Übernatürliche Phänomene an der Uni Karlsruhe
Die unheimlichen Doppelwesen

Es ist so schrecklich, daß einem der Atem stockt, wenn man es ausspricht. Gemeine Körperfresser vom Typ Audrey III verschlingen normale Menschen und ersetzen sie durch seelenlose unheimliche Doppelwesen, die unbemerkt deren Platz einnehmen. Das Original wird immer durch zwei Wesen ersetzt, die sich abwechselnd für das Original ausgeben. Diese Doppelwesen sind äußerlich nicht vom Original und auch nicht voneinander zu unterscheiden. Aber es gibt einen Unterschied: Man hat zwar das Wissen des armen Opfers auf die Doppelwesen übertragen, aber man konnte es nicht kopieren, deshalb hat immer nur eines der Doppelwesen das Wissen abbekommen. Und daran kann man nun erkennen, wer gefressen und durch unheimliche Doppelwesen ersetzt worden ist. Manchmal kann man nämlich bemerken, daß die scheinbar selbe Person, die zuvor Fachmann, eine Kapazität, ja geradezu eine Koryphäe war, plötzlich nichts mehr weiß. Hat man so einen Fall, dann weiß man, daß man es mit den Doppelwesen zu tun hat.

Ich habe bereits einige dieser Doppelwesen erkannt und möchte nun mein Wissen mit der Menschheit teilen, bevor auch ich gefressen und durch Doppelwesen ersetzt werde. Die meisten der Doppelwesen habe ich an der Fakultät für Informatik gefunden.

Professor Dr. J.
Den gibt es zweimal, da bin ich ganz sicher.

Der eine davon kennt sich so gut mit Netzwerksicherheit aus, daß er für die Bewertung einer Diplomarbeit DM 3.000,- wollte. Der Diplomarbeiter war nämlich bei einer Firma tätig und sollte dort etwas entwickeln. Die Fachkenntnis des Prof. J. war so erstaunlich hoch, daß allein durch die Bewertung und Betreuung der Diplomarbeit ein so enormer Wissenstransfer an die Firma stattfinden mußte, daß man dafür DM 3.000,- zahlen mußte, wie in der Kooperationsvereinbarung steht, ohne die er die Arbeit nicht bewerten wollte. Wie enorm das Fachwissen dieses Prof. Dr. J. war, sieht man daran, daß diese Firma ein Team aus 12 sehr erfahrenen und hochqualifizierten Sicherheitsspezialisten hatte. J. war so gut, ja so viel besser, daß es immer noch einen unvermeidlichen Wissenstransfer gab. Und weil der Mann so gut war, hat man ihn auch zum Leiter des Rechenzentrums gemacht. Ein solche Kapazität ist ein Glücksfall für jedes Rechenzentrum.

Der andere davon kennt sich überhaupt nicht mit Netzwerksicherheit aus und kann auch kein Prüfungsgutachten dazu schreiben. Von diesem anderen Doppelwesen stammt die Erklärung darüber. Der sagt nämlich, Numeriker zu sein, und auf dem Gebiet Strömungsmechanik und Gasdynamik geforscht und promoviert zu haben. Danach hat er sich mit Parallelrechnern befaßt und sich dem "Web Engineering" zugewandt. Nach den "Standards der Fakultät" sind das sicherlich noch bessere Voraussetzungen, um ein Rechenzentrum zu leiten. Und die einzigartige Qualität, Aktualität und Organisation der Webseiten des Rechenzentrums, die ihresgleichen suchen, sprechen für sich, keine Frage. Aber wo sind die sagenhaften Fachkenntnisse in Netzwerksicherheit hin, deren bloße Anwesenheit noch mit DM 3.000,- zu entlohnen war?

Es besteht kein Zweifel: Der arme Mann ist Opfer eines Körperfressers geworden und durch ein Doppelwesen ersetzt worden.

Professorin Dr. Z.
Es ist schrecklich, aber auch vor Frauen machen die Körperfresser nicht halt. Auch sie gibt es zweimal.

Die eine kennt sich so gut mit Netzwerksicherheit aus, daß sie dazu die Vorlesung "Netzsicherheit: Architekturen und Protokolle" hält und nur sie diese Vorlesung abprüfen kann. Auf ihrer Webseite gibt sie hier und da an, mit der Telekom Projekte zur Sicherheitsaspekten von deren Netzwerkinfrastruktur durchgeführt zu haben. Dabei ging es um die Kopplung von IP- und Mobilfunknetzen und besondere sicherheitsrelevante Fragestellungen, und den Schutz der IP-Infrastruktur vor Denial-of-Service Angriffen. Respekt, das sind keine einfachen Themen.

Und dann gibt es die andere, die es im Gegensatz zur ersten nicht schafft, Prüfungen im Bereich Netzwerksicherheit abzunehmen, ja die von sich selbst sagt, daß sie im Bereich Netzsicherheit kaum bewandert wäre. Schreibt sie jedenfalls hier.

Die arme Frau! Auch sie wurde durch Doppelwesen ersetzt.

Professor Dr. Z.
Nicht immer muß die Ersetzung durch die geheimnisvollen Doppelwesen schlecht sein. Manchmal kann man sich auch beruflich verbessern.

Der echte Professor Dr. Z. hatte es nicht so sehr mit den Netzwerken und deren Sicherheit. Zwar war er einmal Leiter der IRA, aber da kam nichts bei heraus, deshalb hat man ihm die weggenommen. Dann war er Leiter des Technischen Beirats, aber da kam auch nichts dabei heraus, deshalb hat man ihm den wieder weggenommen. Dann wollte er das Fakultätsnetz absichern, mit der "Virtual Department Architecture", aber da kaum auch nichts heraus als eine Graphik mit bunten Kreisen. Und so wundert es nicht, daß die Universität 1999 auf eine Anfrage des Ministeriums noch mitteilte, wer sich an dieser Fakultät auf Netzwerksicherheit verstehe, Z. aber nicht dazugehörte.

Dann kamen die Doppelwesen, und plötzlich ging's voran. Die Universität gab sehr viel Geld aus, damit er HUELKA entwickelte, und man gab ihn plötzlich als einen der beiden einzigen Sicherheitsexperten der Fakultät aus. So gut und so toll sei er, daß niemand anders seine Gutachten zur Sicherheit nachvollziehen könnte, nicht einmal der Prof. J., der für so etwas DM 3.000,- nimmt, und auch nicht die Professorin Z., die ja immerhin mit der Telekom Projekte durchführt. Und zum Beweis seiner wissenschaftlichen Fähigkeiten genügt ihm in einem wissenschaftlichen Gutachten als einzige Literaturangabe ein Verweis auf "Das Kuckucksei".

Wurde er kurz zuvor noch als im Bereich Netzwerksicherheit nicht kompetent eingestuft, ist er jetzt zu einer der beiden Kapazitäten aufgestiegen, an die kein anderer Professor der Fakultät herankommt. Den Doppelwesen sei Dank, welch eine Karriere.

Professor Dr. B.
Auch von ihm gibt es schon seit Jahren zweie. Die Besonderheit ist hier, daß sich die beiden Doppelwesen nicht einig werden.

So erklärt das eine Doppelwesen, eine Dissertation sei sehr gut. Das andere hält dieselbe Arbeit für völlig falsch.

Ein Doppelwesen brüstet sich damit, ein so lieber Doktorvater zu sein, daß es für einen Doktoranden extra die Anfertigung eines Bundestagsgutachtens über Sicherheitsanforderungen im Medizinwesen eingeworben hätte, damit sein Doktorand gut dasteht und sich gegen die anderen Professoren verteidigen kann. Dann kommt das andere Doppelwesen und lehnt die Dissertation gleich selbst ab, weil der Doktorand zwar das Bundestagsgutachten geschrieben, dann aber nicht bestätigt hatte, daß das Bundestagsgutachten von Prof. B. stammen würde.

Das eine Doppelwesen gilt als die Koryphäe der Fakultät im Bereich Netzwerksicherheit und Kryptographie. Das andere scheitert schon an einfachen Fragestellungen und schreibt in seinen Gutachten aus der Tageszeitung ab.

Da ist den Körperfressern wohl die Koordination der beiden Wesen mißlungen. Dafür haben sie die Wesen mit wundersamen Fähigkeiten ausgestattet, denn sie können mit Toten kommunizieren, sind nicht an Raum und Zeit gebunden, und auch Mathematik und Logik gelten für sie nicht mehr.

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