Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Frauen, Ausländer und Alte als Billigarbeitskräfte?

Hadmut
18.11.2012 11:24

Anmerkungen zu einer BITKOM-Erklärung.

BITKOM beklagt den „Fachkräftemangel”.

Nach meiner Beobachtung und der vieler meiner Freunde und Kollegen, aber auch anderer Leute, wie man in Blogs, Foren usw. immer wieder liest, ist der „Fachkräftemangel” nicht in erster Linie ein Problem der Fachkräfte, sondern ein Problem des Arbeitsplatzangebotes und der Fachkräftesuche. Heute werden Fachkräfte weit überwiegend, in manchen Bereichen fast nur noch über Agenturen gesucht, die selbst nicht im Fach drin sind, sondern die nur noch einen Wunschzettel bekommen, die Superman auszusehen hat, damit er ohne Einarbeitung gleich sofort alles erledigen kann. Die Schablonen werden immer ausgefeilter, die Personalagenturen sollen nicht mehr Mitarbeiter, sondern Just-in-Time-Bauteile liefern. Was auch damit zusammenhängt, dass in vielen Firmen Mitarbeiter sowieso nicht mehr auf Dauer, sondern schon aus taktischen Überlegungen nur für 1-3 Jahre gesucht werden. Immer mehr Arbeitsverträge sind befristet oder gleich auf Freiberuflichkeit ausgelegt. Da passt eine Einarbeitungszeit nicht mehr rein. Deshalb werden Leute gesucht, die exakt in ein detailliertes Profil passen. Und sowas findet man dann eben nicht mehr. Der Fachkräftemangel ist selbstgemacht, aber auch ein Zeitgeistphänomen. Wir gehen heute nicht mehr auf den Flohmarkt oder zum Krämer um die Ecke und nehmen, was da ist, sondern suchen im Internet, bis wir ganz exakt das finden, was wir suchen. Wer heute eine Kleinwohnung anmieten will, muss den kompletten Lebenslauf und die Finanzsituation und Vorgeschichte ausbreiten, weil die Vermieter eine exakte Schablone entwickelt haben, wie der Mieter auszusehen hat. Wer sich mal in Kontaktbörsen umsieht, findet ähnliche Effekte: Da wird kein netter Mensch gesucht, sondern ein exaktes Profil vorgegeben, wie der Gesuchte auszusehen und was er zu sein und zu tun hat, und dann regelrechte Bewerbungsschreiben erwartet, in denen jeder Profilpunkt abzuhaken ist. Da kam kürzlich mal im ZDF (ich glaub in der Reihe 37°, bin mir aber nicht mehr sicher) ein Bericht über drei Business-Frauen, die ihren Traummann suchen und nicht finden. Weil keiner mehr deren ausgefeiltes Profil erfüllt. (Oder ich sag mal, dass die wenigen Super-Männer, die es erfüllen, ihrerseits besseres finden…) Letztlich besteht eine gewisse Zeitgeist-Parallele zwischen dem Fachkräftemangel und dem sich immer stärker ausbreitenden Single-Tum mit Geburtenrückgang. Wir nehmen nicht mehr, was da ist, sondern suchen uns zu Tode. Eine Freundin ließ mal den Spruch ab, dass sie lange den „Richtigen” suchte, und dabei nur Ärger hatte, sich aber parallel dazu immer wieder mit den „Falschen” einließ und mit denen dann richtig viel Spaß hatte. Vielleicht ist genau das der Punkt – falsche Suchkriterien.

Oder genauer gesagt, nicht nur falsche Suchkriterien, sondern überhöhte: Man sucht Kandidaten, die in einer höheren Kategorie agieren als man selbst ist. Da gibt es Firmen, die Fachkräfte suchen, aber einfach keinen attraktiven Arbeitsplatz bieten. Und es gibt Frauen, die den ultimativen Traummann suchen, aber wären sie Autos höchstens noch auf dem Markt für verbeulte Gebrauchtwagen eine Chance hätten. 90% der suchenden Frauen möchte man fragen, warum sich ein solcher Traummann, wie sie ihn suchen, wenn er sich denn fände, ausgerechnet mit ihnen abgeben und sich nicht ein Mannequin angenehmen Wesens, ausgesuchten Benehmens und hoher Bildung suchen sollte. Der Arbeitsmarkt ist da nicht viel anders. Wer sich selbst überschätzt und auf dem falschen Niveau sucht, kann nichts passendes finden.

Beachtlich nun finde ich folgende Aussagen aus der BITKOM-Aussage:

Mit der Blue-Card-Initiative der EU fördert die Politik nun die Einwanderung hoch qualifizierter Experten. Das ist ein wichtiger Schritt. Und trotzdem rennen uns ausländische Fachkräfte nicht die Tür ein. […]

Schleichend, ohne wir das großartig merken, werden bereits viele Projekte ins Ausland vergeben. Wenn wir aber wollen, dass die Erträge in Deutschland bleiben oder sogar zurückkehren, müssen wir den Spieß rumdrehen. Dazu muss es uns auf breiter Front gelingen, schnell junge Frauen und ausländische Fachkräfte für unsere Branche zu gewinnen. Und wir müssen ältere Mitarbeiter weiterqualifizieren und länger in den Unternehmen halten.

Heißt zunächst mal, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte nicht attraktiv genug ist. Die finden besseres.

Man könnte sich natürlich mal aufhübschen und attraktiver machen. Etwa als Arbeitgeber höhere Gehälter zahlen oder als Staat weniger Steuern abziehen. Sprich: Mehr Netto-Nutzwert pro Arbeitsplatz. Wir machen aber das Gegenteil. Die arbeitende Mittelschicht rutscht in Deutschland immer stärker ab. Warum also sollten sich Fachkräfte noch mit Deutschland abgeben?

Kurios nun, dass man zusammen mit den „ausländischen Fachkräften” auch Frauen und „ältere Mitarbeiter” nennt. Hört sich an, als sollten die jetzt als Billigfachkräfte herhalten, weil man die guten auf dem Weltmarkt nicht anziehen kann.

Geradezu absurd ist daran, dass die Politik und der ganze Feminismus derzeit poltert, dass man eine gesetzliche Frauenquote brauche, um endlich den Frauenanteil zu heben, weil die bösen Männer doch keine Frauen einstellen würden, während BITKOM sagt, dass man sich überlegen müsse, wie man „junge Frauen für unsere Branche gewinnen” könne.

Wie soll das zusammenpassen? Was davon stimmt denn nun?

Soll man das so verstehen, dass die Frauen mehr Arbeitsstellen für Frauen fordern, aber nicht mal den derzeitigen Arbeitsmarkt für Frauen bedienen können? Ist das vielleicht die dritte Ausprägung des beschriebenen Effektes, nämlich die erfolglose Suche aufgrund eigener Überschätzung? Dass Frauen sich beklagen, keine Arbeitsplätze zu finden, obwohl eigentlich genug da sind, einfach weil sie – feministisch indoktriniert – ihre eigene „Attraktivität” (hier: Qualifikation) weit überschätzen? Ist die Frauenquote das Analogon zur Suche der Kartoffel nach dem Traumprinzen?

9 Kommentare (RSS-Feed)

Skeptiker
18.11.2012 13:22
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Sorry Mr Godwin für Ihr frühes Herbemühen: Ausländer, Frauen, Alte heranziehen…. woran erinnert mich das doch gleich?

Un das alles, während wir gleichzeitig das Niveau unseres Ausbildungswesens und seiner Absolventen immer weiter absenken. Irre.


HF
18.11.2012 15:14
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Die Idee dahinter ist ganz einfach: Wenn die Generäle genug Mana und genug Charisma haben, dann kommt es auf die Ausbildung der Fusssoldaten gar nicht mehr an. Es müssen nur genügend viele sein.
Die Häuptlinge haben Angst, dass ihnen die Indianer ausgehen.
Ach, wäre das Unternehmen doch ein Bienenstock!


ein anderer Stefan
18.11.2012 16:10
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Die exakten Vorgaben in den Ausschreibungen haben im öffentlichen Sektor immer öften auch den Zweck, externe Bewerber aussortieren zu können, damit die Internen auf jeden Fall den Zuschlag kriegen, indem die Ausschreibungen genau auf den internen Wunschkandidaten zugeschnitten werden.
Etwas globaler merkt man das im Hochschulsektor: Dort wird bei Universitäten regelmäßig ein wissenschaftlicher Hochschulabschluß gefordert, auch wenn das nach Inhalt der Stelle auch ein FH-Abschluss sein könnte – aber da bleibt man lieber unter sich.

Vielfach ein Hemmnis ist zwar die Unwilligkeit der Unternehmen, Frauen einzustellen, weil die ja eh nur schwanger werden (das darf zwar keiner laut sagen, aber es ist vielfach so), aber auch die geringe Bereitschaft der Unternehmen, sich besser auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer einzustellen, insbesondere derer, die eine Familie haben oder haben wollen. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle kümmern sich die Frauen um die Kinder, und daher sind Unternehmen, die von einer beliebigen Verfügbarkeit der Arbeitnehmer ausgehen, unattraktiv. Und so lange die Gesellschaft die arbeitenden Mütter weiterhin als Rabenmütter abstempelt, muss man sich eh nicht wundern.


MaulHeld
18.11.2012 22:16
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Leider geil, der Blog. Er trifft genau den Ton. Und schließlich kommt er genau auf den Punkt: es passt eigentlich nix zusammen. Eine Horde quengelnder Jammerlappen, die einem erzählen, sie wären was besseres und gleichzeitig nach Hilfe schreien, weil alle sie fertig machten und doch reiten sie ständig darauf rum wie toll sie sind und wie viele ihnen hinterherhecheln, weil sie so super attraktiv seien.


MaulHeld
19.11.2012 2:16
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Beziehungen sind heutzutage auch nur noch “befristete Verträge”. Es ist alles nix mehr wert. Wenn es zu Problemen kommt, nimmt man sich lieber den nächsten, das ist einfacher.


Christian
19.11.2012 10:52
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Fachkräfte-Suche im Ausland beinhaltet noch eine weitere böse Falle: In manchen Ländern gehört es fast schon zum guten Ton, bei Bewerbungen zu übertreiben – und zwar in einem Sinne, der den meisten Deutschen als maßlos vorkommen wird. Die Unternehmen, die in dem Land Erfahrung haben, rekrutieren entsprechend: Es gibt Einstellungstests und Probezeiten, die Lebensläufe liest praktisch keiner mehr, da man weiß, dass sie zum größten Teil erfunden sind. Man stellt erst mal dreimal soviele Kandidaten ein als man braucht um dann die unpassenden zwei Drittel innerhalb der Probezeit loszuwerden. Wenn man in einem solchen Umfeld mit der hier üblichen Methode Mitarbeiter sucht, geht man zwangsläufig baden.


Knut
19.11.2012 11:34
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Das mit den Frauen hat auch andere Gründe.

Entweder können sie noch Kinder bekommen oder sie sind zu alt.
Weiterhin soll der Schwanz des Einstellenden ein Zeichen geben.
Wenn die Dame nur kompetent ist, also figurmäßig nicht paßt, sieht das Hirn nur noch die Konkurrenz.

Das kann man sich als Mann kaum vorstellen: Meine Frau Dr.ing. bekommt das Angebot doch mal ohne Entgeld probezuarbeiten. So weit ist es im technischen Bereich inzwischen gekommen.

Sie hat es inzwischen aufgegeben. Die Leute stellen Frauen nur dann ein, wenn sie potentiell zu ficken sind. Im Maschinen- und Anlagenbau geht da ansonsten nur was mit Vitamin B. Inzwischen ist natürlich auch die Lücke im Lebenslauf zu groß.


“Meine Frau Dr.ing. bekommt das Angebot doch mal ohne Entgeld probezuarbeiten. ”

Und was hat das nun mit dem Geschlecht zu tun?


So ein Sings
9.12.2012 21:51
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Inzwischen gibts Zeitarbeit und Leiharbeit auch im Erziehungswesen, namentlich vor allem in den Kitas. Was richtig absurd ist, da wissenschaftlich (seit langem) belegt, allgemein bekannt und “bloßer Verstand” ist, dass das schlimmste für Kleinkinder ein ständiger Wechsel der Beutreuungs- und Erziehungspersonen ist. (Kinder sind erzkonservative Wesen) Mit dem Modell Leiharbeit in Kitas führt man aber genau das als System ein und das während dieser unserer Zeit, in der selbst die Kitas schon Bildungsaufträge haben und das alles gaaaaanz wichtig ist. Und dann will man die Deutschen überzeugen, ihre Kinder mehr in Kitas und Krippen zu geben, auch aus Bildungsgründen, während man die Voraussetzungen dafür aktiv hintergeht. (dazu noch die Sache mit der Herdprämie) Voll Banane.

Ich habe letztens auch eine krasse Blüte dieses Zeitgeistes erlebt. Habe schon einige komische Sachen erlebt, aber das hat selbst mich richtig erstaunt.
Ich habe bei einem Barminijob gearbeitet, ein bis zweimal im Monat (ich mag diese Arbeit eigentlich). Habe jetzt aber wegen neuer fester Stelle gekündigt und mir meine ganzen Entgeldbescheinigungen geben lassen. Theoretisch müsste ich noch einen Dienst im Dezember und einen im Januar machen, wird aber nicht passieren. Der Geschäftsführer der Bar hat mich nämlich zum 31.10. bei der zuständigen Knappschaft abgemeldet (was ich erst gestern erfahren habe) um keine Steuern mehr für mich zahlen zu müssen. Das heißt ich habe, ohne es zu wissen (!), im November und Dezember schwarz gearbeitet. Der Betrag, den er dadurch gespart hat liegt bei um die 30€. Für 30€ riskiert man heute schonmal den Leumund von Mitarbeitern. Saukrass daran ist einfach, dass das Minijobmodell ja schon die absolute Billigvariante von Arbeit gegen Geld ist. Und hierbei wird dann auch noch getrickst und nochmal was rausgquetscht.

Die Technikerbranche kann sich wahrscheinlich noch glücklich schätzen, die ist das Filetstück. Die Gastrobranche wirkt dagegen wie Manchester zu Marxens Zeiten, fast krasser als die Kirchen (DAZU übrigens sehr gute Doku: “Gott hat hohe Nebenkosten” http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/12580180_die-story-im-ersten-gott-hat-hohe-nebenkosten
hab leider keine Ahnung, wann das “depubliziert” wird, also beeilen, ist sehr sehr sehenswert und fast absurd)