Die CCC/29C3-Peinlichkeit Britta Schinzel
28.12.2012 21:56
Immer wenn ich denke, der CCC könnte nicht noch weiter abrutschen, werde ich eines Besseren belehrt. Heute musste man sich fast schon schämen unter die Bezeichnung »Informatiker« zu fallen. (Nachtrag)
Ich habe mir vorhin per Live-Streaming den Vortrag „Was ist, was kann, was soll Gender Studies Informatik?“ der Professorin Britta Schinzel angesehen (ich wollte an dieser Stelle eigentlich einen Link auf ihre persönliche Seite setzen, aber nicht mal der Link auf der Institutswebseite funktioniert). Leider ist der Vortrag noch nicht als Video-Download verfügbar, und selbst wenn er das ist, komme ich nicht vor nächster Woche zum Download, weil ich gerade unterwegs bin und nur eine schwindsüchtige Internetverbindung per UMTS habe. Ich muss daher aus dem Gedächtnis und ein paar Notizen arbeiten.
Ich empfehle dem interessierten Leser dringend, sich den Vortrag herunterzuladen und anzuschauen, sobald verfügbar. Hoffentlich lassen sie die peinliche Nummer der als „Urgestein der Informatik“ angekündigten Professorin im Umgang mit dem Presenter am Anfang drin. Bettelt hilflos um Hilfe eines Mannes und beschwert sich dann, dass sie als Informatikerin nicht für voll genommen wird. Ich empfehle vor allem Britta Schinzel selbst, sich ihren Vortrag mal anzuschauen und dann zu erklären, auf welcher Grundlage sie überhaupt erwartet, für voll genommen zu werden.
Schon der Vortragsstil war eine Katastrophe (und wenn man Twitter verfolgt hat, haben nicht nur ich, sondern ungefähr 90% der Kommentatoren das genauso gesehen). Die sitzt da wie ein Häufchen Elend und weiß nicht will sie oder soll sie. Nuschelt und stammelt da was vor sich hin, weiß selbst kaum, ob sie eine Folie überspringen soll oder nicht, wirkt desorientiert, planlos. Wenn mir damals an der Uni jemand so einen Seminarvortrag geboten hätte, hätte ich den/die erst mal unterbrochen, ihm/ihr gesagt, mal richtig Luft zu holen, die Zähne auseinanderzunehmen und vor allem mal in ganzen Sätzen zu reden, die man sich vorher überlegt hat und nicht vom Satzanfang aus dem Rest des Satzes hinterzustolpern. Und sich vor dem Vortrag überhaupt mal zu überlegen, was man eigentlich sagen will. Und das, wohlgemerkt, obwohl Gender ja aus fast nichts anderem als Rhetorik besteht. Lest’s Euch mal die Twitter-Kommentare unter #29c3 durch.
Auch der Vortrag und die Folien selbst waren hundsmiserabel schlecht. Überhaupt keine Linie, kein Gedankengang, kein Ziel, kein Thema. Einfach eine Aneinanderreihung von irgendwelchen Behauptungen, die mir jedenfalls beim ersten Sehen ziemlich zusammenhangslos erschienen. Und vom Niveau her auf dem Stand der lausigen handgemalten Overhead-Folien der 80er Jahre. Eigentlich war es gar kein Vortrag, und ich könnte mich jetzt auch nicht erinnern, irgendwas von ihr selbst gehört zu haben. Das war einfach nur über gewisse Zeit hinweg alles aufgesammelt, was man irgendwo gefunden hat und was irgendwie zum Thema Gender passen würde, alles in eine Kiste geworfen und dann einfach in der Reihenfolge vorgelesen, in der man es in der Kiste gefunden hat. So „was ich schon immer mal erzählen aber noch nie jemand hören wollte”. Der Vortrag war dann auch nicht zu Ende sondern nur vorbei.
Man muss sich das mal bewusst machen, dass die Frau Professorin ist und damit seit Jahren und bis ins Grab aus Steuerzahlerkosten dafür bezahlt wird und nicht mal in der Lage ist, einen ordentlichen Vortrag zu halten. Bei mir hätte sie dafür nicht mal einen Seminarschein bekommen. In Freiburg bekommt man gleich ne Professur.
An nur eine einzige vernünftige Aussage Schinzels kann ich mich erinnern, die aber – gemessen an Twitter und der Publikumsgeräuschkulisse – sonst niemandem aufgefallen zu sein schien, die einem aber auch nur ins Auge springt, wenn man sich intensiv mit Gender beschäftigt hat: Ziemlich am Anfang sagte sie nämlich etwas davon, dass ihre Gender-Aussagen auf einer Arbeitshypothese beruhen. Das heißt, dass nichts von dem, was sie sagte, wirklich geprüft oder als wahr anzunehmen wäre, sondern nur auf der Prämisse, der willkürlichen Annahme beruht, dass es eben so wäre, nämlich dass Geschlecht usw. kulturell bedingt wäre. An der Stelle hätte man sie eigentlich schon unterbrechen und wegen Unwissenschaftlichkeit nach Hause schicken, aber immerhin im Vergleich zu anderen Genderisten wegen Ehrlichkeit loben müssen. Denn wenn das alles auf einer Hypothese beruht, dann muss man alles in die »was-wäre-wenn«-Formulierung packen und erklären, warum man die Hypothese noch nicht überprüft hat. Andere Genderisten tun immer so, als ob das alles die wissenschaftliche Wahrheit wäre, und man muss schon sehr viel und sehr genau lesen um Stellen zu finden, an denen zugegeben wird, dass das nur ein utopischer Entwurf, nur ein Lebensmodell-Angebot sein soll, dass man annehmen möge. Gender ist vor allem der große Schwindel, das Publikum zu belügen und eine frei erfundene Utopie durchsetzen zu wollen, indem man sie als angebliche Tatsache und Wahrheit ausgibt. Insofern muss man schon fragen, was das eigentlich für ein Publikum dort war, wenn niemand nachgefragt hat, worauf die Annahme beruht, dass die Hypothese wahr sein soll und was folgte, wenn sich die Hypothese als unwahr erweist. Beachtlich war, dass gemessen an den Twitter-Kommentaren ein Großteil des Publikums sehr kritisch und ablehnend eingestellt war, aber diesen Hammer nicht bemerkt hat, während der kleine Teil der Gender-Begeisterten völlig kritiklos jeden Käse als Faktum verbreitete. Insofern war der Vortrag ein hervorragendes Beispiel, mit wie wenig Substanz und großen Löchern einem eingebildet kritischen Publikum jeden Mist auftischen kann und die es nicht mal merken, wenn man es dazusagt.
Apropos auftischen: Auffällig war auch, dass Schinzel nichts von dem, was sie behauptete, irgendwie belegen konnte. Sie redete sich da immer mit irgendwelchen Formulierungen wie „würde hier zu weit führen”, „exemplifizieren” (oder so ähnlich) und irgendwelche Verweise heraus, die man eh nie nachprüfen kann. Aber wie soll sie eine Hypothese auch belegen können? Könnte sie es belegen, wäre es ja keine mehr. Der für vor Weihnachten angekündigte Weltuntergang war auch eine Arbeitshypothese. Mit Arbeitshypothesen kann man einfach alles behaupten. Ich etwa pflege die Arbeitshypothese, dass es nächstes Jahr grüne Elefanten mit Pfefferminzgeschmack regnen wird.
Ich weiß auch nicht, in welchem Wald Schinzel die letzten 20 Jahre verbracht hat (in dem sie anscheinend schon den Schritt von Overhead zu Beamer verpasst hat). Sie sagte, der Code verbärge die Verantwortlichkeiten. Da ist schlichtweg falsch. Jedes ordentliche Softwarerevisionssystem archiviert, von wem welche Codezeile stammt. (z. B. git help blame).
Und im Bletchley Park hat man den deutschen „code” auch nicht decodiert, sondern dechiffriert. Decodieren und dechiffrieren sind unterschiedliche Dinge. Von wegen „Urgestein der Informatik”. Blutige Anfängerin.
Natürlich kam auch wieder der typische Gender-Blödsinn, die Informatik als weiblich anzusehen, weil man drei oder vier Frauen aufzählen kann, mal wieder Ada Lovelace und noch irgendwer, hab den Namen nicht notiert (war es Grace Hopper? Nee, ich glaube sie hatte einen anderen Namen gesagt). Neulich haben sie irgendwo im Internet behauptet, das Internet sei nicht von Männern, sondern von Frauen erfunden worden, weil sie irgendwo eine Frau gefunden haben oder das irgendwie ohne Ada Lovelace nicht gegangen wäre. Tausende Männer haben an der Informatik, am Internet, an Linux gebaut, aber wenn sie drei Frauennamen aufzählen können, behaupten sie gleich, die Informatik wäre weiblich. Eine zunächst reine Koinzidenz aus einen statistisch völlig unsignifikanten Einzelfall, bei dem überhaupt kein erkennbarer Zusammenhang zwischen Geschlecht und Leistung erkennbar ist, wird sofort auf alle Frauen verallgemeinert – Ada Lovelace hat die Informatik erfunden, also ist Informatik immanent weiblich und alle Frauen begabte Informatikerinnen. Das besonders Lächerliche daran ist ja, dass man auf hunderten von Gender-Webseiten immer wieder dieselbe Graphik von xkcd.com findet, nämlich
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in der man anprangert, dass wenn eine Frau in einem technischen Fach schlecht sei, man das unzulässig auf alle Frauen verallgemeinere, nicht jedoch bei Männern. Tausende von Männern können an etwas gebaut haben, aber man erkennt es den Männern nicht zu. (was an sich richtig ist) Kaum haben aber irgendwo drei Frauen mitgemacht, wird es sofort als weiblich vereinnahmt und sofort auf alle Frauen verallgemeinert. Eine typische Wahrnehmungsstörung, das positive zu verallgemeinern, das negative zu individualisieren. Beispielsweise wollen die Deutschen immer so gerne das Volk der Dichter und Denker sein, obwohl wir davon nur zwei oder drei Dutzend nennenswerte hatten und die schon lange tot sind. Dagegen haben wir aktuell Tausende von Alkoholikern, Kriminellen, Nazis, aber ein Volk der Säufer, Schurken und Nazis wollen wir nicht sein, das seien ja Einzelfälle, die könne man nicht verallgemeinern. Das gleiche Wahrnehmungsproblem. Ein Volk der Denker (und Denkerinnen) sind wir ganz sicher nicht.
Und Schinzels Statistik-Fehler wurden immer grostesker.
Da bringt sie den Vergleich, dass in der DDR (!) der Frauenanteil viel höher gewesen sei, als er bei uns wäre. Allein um diesen Schwachsinn auszuleuchten bräuchte ich einen separten Blog-Artikel. Das ist so von der Kategorie »nachts ist es kälter als draußen«. (War wahrscheinlich zu lange im Wald oder im Elfenbeinturm. Hat ihr schon jemand gesagt, dass das mit der DDR schon 22 Jahre her und der Krieg auch schon vorbei ist?)
Die DDR unterscheidet sich von uns heute in so vielen Eigenschaften, dass es unmöglich ist, das auf eine Eigenschaft zurückzuführen. Zeit, Technik, Politik, Alternativen und so weiter.
Beispielsweise hätte es die DDR nie zugelassen, dass – wie bei uns – Frauen in so hohem Anteil nutzlose Studienfächer wie Soziologie belegen, die nicht produktiv sind. In der DDR mussten Frauen produktiv arbeiten. Die haben sich nicht für Soziologie, Literaturwissenschaften oder solchen Pseudokram entschieden, um sich durchfüttern zu lassen. Aus dem gleichen Grund gab es (was Schinzel auch nicht erwähnte) in der UdSSR erheblich mehr Traktoristinnen als bei uns. Trecker fahren als Lebensmodell für Frauen. Irgendwo gab es sogar eine Untersuchung, dass der Frauenanteil in technischen Fächern umso niedriger ist, je freier Frauen in der Wahl ihres Berufes sind. Die logische Konsequenz wäre die Zwangseinweisung von Frauen in das Informatikstudium bzw. produktive Ingenieurfächer, wie es in jeder halbwegs ordentlichen Diktatur der Fall ist. Das erwähnt Schinzel freilich nicht.
Schinzel erwähnt dabei auch nicht, dass das Informatik-Studium in der DDR viel weniger technisch war, denn Computer hatten sie ja kaum. Gegen Ende der DDR sind sie gerade mal auf einen popeligen Z80-Klon und wenn ich mich recht erinnere, einen popeligen 8088-Abklatsch gekommen. Es war sehr stark auf Formales, Mathematik und Algorithmen ausgelegt, sehr Mathematik-nah. Dafür oft auf russisch und nicht selten an russischen Unis. Schinzel sagte aber selbst, dass in der Mathematik der Frauenanteil höher ist. Und sie sagte, dass der Frauenanteil in der Informatik bei uns mit der Einführung des PCs abgestürzt sei, der PC somit männlich (und frauenabstoßend) sein müsse. In der DDR hatten die aber so gut wie keine PCs. Wenn Schinzel also schon selbst behauptet, dass es am PC liegt, dann kann sie nicht gleichzeitig behaupten, dass es in der DDR besser war.
Überhaupt, das Thema DDR so hinzuwerfen ist pure Desinformation. Ich war zwar nie DDR-Bürger, aber immerhin über 4 Jahre in Dresden tätig als fast einziger »Wessi« in einer Firma, und habe mir natürlich von den Kollegen sehr viel erzählen lassen, wie’s in der DDR so war. Denn die Kollegen in meinem Alter (oder jünger) hatten da ja alle schon erwachsene Kinder und teils schon Enkel. Denn in der DDR war es üblich, dass die Frauen gleich nach der Schule/Abitur gleich Kinder kriegen. Da wurde gar nicht lange gefackelt, die wurden gleich gepackt und geschwängert, wenn sie das nicht schon von selbst angingen. Eine Kollegin erklärte mir, warum das so war: Weil man erst mit Kind einen Anspruch auf eine eigene Wohnung hatte und bis zur Geburt bei den Eltern wohnen bleiben musste. Sie wollte dringend bei den Eltern ausziehen, ist aber immer wieder mit ihrem Wohnungsantrag abgeblitzt, bis sie sich halt ihren Freund geschnappt und mit 19 ein Kind produziert hat, um dann endlich eine eigene Wohnung zu kriegen. Sie fand das dann wunderbar weil sie beim Berufseinstieg wieder völlig frei und ihre Tochter schon ziemlich selbständig war. Und das war da Standard, das war üblich. Und das hat dazu geführt, dass Frauen in der DDR bei Abschluss eines Ingenieurstudiums alle schon fertig waren mit dem Kinderkriegen und die Kinder meist schon so alt waren, dass man sich nicht mehr tagsüber um sie kümmern musste. Deshalb gab es bei denen diese Kollision zwischen Kind und Beruf erst gar nicht. Deshalb konnten die auch viel leichter technische Berufe ergreifen und berufstätig sein. Nur erwähnt Schinzel das auch nicht. Wenn man also schon die DDR als Vergleich heranzieht, müsste man den Frauen konsequenterweise aufgeben, erstens einen produktiven Beruf und nicht solche nutzlosen Laberfächer zu studieren, und zweitens ihre Kinder vor dem Studium zu kriegen, damit die nach dem Studium schon im Schlüssel-Alter sind. Dann klappt’s auch mit der Informatik.
Aber sich einfach hinzustellen und zu sagen, in der DDR war die Frauenquote in Informatik viel höher, ist einfach nur falsch und richtig dämlich. An Dämlichkeit nur übertroffen von denen, die den Quatsch kritiklos weitertwittern.
Dabei waren das sowieso alles Null-Aussagen. Von dem Standard-Fehler, dass eine Koinzidenz noch keine Korrelation und eine Korrelation noch keine Kausalität ist, will ich hier erst gar nicht anfangen. Der Fehler ist, dass sie immer nur Prozentzahlen verglichen hat. Damals war der Frauenanteil x%, heute ist er nur noch y%.
Was sagt das? Nichts.
Denn „damals” gab es ja viel weniger Informatik-Studenten. Hat man in einem Jahrgang eine Studentin und drei Studenten, hat man schon einen Frauenanteil von 25% (genauer gesagt nicht mal das, sondern irgendwas zwischen 0 und 50%). Hat man heute 100 Studentinnen und 600 Studenten in einem Jahrgang, hat man hundertmal so viel Frauen wie damals und trotzdem nur 14%. Diese Prozenteturnerei ist reine Augenwischerei, reiner Schwindel. (So wie alle Gender-Statistiken, die mir bisher untergekommen sind. Gender ist nicht Wissenschaft, Gender ist die Rhetorik des Schwindels.) Man müsste mal erfassen, wieviel Prozent der weiblichen Studenten in die Schwafel-Fächer abrutschen, und dann eben auch solche Gender-Informatik-Professorinnen mit dazuzählen, die nur so tun, als wären sie Informatikerinnen, aber in Wirklichkeit auch zur Sozioschwafeltanten sind.
Und dann könnte man sich mal überlegen, woran das liegt. Ob die überhaupt studierfähig sind, oder ob man da nicht über die Frauenpolitik Frauen in ein Studium gedrängt hat, die nicht studiumstauglich sind. Oder ob es nicht sogar einer der vielen Tricks zur Senkung der Arbeitslosenquote war, um solche Leute aus der Arbeitslosenstatistik zu bekommen, die eigentlich zu gar nichts nutze sind und sich eigentlich nicht selbst ernähren können. In der DDR hat man solche Leute einfach per Planwirtschaft in die Betriebe gesteckt. In der BRD wurden die früher einfach verheiratet und in die Küche gestellt. Beides geht bei uns heute nicht mehr. Früher waren die Haus- oder Ehefrau, heute sind sie arbeitslos. Heute muss man denen einreden, dass sie per Quote Karriere machen können, Professorin, Vorstand, Frauenbeauftragte und sowas. Hat den Vorteil, dass man sie los ist und sie nie wieder in der Arbeitslosenstatistik auftauchen.
Fast vom Stuhl gefallen bin ich dann, als Schinzel sich nach einer ganzen Reihe übelster Statistik-Fehler, die mich schwer daran zweifeln ließen, dass diese Frau jemals wie behauptet Mathematik studiert haben kann, auch noch anmaßt, anderen Forschern Statistik-Fehler vorzuwerfen. Da sollte sie erst einmal vor der eigenen Tür kehren.
Bei vielem, was sie sagte, ist mir auch überhaupt nicht klar, was das eigentlich mit Informatik zu tun haben soll. (Außer der Tatsache, dass die Informatiker als Männer natürlich wieder mal an allem schuld sein sollen.) Da erzählt sie was davon, dass irgendwer im Dialog mit einem Eliza-Abklatsch (ich glaub, das war Siri, aber am Dialog unverkennbar ein Eliza-Klon) wissen wollte, ob man es mit einem Männle oder einem Weible zu tun hätte. Geschlechterstereotypen zu beklagen. Ach gar. Ich lese gerade Daphne Patai, Heterophobia, Sexual Harrassment and the Future of Feminism, immer in der U-Bahn. Ausgerechnet heute kam ich an folgender Stelle (Kindle-Position 1752) vorbei:
While interviewing students for my 1994 book Professing Feminism, I was told by an undergraduate in women’s studies that one of her teachers habitually referred to her „partner”, without ever using a pronoun. Assuming, along with the whole class, that this professor was a lesbian, the student was shocked, and felt deceived, when she accidently discovered that her professor was in fact heterosexual, married, and a mother. [...] Another instance, small but telling: Following the publication of one of my early articles criticizing feminist excesses, I received a letter from a male academic who told me that he and his wife, also a professor, had been very active in setting up a women’s center on their campus. When it came time to celebrate the center’s anniversary, his wife had asked him not to attend the event, saying, „I don’t want to flaunt my heterosexuality.”
Daher muss man fragen, ob Feministinnen wie Schinzel solche Geschlechterrollen nicht noch viel stärker zementieren, als jeder andere es tun würde, nur dass sie alle Rollen strikt weiblich besetzen, und damit noch viel schlimmer sind als die, die sie beschuldigen.
Und sowas wird in diesem unserem Lande Professorin für Informatik. Ich fass es nicht. Ich glaub, ich steh im Wald.
Und als ob das alles noch nicht grotesk genug wäre, beklagt sich Schinzel da auch noch, dass sie sich weder als »richtige Frau«, noch als »richtige Informatikerin« wahrgenommen fühle.
Unglaublich. Tischt so einen hanebüchenen Mist auf, und wundert sich, dass sie nicht als Informatikerin wahrgenommen wird. Dunning-Kruger-Effekt in Reinkultur. Die völlige Unfähigkeit zur Selbstwahrnehmung, zur Selbstkritik. Jahrelang manipuliert durch das Gender-Geschwätz, unfähig geworden (oder geblieben), sich selbst einzuschätzen. Ermöglicht im Elfenbeinturm, dem Ort der völlig qualitäts- und leistungsfreien unkündbaren Festbezahlung.
Und passt zum CCC wie „Arsch auf Eimer”, um eine Fefe-CCC-übliche blumige Metapher zu gebrauchen. Denn die leiden ja auch unter grenzenloser Selbstüberschätzung, Doppelmoral und Selbstwahrnehmungsstörungen. Hätte ein Minister sich so geäußert wie Schinzel, hätte der CCC ihn öffentlich an den Pranger gestellt und mit Häme überzogen.
Aber da reicht’s dann für Saal 1.
Würde der CCC auch nur ansatzweise dem Anspruch gerecht, den er erhebt, würde er lautstark kritisieren, dass man mit solchen »Professorinnen« die technologische und gesellschaftliche Zukunft des Landes verheizt, statt solchen Leuten auch noch ein Forum und eine Projektionsfläche zu bieten. Man fragt sich, von welchem Geiste der CCC ist und ob er – ich habe in einem früheren Blog-Artikel die Parallele zu den Piraten schon gezogen – schon selbst vom Feminismus übernommen und in geistige Umnachtung gestürzt wurde.
(Wie gesagt, das war die schnelle Kurzversion, was mir beim Schauen so nebenbei eingefallen ist. Irgendwann werd ich mir den Videomitschnitt nochmal in Ruhe anschauen und gründlich kommentieren.)
Nachtrag 1: Seit dem Tag des Vortrages (also „gestern” in Bezug auf diesen Nachtrag, was aber mehrdeutig wäre, weil Nachträge hier kein eigenes Datum bekommen) hat Britta Schinzel sogar einen Wikipedia-Lobpreisungs-Eintrag bekommen. Erstellt von einem gewissen „Tillwe”, bei dem es sich anscheinend um einen Till Westermayer von der Uni Freiburg handelt, was mal wieder meine These belegt, dass die Wikipedia in Bezug auf Professoren nichts anderes als billiges PR-Geschwafel der Universitäten ist und die Wikipedia eigentlich als Dauerwerbesendung gekennzeichnet sein müsste. Laut seinem Lebenslauf Mitarbeiter am Institut für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft (da lag ich mit „Wald” ja voll richtig
) und „parlamentarischer Berater” der Fraktion der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg für Medien, Netzpolitik, Kultur, Wissenschaft und Forschung.
Was nebenbei auch mal wieder meine Einschätzung der der Grünen bestätigt, die sich als Medienberater einen Sozial-Förster holen. Das Netz muss grüner werden.
Und was mal wieder bestätigt, dass aus der grün-linken Ecke Medienmanipulation und Wikipedia-Pflege getrieben wird. Naja, für Wikipedia ist ein Förster vielleicht sogar das richtige. Schön gießen.
Nachtrag 2: Erhellend ist auch der Tweet zum Vortrag einer gewissen, einschlägig bekannten „Schwarzblond”:
In Hamburg wird beim #29c3 erklärt, warum ich mein Informatikstudium in Hamburg vor 8 Jahren auf eine Minimum reduziert hab.
Und dann wundern und beschweren die sich darüber, dass man sie als Informatikerinnen nicht für voll nimmt. Und schieben anderen die Schuld dafür zu.
Informatik ist nicht frauenfeindlich. Informatik ist Faulen- und Dummenfeindlich. Man kann mit einem „Minimum” nicht tauglicher Informatiker werden. Darum geht es beim Feminismus, als Anerkennung für Leistungen zu erpressen, die man nicht erbracht hat. Deshalb sind die auch so versessen darauf, die Informatik zu enttechnisieren und zum Soziallaberfach umzubauen, weil sie gleichzeitig Informatikerinnen sein aber mit Informatik nichts zu tun haben wollen.
Man könnte übrigens auch mal die Frage aufwerfen, ob es nicht ein Widerspruch ist, dass Leute wie Schinzel oder Schwarzblond sich darüber beschweren, dass der Frauenanteil in Informatik so niedrig ist, während sie sich alle Mühe geben, die Informatik als frauenfeindlich hinzustellen und madig zu machen. Niemand hält mehr Frauen vom Informatik-Studium ab als solche Leute. Das Problem, das sie beklagen, produzieren sie selbst.
Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass Abiturientinnen, die diese Gender-Pampe und dieses Lamentieren unfähiger Pseudoinformatikerinnen hören, die Lust auf Informatik schnell vergeht.
> wirklich geprüft oder als war anzunehmen wäre
Da fehlt ein ‘h’.
> Irgendwo gab es sogar eine Untersuchung, dass der Frauenanteil in technischen Fächern umso niedriger ist, je freier Frauen in der Wahl ihres Berufes sind
Das war in Brainwash/Hjernevask mit drin.
> Hätte ein Minister sich so geäußert wie Schinzel, hätte der CCC ihn öffentlich an den Pranger gestellt und mit Häme überzogen.
Mag ja sein, aber im Parlament wäre großartiger Applaus mit der Aufforderung zur Umsetzung gekommen. Und wenn die Zuschauer/Zuhörer gemeinsam der Meinung sind, dass das Schrott war, dann ist auch dem CCC klar, was er sich da eingetreten hat.
Vielleicht ist der Mangel an technischen Vorträgen wirklich auf einen Mangel an technischen Vorträgen zurückzuführen – und nicht auf eine Bevorzugung von nichttechnischen Vorträgen. Ich weiß nicht, welche von beiden Vorstellungen deprimierender ist.