen umstellt? Die Fotos sind doch großenteils schon aus der PR …


derdiebuchstabenzählt
30.10.2014 22:07
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> Gegen Kochrezepte habe ich nichts einzuwenden.

Aber nur wenn dort auch steht der Herd müsse eingeschaltet werden damit Wasser koche und dies dann aber mächtig gefährlich heiß sein wird! Wunder mich eh, daß die bei der IGITTE überhaupt Redakteurinnen hatten, zum Kündigen. 🙂


Pete
30.10.2014 23:09
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Wenn ihr mal etwas Unterhaltung sucht:
http://www.topfvollgold.de/

Berichte vom Bodensatz der Branche (der aber mit ansehnlichen Auflagezahlen, nun ja, glaenzt :-/ Vielleicht sucht man ja noch Fachkraefte…)


die kehrseite
31.10.2014 0:22
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Zwei Beispiele für “gute und tief recherchierte Geschichten” von Frauen (in den Artikeln verlinkt):

-Barbara Dribbusch
http://karstenmende.wordpress.com/2014/10/19/diskriminierung-vs-verleumdung/

-Andrea Seibel
http://karstenmende.wordpress.com/2014/09/13/qualitatsjournalismus-fragen-mussen-gestellt-werden/

Es ist unfassbar, auf welchem Niveau manche dieser Tippsen schreiben. Sie verzetteln sich in Widersprüchlichkeiten, glänzen durch völlige Abstinenz von Fachwissen und tragen die Bezeichnung “Journalistin” vor sich her, wie ihre “zwei besten Freundinnen”.


Gast$FF
31.10.2014 8:49
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@die kehrseite:
Schöne Fundstelle. Frau Dribbusch stimmt mit ihrem Beitrag über die vermeintliche Diskriminierung älterer Frauen wegen der “Nichtblicke der Männer” aber lediglich in das nächste Anschwellende Mimimi ein. Siehe zum Beispiel hier: http://woman.brigitte.de/leben-lieben/beruf-gesellschaft/bascha-mika-1194355/
(womit auch der Bezug zum Thema Brigitte wieder hergestellt wäre)

Merke: Auf einen anfahrenden Zug muss man schnell aufspringen, bevor es zu spät ist.

Bin schon sehr gespannt, wie es mit diesem Thema weitergeht.


aga80
31.10.2014 9:48
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Das interessanteste am Pro Quote Gejammer findet man am Ende.

*Kommentare sind geschlossen*

Das interessante an vielen der Zeitschriften, (viel Patientinnen bringen die mit und lassen die hinterher im Warteraum liegen) das bei einigen sich nur noch das Datum und das Deckblatt unterscheiden, da werden teilweise um 2 Wochen versetzt die Gleichen Rezepte oder Artickel/werbeblabla mit etwas veränderten Bildausschnitten abgedruckt. Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn mir meine Kollegin 2-3Exemplare, a 0,49-1,20€ Blätter vorlegt und mir das zeigt.
Also gehe ich davon aus, das die von Stefan vorgeschlagene Arbeitsweise schon lange läuft.


Stefan
31.10.2014 10:36
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@Kehrseite: Der obere Artikel von Frau Dribbusch aus der taz ist eine Glosse. Sie mag nicht besonders geglückt sein, aber es ist keine »offizielle Anmeldung« einer neuen Art der Diskriminierung. Selbstverständlich haben Menschen jedes Alters ein Recht, über ihr Aussehen und die Reaktionen der Menschen in ihrer Umgebung nachzudenken. Entscheidend ist doch, ob sie uns ihre persönliche Meinung und ihre Schlussfolgerungen aufzwingen oder gar Gesetze daraus machen wollen. Das kann ich in dem Artikel wirklich nicht erkennen.

Der untere Artikel von Frau Seibel ist eine Meinungsäußerung. Jeder darf in diesem Land Meinungen äußern – auch wenn sie nicht besonders gut begründet und nicht besonders gut formuliert sind. Dabei ist es völlig egal, welches Geschlecht oder welche Orientierung die Person hat.

Ja, es gibt schlechten Journalismus von Frauen. Es gibt aber auch schlechten Journalismus von Männern. Ich plädiere dafür, immer das konkrete Ergebnis zu kritisieren – und nicht die Personen.

@Gast$FF: Schließlich das Interview: Auch dort kann ich zwar eine unzulässige Generalisierung erkennen, aber keinerlei Schlussfolgerungen, die uns als Männern schaden könnten. Frau Mika berichtet über ihre persönlichen Wahrnehmungen und das ist ihr doch völlig unbenommen. Andere Frauen und Männer haben wiederum auch völlig andere Wahrnehmungen. Der Unterschied zu #Aufschrei-Literatur besteht darin, dass Frau Mika eine Diskussion anregt, während Frau Wizorek & Co. staatliche Zwangsmaßnahmen fordern, die in einer freien und offenen Gesellschaft einfach inakzeptabel sind.


Dummerjan
31.10.2014 11:27
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Brigitte hat aber gute Rezepte.


O.
31.10.2014 13:10
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Mythos Trümmerfrauen
http://idw-online.de/de/news610756


Volker
31.10.2014 13:16
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zu Pro Quote:

Wäre interessant zu erfahren, inwieweit bei diesem Verein die Quote steht; also 50% Männer vertreten sind.

Gruß Volker


Volker
31.10.2014 13:23
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Ein Gedanke:
Die ‘Feminismus-Szene’ gefällt sich ja auch im Postulieren von ‘Alternativen Lebensmodellen’, also Bi, Lesbe, Schwul etc.

Wenn man das nun aus ‘Pro Quota’-Sicht anschaut, muß man ja feststellen, daß einzig das inzwischen so geschmähte ‘Familienmodell’ die Quote zu exakt 100% erfüllt.

Alle anderen hochgelobten Lebensformen entsprechen ganz offensichtlich dem ‘patriarchalen Prinzip’ der Ungleichheit.

Welcher Standpunkt bleibt da für Pro Quota übrig?

…:)

Gruß Volker


Maesi
31.10.2014 14:15
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Inwieweit die Auflösung der Brigitte-Redaktion aus unternehmerischer Sicht eine gute Entscheidung ist, wird die Zukunft weisen. Möglicherweise können die Artikel tatsächlich zum grössten Teil eingekauft und damit Kosten gespart werden. Die Leserinnen werden dann halt wahrscheinlich nahezu identische Artikel auch in anderen Blättern antreffen. Da in den Printmedien ausserhalb der Klatsch- und Regenbogenpresse ebenfalls regelmässig Agenturmeldungen oder Berichte von Korrespondenten übernommen und Pressecommuniqués von Regierungen, Unternehmen, NGO etc. einfach abgedruckt werden, ist das keine umwälzende Neuerung.

Das ist ja gerade das Problem der heutigen Printmedien: sie recherchieren immer weniger selbst und bringen immer häufiger denselben kopierten Einheitsbrei wie die Konkurrenz. Damit lassen sich zwar Kosten reduzieren, aber man erzeugt für den Leser nicht wirklich einen Mehrwert an Information. Folge davon: die Abonnenten und damit auch die Einnahmen brechen weg, weil man in werbefinanzierten Gratiszeitungen, im Fernsehen oder in den Internet-Nachrichtenportalen dasselbe quasi umsonst bekommt. Teilweise kann ich deshalb die grundsätzliche Kritik am Presse- und Verlagswesen von ProQuote durchaus nachvollziehen.

Ansonsten ist die Angelegenheit ganz einfach: die Redaktion in der Brigitte besteht fast nur aus Frauen; ergo werden bei deren Auflösung halt auch fast nur Frauen entlassen oder intern auf andere Posten versetzt. Als die Kohlegruben eine nach der anderen dichtmachten, waren in erster Linie Männer davon betroffen; da hat auch niemand von Männerbenachteiligung geschwafelt. Wer sich im freien Markt als Angestellter positioniert, riskiert irgendwann wegrationalisiert zu werden. Dann muss man sich eben in einem anderen Betrieb einen Job suchen oder sogar den Beruf wechseln.

Alternativ könnten die Redakteurinnen ja ein eigenes Frauenmagazin herausgeben und beweisen, ob sie es besser können. Gleichzeitig könnten sie dort dann ihre spezifisch weibliche Sicht auf die Welt darlegen. Aber das ist natürlich eine Option, die für die Aktivistinnen von ProQuote überhaupt nicht in Frage kommt: selbst etwas mit eigenen Händen aufbauen und auch das unternehmerische Risiko dafür tragen. Sie ziehen es vor, an Dingen teilzuhaben, die andere aufgebaut haben; sich gewissermassen risikolos ins gemachte Nest zu setzen. Nebenbei bemerkt ist diese Haltung bei Frauen noch weiter verbreitet als bei Männern, weshalb die meisten erfolgreichen Unternehmen von Männern gegründet und aufgebaut werden. Das ideologische Konzept von ProQuote basiert ausschliesslich auf diesem Prinzip der erzwungenen Teilhabe, was letzten Endes in nichts anderem als einem Schmarotzertum von Quothilden endet, das diese wiederum (geistig) fett und träge werden lässt. Innovation, Risikobereitschaft und Unternehmungslust ist von denen nicht zu erwarten, da können sie noch so gut ausgebildet sein.

Fazit: Hier könnten die Frauen von ProQuote endlich mal unter Beweis stellen, was sie wirklich auf dem Kasten haben und wie emanzipiert sie sind. Aber jammern über die Ungerechtigkeit in der Welt ist natürlich wesentlich bequemer. Das übliche Opferabo der weiblichen Daueropfa halt…


Striesen
31.10.2014 15:18
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Gräbt man noch etwas tiefer, erfährt man über die Brigitte-Umstrukturierungen auch das:

„Die übrigen sechs bisher nur schreibenden Redakteure werden dagegen befördert – in die (Vize-) Ressortleitungen: Vier der Kollegen werden neue Stellvertreter, je einer in jedem der vier Großressorts; das Mode- und das Beautyressort, in denen es bereits Vizes gibt, leisten sich somit dann je zwei Stellvertreter. Zwei weitere Redakteure, die bleiben dürfen, schlüpfen als Textchef beim monatlichen Best-Ager-Ableger „Brigitte Woman“ und als Vize-Redaktionsleiter beim Quartalsheft „Brigitte Mom“ unter.“

http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Gruner–Jahrs-Sparkurs-Brigitte-schafft-schreibende-Redakteure-ab-131166

Leider ist das Geschlecht der Beförderten nicht ersichtlich. Unterstellt man jedoch Pro Quote ihre übliche unjournalistische, sich nur mit der eigenen Sache gemeinmachende Propaganda, darf spekuliert werden: Auch nur ein beförderter Mann hätte zum Aufschrei geführt. Ihm wären die acht entlassenen Frauen gegenübergestellt worden.

Es stellt sich also in der Gesamtschau vermutlich so dar:
Aus einer Redaktion von 14 Frauen und einem Mann werden sechs Frauen befördert. Acht Frauen und der einzige Mann werden entlassen.

Übrig bleibt wieder nur das, leider auch in ganz anderen Kreisen längst etablierte, unberechtigte Jammern und Fordern.


Missingno.
31.10.2014 15:41
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Also was “dämliches Gejammer” angeht: http://www.youtube.com/watch?v=b1XGPvbWn0A


Reinher
31.10.2014 17:17
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Ich weiß garnicht, was die wollen: die werden doch von einer Frau gefeuert, ist doch völlig OK so…


die kehrseite
31.10.2014 19:05
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@Stefan
Ich weiß auch, dass es eine Glosse ist. Trotzdem ist Diskriminierung ein Tatbestand, der rechtliche Konsequenzen haben kann. Deshalb sollte mit diesem Begriff sehr sparsam umgegangen werden. Nicht zu vergessen, dass der Tatbestand nicht darin begründet ist, ob sich jemand diskriminiert fühlt, sondern dass jemand aktiv diskriminiert. Aktive und nachweisbare Diskriminierung kommt jedoch heute aus dem feministischen Lager; genau jenem, dass permanent behauptet, diskriminiert zu werden, ohne dafür Belege anzuführen.

Zu Frau Seibel: natürlich darf sie das. Das habe ich nicht explizit kritisiert. Ich darf doch aber wohl feststellen, dass sie den Schreibstil einer 16-Jährigen pflegt und dass das einer stellvertretenden Chefredakteurin absolut unwürdig ist.


Heinz
31.10.2014 20:04
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@Missingno

Behalte Deine rassistische, People Of Color vorführende antifeministische Kackscheiße für Dich!


Matthias
31.10.2014 20:15
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Es kann nur besser werden, wenn die Feminismus- und Genderkritische Szene bekannter wird.

Ich emphehle deshalb die Weiterverbreitung dieser URLs:

Liste des radikalfeministischen Hate Speech:

http://allesevolution.wordpress.com/2014/02/22/selbermach-samstag-lxxiii/#comment-112353

Normale Liste mit feminismuskritischen und genderkritischen Seiten:

http://allesevolution.wordpress.com/2014/04/19/selbermach-samstag-lxxxi/#comment-118618

Zur Zeit haben typische Blogger der feminismuskritische Szene nur wenige Tausend Zugriffe am Tag. Das reicht nicht, das muss deutlich mehr werden.

Viele Menschen kennen diese Seiten schlichtweg noch nicht. Darum: Unbedingt weiterverbreiten!


Borstie
31.10.2014 21:21
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@ Missingno: 100+ x Anmache in 10 Stunden? das sind mehr als eine Anmache alle 6 Minuten. Hmm, mir kommt das irgendwie konstruiert vor.

Ich weiss ja nicht was in NYC so täglich abgeht, aber in D. kommt sicher auch Miss Germany nicht auf diese Quote.

Grüßle, Borstie


Ursula
31.10.2014 21:26
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Ich frage mich, wozu – und wie lange – Magazine wie die Brigitte überhaupt noch gebraucht werden. Das meine ich nicht mal Journalismus kritisch. Die Themen, die Jahrzehnte lang den Mehrwert ausgemacht haben, werden inzwischen völlig anders bedient, und zwar nicht, weil Brigitte & Co. da was falsch gemacht hätten, sondern weil das Informationsangebot im Internet so reichhaltig geworden ist, wie es vor 30 Jahren nicht mal vorstellbar war.

Beispiel Mode, die Kernkompetenz der “Modezeitschriften”: Wer sich noch in den 80-er-Jahren über Modetrends informieren wollte, kam an den einschlägigen Zeitschriften nicht vorbei. Das galt sogar für die professionelle Szene. Wobei Designleute natürlich nicht die Konsumzeitschriften kauften, sondern die hochwertigen Blätter wie Vogue, Moda In, Harper’s Bazaar, die dem Straßentrend deutlich voraus waren. Um sich über die halbjährlichen Schauen in den Modemetropolen zu informieren, kaufte man zudem spezielle, sehr teure Sonderhefte, die meist nur auf Stoffmessen oder bei speziellen Händlern erhältlich waren. Und heute? Sind all diese Informationen im Web zu finden, in bester Auflösung, üppigster Menge und kostenlos dazu.

Früher waren Modeschauen einfach nicht jedem zugänglich, das machte die Medien, die Zugang hatten, als Mittler unersetzlich. In die bedeutenden Schauen kommen auch heute wohl nur ein paar Auserwählte, bloß die Musik spielt inzwischen woanders. Heute tauscht man sich im Internet aus, und zwar global, über Blogs, Flickr, Tumblr, Pinterest, Instagram usw. Das Bedürfnis der Modefirmen, via PR und Werbung auch dort direkter präsent zu sein, hat wohl letztlich die Politik der Informationsknapphiet erodiert. Dementsprechend berichtet heute z.B. die Online-Vogue mit ausführlichen Bildstrecken über die Schauen aller wichtigen Modezentren. Ein Traum für jeden, der Inspirationen sucht.

Ähnlich wie bei der Mode sieht es mit den Themen Wohnen und Do it Yourself aus. Die Fülle der Blogs, die es in diesen Bereichen gibt, ist schon fast unübersehbar, insbesondere wenn man englischsprachige Angebote hinzu zählt. Man muss eigentlich nur wissen, wo man sucht, und ansonsten sammeln und nochmal sammeln.

Prinzipiell dürfte das auch für Beauty und Wellness gelten. Wobei Kosmetikseiten immer schon zum großen Teil aus Produkttipps bestanden, was nichts anderes ist als eine kaum kaschierte Form von Werbung. Mal mit mehr, mal mit weniger kritischer Distanz. (Okay, das gilt natürlich genauso für Modestrecken. Hersteller reißen sich seit jeher darum, im redaktionellen Teil vorzukommen. Mit dem Unterschied, dass das Modeteam durch Zusammenstellung und Styling den Klamotten eine eigenständige Note verleihen kann, was bei Puder X und Lippenstift Y eher nicht so funktioniert.)

Und Rezepte? Gerade die Brigitte war und ist für ihre gute Versuchsküche bekannt. Die Rezepte sind immer alltagstauglich, dabei oft erstaunlich raffiniert, und auch wenn es sich “nur” um bodenständige Basics handelt, gelingen sie praktisch immer. Aber selbst mit den besten Rezepten lässt sich heute keine Zeitschrift mehr verkaufen. Die Konkurrenz durch Kochforen und private Blogs ist einfach zu groß. Dementsprechend ist auch die umfangreiche Brigitte-Rezeptdatenbank online frei zugänglich.

Die Kernthemen der “Modezeitschriften” Brigitte, Elle, Petra und wie sie alle heißen, sind Mode, Beauty, Wohnen, DIY und Rezepte. Ob sie daneben mit journalistisch fundierten, gesellschaftlich relevanten Artikeln glänzen oder seicht schwafeln, dürfte für Erfolg und Erhalt ihres Geschäftsmodells ziemlich irrelevant sein. Solange es einen Abnehmerkreis gibt, der lieber durch Gedrucktes blättert als online zu surfen, werden sie sich in der alten Form halten können. Auf Dauer eher nicht. Aber in diesem Fall hat das wenig mit journalistischer Inkompetenz zu tun.


Reinhard
31.10.2014 21:36
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@MissingNo

Nett. “How ya doing?” ist jetzt “harrassment”? Ernsthaft? Natürlich nur wenn das ein Mann sagt.


_Josh
1.11.2014 1:50
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@ Dummerjan:

Brigitte hat aber gute Rezepte.

Das ist wohl wahr, allerdings sind die ja nicht von der Redaktion nachgekocht und/ oder erfunden, sondern schlicht Zuarbeitskram, quasi eine nette Beilage.

Und so fing das ja auch mal dort an. Von meiner Mutter habe ich drei befüllte Loseblattordner geerbt, damals© — wie es heute im Heft ist, weiß ich nicht — gab es die Rezepte zum Heraustrennen in der Heftmitte; die bappte man dann in die vom Verlag angebotenen Loseblattordner mit Brigitte-Logo und schwupps, fertig war das Kochbuch zur “Aussteuer”.

Und rate mal, inwieweit sich die Brigitte-Rezepte in den vergangenen 65 Jahren fortentwickelten!?! Richtig, gar nicht.

Das habe ich erfahren, als mir irgendwann im vergangenen Jahr eine meiner Schwiegertöchter begeistert berichtete, was für tolle Rezepte es doch in dieser Zeitschrift habe.

Zu mehr als einem freundlichen Gähnen und einem geschwinden Aufblättern eines meiner vier Ordner konnte ich mich nicht durchringen.
🙂

PS: Doch richtiges Kochen wird heutzutage scheinbar gar nicht mehr vermittelt, auch nicht in der Brigitte. Die Leute in diesem Jahrtausend sind komplett unfähig, ohne diesen ganzen vorgetackerten Knorr-, Nestle- und Maggi-Kram auch nur eine einfache Soße zu basteln, selbst bei Semmelknödel sind 99 von 100 hoffnungslos überfordert.


_Josh
1.11.2014 2:18
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@ .Missingno
Verstehe nicht recht, was an diesem Experiment “Gejammer” und/oder “dämlich” sein soll.

Zugegeben, Kameramann und schauspielernde Freundin hatten eine Agenda, haben diesbzüglich selektiv geschnitten, sich einen “geeigneten” Stadtbezirk herausgesucht und statistisch unsauber gearbeitet.

Dennoch zeigt das Filmchen schlichte Fakten, die sich genau so zugetragen haben, und es zeigt sich ganz eindrucksvoll, das einige unserer Geschlechtsgenossen mit zuviel Ei und zuwenig Erziehung/ Hirn abbekommen haben; muß man einfach so attestieren.

Daß dieser Umstand eigentlich nie zur Debatte stand ist dabei ein ganz anderes Thema. 🙂

Wie auch immer, “Feldversuche” dieser Art sind eigentlich immer ganz aufschluß- und hilfreich, die eigene Horizonterweiterung betreffend. Wollte mein bester, ältester Freund auch nicht glauben, ein geborener, doch Beutedeutsch aussehender Libanese. Bis ich, eher “orientalisch” daherkommended, ihm vor ein paar Jahren meine “Judenbengel”-Kippa aufsetzte und wir an einem verlängerten Wochenende mal durch unser Geburtsland tourten.

Du glaubst gar nicht, wie ihm und mir geschah…
:/


patzer
1.11.2014 8:58
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Gast$FF
1.11.2014 10:56
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@Stefan:
Du, finde ich echt stark, wie Du hier die Frauen verteidigst. Aber, total sorry, ich fürchte, ich habe da eine andere Perspektive. Möchte Deinen Sichtweise jetzt nicht abwerten, aber in meinen Augen fährt B. Mika schlicht und ergreifend hier die übliche Femo-Strategie: schwere Salven Vorwürfe und Anschuldigungen abfeuern zur Bereitung des Bodens, verbunden mit Forderungen an die Gesellschaft sich zu ändern. Der Ruf nach dem Gesetzgeber (und der Weg in die Parteiprogramme) ist da meistens nicht weit. Wie ich schon sagte: Anschwellendes Mimimi. So fängt es immer an.


Missingno.
1.11.2014 14:12
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Das Experiment an sich ist ja “in Ordnung”, aber die Behauptung dass die Frau jetzt 100+ mal belästigt wurde ist dämliches Gejammer. Ja, es waren ein paar Idioten dabei und den “Stalker” möchte ich auch nicht an der Backe haben. Dennoch, nach dem Standard werde ich morgens, wenn ich aus dem Haus gehe, mehrfach belästigt. Oder wenn ich im Büro ankomme und mich meine Kollegin unverschämterweise begrüßt.


Seitenblick
1.11.2014 16:33
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@Hadmut

Noch mal eine Frage zur Pro-Quote-Fraktion: Du hattest doch mal, ich meine in der Diskussion mit Augstein, darauf hingewiesen, dass die Prozentzahlen der Pro-Quote-Leute über die ach so frauenfreien Redaktionen völlig geschönt sind, weil sie einfach Bereiche wie die Yellow-press-Zeitschriften unter den Tisch fallen lassen, es gerade dort aber viele Chefredakteurinnen und teilweise komplett weibliche Redaktionen gibt.

Hab ich das richtig im Gedächtnis? Wenn ja: Weißt du, wo man da Zahlen zu findet? Also Zahlen zum Anteil weiblicher Chefredakteure insgesamt und nicht nur Prozentzahlen für die willkürlich ausgewählten Medien wie Spiegel und Co, wie es die Pro-Quote-Leute machen.


Hadmut
1.11.2014 20:39
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@Seitenblick: Weiß ich nicht auf Anhieb. Aber frag doch mal Augstein. Der sollte das ja wissen. Der sagte ja, dass die Frauenquote umso hoher ist, je niedriger die Qualität ist.

Ich hatte das allerdings noch aus einer zweiten Quelle. Es wurde kürzlich in der Sonntag-Abend-Sendung von Günter Jauch in irgendeiner Sendung, ich glaube, bin mir aber nicht ganz sicher, dass es um die Berichterstattung über Michael Schumacher ging, von einem Pressekritiker erwähnt, dass die Yellow Press fast gar nichts rechechiert und fast nur frei erfundenen Stuss publiziert, und dass das nur von Frauen geschrieben würde. Ich weiß aber nicht mehr, wer das war. Frag mal in deren Redaktion nach oder google nach der Sendung.


Michael
2.11.2014 17:33
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Wie immer im heutigen Journalismus und Aktivistensumpf geht der Anspruch an die eigene Wahrheit verloren. Wahrheit ist absolut, so können nur absolute Zahlen Wahrheit schaffen.
Wie z.b. Berichte über historische Ereignisse, wo von zehntausenden Bauern gesprochen wird, aber nicht erwähnt wird, dass die die Hälfte aller Einwohner waren.
Im Artikel ist es dasselbe. Veränderungen müssen immer verglichen werden, vor allem Zahlen sind in dieser Hinsicht sehr heikel.


Mirco
5.11.2014 2:16
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Das Frauen über weibliche Chefs klagen ist eigentlich nichts neues. http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/fuehrungspositionen-frauen-13239813.html