Ansichten eines Informatikers

Von wegen “schöne Pilotin” – dummer Computer

Hadmut
25.7.2009 10:07

Da gab es doch vor über einem Jahr den Fall der Lufthansamaschine, die bei der Landung vom Wind erfasst wurde und mit der Flügelspitze über den Boden schrammte.

Damals hieß es in der Presse, die junge blonde schöne Copilotin, sei zwar jung, blond und schön, aber hätte die Landung versemmelt. Gerettet hätte die Passagiere der erfahrene, väterliche und männliche Pilot. Fragen kamen auf, wieso er das Flugzeug der unerfahrenen Copilotin anvertraut hätte. Was absoluter Quatsch ist, denn wenn man ihr das Flugzeug nicht anvertrauen könnte, wäre sie nicht Copilotin. Pilot und Copilot haben Aufgabenteilung zwischen Fliegen und Funk/Navigation und wechseln sich dabei ab. Erst im Ernstfall übernimmt der Pilot (zumindest in dem New Yorker Fall mit dem Befehl “My Aircraft!”).

Jedenfalls war es so schön pressetauglich und so herrlich klischeekompatibel es so hinzustellen, als könnte die Blondine nicht fliegen (wo doch jeder weiß, daß Blondinen nicht mal ein Auto einparken können, wie sollen sie dann einen Airbus fliegen können?).

Und nun kommt da plötzlich eine ganz andere Ursache ans Licht: Angeblich ein Softwarefehler. Der Airbus hatte mit einem Rad aufgesetzt, sei deshalb in den Boden-Modus übergegangen und hätte den Einschlag des Seitenruders begrenzt, weshalb die Pilotin nicht mehr ausreichend Kontrolle über das Flugzeug gehabt hätte. Erst durch das Durchstarten durch den Piloten hätte der Airbus eingesehen, daß er doch noch in der Luft fliegt. Au weia. Plausibel, aber au weia. Richtig übel, wenn man in so einer Situation, in der man in kürzester Zeit reagieren muß und voll angespannt ist, plötzlich die Kontrolle verliert. Unabhängig von der Haarfarbe.

Erinnert mich daran, daß ich kürzlich gelesen habe, daß auch die Finanzkrise in großen Teilen angeblich durch Software ausgelöst wurde. Immer mehr Banken handeln vollautomatisch durch Software, weil es inzwischen auf Sekundenbruchteile ankommt. Und wenn die jetzt alle gleichgeschaltet sind, kann es zu absurden Effekten kommen (wie auch hier).

Ein Kommentar (RSS-Feed)

nadar
26.7.2009 14:02
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Die absurden Effekte der Börsensoftware hat Tom Clancy 1994 schön in seinem Buch “Ehrenschuld” genutzt. Die Japaner wollen mit diesem Verhalten die amerikanische Börse plattmachen, was (im Prinzip) auch gelingt.
Bonus: ein Passagierflugzeug wird für ein Attentat auf Amerikas Führung benutzt.