Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Big brother is watching you

Hadmut
23.5.2013 23:34

Microsoft hat ein Patent drauf, dass ihre XBox beim Videogucken im Wohnzimmer selbst per Gesichtserkennung nachschaut, wieviele Zuschauer es gibt und dann nach Zahl der Zuschauer die Gebühren abrechnet. Dazu fällt mir noch was ganz anderes ein.

Dazu muss man wissen, wie die amerikanische Rasterfahndung funktioniert bzw. früher funktionierte. Weil die kein Meldewesen und keine festen Namen haben bzw. hatten, hatten die früher immer Probleme, wenn da jemand einfach verschwindet. Um die Leute wiederzufinden haben sie einfach in deren Bekanntenkreis Strom- und Wasserverbrauch überprüft, ob der Verbrauch in einer Weise angestiegen ist, die auf eine Person mehr im Haushalt schließen lässt.

Zusammen mit dem Xbox-Patent gäbe das jetzt ganz neue Fahndungsmethoden, weil man ja inzwischen auch die Gesichtsgeometrie von Gesuchten kennt (oder sie im Reisepass elektronisch hinterlegt hat). Da könnte man dann gleich ne per XBox fahnden, ob der Gesuchte irgendwo auf dem Sofa sitzt und Pornos guckt, oder, noch wahrscheinlicher, die Nachrichten über seine eigenen Taten. Beim BKA haben sie ja auch nachgeguckt, wer sich für die Steckbriefe interessiert, weil das meistens die Gesuchten selbst sind.

Oder auch anderweitig gesuchte oder vermisste Personen.

Apropos Porno: Die XBox könnte dann auch gleich prüfen, ob bei Pornos oder Gewaltfilmen Minderjährige zuschauen.

Und weil in manchen Bundesstaaten ja immer noch manche Stellungen verboten sind, könnte die XBox gleich prüfen, ob da vielleicht nicht gerade jemand beim Pornogucken so nebenbei a tergo und so. Oder mit ner Ziege. Oder nem Kind.

Und warum nicht gleich überprüfen, wann jemand das Haus verlässt und wieder zurückkommt? So ne Xbox ist ein prima Bewegungssensor, und wenn die die Leute gleich an der Gesichtsgeometrie erkennt, und weil doch in Amerika die Wohnungstür meist direkt ins Wohnzimmer führt, wäre das sicher eine prima Erkennung, um bei Terroranschlägen zu prüfen, wer kurz vorher rausgegangen und kurz danach wiedergekommen ist. Oder überhaupt im Rahmen der Fahndung mal eben nachgucken, wie’s da bei denen zu Hause so aussieht und wer da rumläuft. Wäre sicherlich auch nicht schlecht für das Finanz-Scoring, ist die Wohnung sauber, putzen die regelmäßig, haben sie saubere Unterwäsche an und so.

Und die Werbung, Leute, die Werbung kann dann so ausgestrahlt werden, dass jeder seine eigene individuelle Werbung gekommt. Für die Frau mal ein Friseurtermin, für den Fettsack Kartoffelchips und überhaupt, ein neues Sofa und viel Waschmittel wären mal nötig.

Und wenn wir dabei sein, kann die Schule auch gleich kontrollieren, ob die Kinder Hausaufgaben machen. Hatten die ja schonmal, da hat doch mal ein Lehrer über die Schulnotebooks den Leuten heimlich zuhause zugeguckt.

Ach, die neue Technik ist schon herrlich.

18 Kommentare (RSS-Feed)

O.
24.5.2013 0:09
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andi_taf
24.5.2013 0:10
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Mhh, die Kinect soll ja nur erkennen wie viele Personen vor dem Gerät sitzen und was das Alter betrifft ist dies auch nur eine grobe Schätzung… dürfte interessant werden wenn jemand volljährig ist und sich ein Film anschauen will und die Kinect Ihn für zu jung hält und den Film nicht abspielt 🙂

Ein weiteres Problem mit der aktuellen Kinect ist das alle bewegten Objekte vor der Kinect als Menschen erkannt werden. So werden mal Stühle oder Teile der Wand als mensch erkannt. Dürfte beim Film schauen ärgerlich werden wenn man Haustiere hat wie eine Katze und einen Hund ^^


Hanz Moser
24.5.2013 1:38
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Ich habe schon bei Smart TVs gewitzelt, dass die Leute sich ihren Televisor selbst kaufen. Man muss den Leuten das Zeug nur schmackhaft machen.

Wenn Lady Gaga einen Nasenring hätte würden auch Frauen wieder so herum laufen 😀


Heinz
24.5.2013 6:23
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>Big brother is watching you

eher: liddle brothers are watching you

Anstatt eines großen hat man heute viele kleine Brüder, von denen man überwacht wird.

Am Ende läuft es allerdings auf das selbe hinaus, da die gesammelten Daten in immer größerem Umfang untereinander ausgetauscht werden (müssen).


Peter Suxdorf
24.5.2013 6:35
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Ich mache mir da keine Sorgen um mich. Ich muß so ein Ding weder kaufen noch besitzen und auch nicht nutzen.

Es wird sehr wahrscheinlich demnächst wieder viel Geschrei über die bösen Funktionen entstehen, das FBI, die CIA, die NSA und die über dreissig verschiedenen Organisationen bei uns in der BeErDe werden uns zu Hause überwachen.

Nur vergisst der unbeteiligte (doofe, finde kein anderes Wort) Zuschauer, daß er wie bei allen anderen Dingen selber der sogenannte Markt ist. Wenn nicht der größte Markt. Wenn alle gemeinsam so ein Ding nicht kaufen würden, hätte sich Orwell wenigstens auf diesem Wege erledigt. Brave new world…


Niko
24.5.2013 7:33
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“Brave new world” ist aber von Aldous Huxley… 😀

Also hatte der Paranoiker in meinem Studiengang doch Recht, der bei all seinen Laptops immer vor der Erstbenutzung mit schwarzem Klebeband die Cam abgeklebt hat.

“Just because you’re paranoid don’t mean they’re not after you.”
[used by Kurt Cobain; attributed to Henry Kissinger]

0.02 EUR
Niko


HF
24.5.2013 8:58
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Wohl eher “The Shockwave Rider” von John Brunner (1975).
Zur Zeit weiss niemand, wie die vernetzte Gesellschaft am Ende aussehen wird, und schon gar nicht, wie sie sich anfühlt oder welche Formen der sozialen Kontrolle sich am Ende durchsetzen werden.
Für die Konservativen ist das Internet eine neue Art Fernsehprogramm, also nichts Neues. Die Überwachungskamera ist nichts Neues, das Auge Gottes hat schon immer alles gesehen. Die Atombombe nur eine neue Art von Kriegswaffe und der sinkende Einzelhandelsumsatz ist nur eine neue Art von Konsumzurückhaltung. Bloss nichts Neues!


Peter Suxdorf
24.5.2013 9:41
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Ja, ich weiß. Aber der Orwell´sche Überwachungsstaat passt herrlich dazu…


Herbert
24.5.2013 12:59
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ihre Inspirationen nehmen sie aus all diesen Dystopien 🙂 Das ist nicht nur Orwell oder nur Huxley etc.


yasar
24.5.2013 14:05
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Das Problem ist ja leider nciht aus der Welt, wenn man sich selbst die Dinger nicht kauft, genauso wie man bei facebook in der datenbamnk landet, obwohl man selbst bei bei facebook draufschaut, oder dort daten eingibt.

Es reicht schon, wenn Du Leute besuchst, die passende SmartTVs und XBoxen haben, die always-on sind. Und deswegen alle sozialen Kontakte abbrechen oder gar keine Leute mehr besuchen wird sich auch nicht auf Dauer durchhalten lassen.


yasar
24.5.2013 14:07
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Mist, schon wieder zu schnell auf ENTER gekommen.

Da fehlt natürlich ein “nicht” und ein “keine” bei facebook, plus diverse Buchstabenvertauschungen.


sequencer
24.5.2013 14:25
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Die Werbung ist doch anscheinend schon fest eingeplant.

“Microsoft selbst will die durch die Überwachung gewonnenen Informationen für “personalisierte Angebote” nutzen. Damit lässt sich vor allem in der Werbung viel Geld verdienen, aber auch beispielsweise bei personalisierten Filmangeboten.”

http://www.heise.de/security/meldung/Kommentar-Xbox-One-Horch-und-Guck-im-Wohnzimmer-1867338.html


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Heinz
24.5.2013 16:00
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> Also hatte der Paranoiker in meinem Studiengang doch Recht, der bei all seinen Laptops immer vor der Erstbenutzung mit schwarzem Klebeband die Cam abgeklebt hat.

Das hat nichts mit Paranoia zu tun, das ist eine Sache, die nicht wenige Leute standardmäßig machen – gibt sogar schon kommerzielle Lösungen:
http://www.webcamcover.de/


“ihre Inspirationen nehmen sie aus all diesen Dystopien”
Nein, andersrum, Orwell und Huxley haben die Entwicklung verstanden. Sie haben verstanden, daß jedes System zur absoluten Macht strebt, daß es keine Selbstbeschränkung kennt, daß es jede Möglichkeit nutzt, daß es dem Gegner keine Lücken läßt…
Sie beschreiben die Entwicklung nur. Diese findet auch ohne ihre Bücher statt.

Carsten

“Durch ihre Unglaubhaftigkeit entzieht sich die Wahrheit ihrem Erkanntwerden.”
Andreas Clauss


Herbert
24.5.2013 22:27
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it’s ah joke’ah! meeee mario!


Lohengrin
27.5.2013 2:22
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@Niko
Ich habe bei meinen Laptops auch die Kameras mit Klebeband verdeckt. Wenn ich mal die Kamera brauchen sollte – bis jetzt ist es noch nicht passiert – werde ich das Klebeband vorübergehend abnehmen.


yasar
27.5.2013 9:26
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@lohengrin

vergiß aber das Mikrofon nicht. das ist genauso ein “Einfallstor”, an das die wenigsten denken. Manchmal hilft ein klinkenstecker mit drangelötetem Widerstand, sofern ein zusätzlicher Mikrofoneingang üebrhaupt vorhanden ist. Ansonsten muß man die Kiste aufmachen und die Kabel durchzwicken.