Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

„Mehr Frauen in der Informatik würden allen guttun”

Hadmut
8.3.2011 16:18

Laut einem Artikel im Heise Newsticker sagte die Professorin Barbara Schwarze:

“Es würde unserer digitalen Lebensumwelt guttun, wenn mehr Frauen daran mitwirken würden” […] “Wir müssen da mehr Vielfalt haben.”

Aufgrund gesellschaftlicher Prägungen und geschlechtsspezifischer Erziehungsstile gebe es vielfach unterschiedliche Herangehensweisen an ein IT-Projekt, erklärte Schwarze. Frauen hätten seltener als Männer die Haltung, schon von vornherein zu wissen, wie eine Aufgabe zu lösen sei. “Wenn wir in einer Arbeitsgruppe zu 85 Prozent junge technikbegeisterte Männer haben, kann das nicht gut sein.” Es sei sinnvoll, auch die Erfahrung von Frauen und Älteren einzubeziehen.

Im Prinzip hat sie völlig Recht, und ich stimme ihr da zu. Also Mädels, macht hin und immatrikuliert Euch für Informatik. Die Männerwelt wird Euch zu Füßen liegen.

Zwei Schönheitsfehler hat die Aussage der Professorin Schwarze (jedenfalls so, wie sie hier zitiert wird) aber schon:

  • „die Erfahrung von Frauen und Älteren” – Autsch. Aua. Das tut weh. Schon die Zusammenstellung, zwei unerwünschte Gruppen von Benachteiligten.

    Außerdem ist es unlogisch. Älter haben Erfahrung. Eben weil sie älter sind und damit in der Zeit Erfahrung gesammelt haben. Erfahrung heißt, daß man das schon oft gemacht hat.

    Frauen bekommen ihre Erfahrung genauso wie Männer, nämlich im Laufe der Zeit der Berufstätigkeit. Sie haben sie aber nicht schon von Geburt an oder Kraft Geschlecht. Wer pauschal unterstellt, daß Frauen einen – für Informatik nützlichen – Erfahrungsschatz hätten, der sich aus ihrer Eigenschaft als Frau ergibt, der weiß entweder nicht, was Erfahrung ist, oder was Informatik ist. Oder beides. Informatik und IT-Berufe brauchen viel Erfahrung. Aber die ist eigentlich geschlechterunabhängig (es sei denn, mal will in die Marketing- und Vertriebsecke und dann rosa Mädchen-Handys oder Aldi-Notebooks mit aufgeklebten Straß-Herzchen verkaufen. Und sowas will man nicht, wenn man gleichzeitig ernst genommen werden will).

    Ich lasse mich allerdings gerne vom Gegenteil überzeugen. Wenn mir irgendwer einen spezifisch weiblichen Erfahrungswert mitteilen kann, der für Informatik von Vorteil ist (also der, um an der Formulierung oben zu bleiben, auf der einen Seite den Männern kraft Geschlecht fehlt oder sie benachteiligt, und der auf der anderen Seite Frauen schon kraft Geschlecht mitgegeben ist, vielleicht so etwas wie man einem Roboter das Laufen auf Stöckelschuhen beibringt…), immer her damit. Ich bin gespannt.

  • Sie bemängelt die Haltung von Männern, immer schon von vornherein zu wissen, wie eine Aufgabe zu lösen sei.

    Die Aussage ist gefährlich, man kann sie so und so verstehen.

    Natürlich ist es schädlich, wenn man von vornherein auf eine (vermeintliche) Lösung festgelegt ist. Das verschließt die Augen für Kreativität und interessante Alternativen. Insofern ist es wichtig, kreativ und geistig offen zu bleiben, das ist wichtig.

    Zu einer Problemstellung aber gleich eine Lösung zu wissen, ist aber nicht per se schlecht. Es kann auch schlicht und ergreifend die Auswirkung von Befähigung oder (wie sie oben selbst fordert) Erfahrung sein. Es gibt gerade in der Informatik und der IT-Branche (und das scheint diese Professorin wohl mangels eigener Erfahrung selbst nicht zu wissen) eine unglaublich große Menge von ähnlichen und wiederkehrenden Problemen. Die sind nicht alle neu und herausfordernd. Es ist halt nun einmal häufig so, daß im IT-Betrieb und der Informatik der der gut ist und es drauf hat, zu vielen dieser Problemen die Lösung schon kennt, weil er damit schon zu tun gehabt hat (und nicht, weil er zu männlich denkt).

    Mit solcher Argumentation bringt man (bzw. diese Professorin Schwarze) sich und die Frauen in einen unglaublich bescheuerten Kontext: Männer wissen zu einem Problem die Lösung, können also was – Frauen wissen sie nicht, können also nichts, wollen aber trotzdem als gleichwertig angesehen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand ernsthaft auf diese Schiene wollen könnte.

    Zumal das im Ingenieurwesen (jedenfalls, wenn man es gut macht) einfach so ist, daß man sich erst die Lösung überlegt und dann losrennt. Wenn man eine Brücke über den Fluß baut, muß man auch erst überlegen, was man macht und nicht drauflosbauen und dann nachdenken, warum es eingestürzt ist.

    Diese Frau hier stellt es hier aber so dar (zumindest klingt es in meinen Ohren so), als wäre es typisch weiblich (das Klischee besteht leider wirklich, aber ich dachte, das würden nur die Männer behaupten), draufloszuwurschteln, ohne zu wissen, wo es hingehen soll. Ohne Plan. Und als sei das eine positive Befähigung, die man haben will und deshalb Frauen einstellen soll.

Die Frau ist Professorin an einer Fakultät für Informatik und Ingenieurwesen. Und hat dann das Fachgebiet „Gender und Diversity Studies” (kann sich also nicht mal zwischen Deutsch und Englisch entscheiden). Und ist von Beruf Diplom-Soziologin (siehe unterer Bildrand ihrer Webseite).

Soziologen. Meine Meinung von Soziologen ist wirklich schlecht. Aber wenn Soziologen in die Informatik reinmurksen, kommt wirklich nur Mist bei raus. Sowas paßt für mich genau in das wirklich üble Beuteschema Quotenweibchen, Frauen die zur Verzierung eingestellt werden und ohne fachliches Können Karriere machen, indem sie irgendwo auf ein Nebenthema geschoben werden, wo sie den Hauptbetrieb nicht weiter stören.

Um das nochmal klar zu sagen: Informatik und Ingenieurwesen heißt, sich die Lösung frühzeitig zu überlegen und einen Plan zu machen, und nicht ins Blaue loszuwurschteln und zu staunen, wo man ankommt. Letzteres ist nicht typisch weiblich, sondern nur blöd.

Und Erfahrung äußert sich eben auch darin, daß man zu mehr Problemen gleich die Lösung weiß, als der Unerfahrene. Das hat durchaus was mit dem Alter zu tun, aber nicht mit dem Geschlecht.

Also, Mädels, mein Rat: Studiert Informatik. Macht Spaß, ist interessant, die Leute werden gesucht, und man verdient jetzt auch nicht so ganz schlecht. Es ist keine schlechte Berufswahl, wenn man damit inhaltlich klarkommt.

Aber vergeßt das mal, daß man da mit spezifisch weiblichen Ansätzen irgendwie weiterkäme oder was besonderes wäre. Damit macht man sich nur selbst zum wandelnden Blondinenwitz. In der Informatik werden einfach gewisse fachliche Fähigkeiten, Arbeitstechniken, Erfahrungsvolumen, Denkweisen gefordert. Wenn Euch diese Eigenschaften und Anforderungen besonders „männlich” (und damit fremd oder andersartig) vorkommen, dann liegt das nicht am Geschlecht, sondern schlicht und ergreifend daran, daß Informatik (oder Ingenieurswesen) einfach nicht Euer Ding ist. Sucht Euch in diesem Fall lieber ein anderes Fachgebiet, in dem man nicht planen muß und es keine Lösungen gibt, die man zu Problemen finden muß, sondern wo man einfach rumlabern kann. Soziologie zum Beispiel.

Kürzlich fragte mich in einem Kommentar zu einem anderen Blog-Artikel hier, warum sie benachteiligt wird, obwohl sie sich soviel Mühe gibt und all die kleinen Fleißaufgaben übernimmt. Ich habe ihr einen derben Ratschlag erteilt, der darauf abzielte, sich einfach mal geistig aus ihrer selbstgewählten geistigen Opferrolle als Weibchen unter Kerlen zu lösen.

Mädels, Informatik funktioniert so nicht. Diese Geschlechterschabloneneinteilung geht schief. Wenn man die Eigenschaften, die in der Informatik derzeit als erfolgreich gelten (oder zumindest so funktionieren, daß man das Tagesgeschäft damit lösen kann), als typisch männlich ansieht und dann „typisch weibliche” Eigenschaften dagegenhalten will, die aus nicht mehr als dem Fehlen der erfolgreichen, als männlich gebrandmarkten Eigenschaften bestehen, hat man schon verloren. Man ist nicht Informatiker, um weiblich oder männlich zu sein, sondern um Probleme zu lösen, um Lösungen zu finden. Das und nichts anderes ist Informatik.

Und verkneift Euch auf jeden Fall, so einen Mist daherzureden, wie diese Quoten-Alibi-Professorin. Dann passiert Euch nämlich genau das, was hier in diesem Blogartikel gerade mit ihr passiert ist: Wenn Ihr nämlich von Euch aus Leistungsunterschiede mit dem Geschlecht erklären wollt, dann werdet Ihr von Männern als Frau oder Ingenieur nicht mehr erstgenommen. Dann habt Ihr Euch selbst erledigt. Es ist mir unbegreiflich, wie man sich selbst – nein, eigentlich die Informatikerinnen, denn sie selbst scheint ja keine zu sein – als Frau so herabwerten kann wie diese Professorin es da tut. Ihr müßt den Beruf beherrschen und nicht das Nichtberrschen als typisch weiblich rechtfertigen wollen.

Wenn man will, geht das auch.

Also los geht’s. Informatik studieren. Macht Spaß.

4 Kommentare (RSS-Feed)

Stefan
8.3.2011 18:56
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Brutaler Verriß der guten Professorin. Tja, sie ist selbst dran schuld.


Steffen
8.3.2011 22:05
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> Wenn mir irgendwer einen spezifisch weiblichen Erfahrungswert mitteilen kann, der für Informatik von Vorteil ist.

Ich hatte es gerade mit meiner Frau zu genau diesem Heise-Artikel (meine Frau ist inzwischen Projektmanagerin in der Softwareentwicklung, also vom Fach).

Das einzigste, was uns eingefallen ist (was aber nicht Informatik-spezifisch ist, sondern allgemein gilt): Je höher die Hierarchieebene, desto mehr scheinen Männer zu dem unsäglichen “Alpha-Männchen”- und Imponiergehabe zu neigen. Um so schlimmer und aggressiver, je mehr die Männer-Monokultur (und damit Konkurrenz untereinander) ausgeprägt ist.

Mehr Frauen könnten da wirklich zivilisatorisch positiv einwirken.

Ansonsten wäre es uns beiden am liebsten, wenn diese unsägliche Diskussion über Frauenquoten usw. sich selbst abschaffen würde. Idealfall: Wenn die Gesellschaft irgendwann mal soweit kommt, daß es vollkommen egal ist ob jetzt ein Mann oder eine Frau einen Job macht, (fast) egal welchen. Daß das Geschlecht genauso irrelevant wird wie die Haarfarbe. Daß nur zählt, ob man seinen Job beherrscht, gerne macht und ihn gut macht.

Daß sich noch einiges ändern muss, durften wir wieder letztens am eigenen Leibe erfahren. Mein Vater hatte 70sten Geburtstag. Von den ganzen alten Knackern, die alle in den Wirtschaftswunderjahren aufgewachsen sind, wurden uns genau 2 Fragen gestellt: Mir wie es beruflich läuft, und meiner Frau wann endlich die ersten Kinder da sind. Und das hat nur noch genervt.


Stefan W.
9.3.2011 4:11
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Weibliche Erfahrungen können bei der Produktentwicklung immer spezifisch weibliche Nutzungsmuster sein.

Bei manchen Werkzeugen ist es so, dass die vom Gewicht und der Größe bei 90% der Männer gut in der Hand liegen, aber nur bei 60% der Frauen, und dass sie, wenn sie ein Stück kleiner u. leichter wären eben besser für Frauen geeignet wären. Aber wenn die Hauptzielgruppe Männer sind, dann wird es auch für die Hauptkundengruppe gebaut, und so zementieren sich Rollenvorstellungen.

Bei Software sind objektive, körperliche Differenzen sicher kaum vorhanden. Sind Frauen aufgrund ihrer Geschlechtsrolle andere Officenutzerinnen, oder nutzen sie das Malprogramm derart anders, dass eine Frauenedition denkbar wäre?

Es klingt schon mal nicht sehr plausibel, und mir fällt erstmal kein schlagendes Beispiel ein.

Komplett ausschließen würde ich es nicht, aber wenn es da schlagende Beispiele gäbe, dann würde doch diese Professorin damit hausieren gehen. Rollenunterschiede sind ja zum Großteil Kulturunterschiede, und wenn Kulturunterschiede bei Frau und Mann gang und gäbe sind, dann sollten auch große Unterschiede zw. US-PCs und Europäischen PCs (Betriebssystemen, Programmen, Konfigurationen, Nutzungsweisen) üblich sein. Ob es da Forschung gibt? Icons pro Desktop je nach Nationalität, Bildung und Geschlecht?

Ich rate mal, dass da, wo es das Klischee verlangt, die Unterschiede sichtbar sind: Mac-Books haben relativ mehr weibliche User, als PC-Laptops, weil die Optik den Frauen wichtiger ist.

Eine umfangreiche und Unterschiede zu Tage fördernde Forschung würde aber wohl zu Ergebnissen führen, die auch Männer nach Lehrbuch umsetzen könnten. So wie man auch 10 Dummy-Bohrmaschinen unterschiedlicher Größe und Gewicht an 100 Probanden und Probandinnen ausprobieren kann, ohne Mann oder Frau sein zu müssen.

Man sagt Softwareprojekten ja nach, dass sie oftmals daran scheitern, weil die Kommunikation zw. Auftraggeber und Hersteller scheitert, man aneinander vorbeiredet. Aber da müßten ja, getreu den Klischees, Frauen als sozial orientiertere Wesen besonders punkten, und das sollte doch langfristig irgendwie auffallen.

Ich will ja für neue Erkenntnisse offen bleiben, aber bisher hat mich nichts überzeugt.


derp
5.4.2011 10:01
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Also ich würde ja behaupten das Frauen wesentlich schlechter programmieren als Männer. Man stelle sich mal die ganzen verschachtelten Anweisungen vor die so eine 0815-Frau verbal produziert und dann wird so eine Denkweise auch noch als Code fabriziert *schüttel* … Das verschachtelte Anweisungen nicht grade gut lesbar und eigentlich zu vermeiden sind (im Code und im Leben) brauch ich glaube ich nicht zu erwähnen. Nicht auszudenken wenn der Begriff GOTO sojemanden bekannt wäre …